Donnerstag, 29. März 2012

Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors

Teil 2: Zum 100. Todestag
Walter-Jörg Langbein


Karl May 1907
Foto: Erwin Raupp
Rudolf Lebius (1868-1946) schrieb Artikel für die SPD-Parteizeitung »Vorwärts«.
Verleumderische »Berichte« brachten ihm Gefängnisstrafen ein. Lebius wechselte Jahre später seine politische »Überzeugung« ... wanderte von links nach rechts. Er wetterte gegen SPD und Gewerkschaften und gab – dank einer Erbschaft war ihm das möglich – nationalsozialistisch-rechtsradikale Blätter heraus, die allerdings bald wieder eingestellt werden mussten. 1918 – 6 Jahre nach dem Tod Karl Mays – gründete Rudolf Lebius eine rechtsradikale Partei. Im Parteiprogramm standen der Kampf gegen das »Großkapital« und alles »Undeutsche«. Gefordert wurde ein striktes Aufnahmeverbot für Juden in den Staatsdienst. 1923 löste sich die Partei wieder auf.

Im Frühjahr 1904 schlug Lebius Karl May ein »Geschäft« vor: Er würde Propaganda für den Schriftsteller machen, wenn er dafür ein »Darlehen« eingeräumt bekäme. Karl May lehnte ab und reagierte auch nicht auf eine erpresserische Karte. Voller Wut startete Lebius nun eine wahre Hetzkampagne gegen Karl May. Seine Attacken basierten auf zweifelhaften Informationen von Mays erster Ehefrau und bösartigen Fantasien. Lebius sorgte für die Veröffentlichung abstrusester Verleumdungen. So machte er Karl May, der für seine eher harmlosen Delikten hart bestraft worden war, zum »Räuberhauptmann«.

Rudolf Lebius führte voller Hass geradezu einen Kreuzzug gegen Karl May. Er stellte ihn als gemeinen Unhold ohne Anstand und Moral dar. Karl May sei nicht nur ein arger Schwindler, sondern ein geborener Verbrecher. Somit sei er ein Verderber der Jugend. Genüsslich zerrte Lebius Mays Jahrzehnte zurückliegende Vorstrafen ans Licht der Öffentlichkeit. May sah sich genötigt, unzählige Prozesse gegen Rudolf Lebius zu führen. Die Gerichtsverhandlungen zerrten an den Nerven Mays, zerrütteten ohne Zweifel die Gesundheit des beliebten Schriftstellers. Es sollte Jahre dauern, bis Karl May vor Gericht Recht erhielt. So wurde die Verbreitung einer Broschüre, von Lebius verfasst, die uralte Gerichtsakten enthielt, am 13. Dezember 1910 verboten.

Karl-May-Autograph
Sammlung: Langbein
In einem privaten Brief an die Opernsängerin vom Scheidt bezeichnete Lebius Karl May als »geborenen Verbrecher«. Eine Klage Mays gegen Lebius wurde zunächst gerichtlich abgewiesen. Der Ausdruck »geborener Verbrecher« stelle als »wissenschaftlicher Terminus« keine Beleidigung dar. May ging in die Berufung. Am 18. Dezember 1911, wenige Monate vor Mays Tod, erhielt Karl May endlich Recht. Lebius wurde zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt: wegen Beleidigung. Noch einige Klagen gegen Lebius sollten vor Gericht entschieden werden. Sie wären mit großer Wahrscheinlichkeit zugunsten Mays ausgefallen. Doch Karl May verstarb am 30.März 1912 ...

Karl May war, was einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist, auch ein politischer Mensch. So stand er der berühmten österreichischen Schriftstellerin, der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (1843-1914) nahe. Bertha von Suttner darf als Begründerin der heutigen Friedensbewegung angesehen werden ... 1892 rief die Schriftstellerin – »Die Waffen nieder!« (1889) dürfte ihr wichtigstes Werk sein – mit Gesinnungsgenossen die »Deutsche Friedensgesellschaft« ins Leben. Für ihr Wirken erntete sie von Zeitgenossen heftigste Angriffe. Während deutsche Politiker schon bedenklich mit den Säbeln rasselten, setzte sie sich für Frieden und Völkerverständigung ein. Von Suttner wurde als »Friedensfurie« und »Judenbertha« tituliert. Bertha von Suttner sah in Karl May einen Gesinnungsgenossen. Mit Recht: So machte sie Karl May – vor dem Ersten Weltkrieg – für eine Aussöhnung mit dem vermeintlichen »Erzfeind« Frankreich stark.



Am 15. Oktober 1905 besuchte Karl May mit seiner Frau einen Vortrag Bertha von Suttners in Dresden. Am 17. Oktober 1905 schrieb Karl May der Baronin (1): »Wir saßen auf der ersten Reihe, Ihnen grad vis-a-vis. Denn wir wollten Ihnen so nahe wie möglich sein; wir hatten Sie noch nie gesehen, obgleich wir Ihr großes, segensreiches Wirken und auch alle Ihre Bücher kennen. Wir freuten uns unendlich über die Gelegenheit, Ihre weithin schallende, gewichtige Stimme, die uns bisher nur schriftlich erklungen war, nun auch in Wirklichkeit zu hören. Und wir hörten sie, bis zur tiefsten Erschütterung. Meine Frau, die Gute, weinte, und auch ich wehrte mich der Thränen nicht.«

Bertha von Suttner, 1896
Foto: Martin Maack
Heute ist in der Öffentlichkeit Karl Mays Nähe zur frühen Friedensbewegung so gut wie vergessen. Im »III. Reich« jedoch war sie für »echte Nationalsozialisten« Anlass genug, Karl May zu beschimpfen. So veröffentlichte Wilhelm Fronemann anno 1934 eine »Denkschrift« mit dem Titel »Karl May und die Jugend des Dritten Reiches« (2). Darin heiß es, Karl May sei ein »leidenschaftlicher Verfechter einer weitgehenden Rassenmischung aus ganz sentimentalen Menschlichkeitsgründen« sowie ein »Verteidiger eines verwaschenen Pazifismus« gewesen.

Weiter ist da zu lesen: »Haben wir nicht unsere Schülerbüchereien von Juden, Pazifisten, Marxisten und sonst allem Undeutschen gereinigt? ... Karl May paßt zum Nationalsozialismus wie die Faust aufs Auge!«

Wenige Tage vor Weihnachten 1910 stand es sehr schlecht um Karl Mays Gesundheit. Eine Lungenentzündung fesselte ihn ans Bett. Karl May, durch nervenaufreibende Prozesse geschwächt, stand dem Tode näher als dem Leben. Fast schon trotzig schleppte sich der Greis zu erschöpfenden Prozessterminen. Dreizehn Strafverfahren und drei Zivilprozesse im Jahre 1910 hatten deutliche Spuren hinterlassen. Erholt hat sich Karl May nicht mehr wirklich. Seinen 70. Geburtstag erlebte der greise Schriftsteller in »Villa Shatterhand«, (3) »körperlich vom Tode gezeichnet, geistig und seelisch aber in unverminderter Frische«.

Karl May in Wien,
22. März 1912
Foto: Archiv Karl
May Gesellschaft
Gegen ärztlichen Rat reist Karl May im Frühjahr 1912 nach Wien. Hier entsteht das wahrscheinlich letzte Foto von Karl May. Wir sehen Karl May, von Krankheit gezeichnet, vor einer Motordroschke stehen.

Am 22. März hält er auf Einladung Bertha von Suttners einen zweistündigen Vortrag über seine Friedensvorstellung. May-Biograf Hermann Wohlgeschaft (4): »Über Mays Begrüßung durch das Publikum hieß es in der Presse am folgenden Tag: ›Er wird jubelnd begrüßt, und da er sich linkisch, unbeholfen, sichtlich überrascht bedankt, wird der Beifall zehnfach stärker. Die Jungen erhoben sich von den Sitzen und grüßten den Mann, der ihnen den Winnetou schenkte.‹ ... Der Vortrag handelte über Mays Leben und Werk sowie den Entwicklungsgedanken und die Weltfriedensidee.«

Karl May erlebt in der Kindheit bitterste Not. Er wird straffällig, wird hart bestraft, sitzt wiederholt im Gefängnis. Das kaum Vorstellbare gelingt ihm: Aus dem Zuchthäusler wird ein viel schreibender Redakteur und schließlich ein erfolgreicher Buchautor ... der auflagenstärkste Autor deutscher Sprache.

Karl May erwirbt sich Ansehen und Reichtum, wird aber im Alter von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein Erpresser initiiert eine Hetzkampagne. Unzählige Reporter zelebrieren genüsslich die Demontage Mays. Glanz und Elend bestimmen das Leben des Erfinders von Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi, von Hadschi Halef Omar, von Old Surehand, Sam Hawkens und Nscho-tschi, von Ribanna, Lord Lidsay, Lord Castlepool, um nur einige Charaktere aus dem großen Kosmos des Karl May zu nennen.

Grabstätte May
Foto: Norbert Radtke
Und dann gibt es noch den »unbekannten« May, der im Alter der Friedensbewegung Bertha von Suttners nahesteht. Erschöpft von zahllosen Prozessen findet er wieder Anerkennung. Wenige Tage vor seinem Tod jubeln ihm Tausende zu. So wird Mays Leben zu einer Reise aus dem Elend in den Glanz und wieder zurück. Am Ende aber triumphiert Karl May dann doch.

Am 23. oder 24. März 1912 ist er wieder im heimischen Radebeul. Am 30. März 1912, dem Hochzeitstag mit seiner zweiten Frau Klara, plant der Schriftstelle noch einen Kuraufenthalt. Er bittet seine Frau, alles für eine Kur in die Wege zu leiten. Doch am Nachmittag verfällt er, so berichtete später Klara May, in ein »eigenartiges waches Träumen«. Um 19 Uhr legt er sich zur Ruhe. Gegen 20 Uhr richtet er sich plötzlich im Bett auf ... und sinkt ermattet und doch »mit verklärtem Ausdruck zurück«. Seine letzten Worte, so wird überliefert, sind »Sieg, großer Sieg, Rosen, rosenrot!«

Unterschriften Klara und Karl May
Karl May stirbt am Abend des 30. März 1912 ... vor einhundert Jahren! Auch hundert Jahre nach seinem Tod wird Karl May gelesen. Auch hundert Jahre nach seinem Tod kennt man den Namen des berühmten Sachsen. Den seines schlimmsten Widersachers hat man weitestgehend vergessen. Er ist nur noch Experten bekannt.

Karl Mays letzte
Ruhestätte, Friedhof
Radebeul Ost
Foto: Norbert Radtke
Fußnoten
1: Wohlgschaft, Hermann: »Karl May/ Leben und Werk«, Band 3, Bargfeld/ Celle 2005, S. 1605
Diese umfangreiche Biografie in drei Bänden sei jedem Karl-May-Freund wärmstens empfohlen. Wer sich fundiert über Karl May informieren möchte, kann auf die Lektüre des Standardwerks nicht verzichten!
2: Erich Heinemann, »Karl May paßt zum Nationalsozialismus wie die Faust aufs Auge«, Beitrag im Jahrbuch der »Karl-May-Gesellschaft«, Husum 1982
3: Wohlgschaft, Hermann: »Karl May/ Leben und Werk«, Band 3, Bargfeld/ Celle 2005, S. 1996
4: ebenda, S. 1997/98
5: ebenda, S. 2003



Karl May- Glanz und Elend eines Bestsellerautors
Teil 3: Karl May, Marie und ich
Walter-Jörg Langbein
erscheint am 7.April 2012

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Sonntag, 25. März 2012

114 »Ein ungelöstes Rätsel«

Teil 114 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Zyklopenbauten von Malta
Foto W-J.Langbein
Drei Rätsel gibt es auf Malta: Die gigantischen Tempel aus monströsen Steinriesen, die zyklopenhafte Unterwelt des Hypogäum und die geheimnisvollen »Geleise«. Am grünen Tisch lassen sich leicht Lösungen finden. Beispiel: Die großen Monolithen aus Stein wurden auf Karren über die Insel transportiert und zu Tempeln aufgetürmt. Die »Geleise« wurden von den Rädern in den Stein geschnitten.

Die Tempel lassen uns auch heute noch staunen. »Primitive Steinzeitmenschen« haben diese Denkmäler definitiv nicht erschaffen! Unser Bild von den Menschen der Vorzeit muss überdacht und korrigiert werden! Rasch wird verkündet, die Rätsel der Vorzeit seien längst »geknackt«. Lautstark werden Theorien publiziert, die zum Beispiel die gewaltigen Steintransporte mit simpelsten Tricks ermöglichen ... und ohne technische Hilfsmittel.

Auf dem Papier mögen solche Antworten plausibel erscheinen ... besonders dann, wenn man zum Beispiel die zyklopenhaften Steine in ihrem gewaltigen Ausmaßen nicht kennt. Wenn man aber vor Ort auf Malta die Geheimnisse der Insel hautnah erlebt ... vergisst man rasch »einfache« Antworten!

Monströse Tempel geben
Rätsel auf - Foto W-J.Langbein
Vor Ort erkennt man rasch, dass vordergründig einleuchtende »Erklärungen« mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Immer wieder ist zu lesen: Die »Geleise« entstanden, weil dort Karren auf Rädern entlang fuhren. Das ist unmöglich. So sind die Rillen im Stein oft viel zu tief, als dass darin Räder laufen könnten. Hunderte von »Geleis-Rillen« habe ich vermessen. Ich notierte unzählige Ergebnisse. Die Doppelspuren weisen Spurbreiten zwischen 65 und 125 Zentimetern auf. Es müsste also vor Jahrtausenden Vehikel mit unterschiedlichsten Spurbreiten gegeben haben.

Die Rillen laufen zudem keineswegs exakt parallel zueinander. Das heißt: die Spurbreite ändert sich bei jedem Rillenpaar ständig. Damit ein Karren mit seinen Rädern in den Rillen fahren kann, müsste er ständig seine Spurbreite ändern. Das wäre allenfalls mit Gummiachsen möglich. Fazit: Zwei- oder gar vierräderige Vehikel können die »Geleis-Rillen« auf keinen Fall verursacht haben. Zudem müsste es Spuren der Zugtiere geben. Es gibt sie nicht.

Alternativvorschlag: Es wurden auf Malta viele Steinkugeln gefunden. Diese Kugeln rollten in den Steinrillen. Und auf den Kugeln ruhten die Monolithen, die auf diese Weise zu den Tempeln geschafft wurden. Zugtiere sind nicht erforderlich. Die Steine auf den Kugeln wurden von Menschen geschoben und gezogen. In der Realität passt diese »Erklärung« nicht zu den Rillen!

Gibt es eine Beziehung zwischen Tempeln und Geleisen?
Fotos:Ilse Pollo (Foto mittig) und Walter-Jörg Langbein

Nehmen wir an, wir wollen eine Steinkugel von dreißig Zentimetern Durchmesser in einer Rille laufen lassen. Dann muss die führende Rille dreißig Zentimeter breit sein. Sie darf aber nicht dreißig Zentimeter tief sein. Muss doch die Kugel oben aus der Rille herausragen, damit man eine Last auf der Kugel ablegen kann. Bei Mansija ist so eine Rille rund zehn Zentimeter breit, aber bis zu sechzig Zentimeter tief. In dieser Rille kann nur eine Kugel von zehn Zentimeter Durchmesser rollen ... einen halben Meter unter der Oberfläche – ungeeignet für den Transport von Lasten.

Könnte es ein bislang unbekanntes Transportsystem gegeben haben, das die mysteriösen Rillen nutzte? Denkbar ist das. Aber: Tagelang folgte ich unzähligen »Geleis-Spuren«. Sie führen überall hin, nur nicht zu Tempeln. Es gibt also definitiv keine Verbindung zwischen den »Geleisen« und den Tempeln!

Noch ein »Lösungsvorschlag«: Die Rillen dienten nicht als Führung für Räder. Vielmehr war das komplexe Rillen-System so etwas eine Art Kanalisation. In den Rillen floss Wasser. Auch diese »Lösung« erweist sich aus mehreren Gründen als vollkommen unsinnig! Zwei kleine, parallel nebeneinander laufende Rillen sind absurd. Es sei denn – Achtung, Ironie! – eine Rille führte kaltes, die andere heißes Wasser!

Präzise geschnitene Rille.
Foto W-J. Langbein
Die einzelnen Rillen verlaufen heute noch Hunderte Meter weit. Sie mögen einst Kilometer lang gewesen sein, wurden aber im Verlauf der letzten Jahrhunderte teilweise zerstört. So bleiben nur noch kürzere Teilstrecken übrig. Ob kurz oder lang: Wasser fließt immer nur bergab. Die »Geleise« von Malta aber folgen dem Terrain. Sie führen ebenerdig, steigen dann eine sanfte Anhöhe empor und streben dann wieder nach unten. Wasser kann diesem steten »Bergan« und »Bergab« nicht folgen!

Je intensiver man sich mit Malta beschäftigt, desto rätselhafter wird die Insel. Manchmal erinnern die »Geleise« an die Reste eines »Rangierbahnhofs« mit Weichen. Von einem Punkt aus führen die »Geleise« in unterschiedliche Richtungen.

Wenn die »Geleis-Rillen« von Wetterunbilden nicht »angefressen« wurden, vielleicht weil sie viele Jahrhunderte von Erdreich bedeckt waren, erkennt man auch heute noch, wie präzise sie in den Stein geschnitten sind. Keine Frage: Sie wurden, wie auch immer, künstlich angelegt. Die Rillen sind keine Laune der Natur!

Es wird noch verrückter: Manchmal laufen die Rillen schnurstracks auf eine senkrecht abfallende Klippe zu. Sollten da Landmassen abgebrochen und ins Meer gestürzt sein? Andere »Geleise« streben dem Meer zu, kriechen über den steinigen Strand und verschwinden in den Fluten. Ich folgte schwimmend und tauchend so einer Spur ... bis sie sich in den Tiefen des Meeres verlor. Von Anhöhen kann man erkennen, dass sie sehr weit am Meeresboden fortgesetzt werden.

Geleise überall auf Malta
Foto W-J.Langbein
Gibt es eine plausible Erklärung für »Geleise« die an Land beginnen und auf dem Meeresgrund fortgesetzt werden? Ernst von Hesse-Wartegg geht in seinem monumentalen zweibändigen Werk »Die Wunder der Welt« nicht auf die »cart-ruts« ein. Und doch bietet er eine mögliche Antwort für die Frage nach den »Geleisen« auf dem Meeresgrund an. Er schreibt vor dem »Ersten Weltkrieg« (1): »Geradeso wie Sizilien ist auch das unter englischer Herrschaft stehende Malta ein Überrest des versunkenen Kontinents zwischen Afrika und Europa und seinen geologischen Verhältnissen nach nur ein Stück von Tunis. Auch hier blieben bei der großen Katastrophe Menschen übrig, die sich später, vor ungefähr fünf Jahrtausenden, vielleicht mit hinzugekommenen Libyern von Afrika vermengten.«

Malta ist und bleibt rätselhaft. Es wimmelt auf Malta förmlich von mysteriösen Tempeln und Geleisen ... Rätselhaft sind und bleiben die verschachtelten unterirdischen Räume von Malta. Gesichertes Wissen gibt es wenig. Fakt ist: am ältesten ist die unterirdische Anlage des Hypogäums. Völlig zutreffend schreibt Ernst von Hesse-Wartegg (2): »Neben den megalithischen Denkmälern, deren Malta so merkwürdige besitzt, sind nämlich auch solche aus der Bronzezeit vertreten. Nur sind die Denkmäler aus der ältesten Zeit nicht oberirdisch, sondern unterirdisch, wahre Katakomben. Ihr Vorhandensein war selbst den Maltestern unbekannt.«

Sollte das heutige Malta tatsächlich der kleine Rest eines versunkenen Reichs sein ... eines Atlantis im Mittelmeer? Seit rund drei Jahrzehnten beschäftige ich mich intensiv mit Malta ... Die Insel ist ein einziges ungelöstes Rätsel! (3)

Geleise, die ins Nichts führen
Foto W-J. Langbein
Schon seit Jahren protestieren engagierte Vogelschützer gegen den Jagdwahn, der im Frühjahr und Herbst auf Malta ausbricht. Da wird offensichtlich auf alles geschossen, was fliegen kann. An geltendes EU-Recht, das den Abschuss von Sing- und Greifvögeln verbietet, halten sich maltesische Jäger offensichtlich nicht.

Vogelarten, die in anderen europäischen Ländern fast ausgestorben sind, werden auf Malta rücksichtslos abgeknallt ... und das nicht nur zur Jagdsaison. 15.000 und mehr maltesische Jäger scheinen alle Vögel auf dem kleinen Eiland Malta ausrotten zu wollen. Wenn Zugvögel sich ermattet von weiten Marathonflügen auf Malta niederlassen wollen ... warten auf sie schießwütige Jäger.

Langsam scheinen die Proteste Wirkung zu zeigen. So wurden am 6. Juni 2011 zwei maltesische Jäger zu 9.000 Euro Geldstrafe und zwei Jahren Haft und zu 5.000 Euro Strafe und einem Jahr Haft verurteilt ... jeweils ohne Bewährung. Sie hatten streng geschützte Weißstörche erlegt. Bereits im Herbst 2009 untersagte ein Urteil des »Europäischen Gerichtshofes« die auf Malta seit Jahrzehnten zelebrierte Jagdsaison im Frühjahr. Die Jagd auf Zugvögel, die sich dann auf dem Rückflug in ihre Brutgebiete befinden, bedroht den Bestand besonders geschützter Arten, die nach dem Gesetz nicht bejagt werden dürfen.

Blick ins Hypogäum um 1910
Foto Archiv W-J.Langbein
Ich befürchte, dass auch im Frühjahr 2012 europäischer Rechtssprechung zum Trotz wieder rücksichtslos Jagd auf Vögel gemacht werden wird. Abertausende Jäger stellen auf Malta eine mächtige Gruppe von Wählern dar. Haben die Landespolitiker auf der Mittelmeerinsel Angst, sie könnten ihre Wähler verprellen, wenn sie geltendes Recht mit Nachdruck durchsetzen?

Primitiv waren in meinen Augen nicht die steinzeitlichen Erbauer der Tempel von Malta, primitiv sind für mich viele schießwütige maltesische Jäger. So sehr ich das geheimnisvolle Eiland Malta und seine Rätsel schätze, so lange Malta nicht endlich geltendes Recht durchsetzt, kann ich als Tierfreund Malta nicht mehr besuchen.

Fußnoten
1 Hesse-Wartegg, Ernst von: »Die Wunder der Welt«, Stuttgart, Berlin, Leipzig 1912/1913, Band II, S.262
2 ebenda, S. 262 und S. 263
3 Langbein, Walter-Jörg: »Malta – Insel der Tempel und Riesen«, erschienen in der
Zweimonatszeitschrift »astroVita«, Ausgabe März/ April 1982 (Zeitschrift wurde inzwischen eingestellt.)

»Die mysteriösen Steine der Bretagne«,
Teil 115 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 01.04.2012



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