Sonntag, 9. Dezember 2012

151 »Von Pyramiden und heiligen Bäumen«

Teil 151 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Schöpfung nach der Koberger
Bibel von 1483
Foto: Archiv W-J.Langbein
»Hüten Sie sich vor dem heidnischen Aberglauben!« rief mir der Professor noch nach, als ich am Bahnhof in Nürnberg zum Anschlusszug nach Hannover wechselte. Bei einem Zwischenaufenthalt war ich mit dem Kirchengeschichtler ins Gespräch gekommen, hatte ihm von meiner geplanten Reise nach Tikal erzählt. »Müssen Sie denn unbedingt die teuflischen Tempel dieser primitiven Inkas aufsuchen?« Mein Hinweis, dass es in Zentralamerika keine Inkas, wohl aber Mayas gab, beeindruckte ihn nicht. »Das sind alles primitive Heiden ... Mayas wie Inkas! Beschäftigen Sie sich lieber mit unserem Luther und nicht mit den unsinnigen Lehren der Inkas ...« Ich verwies auf meinen gleich abfahrenden ICE und hastete davon. »Hüten Sie sich vor dem Aberglauben!« rief er mir laut nach. »Gott schuf Himmel und Erde ... die Inkagötter sind teuflische Götzen! Besinnen Sie sich der Schöpfung und seien Sie Ihrem Herrgott dankbar!«
Die Bibel ist zwar das meist gedruckte Buch überhaupt, zugleich aber auch eines der kaum wirklich gelesenen Werke. Selbst der Schöpfungsbericht ist nicht wirklich bekannt ... dabei steht er doch ganz am Anfang des ersten Kapitels des ersten Buch Mose. Wer hat ihn wirklich bewusst gelesen, Vers für Vers? So weiß kaum jemand, dass der biblische Schöpfungsbericht voller Widersprüche steckt. Er ist unlogisch aufgebaut! (1)

Einer der heiligen
Ceiba-Bäume
von Tikal
Foto: W-J.Langbein
So heißt es zunächst, die Erde sei wüst und leer gewesen. Dann aber müssen erst die Wasserfluten beseitigt werden, damit die Erde zum Vorschein kommen kann. Gott lässt eine »Feste« entstehen und sorgt dafür, dass das Wasser zurückweicht und die Erde zum Vorschein kommt. Geschieht dies in Finsternis? Nein! Am ersten Tag befielt Gott (2) »Es werde Licht!« So geschieht es auch. Und Gott ist zufrieden mit seinem Werk (3): »Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.« Tag und Nacht kann es am ersten Tag der Schöpfung noch gar nicht gegeben haben, schuf Gott doch nach dem Bibeltext die Sonne erst am vierten Tag!

In Tikal musste ich wieder an die Begegnung mit dem Professor in Nürnberg denken. Während ich Tempelruinen und Pyramiden bestaunte, erklärte ein Archäologiestudent die religiöse Welt von Tikal. »Kennt jemand die biblische Vorstellung von der Schöpfung?« fragt er plötzlich. »Wie sieht das biblische Bild von Erde und Himmel aus?« Ich melde mich. »Nach der Genesis muss man sich, salopp ausgedrückt, die Erde als eine Scheibe vorstellen. Auf dieser Unterlage sitzt so etwas wie eine Käseglocke. Die Bibel nennt sie Feste.« Der Student nickt. »Welchen Zweck erfüllt diese Glocke?« Wieder antworte ich: »Offenbar erfolgte diese Schöpfung unter Wasser. Die Bibel sagt: ›Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern. Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah also.‹ Unter der Glocke leben wir Menschen auf einer Scheibe ... an der Unterseite der Feste kleben Sonne, Mond und Sterne als Lampen. Und über der Feste befindet sich das himmlische Wasser.«

Der kosmische Baum
der Mayas
Foto: W-J.Langbein
Das Weltbild der Mayas in Guatemala war nicht primitiver als das biblische: Im Zentrum der Welt steht der heilige Ceiba als Weltenbaum. Sein tief ins Erdreich vordringende Wurzelwerk steht für die Unterwelt. Der Stamm stellt die Welt von uns Lebenden dar. Hoch oben tragen die Äste das Himmelszelt. Um den Ceiba dreht sich die Welt. Und der Ceiba verhindert die kosmische Apokalypse. Dank des Ceiba-Baums stürzt der Himmel nicht auf die Erde. So hofft der Maya, dass der Ceiba-Baum nicht zu Fall kommt ... und der Himmel oben bleibt. Und der Anhänger des biblischen Weltbildes muss hoffen, dass die Luken in der Himmelskuppel nicht aufklappen ... denn sonst kommt wieder eine Sintflut über die Welt.

Fazit: Beide Weltbilder haben mit der Realität nichts zu tun. Vor allem haben wir nicht das Recht, verächtlich auf die religiöse Welt der Mayas herabzublicken ...

Bis zu fünfzig Meter hoch wird der Ceiba-Baum. Wie eine mächtige Säule wirkt der mächtige Stamm ... er kann mehrere Meter dick werden. Weit ausladend ist die Krone, die Schatten spendet. Scharfe Stacheln wachsen aus dem Stamm, schützen so die großen birnenförmigen Früchte. Wenn ein Baum das Himmelsgewölbe zu tragen scheint, dann ist das der imposante Ceiba-Baum, der bei den Mayas heilig war.

Baum und Pyramide
Foto: W-J.Langbein
In Tikal, der ältesten Maya-Stadt kann man heute besonders imposante Exemplare bewundern. Tikal ist eine Ruinenstadt der Superlative! Auf einem Areal von sechzehn Quadratkilometern sind heute rund viertausend Gebäude und Ruinenreste aus Mayazeiten bekannt! Wann sie entstanden sein mögen? 400 bis 800 nach Christus soll die Urwaldstadt ihre Glanzzeit gehabt haben. Die ersten Siedlungsspuren aber sind sehr viel älter. Sie stammen aus dem frühen ersten vorchristlichen Jahrhundert!

In Tikal gab es eine echte Kultur – mit religiösen Ballspielzeremonien und Schwitzbädern. 200.000 sollen hier gelebt und den himmlischen Göttern gehuldigt haben. Sinn und Zweck der meisten Gebäude sind unbekannt. Düster wirkt das Innere von schmucklosen Räumen. Dienten sie einst als Speicher? Wurden in ihnen Vorräte für die Priesterschaft aufbewahrt? Bereiteten sich in diesen manchmal zellenartigen Gemächern Priester auf die Zeremonien für die Götter vor? Oder waren sie triste Arbeitsstätten für Verwaltungsbeamte, die Statistiken über Geburten und Todesfälle führten? Wir wissen es nicht.

Die Wissenschaft spekuliert ... wie so oft. Und selbstbewusst werden Vermutungen als definitive Wahrheiten ausgegeben.

Pyramiden wie
Ceiba-Bäume
Fotos: W-J.Langbein
Der zentrale Hauptplatz von Tikal muss zur Glanzzeit der Urwaldstadt wirklich sehr beeindruckend gewesen sein. Rund dreitausend Bauwerke gruppierten sich um den Mittelpunkt der Stadt. Im Westen und Osten des Platzes ragten sechs steinerne Pyramiden in den Himmel ... bis zu siebzig Meter hoch. Tikal war schon immer eine Urwaldstadt. Vor einem Jahrtausend war der grüne Moloch Urwald sehr viel dichter, die steilen Pyramiden-Türme überragten selbst die größten Ceiba-Bäume. Und hoch oben auf den Pyramiden thronten Tempel. So ähnelten die Tikal-Türme sehr dem legendären Turm zu Babel.

Wenn man durch Tikal schlendert, dann fällt die große Harmonie auf: zwischen den mächtigen Ceiba-Bäumen und den sehr steilen Pyramiden-Türmen. Es sieht nicht nur so aus, als seien die Pyramiden nach dem Vorbild der Bäume errichtet worden. In der Maya-Mythologie gab es zum Anbeginn nur Wasser und Himmel. Der Ceibabaum verhinderte, dass der Himmel auf die Fluten stürzt. Ceiba-Baum wie steile Stufenpyramiden stellen den Maya-Kosmos dar. Der Platz vor der Pyramide versinnbildlicht das Urmeer. Die Pyramide entspricht dem heiligen Ceiba-Baum.

Ein Tempel auf der Pyramidenspitze
Der Priester, der die steilen Stufen der Pyramide erklimmt ... nähert sich als Vertreter seines Volkes dem Himmel. Wurden im Tempel an der Pyramidenspitze Riten wie im Babylon der Bibel vollzogen? Wurde die »Heilige Hochzeit« vollzogen, dort, wo sich Erde und Himmel begegnen? Schade, dass keine Codices erhalten sind, die wir wie ein Buch lesen könnten, um die Wahrheit über Tikal zu erfahren ...
Monate nach der Rückkehr aus Zentralamerika begegnete mir wieder der Herr Professor. »Na, haben Sie meinem Rat folgend diese teuflischen Inka-Tempel gemieden?« Es fiel mir schwer, lautes Lachen zu unterdrücken. »Ich glaube fast auch, dass diese Pyramiden Teufelswerk sind!« meinte ich ernst. Freudestrahlend klopfte mir der Kirchenmann auf die Schulter. Ich blieb ernst. »Es kann doch nur Teufelswerk sein, wenn Inka-Tempel aus Peru und Bolivien nach Guatemala geschafft wurden!« Der Professor kniff die Augen zusammen: »Wie meinen Sie das?« Geduldig erklärte ich: »Tikal in Guatemala ist Maya-Land. Da dürfte es nur Maya-Pyramiden geben! Wenn es aber Inka-Bauwerke sind, wie der Herr Professor meinen ... Das kann doch nur der Teufel selbst gewesen sein!«

Fußnoten
1 Siehe hierzu Langbein, Walter-Jörg: »Lexikon der biblischen Irrtümer«, München 2006
2 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 3
3 1. Buch Mose Kapitel 1, Verse 4 und 5

»Von Affen und von Drachen«,
Teil 152 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16.12.2012


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Sonntag, 2. Dezember 2012

150 »Von Riesenköpfen und Monsterwesen«

Teil 150 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Einer der Olmekenschädel von
Laventa mit dem Verfasser
(links im Bild)
Foto: Archiv W-J.Langbein
Mannshoch ist der mächtige steinerne Schädel, den ein Farmer um 1850 bei Hueyapan entdeckte. Wer mochte den tonnenschweren Koloss geschaffen haben? Archäologen verirrten sich damals selten in das Städtchen am Popocatépetl im Nordosten des mexikanischen Staates Morelos. Erst anno 1869 publizierte José Maria Melgar y Serrano im Mitteilungsblatt der »Mexikanischen Geographischen und Statistischen Gesellschaft«. Melgar beging einen schlimmen Fauxpas. Er beschrieb das mächtige Haupt so wie es ist, aber eigentlich nicht sein darf. Heute befindet sich der Riesen-Kopf im »La Venta Park« von Villahermosa, Gemeinde Centro, Bundesstaat Tabasco. Wurde der umstrittene Fund tatsächlich in das Freilichtmuseum geschafft? Oder stammen alle Riesenköpfe des Freilichtmuseums aus dem Sumpfland von La Venta? Wie auch immer:

Der Hueyapan-Kopf hat ganz eindeutig negroide Züge: eine breite Base und wulstige Lippen. So konstatierte Melgar anno 1869, der steinerne Kopfe beweise, das in einer sehr frühen Epoche der Menschheitsgeschichte »Neger« in Mexiko gelebt haben müssten!

Monument Nr.1
Foto: Hajor
Der spektakuläre Fund wurde von wissenschaftlicher Seite mehr als stiefmütterlich behandelt! Nie und nimmer durfte er Zeugnis ablegen für Menschen mit negroiden Zügen, die sehr lange vor Columbus Zentralamerika besucht haben müssten! Diese Behauptung durfte nur falsch sein, also lohne es sich nicht, den Kopf in Augenschein zu nehmen. Erst 1906 stattete der deutsche Forscher Eduard Seler dem Stein des Anstoßes einen Besuch ab. Einen Niederschlag in der wissenschaftlichen Literatur hatte diese Visite nicht zur Folge. Erst 1932 wurde der unmögliche Fund »wissenschaftlich« beschrieben: von Albert Weyerstall.

Der »unmögliche« Riesenfund lässt sich einwandfrei zuordnen seine unzähligen riesengroßen »Brüder« und »Schwestern«, nämlich der Olmeken-Kultur. Die Olmeken betraten vor rund 3200 Jahren die Bühne der Geschichte Zentralamerikas. Um 400 vor Christus erlosch der Stern dieses rätselhaften Volkes. Wenn nun die Olmeken eine riesigen Kopf mit negroiden Zügen schufen, schätzungsweise 30 Tonnen schwer, müssen sie da keinen Kontakt mit Schwarzafrikanern gehabt haben? Und das muss lange vor Columbus gewesen sein! Solch frühe Kontakte über den Atlantik hinweg darf es nach noch gültiger Lehrmeinung aber nicht gegeben haben.

Was nicht sein kann, das darf auch nicht sein. Daran ändern auch nichts die zigtonnenschweren Olmekenköpfe, die man im Sumpfland von La Venta in Küstennähe gefunden hat: und sie alle haben negroide Züge ... wulstige Lippen und breite Nasen! Wenn es nur einen solchen Riesenschädel gäbe ... man könnte von einem Zufall sprechen. Das ist aber nicht der Fall! Es gibt eine Vielzahl solcher Kolossalköpfe, und alle haben diese negroiden Züge. Ein Musterexemplar findet sich im »Museo Nacional de Antropología e Historia«, Mexico. Man sieht heute diese tonnenschweren, wuchtigen Plastiken als typisch für die olmekische Kunst an!

Riesenhaupt im Museum
Foto Maunus
Vor Jahren nahm ich an einer spontanen Diskussion im »Museo Nacional de Antropología e Historia« teil. Es ging um die Frage der Olmekenschädel mit den wulstigen Lippen und der breiten Nase. Ich wurde als »Rassist« beschimpft, als ich zaghaft auf das äußere Erscheinungsbild der Kolossalköpfe hinwies. Ich würde mich beleidigend über die frühen Kulturen Mittelamerikas äußern, hieß es. Ich würde den frühen Völkern Mittelamerikas nicht zubilligen, dass sie ihre alten Hochkulturen Mittelamerikas selbst gegründet haben. Ich würde vielmehr behaupten, sie gingen auf Einwanderer aus einem fernen Kontinent zurück. Eine etwa 50-jährige Amerikanerin mit blau gefärbtem Haar und einem Monokel (tatsächlich!) keifte giftig: »Sie berauben die Völker ihrer ureigensten Historie!«

Was für ein Unsinn! Natürlich wurden die frühen Kulturen Mittelamerikas in Mittelamerika von dort Ansässigen gegründet! Natürlich waren es die ortsansässigen Olmeken, die die grandiosen Riesenskulpturen schufen! Aber wen stellten sie dar? Waren es afrikanische Seefahrer, die lange, lange vor Columbus Amerika entdeckten? Erkundeten afrikanische Pioniere Zentralamerika und wurden von einheimischen Künstlern in Stein verewigt? Erwiesen die Olmeken der fremden Seefahrern auf diese Weise ihren Respekt? Meiner Meinung nach ist es rassistisch zu behaupten, afrikanische Seefahrer seien nicht in der Lage gewesen, bis nach Zentralamerika zu gelangen!

Das parkartige Freilichtmuseum von Villahermosa gehört zu den schönsten der Welt. Man kann heute gemächlich und bequem von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück flanieren ... und mysteriöse Kunstwerke aus Stein aus uralten Zeiten bewundern. Man kann sich kaum vorstellen, welche Strapazen Archäologen auf sich genommen haben, um die Kolossalfiguren aus dem Schlamm von La Venta zu bergen. An den Originalschauplätzen von La Venta ist heute erschreckend wenig zu sehen. Wo sensationelle Ausgrabungen vorgenommen wurden ... hat man später mächtig betoniert ... für die Landebahnen des Flugplatzes. Andere Areale wurden bis heute nicht archäologisch untersucht. Unter Erdhügeln scheinen sich Pyramiden zu verbergen. Wann wird man zum Spaten greifen?

»Altar 4« erinnert den heutigen Besucher am ehesten an einen Schreibtisch, unter dem sich jemand versteckt. Bei näherem Betrachten erkennt man aber das Gesicht und den weit aufgerissenen Rachen eines »Monsters«.

Altar 4 - Foto: Ruben Charles
Häufig wird dieses »Monster« als Jaguar interpretiert. Im Mittelpunkt olmekischer Mythologien – vergleichbar mit den ältesten Texten des »Alten Testaments« – steht ein ganz besonderer Schöpfungsakt: Demnach paarte sich einst ein Jaguar mit einer Frau. So entstand ein Geschlecht von Monstern, vergleichbar mit den Werwölfen, nur dass diese Wesen eben Zwitter aus Mensch und Jaguar waren. Aus diesen Mischwesen sollen später die Regengötter hervorgegangen sein.

»Altar 4« zeigt offenbar einen Jaguar, der seinen mit scharfen Zähnen bewehrten Rachen öffnet. Darin sitzt ein menschliches Wesen. Es könnte sich dabei um einen Priester handeln, der so etwas wie einen Totenkopfschmuck trägt. Verschlingt der Jaguar den »Priester« ... oder spuckt er ihn aus? Stellt der Mensch den Tod dar ... oder jemanden, der den Tod besiegt, der aus dem Rachen des Jaguars steigt? Geht es im Bild um Auferstehung, Wiedergeburt und ewiges Leben?

Niemand vermag mit Sicherheit zu sagen, was der »Schreibtisch« wirklich darstellt. Leider sind uns keine Maya-Hieroglyphen an den Monumenten erhalten, die wir wie ein Buch lesen könnten, um uns die steinernen Denkmäler erklären zu lassen. Gab es Codices, die zum Beispiel den Menschen im Monstermaul erklärten? Wir wissen es nicht. Primitiv waren die Schöpfer dieser Skulpturen nicht! Sicher ist, dass die komplexe Kalenderwissenschaft auf die Olmeken und deren Vorläufer zurückgeht!

Mann mit Totenkopf
Foto: W-J.Langbein
Eine mögliche Erklärung für den »Schreibtisch« lautet so: Dargestellt wird ein Herrscher. Er ergreift mit einer Hand ein Seil. Dieses Seil führt um den Altar herum. An den beiden schmalen Seiten des »Schreibtischs« (im Foto nicht zu sehen) waren ursprünglich zwei Gestalten dargestellt. Die Abbildung auf der rechten Schmalseite (im Bild nicht zu sehen) ist allerdings stark verwittert. Sind es Verstorbene, Vorfahren des Herrschers? Nimmt der Herrscher mit den Totengeistern Kontakt auf, um sich Hilfe von ihnen zu erbitten? Stellt also das Seil die Verbindung unserer Welt mit dem Totenreich dar?

Eine andere Interpretation versteht die vermeintlichen »Verstorbenen« ganz anders, nämlich als Gefangene des Königs. Der Herrscher hat ihr Schicksal in den Händen, entscheidet über Leben und Tod!

Je mehr Fachliteratur man liest, in der alte Kunstwerke Zentralamerikas interpretiert werden, desto mehr voneinander abweichende Erklärungen werden einem geboten. Es müsste von Seiten der Wissenschaft sehr viel deutlicher gemacht werden, dass bei den »Erklärungen« sehr viel Fantasie im Spiel ist! Und je weniger von einer Skulptur zu erkennen ist, desto mehr Spielraum wird der Vorstellungskraft geboten. Leider werden aber fantasiereiche Vermutungen gern als gesicherte Erkenntnis vorgetragen.

Noch ein Schreibtisch
Foto: Archiv W-J.Langbein
Ein weiterer »Schreibtisch« ist leider stark beschädigt. Große Teile scheinen abgeschlagen worden zu sein. Man erkennt wieder eine menschliche Gestalt. Sie kauert, mit nach vorn gebeugtem Oberkörper und einer »Zipfelmütze« auf dem Kopf, wieder im Schlund eines Monsters.

Die sitzende Gestalt hält etwas in den Armen. Was das ist, man kann es nicht mehr erkennen. Auch hier gibt es keine übereinstimmende Erklärung. Da ist von einem Menschenopfer die Rede. Wird ein Baby oder ein Kleinkind den nach Blut schreienden Göttern dargeboten? Oder genießt das Baby ganz besonderen Schutz der mächtigen Götter? Oder wird etwas ganz anderes dargestellt, nämlich die geistige Entwicklung des Menschen auf spiritueller Ebene vom Baby zum Erwachsenen? Oder schützt der Mensch – womöglich ein Priester – ein kleines Jaguar-Baby?

Ich habe großen Respekt vor den wissenschaftlich arbeitenden Archäologen. Was mich aber sehr stört: Sehr häufig trägt jeder Experte seine ganz persönliche Erklärung für ein bestimmtes Monument als absolut sichere Erkenntnis vor. In Wirklichkeit aber wird häufig nur spekuliert, wiedersprechen die verschiedenen »Erklärungen« einander.

Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Von Pyramiden und heiligen Bäumen«,
Teil 151 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 09.12.2012


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