Sonntag, 4. März 2012

111 »Die Monsterbauten von Malta«

Teil 111 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Geheimnisvolles Malta
Foto: NASA
Malta ist ein Zwergstaat im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man die Nebeninsel Gozo mit einbezieht ... dann ist das mysteriöse Eiland nicht größer als Bremen. Mit einer Fläche von 316 Quadratkilometern erscheint Malta als kleiner Klecks auf dem Globus. Und doch gehört das Eiland zu den geheimnisvollsten Gefilden unseres Planeten.

Wieso wurden auf dem kargen Fleckchen Land – keine 100 Kilometer südlich von Sizilien gelegen – 25 Tempel errichtet? Wozu benötigten die Steinzeitmenschen von Malta ... es waren vor Jahrtausenden eher Hunderte als Tausende ... gleich 25 Tempel? Und warum wurden diese sakralen Bauten so angelegt, als hätten Riesen mit gigantischen Steinquadern gespielt? 25 Monsterbauten stehen in keinem Verhältnis zur Mini-Inselwelt von Malta.

Ein Beispiel: Die Ruinen des Tempels von Hagar Qim. Die verwirrende Anlage sieht so aus, als hätten Kinder Bauklötzchen aneinander gereiht und aufeinander getürmt, um so etwas wie ein Märchenschloss zu bauen ... mit vielen Türchen und Toren, verschachtelten Höfen und kleinen Plätzen. Von »Bauklötzchen« aber kann nicht die Rede sein: einer der monströsen Kolosse ist über fünf Meter hoch und über einen Meter dick! Ein anderer ist knapp sieben Meter lang und über drei Meter breit. Seine »Dicke«: etwa 75 Zentimeter!

Hagar Qim - Foto: W-J.Langbein
Bislang habe ich keine glaubhafte Erklärung gefunden, wie derartige Steinmonster transportiert wurden. Gewiss, sie wurden aus »weichem« Kalkstein gemeißelt. Dafür können sehr wohl primitive Faustkeile benutzt worden sein. Wie aber hat man die wuchtigen Steinkolosse befördert? Hagar Qim entstand, so lautet übereinstimmend die Meinung der Wissenschaftler, in mehreren Etappen. 3700 und 2700 vor Christus wurde an Hagar Qim gearbeitet. Die Ausrichtung des verwirrenden Tempelkomplexes wurde mehrfach geändert, da und dort wurden »Kammern« ergänzt ... nach wessen Plan? Und wenn vor Jahrtausenden über Jahrhunderte hinweg auf der riesigen Baustelle gearbeitet wurde ... wer hatte die Bauaufsicht? Wer entwarf die Baupläne, als es keinerlei Schrift gab?

Im Verlauf mehrerer Malta-Aufenthalte kroch ich immer wieder in Hagar Qim umher. Die wuchtigen Steinkolosse wurden mit Präzision aneinandergefügt. Der verschachtelte Bau muss sorgsam geplant, die riesigen Bauelemente müssen vorher entsprechend der Pläne exakt vorbereitet worden sein. »Kleeblatt-Form« sei, so lese ich immer wieder, die Grundform der meisten Tempel. »Einst gab es unterirdische Grabhöhlen, in denen die vornehmen Toten bestattet wurden!« erklärte mir vor Ort ein Wissenschaftler. »Die wuchtigen Tempel sind überirdische Nachbildungen der unterirdischen Anlagen! Kollege widersprach energisch: »Umgekehrt verhält es sich, genau umgekehrt!« Die unterirdischen Grabanlagen von Malta seien Nachbildungen der überirdischen Tempelkomplexe.

Hagar Qim - Foto: W-J.Langbein
Während Experten über die unterirdischen Tunnel und Grabanlagen streiten ... erfreut sich die mysteriöse Unterwelt von Malta bei der einheimischen Bevölkerung keiner besonderen Beliebtheit. So werden zwar auch heute noch immer wieder – etwa beim Ausschachten von Kellerräumen – unterirdische Kammern entdeckt. Offiziell müssten solche Entdeckungen den amtlichen Behörden gemeldet werden. Das aber geschieht so gut wie nie. Müssen doch die »Häuslebauer« damit rechnen, dass dann ihr Grundstück enteignet wird. Ich selbst durfte einmal mit Erlaubnis des Hausbesitzers in einen muffigen Kellerraum steigen ... nachdem ich hoch und heilig versprochen hatte, niemandem zu verraten, wo ich was gesehen habe! Lachend erklärte mir der Hausbesitzer in gebrochenem Englisch: »Solche geheimen Entdeckungen gibt es viele auf Malta!«

Der Autor in Hagar Qim - Foto: Ilse Pollo
Eine schwache Glühbirne flackerte an der bröckelnden Decke. Hinter einem Regal mit süßsauer eingelegtem Kürbis verdeckte ein wollener Teppich ein etwa einen Quadratmeter großes Loch. Auf meine wiederholte Bitte wurde der Teppich abgenommen. Ich leuchtete mit meiner Taschenlampe hinein.

Die Größe des Raums konnte ich nur vage abschätzen. Er war wohl einst – etwa – fünf Meter im Quadrat und mindestens drei Meter hoch. An einer Seite machte ich – halb reliefartig herausgearbeitet – so etwas wie »Säulen« aus. Sie reichen von einem schmalen Sockel am Boden bis unter die Decke. Ein gutes Viertel des Raums war vom Boden bis zur Decke mit Geröll gefüllt. »Vielleicht gab es hier einst einen Ausstieg nach oben...«

Der Lichtkegel wandert über die Wände. Da und dort, so scheint es mir, hat man mit Hammer und Meißel Löcher in die Wände geschlagen, wohl auf der Suche nach vermeintlichen Schätzen. Ob man fündig wurde? Der Besitzer schwieg wie ein Grab. Ob ich fotografieren darf, frage ich höflich. »Auf keinen Fall!« Ist es erlaubt, durch das Loch in den angrenzenden Raum zu klettern? Auf keinen Fall. Das sei zu gefährlich. Immerhin darf ich meinen Kopf durch das Loch stecken. Mühsam gelingt es mir, auch noch Platz für meinen Arm zu finden. Der Lichtkegel schleicht nun über die glatt polierte Decke und den etwas raueren Boden. Im Boden fallen mir wiederum einige offensichtlich frisch gemeißelte Löcher auf.

Nach längerem Rückfragen gibt der Hausbesitzer zu: »Unter diesem Raum gibt es einen weiteren. Vom tieferen Raum führt eine schmale Treppe nach oben ... « Die sei aber »wohl schon vor Ewigkeiten« eingestürzt. »Und wenn man etwas von dem Schutt herausholt ... rutschen weitere Steinbrocken und Sand nach ...« Und eine weitere Etage tiefer ... mag es noch einen Raum geben. »In solchen Räumen ...« erfahre ich ... »wurden schon manches Mal Sachen gefunden«. Sachen ... frage ich nach. »Naja, so kleine Figürchen aus Stein ... von fetten Weibern!«

Eine schlafende Muttergöttin von Malta
Foto: W-J.Langbein
Natürlich ist jeder Entdecker archäologischer Objekte verpflichtet, seine Funde zu melden. Wie häufig Archäologisches gefunden ... und einbehalten wird? Niemand vermag das zu sagen. Fakt ist: Unzählige archäologische Funde – von Statuetten und Statuen unterschiedlichster Größe belegen, dass es vor Jahrtausenden auf Malta einen Kult der Muttergöttin gegeben haben muss. In privaten Sammlungen, aber auch in offiziellen Museen sah ich diverse »Exemplare« dieser Muttergöttin. Ob nur wenige Zentimeter klein ... ob über lebensgroß ... immer wurde diese Göttin mit sehr femininen, drall-ausladenden Formen dargestellt.

Für mich gibt es keinen Zweifel: Malta war vor vielen Jahrtausenden Zentrum einer matriarchalischen Religion, in deren Mittelpunkt eine Erdgöttin stand, die über Leben, Sterben und Geburt »regierte«. Es war eine Göttin der Fruchtbarkeit, die in den unterirdischen Höhlen von Malta angebetet wurde. Meiner Überzeugung nach sind die Monstermauern von Malta Überbleibsel einst gigantischer Tempels, die Nachbildungen der Höhlen darstellten. DIE Urgöttin wurde weltweit – zum Beispiel auch in Ägypten, bevor die Pyramiden gebaut wurden – in unterirdischen Kammern verehrt. Unterirdische Höhlen – künstliche wie natürliche – wurden als besonders heilig angesehen, als »Gebärmutter« der Erde, aus der alles Leben hervorging.

Fast alle der Muttergöttinnen von Malta scheinen Schwangere zu zeigen. Was mir aufgefallen ist: Bei der überwiegenden Mehrzahl dieser Figürchen und Figuren fehlt der Kopf. Häufig liegt eine Hand der Göttin auf ihrem Leib, so, als solle die Schwangerschaft betont werden. In einem einzigen Fall wurde meines Wissens nach eine komplette Darstellung einer Malta-Göttin gefunden, tief unter der Erde in einem bunkerartigen Keller, mehrere Etagen unter der Erdoberfläche.

Lesetipp: Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Die Göttin von Malta«,
Teil 112 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 11.03.2012


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Montag, 27. Februar 2012

Twin-Pryx von John Asht

Würdigung eines Romans von
Walter-Jörg Langbein


Twin Pryx
Unzählige Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahrhunderten eine nicht mehr zu überblickende Fülle an Wissen zusammengetragen. War einst der Universalgelehrte das Ideal schlechthin, so ist heute an die Stelle des »Genius universalis« der Spezialist getreten. Spätestens im 19. Jahrhundert begann auf allen Gebieten der Wissenschaften die Spezialisierung. War einst die Physik ein wichtiger Zweig von mehreren am »Baum der Erkenntnis«, so ist heute die Physik ein höchst komplexes Gebiet der Naturforschung, auf dem sich unzählige Spezialisten tummeln. Auch und gerade die moderne Physik verdeutlicht den Weg, den die Wissenschaften im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte gegangen sind: vom möglichst umfassenden Gesamtbild zum immer kleiner werdenden Teilaspekt.

Einst war den Menschen die Natur rätselhaft. Naturphänomene wie Donner und Blitz wurden himmlischen Mächten zugeschrieben. Die Wissenschaften setzten auf Forschung und entschleierten das Geheimnisvolle. Sie entdeckten Naturgesetze, sie machten das Wirken von Göttern obsolet. Je mehr aber über die Struktur der Wirklichkeit bekannt wurde, desto geheimnisvoller erscheint die Realität. Die heutige Quantenphysik, zum Beispiel, sprengt schon längst die menschliche Vorstellungskraft. Was sind Quanten? Warum agiert das gleiche Objekt mal wie ein Teilchen, mal wie eine Welle?

Vor Jahrtausenden unterschied man zwischen dem allgemein zugänglichen Wissen (»Exoterik«) und den Erkenntnissen, die nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten zugänglich sind (»Esoterik«, inneres Wissen). Die moderne Wissenschaft entwickelt sich wieder zur Esoterik. So ist die moderne Quantenphysik heute (nach der ursprünglichen Definition des Begriffs) esoterisch. Bislang sind alle Versuche gescheitert, eine nachvollziehbare Theorie für alle in der Realität wirkenden Kräfte zu formulieren.

Unzählige Wissenschaftler haben umfangreiches Wissen erarbeitet, sich dabei immer stärker spezialisieren müssen. Sie scheiterten aber bislang beim Versuch, so etwas wie eine universelle, allgemeingültige Weltformel zu entdecken.... nach der immer noch gesucht wird. Gibt es so etwas wie eine Kraft, die alle Erscheinungsformen der Wirklichkeit erklärt? Gibt es so etwas wie ein Naturgesetz, das die Realität in ihrer unüberschaubaren Komplexität wirklich verständlich macht?

So lange es keine einheitliche Theorie aller Grundkräfte gibt, sind Philosophen gefordert... oder Schriftsteller.

Seit mehr als drei Jahrzehnten erkunde ich die Welt, bereise stets auf den Spuren der großen Geheimnisse unseres Planeten. In dreißig Büchern habe ich vor allem das Geheimnisvolle und Rätselhafte beschrieben. Ich habe mich – auch – mit der alten Tradition der Esoterik auseinander gesetzt. Gibt es Zusammenhänge, gibt es Verbindungen zwischen scheinbar voneinander unabhängigen Geschehnissen? Gibt es so etwas wie Schicksal? Gibt es wirklich die Freiheit des Individuums, eigene Entscheidungen zu treffen? Oder gibt es so etwas wie eine höhere Macht, die uns Menschen lenkt.... wie Marionetten? Unzählige Fragen warten auf Antworten. Gibt es die eine Antwort auf alle Fragen, die von den Quantenphysikern gesucht wird?

Ich lese in erster Linie Fachliteratur, nur ganz selten Romane. John Asht ist nun ein fulminanter Roman gelungen, der mich von der ersten bis zur letzten Zeile in seinen Bann gezogen hat. Warum? Sein Werk lässt sich nicht in eine der bei uns Deutschen so beliebten Schubladen einordnen. Es ist wie ein Werk von Jules Verne, das uns um die Welt zu fantastischen Schauplätzen führt. Es ist wie ein Werk von Hans Küng, das uns religiöse Hintergründe erklärt. Es ist wie ein Kompendium der Esoterik, das uns in die Welt der unsichtbaren Kräfte einführt. Es ist ein Buch, das in einer komplexen Handlung die Grenzen zwischen Realität und Phantasie verschwimmen lässt. Es ist ein Buch, das uns zum Nachdenken anhält: über die Wirklichkeit hinter der scheinbaren Wirklichkeit... und das auf unterhaltsame, spannende Art und Weise.

Um zu erkennen, wie hintergründig »Twin-Pryx« von John Asht ist, muss man aber die Bereitschaft mitbringen, sich wirklich auf diesen »fantastischen Abenteuerroman« einzulassen. Um »Twin-Pryx« wirklich auch nur ansatzweise verstehen zu können, muss man die mehr als 900 Seiten wirklich gründlich lesen, ja studieren... ja mehrfach auf sich wirken lassen.

Mich jedenfalls hat John Ashts Gesamtszenario gefesselt, mehr als jedes wissenschaftliche Werk, mehr als jede philosophische Abhandlung, mehr als jede religiöse Diskussion. Mich hat die Fülle begeistert, die »Twin-Pryx« bietet.. die Fülle an Denkanstößen, die Fülle an Gedanken zur Wirklichkeit, die Fülle an fundiertem Wissen aus unterschiedlichsten Quellen... von den verbotenen Büchern der Apokryphen bis zu den Legenden der Kelten, von der Apokalypse der Bibel bis zur Esoterik der »Alten Ägypter«.

John Ashts »Twin-Pryx« ist ein spannender Roman, der das Zeug dazu hat, unzählige Diskussionen anzuregen, etwa über den Sinn des Lebens. Damit der Roman diese erfreuliche Wirkung entfalten kann, damit man den tieferen Inhalt dieses Romans erkennen kann... muss man sich allerdings auf »Twin-Pryx« einlassen. Man muss das opulente Werk wirklich gründlich lesen.

Damit sind aber, so fürchte ich, in unserer Welt der schlichten Fernsehunterhaltung viele Zeitgenossen überfordert. Das aber darf man dem Roman nicht anlasten!

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