Sonntag, 27. April 2014

223 »Das Monster und der Mann mit dem Schlüssel«

 Teil 223 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Das Kreuzabnahmerelief. Foto:
Walter-Jörg Langbein
Das Kreuzabnahmerelief der Externsteine – 3,60 Meter breit und 5,50 Meter hoch –  zeigt eine der tragischsten Szenen des »Neuen Testaments«. Jesus, vor Tagen noch in Jerusalem mit »Hosianna«-Rufen begeistert empfangen, ist tot. Man hat ihn gefoltert und gedemütigt, schmählich war sein Tod zwischen zwei Verbrechern (so die Bibel) am Kreuz. Die Römer haben ihn hingerichtet, gekreuzigt. Diese grausame Todesart war für aufständische Rebellen vorgesehen, die die Obrigkeit der Römer herauszufordern wagten. Jetzt haben Jesu Jünger Angst, Todesangst. Sie fürchten, dass sie von den römischen Häschern ergriffen, verurteilt und hingerichtet werden. Sie sind geflohen, verstecken sich.

Das Evangelium nach Matthäus (1) waren es vor allem Frauen, die Jesus auch dann noch die Treue hielten, als er sterbend am Kreuz hing. Matthäus erwähnt ausdrücklich: »Unter ihnen waren Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef und die Mutter der Söhne des Zebedäus.« Im Evangelium nach Markus lesen wir (2): »Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jakobus‘ des Kleinen und des Joses, und Salome, die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.« Bei Lukas (3) wird der für die männliche Jüngerschaft peinliche Sachverhalt in nur einem Vers abgehandelt. Die mutigen Jüngerinnen werden anonymisiert, zu »Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren«.

Johannes, Jesu Mutter und
Maria Magdalena beweinen Jesus.
Klosterkirche Marienmünster.
Foto Walter-Jörg Langbein

Im Evangelium nach Johannes begegnet uns wieder Maria Magdalena unter dem Kreuz (4): »Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: ›Frau, siehe, das ist dein Sohn!‹«

Nur das nach Johannes benannte Evangelium vermeldet, dass der Jünger, den Jesus liebhatte, zugegen war, als Jesus starb. Gewöhnlich wird dieser Lieblingsjünger mit Johannes identifiziert. Im Externstein-Relief sehen wir Jünger Johannes am Kreuz stehen, sowie seine Mutter Maria. Maria hält den Kopf des geliebten Sohnes, Nikodemus steht erhöht und übergibt den Toten Joseph von Arimathäa.

Im Evangelium nach Johannes lesen wir (5): »Nachdem das alles geschehen war, bat Josef aus Arimathäa um die Erlaubnis, den toten Jesus vom Kreuz abnehmen zu dürfen. Er glaubte insgeheim an Jesus, doch hatte er das bisher aus Angst vor den Juden verschwiegen. Pilatus erlaubte es ihm, und so ging er zum Kreuz und nahm den Leichnam ab. Auch Nikodemus, der Jesus einmal nachts aufgesucht hatte, kam und brachte etwa dreißig Kilogramm einer Mischung aus Myrrhe und Aloe.«

Detail des Reliefs:
Josef von Arimathäa übernimmt den toten Jesus.
Foto: Walter-Jörg Langbein

Nach Johannes war es Josef von Arimathäa, der Pilatus um die Freigabe von Jesu Leichnam bat. Pilatus, der laut Bibel angeblich heimlich an Jesus glaubte, gestattete das. Josef von Arimathäa »nahm den Leichnam ab«. Dass Nikodemus Jesu toten Körper vom Kreuz löste und Josef von Arimathäa reichte – wie im Externsteinrelief dargestellt – findet keinerlei Bestätigung in den Schriften des »Neuen Testaments«. Das so präzise gemeißelte Kunstwerk ist also in diesem konkreten Punkt alles andere als bibeltreu. Was besonders auffällt: Maria Magdalena fehlt auf Golgatha, wo sie nach drei von vier Evangelien des Neuen Testaments unter Lebensgefahr zu Jesus stand.

Im ausführlichen Wikipediartikel über das Kreuzabnahmerelief lesen wir (6): »Im unteren Register knien zu Füßen des Kreuzes ein nackter, bärtiger Mann und eine in ein langes Gewand gehüllte Figur mit einem Halsschmuck, die vom Schwanz und Hals eines zweibeinigen geflügelten Drachen umschlungen werden.«

Das »untere Register«. Foto Walter-Jörg Langbein

Das Monstermotiv unterhalb der Kreuzabnahme-Szene ist so stark verwittert, dass Einzelheiten wie Drachenflügel nicht wirklich zu erkennen sind. Ich mache vielmehr einen muskulösen Körper mit Füßen aus. Oder sehe ich das Bild falsch? Sollte es sich beim »Leib« des Monsters in Wirklichkeit um einen nach unten geklappten Flügel einer gewaltigen Schlange handeln? Das geheimnisvolle Wesen wird gelegentlich als »Baselisk« bezeichnet. Baselisken waren monströse Mischwesen, die meist aus einer Kombination verschiedener Tiere mit einer Schlange bestanden. Die Kreatur vom Kreuzabnahmerelief regt die Fantasie an. Berühmt ist der Baselisk von Basel, der in einer Höhle gehaust haben soll.

Der Baselisk von Basel. Wiki commons, Foto Rynacher

Wie auch immer: Da sind zwei Menschen dargestellt, die von einem furchteinflößenden Monster gewürgt werden. Nach meiner gründlichen Untersuchung des Reliefs »Kreuzabnahme« bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass die Menschen-Monster-Gruppe noch vom ursprünglichen Relief stammt. Der Rest ist neueren Datums. Der untere Teil ist höher als der obere, weil oben das ursprüngliche Relief abgetragen und das christliche Motiv eingemeißelt wurde. Wo das alte Motiv weggemeißelt wurde, musste eine Schicht Stein abgetragen werden.

2 Menschen und 1 Monster. Foto Walter-Jörg Langbein

Ich vermute, dass der ältere Teil des Reliefs gar nicht christlich, sondern heidnisch ist, aber stehen gelassen wurde. Warum? Warum hat man nicht auch diesen Teil zerstört? Weil man ihn auch christlich interpretieren kann, nämlich als Adam und Eva mit Schlange!

Hermann Hamelmann (1526 – 1595), lutherischer Theologe und Historiker, veröffentlichte 1564 eine »Einfache und kurze Beschreibung der Städte Westfalens« in lateinischer Sprache (7). Lobend heißt es da, dass »Karl der Große aus jenem Elsternstein (Externsteine), der ein heidnisches Stammesheiligtum gewesen war, einen gottgeweihten Altar gemacht« habe. Mit anderen Worten: Karl der Große hat aus einem heidnischen Felsheiligtum ein christliches gemacht. Sollte damals das Relief »Kreuzabnahme« entstanden sein… als eine Überarbeitung eines sehr viel älteren, heidnischen Motivs? Walter Matthes verweist in seinem Werk »Corvey und die Externsteine – Schicksal eines vorchristlichen Heiligtums in karolingischer Zeit« (8) auf Erzählungen vom Teufel an den Externsteinen: »In alten Fassungen dieser Sagen wird davon ausgegangen, dass der Ort ursprünglich eine Städte der heidnischen Götter gewesen sei. In jener Erzählung, die den Teufel als Baumeister auftreten lässt, kommt die zentrale Bedeutung des alten Heiligtums … gut zum Ausdruck.« Und weiter: »Ebenso wird dort ein gewaltiges Zerstörungswerk geschildert, das den heidnischen Felsentempel zugrunde gehen ließ.«

Auf diesem alten Foto ist der mysteriöse Steintisch
noch zu sehen.
Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein

Bleibt die Frage: Was ist vom »heidnischen Felsentempel« übrig geblieben? Was entging der Zerstörung? Vor dem Kreuzabnahmerelief stand einst ein megalithischer Steintisch. Auf zwei massiven Steinen ruhte eine gewaltige, tonnenschwere Steinplatte. Stammt dieser Tisch wie Dolmentische aus der Steinzeit? Wann wurde er zerstört? Dass er zerschlagen wurde, bestätigte mir ein Heimatforscher, der nicht genannt werden möchte. Fakt ist: Es hat ihn gegeben, denn auf einer alten Ansichtskarte ist er noch zu sehen. Laut dem von mir konsultierten Heimatforscher wurde der steinerne Tisch zerschlagen. Zumindest ein Teil der Bruchstücke soll vor dem Relief vergraben worden sein.


Der Mann mit dem »Schlüssel«... Foto Walter-Jörg Langbein

Neben dem Eingang zur Kuppelhöhle, die heute mit einem Eisengetter versperrt ist, steht »Petrus«. Das heißt: Wir meinen Petrus zu erkennen. Warum? Weil wir von christlichen Bildern geprägt wurden. Die Person, die da neben den Eingang zur Kuppelhöhle in den Stein gemeißelt wurde, hält einen Schlüssel in der Hand. Aber ist es wirklich ein Schlüssel? Und wenn es ein Schlüssel ist, muss die Gestalt keineswegs Petrus darstellen. Es könnte ein Wächter sein, der den Eingang zur Höhle sichert.

Sie sind und bleiben geheimnisvoll ...
die Externsteine! Foto Walter-Jörg Langbein


Die Gestalt ist recht flach aus dem Stein gearbeitet, sie wirkt seltsam konturlos. Obwohl er relativ  gut vor der Witterung geschützt ist, scheint der Zahn der Zeit sehr viel länger an dem mysteriösen Kunstwerk genagt zu haben als am Kreuzabnahmerelief. Die Person scheint sich auf einen Stock zu stützen und hält etwas in der Hand.. einen Schlüssel.. oder eine Keule, vielleicht ein Schwert oder eine sonstige Waffe? Könnte es sich um eine sehr alte heidnische Darstellung einer Gottheit handeln? Auf mich wirkt sie fast wie ein Gespenst.

Der Mann mit dem Schlüssel… wir wissen nicht, wer oder was er ist. Wir neigen dazu zu »erkennen«, was wir sehen wollen.
Alte Aufnahme vom Relief.
Foto: Archiv W.-J.Langbein

Fußnoten

1) Evangelium nach Matthäus Kapitel 27, Verse 55-56

2) Evangelium nach Markus Kapitel 15, Verse 40-41

3) Evangelium nach Lukas Kapitel 23, Vers 49

4) Evangelium nach Johannes Kapitel 19, Verse 25-2

5) Evangelium nach Johannes Kapitel 19, Vers 38

6 http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzabnahmerelief_an_den_Externsteinen

7) Hamelmann, Hermann: »Simplex et brevis delineatio urbium et oppidorum Westfaliae«, 1564

8) Matthes, Walther: »Corvey und die Externsteine – Schicksal eines vorchristlichen Heiligtums in karolingischer Zeit«, Stuttgart 1982, S. 237


Literatur

Andree, Julius: »Die Grabungen an den Externsteinen 1934«, erschienen im »Nachrichtenblatt für Deutsche Vorzeit« II, 1935, S. 13-19


Winkelmann, Wilhelm: »Die Frühgeschichte im Paderborner Land« in »Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern«, Band 20, Wiesbaden 1971, S. 87-121

»Der Teufel, die Fratze und die Säule«,
Teil 224 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 04.05.2014




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Sonntag, 20. April 2014

222 »Die Götter der Steine«, Teil 3



Teil 222 der Serie (1)
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


»Wild zerklüftete Felsformationen«, konstatiert die Fachautorin Hadeswintha Schröer (2), »haben die Menschen schon immer angezogen und tief beeindruckt. An solchen Orten war (und ist) nicht nur die Natur in besonderem Maße zu sehen und zu spüren, sondern man vermutet dort auch eine Heimat der Götter oder von unbekannten Geist- und Naturwesen. So fanden an derlei Plätzen schon in frühester Vorzeit Kulte und Rituale statt, die den Menschen mit diesen herrschenden Mächten in Verbindung bringen und versöhnen konnten.« (Foto links: Zerklüftete Felsformation der Externsteine... Foto: Walter-Jörg Langbein.)

1992 erklärte mir »Houngan-Man« auf der Osterinsel ein uraltes Weltbild. Demnach sahen die Wissenden in den ältesten Kulturen im Stein die Götter der Vorzeit. Vulkane fördern Lava aus dem Erdinneren nach oben. Die Vulkankegel sind in diesem Bild Götterberge. Die Statuen der Osterinsel, aus Vulkangestein geschaffen, sind nach dieser Sichtweise nicht einfach nur steinerne Plastiken, sondern haben das Göttliche in sich… so der »Houngan-Man«.  (Foto rechts: Osterinselstatue. Foto Walter-Jörg Langbein.)

Für den Eingeweihten sind zerklüftete Felsformationen, so der »Houngan-Man, etwas Göttliches. »Er sieht die Steine wie Skulpturen der Götter. So wie wir ein Buch lesen, so studiert er in den Klüften von Steinen. Vielleicht arbeitet er auch natürliche Formationen nach, um die Bilder, die er zu erkennen vermeint, zu verstärken und zu verdeutlichen!«


Die Externsteine ...
Foto Walter-Jörg Langbein


Die Externsteine sind ein lohnendes Reiseziel. Sie liegen im Teutoburger Wald, im Kreis Lippe... umgeben von »einer parkartigen Anlage« (3). Es ist zu empfehlen, die beiden Felstürme zu erklimmen, die mit recht steilen Treppen versehen sind. Der Ausblick ist herrlich. Man fühlt sich in einen Märchenwald versetzt, aus dem mysteriöse Steinsäulen ragen. So führte »Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen« im Film auch zu den Externsteinen. Der deutsche Horrorfilm »Die Schlangengrube und das Pendel« entführt seine Zuschauer auch zu den Externsteinen. Im Film von Harald Reinl, nach Edgar Allan Poes »The Pit and the Pendulum« werden die »Externsteine« zu einer schaurigen Kulisse. Und wer – verbotener Weise – jenen mysteriösen Ort bei Nacht besucht, der spürt die mystisch-unheimliche Atmosphäre des uralten Kultorts!

Ideale Filmkulisse.. für Märchen wie für Horrorfilme.
Foto Walter-Jörg Langbein

Die Gefilde um die Externsteine hießen bis ins 18. Jahrhundert »Asnighain«, zu Deutsch »Hain der Asen«, also »Hain der Götter«. Der Name »Externsteine« erlaubt vielfältige Interpretationen. Der heutige Terminus – eben »Externsteine« - wird gewöhnlich recht profan interpretiert. Da wird das mittelniederdeutsch bemüht: »Egge« bedeutet »lang gestreckter Hügelkamm«, die »Externsteine« werden dann zu »Steine am Hügelkamm«. Oder verweist der heute gebräuchliche Name auf »Elstern-Stein« oder »Elster-Felsen« hin? Tatsächlich lässt sich im 16. Jahrhundert die Bezeichnung »Rupes picarum« nachweisen.

Wir müssen nach älteren Quellen suchen… und werden fündig. Es liegt eine Kaufurkunde des Klosters Abdinghof vor. Da wird die Region der Externsteine »Ida-Feld« genannt. Das Idafeld aber verweist auf die »Bibel des Nordens«, auf die Edda.  Die Edda kennt das »Idafeld« als das mythologische Areal um den Sitz der Götter! Dann wären die Externsteine der Sitz der Götter… oder die »Steine der Götter«. Rudolf Steiner verstand die »Externsteine« auch so! Aus Sicht patriarchalischer Theologen ist eine weitere Erklärung des Namens geradezu verwerflich und ketzerisch: Die Ableitung von »Externsteine« von »Eccestan«, sprich »Mutterstein«! Schwingt da eine Erinnerung an die »Große Göttin« mit?

Blick durch das Rundfenster im Sacellum.
Foto Walter-Jörg Langbein
Die Etymologie ist aber nicht eindeutig! So gab es bei den Cheruskern – Siegrun Laurent weist darauf hin (4) – den Namen »Agistersetine« oder »Agistersteine«, zu Deutsch »Drachensteine«. Drachensteine? Lauern irgendwo in der Mythologie zu den »Externsteinen« Drachen?


Zu den Attraktionen der Externsteine, die unzählige Busse mit Touristen anlocken, gehört das Kreuzabnahmerelief der Externsteine. Im Zentrum sehen wir das Kreuz Jesu. Jesus, zum Entsetzen seiner getreuen Anhängerschaft von den Römern hingerichtet, wird vom Marterinstrument abgenommen. Nikodemus steht erhöht und reicht den Toten nach unten. Joseph von Arimathäa schultert den toten Jesus. Maria stützt das Haupt ihres Sohnes. Gottvater, links oben dargestellt, segnet das Geschehen. Auf seiner Schulter sitzt ein kleines Kind. Das Kind mag – und das ist Interpretationssache – die unschuldige Seele darstellen, die schon zum »himmlischen Vater« aufgestiegen ist. Rechts wird Jünger Johannes in Szene gesetzt. Sein in christlicher Kunst und Mythologie bekanntes Kennzeichen, das Buch, lässt uns den Jünger Johannes eindeutig erkennen!


Jünger Johannes
Foto Walter-Jörg Langbein

Die Gestalten des Reliefs sind stark beschädigt: Dem kleinen Kind auf Gottvaters Arm fehlt der Kopf, dem Nikodemus wurden ein Arm und die Beine abgeschlagen. Die treusorgende Mutter Jesu ist ebenfalls kopflos. Vollständig erhalten sind lediglich der Leichnam Jesu und Jünger Johannes. Ob Köpfe und Gliedmaßen bewusst abgeschlagen wurden? Oder hat da nur der Zahn der Zeit am Sandsteinrelief genagt?

Das eigentliche Kreuzabnahmeszenario ist freilich allen Beschädigungen zum Trotz nach wie vor gut zu erkennen. Das Kreuz selbst, Gottvater über dem Kreuz, Sonne und Mund, der tote Jesus, Maria, Nikodemus, Josef von Arimathäa und Johannes sind sauber aus dem Stein gemeißelt. Die Konturen sind exakt, präzise und scharf.

Man kann von drei Ebenen sprechen: Die höchste Ebene ist der »Himmel« mit Gottvater, Sonne und Mond. In der mittleren Ebene leben wir Menschen. Der tote Jesus wird vom Kreuz abgenommen, in der mittleren Ebene, während Jesu Seele schon im Himmel weilt. Die unterste Ebene ist besonders geheimnisvoll. Sie macht einen verwaschenen Eindruck, hat nicht die scharfen Konturen wie der Rest des Reliefs. Könnte es sein, dass ursprünglich das Relief ganz anders ausgehsehen hat? Würde es teilweise nachgearbeitet, um christlicher zu wirken?

Das Kreuzabnahmerelief
Foto Walter-Jörg Langbein

Die tiefste Ebene könnte Rest des ursprünglichen Reliefs gewesen sein, wirkt deutlich älter. Was erkennen wir? Da knien zwei Gestalten, blicken sich dabei an. Die rechte Gestalt hat offensichtlich einen wallenden Bart. Das Pendent könnte – man erahnt es – eine Frau mit einem Kleid oder Rock darstellen. Mann und Frau knien. Seit Jahrhunderten wird gerätselt, wer denn da unter der Kreuzabnahme zu sehen ist. Beide Gestalten blicken nach oben Mag sein, dass Mann und Frau je einen Arm empor strecken, hin zur Szene der Kreuzabnahme. Das ist aber nur eine fantasievolle Vermutung.

Zwei menschliche Gestalten und ein Monster ...
Foto Walter-Jörg Langbein

Je nach Sonnenstand und Lichteinfall erscheinen beide Gestalten wie verwandelt. Unzählige Male habe ich bei Besuchen der Externsteine zu ergründen versucht, was sich da in der Unterwelt abspielt. Bei näherem Betrachten fällt auf, dass da zwischen Mann und Frau ein weiteres Wesen abgebildet wurde. Dieses dritte Wesen wendet dem Betrachter den Rücken zu. Es ist ein Monster. Das Untier, so scheint es, ist ein Mischwesen aus Schlange und einem kräftigen Leib. Der Leib, so scheint es, steht auf zwei Beinen, die Schlange hat die beiden Menschen im Würgegriff ...

Gottvater mit dem kopflosen Kind.
Foto Walter-Jörg Langbein

Fußnoten

1) Siehe hierzu auch Henze, Usch: »Osning –
Die Externsteine/ Das verschwiegene Heiligtum
Deutschlands und die verlorenen Wurzeln
europäischer Kultur«, Saarbrücken 2006
2) Hadeswintha Schröer: »Die Externsteine –
ein nordischer Kraftplatz«
3) Wikipediaartikel über die Externsteine
4) Laurent, Sigrun: »Externsteine – Eccestan
 – Mutterstein«

 »Das Monster und der Mann mit dem Schlüssel«,
Teil 223 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 27.04.2014


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