Sonntag, 5. Januar 2014

207 »Auf der Suche nach verborgenen Schätzen«

Teil 207 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein

Cheops vor „seiner“ Pyramide
Fotos: Archiv Langbein
Über Pharao Cheops ist so gut wie nichts bekannt. Keine Inschrift rühmt seine Taten. Nirgendwo findet sich eine Lobeshymne auf ihn als den Erbauer der größten Pyramide Ägyptens. Im Land der Pharaonen hieß er Chnum-chuf, zu Deutsch „(Gott) Chnum ist sein Schutz“, Kurzform Chufu, griechisch Cheops. Sir Flinders Petrie entdeckte in Abydos eine winzige Statue, keine acht Zentimeter klein, die den mächtigen Pyramidenbauer darstellen soll.

Historiker Herodot, der rund zwei Jahrtausende nach Cheops lebte, nennt Cheops als Erbauer der „Großen Pyramide“. In der Ägyptologie ist man begeistert ob dieser Aussage Herodots. Gleichzeitig aber verschweigt man so gut es geht, dass eben dieser Herodot ein fantastisch anmutendes Bild von der Geschichte Ägyptens zeichnet. Reicht doch nach Herodot die Frühgeschichte Ägyptens 11.340 Jahre in die Vergangenheit! Damals, so Herodot, weilten die Götter noch unter den Menschen.

Herodot stellt nicht einfach diese kühne Zahl in den Raum. Die Priester, so Herodot, hätten ihm in einem großen Tempel 345 hölzerne Statuen gezeigt. Jeder Oberpriester habe eine solche Statue anfertigen und aufstellen lassen. 345 Oberpriester seien seit den Tagen, als die Götter noch zu den Menschen kamen, in Amt und Würden gewesen.

Wurde der Eingang zur Pyramide schon vor Jahrtausenden freigelegt? Strabo behauptet jedenfalls, sie sei „begehbar“ gewesen. Im großen „Ägyptischen Museum“, Kairo, erklärte mir ein Archäologe, Strabo habe zum Ausdruck bringen wollen, dass man außen an der Pyramide bis zur Spitze hochklettern konnte. Natürlich sei das riesige Bauwerk damals noch verschlossen gewesen. Diese Erklärung kann mich nicht überzeugen.

Wir schreiben das Jahr 25 v. Chr. Strabo, einer der renommiertesten Geschichtsschreiber Griechenlands, besucht Ägypten. Staunend steht er vor dem vielleicht größten Weltwunder überhaupt, vor der nach Cheops benannten Pyramide. Strabo, zu Deutsch der „Schielende“, berichtet, dass es „in der Mitte“ des monumentalen Bauwerks einen Stein gegeben habe, der den Eingang in die Pyramide verschloss. Diesen Stein konnte man, so Strabo, herausnehmen und dann durch einen „gekrümmten Gang“ in das Innere gelangen. Was meinte Strabo mit „herausnehmbarer Stein“? Sollte diese Vorrichtung ständigen Zugang zur Pyramide ermöglichen?

Der freigelegte Eingang
Foto:
Archiv Walter-Jörg Langbein
Der Eingang zur Cheopspyramide befindet sich in der Nordseite des Bauwerks, in einer Höhe von 16,50 Metern. Eine Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert zeigt deutlich die massive Konstruktion des „Türsturzes“. Dieser Eingang wird heute nicht mehr verwendet, aber von meist grimmig drein blickenden Wächtern gesichert.  Gegen ein üppiges Bakschisch darf man allerdings an der Nordseite der Pyramide zum Eingang empor klettern. Das erfordert eine gewisse Sportlichkeit, wie ich erfahren musste. Es ist anstrengend, von Stufe zu Stufe emporzuklettern. Dieser Aufstieg an der Nordseite der Pyramide war von den Erbauern des Monuments nicht vorgesehen. Alle vier Pyramidenseiten waren ursprünglich vollkommen glatt. Weiße Tura-Kalksteinblöcke bildeten die äußere, glatte und stufenlose Schicht des monumentalen Bauwerks. Irgendwann in der Antike wurde die Pyramide „geplündert“. An der Spitze beginnend wurden die Tura-Blöcke abgetragen, so dass nach und nach die äußere Verkleidung verschwand. Konnte dann der verborgene Eingang in die Pyramide gesehen werden?

Gewaltige, spitzdachförmig angeordnete Deckplatten von zig Tonnen Gewicht bilden den „Türsturz“. Im Verhältnis dazu erscheint der Gang hinter der Tür erschreckend winzig. Er ist lediglich 1,20 Meter hoch und sogar nur 1,05 Meter breit. Es ist mehr als anstrengend, durch diese enge und niedrige Röhre in das Innere des Bauwerks vorzudringen.

Der Gang führt in einem Winkel von 26 Grad und 31 Minuten steil nach unten. Nach anstrengenden 105 Metern durch den massiven Leib der Pyramide und durch den gewachsenen Stein unter dem Fundament geht der Gang endlich in die Horizontale über. Nach weiteren 8,80 Metern mündet er in der sogenannten unvollendeten Grabkammer. Angeblich war der Raum unter der Pyramide ursprünglich als Gruft für den Pharao vorgesehen. Das erscheint mir nicht nur als recht fragwürdig, sondern als unmöglich. Sollte der Sarkophag mit den sterblichen Überresten des verehrten Pharao etwa durch diese enge und niedrige Röhre hinab in die Grabkammer geschafft werden? Das ist ausgeschlossen. Allenfalls die Mumie des mächtigen Herrschers hätte man durch den niedrigen und schmalen Tunnel in die „unvollendete Grabkammer“ schaffen können. Mit würdevollem Umgang mit dem toten Pharao hätte das nichts zu tun gehabt. Und wie wollte man den wuchtigen Sarg aus Stein an seinen Bestimmungsort schaffen, von den einem wichtigen Herrscher angemessenen Grabbeigaben einmal ganz abgesehen. Eine Prozession von Würdenträgern hätte auf diesem Wege den Toten nicht begleiten können.

Abstieg in die
Cheopspyramide
Foto um 1900
Archiv Langbein
Einige Meter schräg unter dem eigentlichen Eingang befindet sich ein mit roher Gewalt geschlagene Öffnung in der Pyramide. Es heißt, dass der Kalif El-Mamun anno 820 n. Chr. Dieses Loch hat schlagen lassen... und auch den folgenden, bergwerksartig in das massive Bauwerk getriebenen Gang. El-Mamun, so heißt es, hatte es auf die kostbaren Grabbeigaben abgesehen. Er wollte die Cheopspyramide   plündern. Wusste er, dass die Eingänge zu Pyramiden immer an der Nordseite zu finden waren?

Der sogenannte „Grabräubergang“ führt zunächst geradeaus in die Pyramide hinein, dann macht er einen Bogen und trifft dann exakt die schmale Röhre, die vom „richtigen“ Eingang nach unten zur „unvollendeten Grabkammer“ führt.... Und zwar genau an der Stelle, wo der aufsteigende Gang nach oben, zur „Königinnenkammer“ und zur „Königskammer“ führt. Seltsam: Strabo beschrieb bereits 25 v. Chr. Den gekrümmten Gang, der angeblich erst 845 Jahre später auf Befehl von El-Mamun angelegt wurde. Ich meine, man muss die Story von Grabräuber El-Mamun mit großer Skepsis betrachten. Vermutlich wurde der vermeintliche „Grabräubergang“ nicht erst Ende des ersten Jahrtausends nach Christus, sondern bereits lange davor angelegt, von wem auch immer. Heute wird in Kreisen der Wissenschaft immer wieder die These vertreten, dass die Cheopspyramide bereits in der „Ersten Zwischenzeit“, also etwa 2216 v. Chr. bis 2025 v. Chr. von Grabräubern heimgesucht, wie ein Tresor geknackt und geplündert wurde. Stammt der „Grabräubergang“ also aus dem dritten Jahrtausend vor Christus? Und ist es wirklich ein von Grabräubern angelegter Tunnel? Oder wurde er von den Erbauern der Cheopspyramide selbst angelegt, nachdem das eigentliche Gangsystem verschlossen worden war? Ein weiterer Gang soll ebenfalls von Schatzsuchern teilweise senkrecht nach unten geschlagen worden sein: Beginnend vor der „Großen Galerie“. Dieser Gang führt ein Stück durch die Pyramide, dann durch den gewachsenen Fels, um schließlich zufällig (?) auf den absteigenden Gang zur unvollendeten Grabkammer zu treffen.

Auch dieser „Schacht der Diebe“ könnte von den Erbauern der Pyramide stammen, um Frischluft in den absteigenden Gang zu schaffen... oder als „Fluchtweg“ für die Arbeiter.

Der Sarg in der Königskammer - Foto um 1900
Archiv  Walter-Jörg Langbein

Wie auch immer: In der „Königskammer“ fanden Archäologen einen steinernen Sarkophag, der beschädigt war. Hat man ihn mit Gewalt geöffnet? Von einer Mumie gab es jedenfalls keine Spur. Der steinerne Deckel, der den aus einem Stück gehauenen Steinsarg einst verschlossen haben mag, fehlte jede Spur. Sollten Grabräuber den Sarkophag gefunden und ausgeräumt haben... warum ließen sie dann den Sargdeckel verschwinden? Mir drängt sich eine Vermutung auf: Die Königskammer diente nie als Gruft für den Pharao. Der Sarg war von Anfang an leer. Grabräuber sollten denken, sie seien zu spät gekommen, Berufskollegen hätten schon längst alles Wertvolle, ja auch die Mumie des Pharao, geraubt. Man kann sich die Enttäuschung der goldgierigen Plünderer vorstellen, die dann unverrichteter Dinge abzogen... ohne weiter zu suchen. Sollte mit dieser List der Pharao geschützt werden, der dann unbehelligt von Grabräubern und Archäologen bleiben würde?

In der Ägyptologie gibt es die sogenannte Drei-Kammern-Theorie, die wie eine „Heilige Kuh“ nicht angetastet werden darf. Demnach gibt es in jeder Pyramide drei Kammern, nicht zwei oder vier, sondern drei. In der Cheopspyramide werden drei Kammern gezählt: die unvollendete, die der Königinnen und die des Königs. Also kann es keine weitere Kammer mehr geben, weil das die Theorie von den drei Kammern nicht zulässt. Dabei wird aber die „Große Galerie“ übersehen. Sie ist 47 Meter lang und 8,5 Meter hoch und kann mit Fug und Recht als vierte Kammer gewertet werden.

Auch wenn das offiziell nicht zugegeben wird, so wurden auf der Suche nach verborgenen Schätzen in der Cheopspyramide immer wieder weitere, bislang nicht geöffnete Kammern entdeckt. Mir wurde vor Ort versichert, dass noch mehr Gänge und Kammern ausfindig gemacht worden sind, als den veröffentlichten Berichten von Fachleuten zu entnehmen ist. Im Sommer des Jahres 1986 suchten zwei französische Forscher – Gilles Dormion und Jean-Patrice Goidin – elektronisches Equipment ein, um bis dahin unentdeckte Hohlräume ausfindig zu machen. Suchen konnten sie nur von den bekannten Gängen und Kammern aus. Sie wurden fündig! Unter dem Gang zur Königinnenkammer zum Beispiel machten sie einen Raum von beachtlicher Größe ausfindig. Er ist immerhin dreieinhalb Meter breit und fünfeinhalb Meter hoch!

Wer im 19. Jahrhundert die „Cheops-Pyramide“ erkundete, hatte keine Ahnung vom weitestgehend verborgenen Innenleben des gewaltigen Bauwerks.... Damals gab es noch nicht die Möglichkeit, mit technischen Finessen durch das Gestein hindurch zu sehen und verborgene Geheimnisse zu entdecken...

Erkundung
der Pyrmide.
Zeichnung aus dem
19. Jahrhundert
Archiv Langbein
Die französischen Wissenschaftler erhielten erstaunlicher Weise die Genehmigung, zweieinhalb Meter durch den Steinboden zu bohren. Die mysteriöse Kammer, so stellten sie fest, ist mit kristallinem Sand gefüllt!

Am 22. Januar 1987 machte sich ein Team von Wissenschaftlern der „Waseda University“, Tokio an die Arbeit. Mittels elektronischer Messungen durchleuchteten sie sozusagen Teile der Cheopspyramide und entdeckten dabei „ein ganzes Labyrinth“ von Korridoren. Mir wurde bereits Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts vor Ort versichert, dass das eigentliche Gang-Kammern-System der Cheops-Pyramide noch nicht gefunden worden sei... zumindest nicht offiziell.

Von geheimnisvollen „Schutzsystemen“ erzählte man mir, von Gängen, die zu den wirklich wichtigen Kammern führen. Diese Gänge seien mit Sand gefüllt. Es gebe Mechanismen, die – so man sie in Gang setzt – den Sand abfließen lassen und den Weg zu den Schätzen in der Pyramide freigeben! Sollte etwas Wahres dran sein an diesen abenteuerlichen Geschichten? „Natürlich!“, versicherte mir ein Informant unweit der Cheopspyramide. „Die Wirklichkeit in der 'Großen Pyramide' ist fantastischer als die Fiktion von Indiana-Jones-Filmen!“

Auch die Experten der Waseda University“, Tokio, konnten bei weitem nicht den gesamten Massivbau der „Großen Pyramide“ durchleuchten. Ihre Messungen mussten ja alle von den bekannten Gängen und Räumen aus durchgeführt werden. Von mehreren Hundert Metern Länge der noch nicht geöffneten Gänge und Räume ist die Rede! Erich von Däniken fasst das mehr als faszinierende Ergebnis der japanischen Wissenschaftler so zusammen (1):
 „Fasst man ganz grob die Längen der bekannten Schächte und Räume zusammen und addiert das vom Trupp der Waseda University, Tokio, geortete 'Labyrinth von Schächten und Korridoren', so müssten sich innerhalb der Großen Pyramide Hohlräume mit einer Länge von rund einem Kilometer befinden.“

Ich halte diese Schätzung für zu niedrig angesetzt, da das Team der japanischen Wissenschaftler nicht den gesamten Koloss der Pyramide „durchleuchten“ konnte. Es ist anzunehmen, dass es noch weit mehr Hohlräume gibt! (2)

Reste der einst gewaltigen Anlage von Abydos
Foto Walter-Jörg Langbein

Ein Archäologie im Ägyptischen Museum zu Kairo erklärte mir mit Verschwörermiene: „wenn Sie wüssten, was von der Archäologie alles geheim gehalten wird... Wenn Sie wüssten, was Spezialisten über die Große Pyramide wissen, was dem normalen Archäologen nicht anvertraut wird. In Abydos wurden Hinweise auf die wirklichen Geheimnisse der Cheopspyramide gefunden. Es geht um die Suche nach Schätzen, die sehr viel kostbarer sind als Gold und Silber...“ Ich hakte nach, fragte nach, bekam aber nur ausweichende Antworten. „Es geht um Wissen, an dem auch die Militärs unserer Zeit sehr interessiert sind, mehr noch als Archäologen!“

Wie auch immer... Die Suche nach verborgenen Schätzen läuft auf Hochtouren. Und niemand soll davon erfahren...

Fußnoten
1 Däniken, Erich von: „Der Mittelmeerraum und seine mysteriöse Vorzeit/ Rätselhafte Bauten, unglaubliche Fakten und als falsch entlarvte Lehrmeinungen“, Rottenburg 2012, S. 173
2 Siehe hierzu auch...  Zarei, Alireza: „Die verletzte Pyramide: Wie Neugier Geschichte zerstört“, Groß Gerau 2011

Glas und Waffen,
Teil 208 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 12.01.2014


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 29. Dezember 2013

206 »In der unvollendeten Grabkammer«

Teil 206 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Querschnitt durch die Pyramide -
Pfeil weist auf
unvollendete Grabkammer
Mein Weg führte mich nicht in ... sondern unter die nach Cheops benannte Pyramide! Die „unvollendete Grabkammer“ liegt im massiven Fundament aus gewachsenem Stein unter dem gigantischen Bauwerk. Wann wurde sie in den Fels geschlagen? Wurden die Arbeiten begonnen, bevor der Grundstein für die Cheopspyramide gesetzt wurde? Bautechnisch wäre es die einfachste Lösung gewesen, zunächst die heute als unvollendete Grabkammer bekannte „Gruft“ auszuheben, um nach vollendeter Arbeit die Pyramide darüber zu bauen. Dann wäre es relativ leicht gewesen, den Abraum durch einen kurzen Schacht ins Freie zu schaffen.
   
Der Gang in die mysteriöse Unterwelt führt aber zum Großteil durch den mächtigen Leib der Pyramide. Wurden also gleichzeitig unterirdisch die geheimnisvolle Kammer und die riesige Pyramide darüber geschaffen?
  
Ich habe mit einer Gruppe von Touristen die „Cheops-Pyramide“ betreten. Dabei haben wir nicht den eigentlichen Eingang benutzt, sondern den von Grabräubern auf der Suche nach Schätzen wie einen Bergwerksstollen in die Pyramide getriebenen Gang. Ich habe bewusst die anderen Pyramidengänger vorausgehen lassen. Sie haben wohl inzwischen die große Galerie erreicht. Ihre Stimmen hallen seltsam, werden immer leiser.

Im Tunnel unterwegs zur unvollendeten Grabkammer.
Foto: Walter Langbein sen.

Meine Bummelei scheint einige Wächter zu verärgern. Durch Gesten deute ich den wachsamen Hütern der Pyramide an, dass ich in die „dritte Kammer“ hinabsteigen möchte. Sie verhalten sich zunächst höchst ablehnend. Einer packt mich am Ärmel und will mir anscheinend den Weg zur „Kammer der Königin“ weisen. Ein zweiter behauptet sogar in gutturalem Englisch, es gebe überhaupt keine dritte Kammer. „No third chamber exist! No exist!“ Wie viele Besucher sich wohl so abwimmeln lassen? Ich krame meinen Geldbeutel aus meiner Kameratasche. „No picture ... no picture!“ Fotografieren ist also verboten. Und die mysteriöse „unvollendete Grabkammer“ gibt es gar nicht.
  
Der Chef-Wächter übernimmt das Gespräch. Seine abweisende Haltung ändert sich schlagartig, als ich einige Geldscheine zücke und das Zauberwort „Bakschisch“ raune, das schon den Helden des sächsischen Dichters Karl May so manchen Weg im Orient ebnete. Es wirkt Wunder. Man will mir jetzt nicht mehr meine Kamera abnehmen. Das Verbot zu Fotografieren ist aufgehoben. Und schon Minuten später darf ich zur dritten Kammer tief unter der Pyramide aufbrechen. Es wird eine strapaziöse Reise in die Unterwelt.

Doch was heißt hier „gehen“? Ganze 1,20 Meter hoch und 1,06 Meter breit macht der „Gang“ ein normales „Gehen“ unmöglich. Vor Anstrengung keuchend und bald heftigst schwitzend, sodass mir die Kleidung wie eine zweite Haut am Leibe klebt, krieche ich krabbelnd dem vielleicht eigentlichen Rätsel der Pyramide entgegen.

Unvollendete Grabkammer,
Tunnel in die Kammer
Foto: Walter-Jörg Langbein
Die Luft ist stickig, muffig, sie reizt zum trockenen, schmerzhaften Husten. Meter für Meter kämpfe ich mich weiter. Eigentlich hatte ich erwartet, rasch die schier unerträgliche Hitze eines ägyptischen Morgens hinter mir lassen zu können, doch weit gefehlt. Es will mir scheinen, als ob es um so heißer wird, je tiefer ich in die „Unterwelt“ der Pyramide vordringe.
  
Endlich kann ich mich kurz aufrichten. Auf einer Länge von nur knapp einem Meter ist der Gang 1,85 Meter hoch. Leide ich an Sinnestäuschungen? Ist mir doch, als ob ich frische, kühle Luft auf der verschwitzten Gesichtshaut spüre! Tatsächlich endet hier eine Art „Rohrleitung“, eine Jahrtausende alte Frischluftzufuhr. Niemand weiß, wie sie verläuft. Wer hat sie wie durch den massiven Leib der Pyramide gelegt? Und zu welchem Zweck? Wen sollte die Luftzufuhr erfrischen?
  
Hastig geht es weiter, wieder in geduckter Haltung. Einmal drehe ich mich um. Der Gang scheint sich in der Unendlichkeit zu verlieren. Meine Knochen schmerzen, als ob ich schon Ewigkeiten hier unten herumkrieche. Und vor mir sieht es so aus, als ob der Gang bis zum Mittelpunkt der Erde reiche. Er scheint nicht enden zu wollen.
  
Endlich geht das Gefälle in einen horizontalen Weg über. Ich weiß, dass ich noch knapp zehn Meter Gang vor mir habe, in gebückter Haltung. Schließlich stehe ich in der unvollendeten Grabkammer. 120 qualvolle Meter liegen hinter mir.

Die unvollendete Grabkammer,
Teilansicht - Foto:
Walter-Jörg Langbein
Wie groß mag die unterirdische Kammer sein? Ich krieche mit einem Messband am Boden entlang, klettere über aus dem Boden wachsende Steingebilde. Die Kammer ist, zu diesem Ergebnis komme ich nach Auswertung meiner Zeichnungen und Messergebnisse, vierzehn Meter lang, etwas über acht Meter breit und bis zu 3,50 Meter hoch. Und sie ist allem Anschein nach wirklich unvollendet. Ich versuche mich in die Lage eines Grabräubers zu versetzen, der in diesen Raum gelangt. Er wird sich nach kurzem Umschauen wieder enttäuscht abwenden. Hier ist nichts Wertvolles zu finden, mag er denken ... und den Gang zurück kriechen.
  
Nach offizieller Lehrmeinung sollte die unvollendete Grabkammer ursprünglich den Sarkophag des Cheops aufnehmen. Dann aber habe man umdisponiert und die Arbeiten an der Kammer unter der Pyramide von heute auf morgen abgebrochen. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die genialen Baumeister des Weltwunders wirklich so wankelmütig waren. Und wenn man wirklich das Projekt unterirdische Grabkammer aufgegeben hat, wieso wurde der gesamte Abraum aus der Baustelle unter der Pyramide mühevoll an die Erdoberfläche geschafft? Sollte das den Eindruck eines überstürzten Aufgebens der unterirdischen Grabkammer unterstreichen.
  
Ich spekuliere: Vielleicht war die vermeintlich unvollendete Grabkammer nie wirklich als Grabkammer gedacht! Vielleicht war sie von Anfang an als ostentativ „unvollendet“ konzipiert, um den Wunsch einer näheren Untersuchung dieser „Unterwelt“ erst gar nicht aufkommen zu lassen? Führt ein verborgener, noch unentdeckter Gang zur Gruft des Pyramidenbauers oder zu den Kammern des Wissens, in denen laut uralter Überlieferung geheimes Wissen vor der Sintflut bewahrt werden sollte?
  
Unter der Cheopspyramide
Foto: Walter-Jörg Langbein
Fakt ist: Die Existenz einer oder gar weiterer Kammern in der Cheops-Pyramide wird von der Ägyptologie vehement bestritten. Vielleicht glaubt die Archäologie wirklich daran, dass es definitiv nur drei Kammern gibt. Aber dann dürfte die „Unvollendete“ nicht zählen. Wo befindet sich dann die wirkliche dritte Kammer? Seit vielen Jahren ist in Fachkreisen bekannt: Es gibt weitere Hohlräume in der Pyramide, zum Teil mit ganz speziellem Sand gefüllt, von dem niemand weiß, woher er stammt.
  
Fakt ist aber auch, dass über Jahre hinweg die Öffentlichkeit in Sachen Cheops-Pyramide massiv getäuscht wird. Es wurden nachweislich im Inneren der Pyramide nicht nur Messungen durchgeführt, wobei modernste Geräte wie Presslufthämmer zum Einsatz kamen. Es wurde mindestens ein Tunnel durch den massiven Leib der Pyramide getrieben, ohne dass die offizielle Archäologie davon etwas wusste.
  
Fakt ist: Es wurden und werden massive Eingriffe in die Bausubstanz der großen Pyramide vorgenommen. Derlei Eingriffe sind ohne Zustimmung höchster Behörden nicht möglich. Wer oder was sucht in der Pyramide ... und wonach? Und warum heimlich? Ich bin davon überzeugt: Ziel dieser illegalen Arbeiten sind noch nicht entdeckte weitere Kammern. Wird man die letzte Ruhestätte des Erbauers der Pyramide finden? Wird man fantastische Entdeckungen in den Kammern des Wissens machen? Und wenn ja, werden wir je darüber informiert werden? Ich habe da erhebliche Zweifel! Nach uralten Quellen wurden in der Pyramide fantastische Objekte versteckt ...

WJL in der unvollendeten Grabkammer.
Foto: Archiv Walter-Jörg Langbein

Auf der Suche nach verborgenen Schätzen,
Teil 207 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 05.01.2014


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (104) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (41) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Der Tote im Zwillbrocker Venn (14) Atlantis der Südsee (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Der hässliche Zwilling (10) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)