Sonntag, 6. März 2016

320 »Der Engel auf dem Feuerstrahl«

Teil 320 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Textauszug »Buch Tobit«. Bibel/Apokryphe 1606

Kürzlich wurde ich von zwei »Zeugen Jehovas« besucht. Bevor die beiden auch nur einen Versuch unternehmen konnten, mich zu bekehren, lenkte ich das Gespräch auf die Thematik »Astronautengötter«. »Sie glauben also, dass wir in der Vorzeit von Außerirdischen besucht wurden?«, fragte mich einer der Herren. Ich bejahte. »Streng genommen sind ja die biblischen Engel Außerirdische!«, wandte der andere Missionar ein. Engel – außerirdische Besucher aus dem Kosmos? Ein Gedanke, der in Kreisen der »Prä-Astronautik« schon seit Jahrzehnten diskutiert wird …

Tempelturm von Thanjavur
Im indischen Thanjavur entdeckte ich eine ganze Reihe von Engeldarstellungen. Thanjavur, von den englischen Eroberern zu Tanjore verfremdet, liegt im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu im Delta des Kaveri-Flusses. Die einstige Hauptstadt des Chola-Reiches war schon im 9. Jahrhundert politisch wie religiös recht bedeutsam. Besonders viele Besucher lockt der Brhadisvara-Tempel an, der vor einem guten Jahrtausend entstand. Vor Ort munkelte man, das gewaltige Bauwerk sei womöglich mit Hilfe von »Engeln« entstanden. Von Indiens »Engeln« zu biblischen Himmelsboten.

Alle Jahre zur Weihnachtszeit schmücken Weihnachtsengel unsere Wohnstuben. Auf Weihnachtsmärkten treten junge Frauen in wallenden Gewändern auf, mit langem Lockenhaar und mächtigen Flügeln auf dem Rücken. Sie sind aus dem Weihnachtstrubel unserer Zeit nicht mehr wegzudenken. Weihnachtsengel sind christlichen Ursprungs?!! Irrtum! Nachdem Gott Adam und Eva aus dem Paradies geworfen hatte, setzte er »Cherubim« als Wächter ein. Diese mythologischen Wesen aus der babylonischen Welt hatten zwar Flügel, waren aber ursprünglich keine Engel. Engel kommen auch im Alten Testament vor. Aber da haben die himmlischen Wesen keine Flügel. Nach biblischem Verständnis leben sie im Himmel und sprechen häufig direkt aus den luftigen Höhen zu Menschen. Ein Beispiel aus dem Pentateuch (1): »Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Er antwortet: Hier bin ich...Und der Engel des Herrn rief Abraham abermals vom Himmel her…«

Engel von Thanjavur
Manchmal kamen auch Engel direkt aus himmlischen Gefilden zur Erde herab. Da sie keine Flügel hatten, war der Weg zwischen den Welten, folgt man dem biblischen Text, recht beschwerlich, wie wir wiederum dem Pentateuch entnehmen können (2): »Und ihm (Jakob) träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.«

Für gläubige Christen sind Engel ganz besondere Wesen. Seit Jahrhunderten werden sie in der abendländischen Kunst meist als sehr attraktiv und menschlich gezeigt. Nicht selten sind es sehr hübsche junge Frauen. Und immer haben Engel mächtige Flügel am Rücken. Die Engel der Bibel aber haben mit den Engeln der Kunst und unzähliger kitschiger Darstellungen der letzten Jahrhunderte nichts zu tun. Es sind auch keine Frauen, sondern immer Männer, und zwar ohne Flügel. Sie haben eine prosaische Funktion: Botschaften von Gott werden übermittelt. Diese Funktion wird deutlich, wenn wir im Hebräischen nachlesen. Mal’ach steht da in der »Biblia Hebraica«, Engel heißt es viele Male in den Übersetzungen. Wortgetreu übersetzt heißt bedeutet der Ausdruck schlicht und einfach »Bote«.

Zurück zum »Alten Testament«: Gott betreut zwei Boten mit der Aufgabe, Lot von der bevorstehenden Zerstörung von Sodom und Gomorra zu warnen (3). Lot empfängt die beiden Herren höflich, bietet ihnen die orientalische Gastfreundschaft an. Die ging zu biblischen Zeiten sehr weit. Als lüsterne Männer von Sodom die Fremden offensichtlich sexuell belästigen wollten, offerierte ihnen Lot als Ersatz seine jungfräulichen Töchter. Die Boten schlugen die unverschämten Sodomiten mit Blindheit und retten Lot und seine Familie.

Ähnlich prosaisch ist das Buch Hiob. Engel werden dort schlicht als »Mittler« (4) bezeichnet. Solche Verbindungsleute zwischen Himmel und Erde hießen bei den Hopi-Indianern Nordamerikas Katchinas, bei den Alten Indern Sris.

Nochmal... Ein Engel von Thanjavur
Engel ist in unserem Sprachgebrauch nicht zuletzt durch den Missbrauch des heiligen Weihnachtsfestes durch manchmal unerträglichen Kommerz inzwischen fast schon negativ belastet. Im Hebräisch des Alten Testaments heißt es einfach Mal’ach, im Griechisch des Neuen Testaments »aggelos«. Auch »aggelos« bedeutet verdeutscht Bote. Flügellos bewegten sich auch die Boten Gottes in der Welt des Neuen Testaments. Sie besuchten gelegentlich menschliche Familien, manchmal um zu erkunden, ob denn auch die christliche Nächstenliebe im täglichen Leben praktiziert wurde. Dabei fielen die himmlischen Wesen überhaupt nicht auf, können sich also im Aussehen nicht von Menschen unterschieden haben. So heißt es im Brief an die Hebräer (5): »Bleibet fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein, vergesset nicht; denn dadurch haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.«

Gehen wir einmal von der These aus, Engel seien kosmische Besucher gewesen, die für »Gott« als »Boten« unterwegs waren. Nutzten diese Wesen Weltraumtechnik? Und gibt es Hinweise auf eine solche Technik im »Alten Testament«?

Im »Buch Richter« (6) erfahren wir Interessantes über »Engel«. Offenbar verzehrten sie keine Menschenkost. Und es gibt – ganz konkret –  einen Hinweis auf die Rückreise eines Engels in die himmlischen Gefilde (7): »Aber der Engel des HERRN (8) sprach zu ihm: Warum fragst du nach meinem Namen, der doch geheimnisvoll ist? … Manoach aber und seine Frau sahen zu. Und als die Flamme aufloderte vom Altar gen Himmel, fuhr der Engel des HERRN auf in der Flamme des Altars.«  Ein Engel, der auf einer Flamme gen Himmel fährt? Sollten da Erinnerungen an kosmische Besucher aus dem All mitschwingen? Ein Engel, der auf einer Flamme gen Himmel fliegt, wer denkt da in unserem Zeitalter der Raumfahrt nicht an eine Rakete und ihren »Flammenantrieb«?

Auch ein Engel von Thanjavur
In Kreisen der »Prä-Astronautik« sucht man nach Hinweisen auf vorgeschichtliche Besuche von außerirdischen Astronauten auf Planet Erde. Sehr bekannt sind die Ausführungen des NASA-Ingenieurs Josef Blumrich (*1913-†2002). Der Raumfahrtexperte wollte Dänikens Interpretation von Hesekiel-Sichtungen als Begegnungen mit außerirdischer Technologie widerlegen. Er wurde vom Saulus zum Paulus. 1973 erschien sein viel beachtetes und heiß diskutiertes Werk »Da tat sich der Himmel auf/ Die Raumschiffe des Propheten Ezechiel und ihre Bestätigung durch modernste Technik« (9).

Hesekiels Kontakte ereigneten sich etwa 500 v.Chr. Zwei bis drei Jahrhunderte zuvor soll es laut »Buch Tobit« (auch »Buch Tobias« genannt) Kontakte mit einem Engel namens Rafael gegeben haben. Das »Buch Tobit« sucht man im hebräischen Kanon des »Alten Testaments« vergeblich, man findet es aber in der griechischen Bibel (»Spetuaginta«) und in der lateinisch-sprachigen Version des »Alten Testaments« (»Vulgata«). In evangelischen Bibelausgaben wird das Buch zu den »Apokryphen«, also zu den »verborgenen Schriften«, gezählt.

Engel Rafael stellt sich wie folgt vor (10): »Ich bin Rafaël, einer der sieben Engel, die vor Gottes Thron stehen und seiner strahlenden Herrlichkeit nahe kommen dürfen.« Rafaël, einer der engsten Vertrauten Gottes, erteilt Ratschläge und lehrt medizinische Kenntnisse.  Schließlich hat er seine göttlichen Aufträge erledigt und macht sich wieder auf die Heimreise: in den Himmel, zu Gott (11): »›Ich gehe jetzt wieder zu dem, der mich gesandt hat. Preist ihn vor allen Menschen und macht seine Taten bekannt. Und schreibt alles auf, was ihr erlebt habt!‹ Dann kehrte Rafaël in den Himmel zurück. Als die beiden vom Boden aufstanden, sahen sie ihn nicht mehr. Sie priesen Gott und sangen ihm Loblieder und dankten ihm, dass er so Großes für sie getan hatte und dass ihnen sogar ein Engel Gottes erschienen war.«

Klarer in ihrer Aussage ist die griechische Ausgabe des »Alten Testaments«, die »Septuaginta«, was die Art der Heimkehr in die himmlischen Gefilde angeht (12): »Siehe, ich steige empor zu dem, der mich gesandt hat. Schreibet alles auf, was euch geschehen ist! Und er stieg empor.«

Wer oder was waren die »Engel«, die zwischen Himmel und Erde pedelten? Wie ist es zu verstehen, wenn es heißt, dass sie in den Himmel emporstiegen, die in einer Flamme emporfuhren? Ist es zu gewagt, einen raumfahrttechnischen Hintergrund zu vermuten?


Fußnoten

(1) Das erste Buch Mose Kapitel 22, Verse 11 und 15
(2) Siehe hierzu: Das erste Buch Mose Kapitel 28, Verse 10-19, zitiert habe ich Vers 12
(3) Siehe: Das erste Buch Mose Kapitel 19
(4) Das Buch Hiob Kapitel 33, Vers 23
(5) Der Brief an die Hebräer Kapitel 13, Verse 1 und 2
(6) Buch Richter Kapitel 13
(7) Buch Richter Kapitel 13, Verse 18 und 20
Textauszug Buch Tobit, Bibel/Apokryphe 1606
(8) Im »Alten Testament« erscheinen verschiedene Namen für Gott. Der hebräische Terminus »Jahweh« galt als ganz besonders heilig und durfte zeitweise im Alten Israel nicht ausgesprochen werden. Stand »Jahweh«  im Text, so wurde in der Synagoge das hebräische Wort für Herr ausgesprochen. Besonders in älteren Ausgaben deutscher Bibelübersetzungen erscheint dann in Großbuchstaben HERR.
(9) Blumrich, Josef F.: »Da tat sich der Himmel auf. Die Raumschiffe des Propheten Ezechiel und ihre Bestätigung durch modernste Technik«,  Düsseldorf und Wien, März 1973
(10) »Buch Tobit« Kapitel 12, Vers 15, Übersetzung »Gute Nachricht Bibel«
(11) »Buch Tobit« Kapitel 12, Verse 20-22, Übersetzung »Gute Nachricht Bibel«
(12) »Buch Tobit« Kapitel 12, Vers 20, zitiert aus »Septuaginta Deutsch/ Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung«, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart/Zweite, verbesserte Auflage«, Stuttgart 2010

Alle Fotos: Walter-Jörg Langbein

321 »Götter, Engel, Laserwaffen«,
Teil 321 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 13.03.2016



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Sonntag, 28. Februar 2016

319 »Heidenzauber unter der Kirche«

Teil 319 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Heidenzauber?
»Schade…«, meinte der Geistliche bedauernd. »Haben Sie Ihren Entschluss auch reiflich überlegt? Sie sind doch schon so weit gekommen im Studium!« Ich hatte meiner Meinung nach zu lange gezögert. Meine Zweifel waren stetig gewachsen, der Glaube war stetig geschwunden. »Schon der Respekt vor dem gläubigen Christen erlaubt es mir nicht, Pfarrer zu werden!« Verblüfft sah mich der Geistliche an. »Jeder Mensch, der in einen Gottesdienst kommt, jeder Gläubige, der sich mit seinen Sorgen an seinen Pfarrer wendet, muss davon ausgehen können, dass der Pfarrer selbst von seiner Religion überzeugt ist! Wer nicht wirklich glaubt, der darf auch nicht Glauben predigen…«

Der Geistliche nickte. »So ernsthaft machen sich nicht viele Studenten Gedanken…« Er wechselte das Thema. »Sie interessieren sich doch für Archäologie, für ungelöste Rätsel….«  Ich nickte. »Ich mich auch!« Es war schon spät am Abend. Die Glocken vom Kirchturm würden schon bald »Mitternacht« läuten. Das eine oder das andere Gläschen Wein hatten wir auch schon getrunken. Plötzlich stand der Geistliche abrupt auf. »Kommen Sie! Ich muss Ihnen etwas zeigen!«

Von der gemütlichen Studierstube stiegen wir eine schmale Treppe hinab in die »Unterwelt«.  Für Licht sorgten mehrere flackernde Öllampen.»Die stammen noch von meinem Vorvorgänger…«, erläuterte der Geistliche. »Der unterirdische Gang ist noch viel, viel älter!« Knarrend öffnete er eine niedrige, unscheinbare Holztür. Eine alte Taschenlampe lag bereit und ließ einen recht niedrigen Gang mehr erahnen als erkennen. Wir musste beide in die Knie gehen, konnten nur nach vorn gebeugt einen Zusammenstoß mit dem steinernen Gewölbe verhindern. Nach einigen Metern machte sich ein muffig-feuchter Geruch bemerkbar.

»Vorsicht! Jetzt müssen wir abbiegen!« Der Gang wechselte Abrupt seine Richtung. Wieder standen wir vor einer niedrigen Tür. Wieder erklang ein Knarzen. Wir standen in einem kleinen, eher unscheinbaren »Keller«. »Ich vermute, dass es einst unter unserem Gotteshaus eine Krypta gab. Sie mag einsturzgefährdet gewesen sein. Jedenfalls wurden neue Wände und eine ›neue‹ Decke eingezogen. Man erkennt, dass das Mauerwerk nicht besonders alt ist. Mein Vorgänger jedenfalls versicherte mir, dass er nicht für diese Baumaßnahmen verantwortlich sei.« Und der wiederum hat von seinem Vorgänger nichts Nennenswertes über die »Unterwelt« erfahren.

Mein geistlicher Guide durch die Unterwelt hat die kirchlichen Unterlagen durchforstet »soweit sie noch vorhanden waren und im Krieg nicht verbrannt sind«. Er fand keinen Hinweis auf die »Krypta«, von Maurerarbeiten in neuerer Zeit ganz zu schweigen. Der Lichtstrahl der Taschenlampe glitt über das Mauerwerk, tastete sich durch die Dunkelheit. Schließlich blieb er an einem schlichten steinernen Altar hängen. »Wie alt der Altar ist, weiß ich nicht. Ob hier je Gottesdienste abgehalten wurden, das weiß ich auch nicht. Viele Menschen passen ja nicht in den unterirdischen Raum!«

Einst, so erfuhr ich weiter, gab es eine Verbindung zwischen »Krypta« und Gotteshaus. So konnten die Geistlichen vom Pfarrhaus direkt ins Innere der Kirche gelangen. Doch der von der Krypta aus weiterführende Gang wurde verfüllt und zugemauert. Angeblich hatten sich wiederholt Steine aus Wänden und Decke gelöst und waren auf die zur Kirche führenden Treppe gestürzt. Auf dem Rückweg in die Studierstube im Pfarrhaus erfuhr ich noch vom Pfarrer, dass er gern den Aufstieg von der »Krypta« ins Gotteshaus wieder freilegen würde. »Selbst mache ich mich da aber nicht an die Arbeit, so sehr es mir auch in den Fingern juckt. Das ist einfach zu gefährlich! Und wer weiß, was da alles passieren kann!« In der Studierstube setzten wir unser Gespräch fort. »Am Schluss würde noch die Kirche zusammenbrechen…«, wandte ich scherzend ein. »Und das wollen wir doch wirklich nicht!«

Nach einem deftigen Käsebrot, begleitet von dem einen oder anderen weiteren Glas Frankenweins, legte der Pfarrer ein Geständnis ab. Er hatte »an anderer Stelle im Gotteshaus« gegraben, und das natürlich heimlich. An verschiedenen Stellen im Mittelgang, der zum Altar führt, hat der neugierige Priester Steine gelockert und aus dem Boden gelöst. Ob er etwas gefunden habe, das wollte er mir zunächst nicht verraten. Ich ließ aber nicht nach, bohrte fragend weiter.

»Von mir wird niemand etwas erfahren, bekundete ich eifrig. Jahrzehnte lang hütete ich das Geheimnis. Inzwischen ist der Geistliche verstorben. Und erst seit kurzer Zeit habe ich eine Vorstellung, um was es sich bei dem Fund des Priesters wohl gehandelt haben mag.

Direkt unter einem der Steine, den der neugierige Gottesmann aus dem Boden gelöst hatte, lag ein seltsames Objekt. Nach einigem Bitten und Betteln holte der Priester seinen mysteriösen Fund, den er in einem Bücherregal hinter staubigen Wälzern mit den »Tischgesprächen Martin Luthers« verwahrte. Ich durfte das »Ding« nicht fotografieren, ja nicht einmal in einer Zeichnung verewigen.

Kopf der »Kreatur«
Das Objekt war etwa dreißig Zentimeter lang und aus sehr dunklem, offenbar sehr hartem Holz geschnitzt. Es war lang und schmal, lief nach unten spitz zu. An den drei abgeflachten Seiten der »Spitze« waren geometrische Figuren zu erkennen, die mich an Schlangen erinnerten. Diese Spitze machte ungefähr eine Hälfte des Fundobjekts aus. Die obere Hälfte bestand aus dem sorgfältig geschnitzten Oberkörper eines menschlichen Wesens, offenbar eines Mannes.

Bemerkenswert war der Kopf der Kreatur. Sie hatte drei Gesichter, die alle recht harte Konturen hatten und streng ja fast wütend drein blickten. Auf dem dreigesichtigen Haupt ruhte so etwas wie eine hohe Krone. Offensichtlich waren da und dort Stückchen abgebrochen. Ich war und bin mir nicht sicher, ob das Wesen wirklich eine Krone trug. Oder war es doch etwas anderes, vielleicht ein Federschmuck? Erst Jahrzehnte später machte ich eine Entdeckung, die mich an den Fund des Geistlichen erinnerte. Sollte ich recht haben mit meiner Vermutung, dann passt der Fund des Geistlichen ganz und gar nicht in ein fränkisches christliches Gotteshaus, sondern eher nach … Tibet!

Wie aber soll ein »Kultobjekt« aus Tibet wann auch immer ins Frankenland gekommen und unter einem Fußbodenstein in einer kleinen Kirche versteckt worden sein? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vielleicht brachte ein Missionar das »Ding« von einer Reise mit nach Hause? Und warum wurde es dann und von wem im Gotteshaus versteckt?

»Unterteil« des »Dings«
»Mein« Geistlicher meinte jedenfalls damals, dass es sich bei dem Schnitzwerk »wohl um irgendetwas Heidnisches« gehandelt habe und dass irgendwann ein frommer Christ aus Angst vor dem Verbotenen das »Ding« unter dem Fußboden des Gotteshauses versteckte. »Vielleicht war das Ding ein Fetisch, ein Heidenzauber? Vielleicht sollte die Kraft des Gotteshauses den Heidenspuk bannen? Ja vielleicht war der unterirdische Raum einst ein Heidentempel? Christliche Kirchen wurden ja oft an solchen Orten errichtet, um das Heidnische zu verdrängen!« Jahrzehnte später entdeckte ich, dass der Geistliche aus seiner Sicht so unrecht gar nicht hatte!

Ich habe mich vor Jahrzehnten im Studierzimmer des Geistlichen zu Verschwiegenheit verpflichtet. Ich versprach niemals zu enthüllen, um welches Gotteshaus es sich handelt und wer der Geistliche war. Daran habe ich mich bislang gehalten und werde das auch weiterhin tun.

Meine Recherchen über den Verbleib des kuriosen Objekts sind im Sand verlaufen. Und doch machte ich kürzlich eine erstaunliche Entdeckung!

Zu den Fotos: In meiner Sammlung sakraler Gegenstände befindet sich ein Objekt, das dem Fund des Priesters recht ähnlich sieht. Eine Spur führt uns nach Tibet! Vom Objekt (»Heidenzauber«) liegen mir weder Fotos noch Zeichnungen vor. Die Fotos sollen nur einen Eindruck vermitteln, wie in etwa der merkwürdige Gegenstand ausgesehen hat.

Alle Fotos: Walter-Jörg Langbein

320 »Der Engel auf dem Feuerstrahl«,
Teil 320 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 06.03.2016



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