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Sonntag, 5. Mai 2019

485 »Das Universum des Professors«

Teil 485 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ich greife noch einmal das Wort von Lama Ole Nydahl auf: (1): »Die grundlegende Natur unseres Geistes ist grenzenlos und unzerstörbar wie der Raum.« Nirgendwo auf der Welt wurde mir Unendlichkeit so klar, so sichtbar, ja spürbar wie auf dem winzigen Inselchen namens »Rapa Nui«. Nirgendwo auf der Welt scheint die unfassbare Unendlichkeit im Kleinsten wie im Größten so nahe beieinander zu liegen wie auf »Rapa Nui«.

Ich muss an die Schlusssequenz eines Films denken: »So nah. Das unendlich Kleine und die Unendlichkeit. Doch plötzlich wusste ich: in Wirklichkeit waren diese beiden Enden Teil desselben Prinzips. Das unglaublich Kleine und das unglaublich Riesige treffen sich schließlich, wie die Enden eines gigantischen Kreises.«

Foto 1: Der Roman ...
Der deutsche Titel des Films »Die seltsame Geschichte des Mr. C.« (Fotos 1, 3 und 4) lässt nicht erkennen, was der Originaltitel verrät.1956 erschien der Roman »The Incredible Shrinking Man« von Richard Burton Matheson (2), der vor wenigen Jahren in Kalifornien verstarb. Schon 1957 wurde der Science-Fiction-Roman von Jack Arnold (3) verfilmt. »The Incredible Shrinking Man« gilt als bester Film Arnolds. Zum Inhalt: Scott Carey gerät bei einem Bootsausflug in eine mysteriöse Wolke und fängt an zu schrumpfen. Er wird immer kleiner und kleiner, bis ihm eine Spinne wie ein furchteinflößendes Monster vorkommt. Warum dies geschieht? Warum schrumpft Mr. C.? Die mysteriöse Wolke dürfte als Folge eines wissenschaftlichen Experiments, vielleicht der US-Militärs, entstanden sein.

Wikipedia schreibt (4): »An der Oberfläche ist Jack Arnolds Film nur ein Science-Fiction-Film, der mit überdimensionierten Bauten die Illusion der unaufhaltsamen Verkleinerung und der daraus resultierenden Bedrohungen darstellt. Jedoch bietet der Film weit mehr.« Das stimmt. Der Film bietet zum Abschluss fantastisch anmutende Philosophie. Mr. C. hat sich in sein Schicksal gefügt. Ja er kann ihm sogar etwas Positives abgewinnen. Seine Erkenntnis: Das unglaublich Kleine und das unglaublich Riesige liegen dicht, ja direkt beieinander, nebeneinander, sind nicht durch Welten getrennt. Das unendlich Kleine ist nicht an einem Ende, das unendlich Große am entgegengesetzten Ende der Skala. Mr. C. begreift das Unfassbare, ja das Unbegreifbare:

»Ich sah auf.  Als könnte ich plötzlich den Himmel verstehen. Das Universum – unzählige Welten. Gottes silberner Mantel, der sich über den Nachthimmel breitet. Und in diesem Moment begriff ich plötzlich das Rätsel der Unendlichkeit. Ich hatte bisher in den begrenzten, menschlichen Konzeptionen gedacht. Ich hatte die Natur beurteilt. Dass die Existenz beginnt und endet, ist ein menschliches Konzept, nicht das der Natur.«

Foto 2: Ein kühnes Werk...

Wenn das menschliche Konzept von einer endlichen, also begrenzten Existenz von uns erfunden und verinnerlicht wurde, können wir uns dann überhaupt die wirkliche Realität vorstellen? Prof. Markolf H. Niemz (* 1964 in Hofheim am Taunus) ist ein deutscher Physiker. 1995 erhielt er von der »Heidelberger Akademie der Wissenschaften« für seine Forschungen in Sachen Lasermedizin (5) den Karl-Freudenberg-Preis. Prof. Niemz entwickelte ein Weltbild, das alle bisherigen Weltbilder zu Makulatur erklärt. Der Physiker schreibt (6): »Das Jetzt ist. Es hat weder Anfang noch Ende, sondern währt immerzu. … Wir irren gewaltig, wenn wir glauben, Raum und Zeit seien real, die Ewigkeit sei dagegen eine Illusion. In Wahrheit verhält es sich genau anders herum. Der Raum und die Zeit sind Illusionen, aber die Ewigkeit ist real.«

Die »Illusion von Raum« lässt sich mathematisch einfach darstellen. Nehmen wir an, wir sitzen im Mittelpunkt eines Kreises. Von uns aus ist jeder Punkt auf dem Kreis genau 30 cm entfernt. Der Kreis hat also einen Durchmesser von 60 cm und einen Radius von 30 cm. Nun verwandeln wir den Kreis in eine Kugel. Wir befinden uns im Mittelpunkt der Kugel. Jeder Punkt auf der Oberfläche der Kugel ist von uns 30 cm entfernt. Die Kugel hat einen Durchmesser von 60 cm. Jeder Punkt auf einem Kreis hat vom Mittelpunkt des Kreises aus gemessen die Entfernung r (r=Radius). Jeder Punkt auf der Oberfläche einer Kugel hat zum Mittelpunkt der Kugel die Entfernung r.

Foto 3: Der Film
Nun werden wir geradezu vermessen kühn! Wir vergrößern unsere Kugel. Somit wächst natürlich auch der Radius unserer Kugel. Egal wie groß wir die Kugel werden lassen, immer hat jeder Punkt auf der Oberfläche der Kugel zum Mittelpunkt der Kugel die Entfernung r. Was aber geschieht, wenn die Kugel den Durchmesser unendlich hat? Dann ist jeder Punkt auf der Oberfläche der Kugel von ihrem Mittelpunkt unendlich weit entfernt. Dann ist jeder Punkt in der Kugel  immer unendlich weit von der »Oberfläche« der Kugel entfernt.Mit anderen Worten: Jeder beliebige Punkt in einem unendlich großen Universum ist der Mittelpunkt des Universums. Alles befindet sich also im Mittelpunkt des Universums. Wenn sich aber alles im Mittelpunkt des Universums befindet, dann ist das Universum nur ein Punkt. Ein Punkt ist nicht darstellbar. Wenn wir mit einem Bleistift einen Punkt auf einem Blatt Papier hinterlassen, dann ist das kein Punkt, sondern ein winziges räumliches Objekt, das hoch, breit und dick ist. Der mathematische Punkt aber hat keine Fläche, er ist eine Illusion. Leben wir also nicht in einem realen Raum, sondern in einer Illusion?

Ich wiederhole das Zitat von Prof. Markolf H. Niemz (6): »Wir irren gewaltig, wenn wir glauben, Raum und Zeit seien real, die Ewigkeit sei dagegen eine Illusion. In Wahrheit verhält es sich genau anders herum. Der Raum und die Zeit sind Illusionen, aber die Ewigkeit ist real.«

Foto 4: Der Film...
Prof. Markolf H. Niemz hat Einsteins Relativitätstheorie weiter geführt und ein mehr als fantastisch anmutendes Universum entwickelt, in welchem es keinen realen Raum und keine reale Zeit gibt, so wie wir uns das vorstellen. Unser Vorstellungsvermögen ist, auch wenn unser aufgeblasenes Ego diese schmerzliche Wahrheit gern leugnet, sehr begrenzt. Schon ein unendlich großes Universum übersteigt bei weitem unsere Vorstellungskraft. Unendlicher Raum und unendliche Zeit, das sind zwei Begriffe jenseits unseres Vorstellungsvermögens. »Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.«, dies postulierte kein Geringerer als Albert Einstein (*1879; †1955). Und weiter sagte er: »Wenn die Menschen nur über das sprächen, was sie begreifen, dann würde es sehr still auf der Welt sein.« Die meisten Menschen verteidigen ihr bescheidenes Wissen und bestreiten, dass es jenseits dieses engen Horizonts Erkenntnisse gibt, die fantastischer sind als die Fantasien, die wir gelegentlich kühnen Fantasten gestatten. Kluge Fantasten haben es auch heute noch schwer, sich bemerkbar zu machen. Zu laut plappern jene, die recht wenig begreifen und doch alles zu wissen meinen.

Prof. Markolf H. Niemz hat, basierend auf Einsteins Relativitätstheorie, ein fantastisches Bild nicht nur von unserer Welt, sondern vom Kosmos entwickelt. Die Physik von Prof. Niemz bestätigt die Weisheitslehren von Buddha bis Jesus. Worte aus der Bibel (im Alten wie im Neuen Testament), aus den Apokryphen (Beispiel:»Evangelium nach Philippus«) und aus dem Koran (Beispiel: Sure 24) lassen vermuten, dass die Grundkenntnisse einer fantastischen Physik Eingeweihten schon vor Jahrtausenden bekannt waren. Unbeantwortet bleiben muss die Frage, woher denn dieses Wissen stammt, sprich wer es den Eingeweihten vermittelt hat.

Foto 5: Das Erstlingswerk
Foto 6: Fantastische Realität?
Ich versuche das Bild vom Universum nach Prof. Markolf H. Niemz vereinfacht darzustellen: Es gibt keinen Raum, also keine Entfernung. Alles ist hier und nicht hier und dort. Es gibt keine Unterscheidung zwischen gestern, heute und morgen. Alles ist jetzt. Raum und Zeit sind Illusionen. ALLES ist eine Illusion, die in einer Art Computerwelt existiert. Allerdings ist kein Rechner erforderlich. Wir sind wie alles eingebettet in einer einzigartigen Realität aus Schwingung, »im Licht« formuliert es Prof. Markolf H. Niemz. Im Licht sind Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft allgegenwärtig. Und Licht kann, so Prof. Markolf H. Niemz, die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits wie unsere Seele überwinden.

Prof. Niemz (7): »Licht hat keine Ruhemasse und kann deshalb – wie auch unsere Seele – die Barriere zwischen dem Diesseits und Jenseits überwinden. Ja, vielleicht ist das Licht sogar die Sprache im Jenseits? Hat es somit tieferen Sinn, wenn wir Kerzen für Verstorbene anzünden.« Sollte etwa gar Kommunikation zwischen Diesseits und Jenseits möglich sein?

Literaturempfehlungen:
Neben seinem neuesten Buch »Ichwahn« empfehle ich frühere Werke des Wissenschaftlers, die seit 2005 erschienen sind (8).

Judas Aries hat eine Einführung in die fantastische Welt von Prof. Markolf H. Niemz (9) verfasst: »Gefährder Einstein« (Foto 7).

Fußnoten
Foto 7
(1) Bei dem Büchlein ohne Titel handelte es sich wahrscheinlich um einen Privatdruck. Weder Verlag noch Verlagsort oder Jahr des Erscheinens konnte ich entdecken.
(2) Richard Burton Matheson wurde am 20. Februar 1926 in Allendale, New Jersey geboren. Er starb am 23. Juni 2013 in Calabasas, Kalifornien.
(3) Jack Arnold, geboren als John Arnold Waks (* 14. Oktober 1916 in New Haven, Connecticut; † 17. März 1992 in Woodland Hills, Kalifornien), war ein US-amerikanischer Filmregisseur.
(4) wikipedia-Artikel »Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.«, Stand 11. März 2019
(5) »Zu elementaren Wechselwirkungsarten zwischen Laserlicht und biologischem Gewebe«
(6) Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander«, Ludwig-Verlag/ Random Hose, München 2017, e-Book-Ausgabe, Position 982 und Position 985
(7) Prof. Markolf H. Niemz: »Lucy mit c: Mit Lichtgeschwindigkeit in Jenseits«, 4. Auflage 2008, komplett überarbeitet, eBook, Position 1383, Norderstedt 2008
(8) Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy mit c: Mit Lichtgeschwindigkeit ins Jenseits«, Norderstedt 2005
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucy im Licht: Dem Jenseits auf der Spur«, München 2007
Niemz, Prof. Markolf H.: »Lucys Vermächtnis: Der Schlüssel zur Ewigkeit«, München 2009
Niemz, Prof. Markolf H.: »Bin ich, wenn ich nicht mehr bin? Ein Physiker entschlüsselt die Ewigkeit«,  Freiburg 2011
Niemz, Prof. Markolf H.: »Ichwahn: Ein Physiker erklärt, warum Abgrenzung gegen unsere Natur ist. Der Schlüssel für ein neues Miteinander, München 2017
(9) Aries, Judas: »Gefährder Einstein/ Wie Sie Gott mit GOTT zu Fall bringen«,
Norderstedt 2019


486 »Leben wir in einer Computersimulation?«,
Teil 485 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 12. Mai 2019

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Sonntag, 28. April 2019

484 »Unendlicher Raum und große Stille«

Teil 484 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Sie hatten einst alle Augen...

Es war kurz nach Mitternacht. Ich ging auf einem »Sträßchen« entlang der felsigen, zum Teil schroff abfallenden Küste der Osterinsel in nördliche Richtung. Schließlich erreichte ich eine flache Stelle. Die Brandung zog sich zurück, das Meer schien zu schweigen. Ich setzte mich auf einen flachen Stein und schaute aufs Meer hinaus. Da bewegte sich etwas. Es ging durch seichtes Wasser. Es war ein Pferd.

Foto 2: Cooks »Bark Endeavour«

Der englische Seefahrer James Cook (*1728; †1779) erforschte und kartographierte den Pazifik gründlicher als alle seine Vorgänger. Das wertvollste Gut, das Cook auf seinen Schiffen wie etwa der »Bark Endeavour« oder der »Bark Resolution« (1), vorrätig hielt, war Trinkwasser. Cook ließ, als er die Südsee systematisch befuhr, auf jeder Insel Frischwasser an Bord nehmen. Maßlos enttäuscht war James Cook von der Osterinsel. Er erreichte das Eiland am 11. März 1773. Cook hielt in seinen Aufzeichnungen fest, dass das Trinkwasser auf der Osterinsel von miserabler Qualität sei. Es war seiner Meinung »schlecht, kaum wert, an Bord gebracht zu werden«. Am 17, März 1773 hielt Cook fest: »Keine Nation wird je für die Ehre kämpfen, die Osterinsel erforscht zu haben, sintemalen es kaum ein anderes Eiland in jenem Meer gibt, welches weniger Erfrischungen bietet und Annehmlichkeiten für die Schifffahrt, wie dieses.«

Es war kurz nach Mitternacht. »Mein Pferd« stapfte plantschend durch seichtes Wasser, hob immer wieder den Kopf und beäugte mich – so kam es mir vor – argwöhnisch. Und immer wieder senkte es den Kopf und trank. Salzwasser? Ob ich mich da nicht vielleicht doch täuschte? Vorsichtig näherte ich mich am Ufer dem ängstlichen Tier. Es stand in seichtem Wasser und schien tatsächlich Salzwasser zu trinken.

Osterinsel.de, die wahrscheinlich seriöseste Informationsquelle in Sachen Osterinsel fasst zusammen (2): »Außer Süßwasserseen in den Kratern des Rano Kau, Rano Raraku und Rano Aroi gibt es keine Gewässer auf der Insel. Die Osterinsel ist eine Vulkan-Insel mit porösem Tuffgestein. Das Regenwasser versickert schnell in den Boden, sammelt sich auf härtere Schichten und fließt unterirdisch zur Küste. Gerade an der Südküste sind in der Nähe der Ahu-Anlagen künstlich angelegte Tiefbrunnen zu finden, aus denen Süßwasser geschöpft wurde. Die ersten europäischen Entdecker waren deshalb auch der Meinung, die Rapa Nui würden Salzwasser trinken.«

Foto 3: Cooks »Bark Resolution«
Als das Pferd vor mir zurückwich, entfernte ich mich langsam auf dem Sträßchen weiter in Richtung Norden. Drei oder vier Pferde kamen mir entgegen, machten einen weiten Bogen um mich und gesellten sich dem trinkenden Artgenossen zu. Es gab keinen Zweifel. Die Pferde tranken, aber kein Salzwasser, sondern Brackwasser, eine Mischung aus Salzwasser und aus dem Boden quellenden Regenwasser.

Am 11. Oktober 2018 berichtete wissenschaft.de (4) über »Osterinsel: Erstaunliche Trinkwasserquelle«. Ich darf zitieren: »Wie die Forscher um Carl Lipo von der Binghamton-Universität erklären, bekommt die Insel nur vergleichsweise wenig Regen ab und dieser versickert sehr schnell in dem porösen Boden. Es gibt auf der Insel deshalb keine Fließgewässer und nur zwei sehr schwer zugängliche Kraterseen. Es wurden zwar Spuren kleiner Regenwasserspeicher der Rapanui gefunden. Sie konnten aber wohl kaum die Bevölkerung in trockenen Zeiten versorgen, erklären die Forscher. Ihnen zufolge müssen sich die Erbauer der Moai noch auf andere Weise mit Trinkwasser versorgt haben. Grundlage ihrer Studie bildete eine mysteriöse Bemerkung in den Aufzeichnungen der europäischen Entdecker: Angeblich tranken die Ureinwohner Meerwasser. Das ist natürlich eigentlich nicht möglich: Der hohe Salzgehalt macht es nicht nur zu einem abstoßenden, sondern auch lebensgefährlichen Getränk.«

Carl Lopos Team machte eine Entdeckung, so berichtet wissenschaft.de weiter: »Es gibt demnach Bereiche an der Küste, an denen man Brackwasser abschöpfen kann, dass den Analysen des Salzgehalts zufolge trinkbar ist. ›Die porösen vulkanischen Böden absorbieren schnell Regen, weshalb es keine Fließgewässer gibt‹, sagt Lipo. ›Doch glücklicherweise fließt das Wasser im Untergrund und verlässt den Boden dann an Stellen, an denen poröses Gestein auf den Ozean trifft. Bei niedrigen Gezeiten führt dies dazu, dass das Süßwasser direkt ins Meer fließt und genutzt werden kann‹, resümiert der Wissenschaftler.«

Er und seine Kollegen sind sogar der Meinung, dass die ungewöhnliche Trinkwasserbeschaffung etwas mit den monumentalen Statuen zu tun haben könnte. Es gilt als unklar, warum sie nur an bestimmten Orten auf der Insel errichtet wurden – mit einer hohen Konzentration in der Nähe der Küsten. ›Jetzt, da wir wissen, wo das Trinkwasser herkam, zeichnet sich eine Erklärungsmöglichkeit für die Positionierung der Monumente ab: Sie wurden dort gebaut, wo das Süßwasser vorhanden war‹, sagt Lipo. Dieser Spur wollen die Forscher nun weiter nachgehen.«

Foro 4: 15 Kolosse wenden dem Meer den Rücken zu

Die Presse frohlockte. Eine weitere Nuss in Sachen Geheimnisse unseres Planeten war geknackt. Am 16.11.2019 jubelte die schweizerische Tageszeitung »Blick« (5): »Rätsel um die Osterinsel Statuen gelöst«. Vorsichtiger formulierte »Der Standard« am 12. Januar 2019 (6): »Archäologie/ Weiteres Mysterium um Statuen der Osterinsel womöglich gelöst«. »Vienna.at« ließ am 16. Januar 2019 keinerlei Zweifel mehr zu (7): »Rätsel um mysteriöse Steinstatuen auf der Osterinsel ist gelöst«. Weiter lesen wir  da: »Endlich weiß man, warum die bekannten Statuen aus Stein auf der Osterinsel stehen.« weather.com weiß, dass wir’s nun ganz genau wissen (8): »Uraltes Rätsel gelöst: Deswegen stehen die Statuen auf der Osterinsel. Die Steinstatuen auf der Osterinsel, auch Moai genannt, stellen Wissenschaftler schon lange vor Rätsel. Eine Studie deckt nun auf, was sich hinter den Standorten der Steinfiguren verbirgt.«

Was »deckt die Studie« wirklich auf? Zunächst weist die Studie darauf hin, dass bei Ebbe plötzlich »Quellen« zu erkennen sind, aus denen Regenwasser in den Pazifik fließt. Bei Flut sind diese »Quellen« nicht zu erkennen. Dann wird eine These aufgestellt, und die lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Statuen wurden um die Osterinsel herum aufgestellt, um zu markieren an welchen Stellen im Uferbereich trinkbares Wasser austritt. Bei Ebbe kann das Brackwasser abgeschöpft und als Trinkwasser genutzt werden.

Offen gesagt: Mir leuchtet diese Erklärung nicht wirklich ein. Es mag durchaus zutreffen, dass da und dort, wo Statuen im Uferbereich auf Plattformen stehen, tatsächlich auch solche »Quellen« austreten. Aber um zu markieren, wo diese für das Leben auf der Osterinsel unverzichtbaren Regenwasserquellen sprudeln, da mussten nicht bis zu zehn Meter hohe Steinkolosse quer über die Insel transportiert und auf mächtigen Plattformen aufgestellt werden. Auch wären dann keine tonnenschweren »Hüte«, die auf den Häuptern der Statuen platziert wurden, erforderlich gewesen. An der Bucht von Tongariki stehen dicht bei dicht gleich fünfzehn der weltberühmten Osterinselstatuen. Und diese Kolosse sollen auf eine Süßwasserquelle aufmerksam machen? Es hätten einfachere Hinweise voll und ganz genügt, etwa kleine Steinpyramiden.

Foto 5: Sie schauten ins Landesinnere
Was meiner Meinung nach gegen diese neue »Erklärung« spricht: Mit Ausnahme der sieben steinernen Kundschafter wenden alle an der Küste stehenden Statuen dem Meer den Rücken zu. Wenn sie aufzeigen sollten, wo Quellen sprudeln, würden man sie dann nicht mit dem Blick zur Quelle hin aufgebaut haben? Vor allem: Es gab Höhlen auf der Osterinsel. in denen trinkbares Wasser sprudelte. Meines Wissens gibt es in unmittelbarer Nähe dieser Höhlen keine Statuen. Im Landesinneren gab es auch Plattformen mit Statuen, in deren Nähe kein Wasser zutage trat.

Anfang der 1980er Jahre machte mich der Kulmbacher Rudolf Kutzer (9), von Beruf Architekt und Baustatiker, auf einen interessanten Gedanken aufmerksam. Der Dipl.-Ingenieur kam nach gründlichen Recherchen vor Ort zur Überzeugung, dass sich die Blicke aller rund um die Osterinsel aufgestellten Statuen an einem Punkt im Inneren des mysteriösen Eilands treffen. Zufall? (Ausgenommen sind natürlich die zahlreichen Statuen im Inneren des Eilands, etwa beim »Steinbruch« und jene Sieben, die die sieben Kundschafter repräsentieren! Um die geht es nicht.)

Rudolf Kutzer veröffentlichte im Sammelband »Aus den Tiefen des Alls, Handbuch zur Prä-Astronautik« (10) ein Kapitel über die Osterinsel (11), betitelt »Feststellungen und Gedanken zur Osterinsel«. Da heißt es erklärend zu einer Zeichnung (12): »Die einzelnen ›Strahlen‹, die sich über dem Inselmittelpunkt treffen und vielleicht einen ›heiligen Ort‹ auf dem Boden anzeigen, werden durch die Blickrichtung der rings um die Insel aufgestellten Moais ›erzeugt‹.« Sollten also die Statuen rund um die Osterinsel dem Pazifik den Rücken zuwenden, um alle einen Punkt im Inneren des nach wie vor rätselhaften Eilands anzupeilen? In »Ava Ranga Uka a Toroke Hau« gab es einst ein Wasserheiligtum, bestehend aus künstlichen Kanälen, Wasserbecken und einer Feuerstelle. Sollen uns die Blicke der steinernen Riesen zu diesem Heiligtum im Inneren der Osterinsel locken?  Dort hat von 2008 bis 2018 ein Team der »Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts« umfangreiche Ausgrabungen durchgeführt. Treffen sich die Blicke der Osterinselriesen dort? Oder gibt es irgendwo in der »Unterwelt« ein Heiligtum, das bis heute nicht entdeckt wurde? Eine präzise Rekonstruktion des Schnittpunkts, wo sich alle Blicke der Riesenstatuen treffen, ist leider nicht mehr möglich: Wir wissen ja nicht, wie genau die einzelnen Statuen auf ihren Podesten standen, bevor sie gestürzt wurden. Niemand weiß, ob sie exakt so wieder aufgerichtet wurden, wie sie einst positioniert waren.

Foto 6: Ja wo schau(t)en sie denn hin, die Statuen?

Katherine Routledge versuchte vor über einem Jahrhundert dem Geheimnis der Osterinsel näher zu kommen. Das mysteriöse Eiland ähnele sehr den »Scilly Inseln«. Die kaum bekannte Inselgruppe liegt vor der Südwestspitze Englands bietet fast subtropisches Klima. Sie schrieb über die »Scilly Inseln«, Cornwall, was auch auf die Osterinsel zutrifft (13):

»Überall weht der Wind des Himmels. Um uns herum und über uns dehnen sich grenzenloses Meer und Himmel aus, unendlicher Raum und eine große Stille. Wer dort lebt, der lauscht ohne zu wissen wem oder was.  Und der spürt unbewusst, dass er sich in einem ›Vorzimmer‹ befindet, zu etwas noch viel Weiterem, das sich jenseits seines Wissens befindet.

Die Osterinsel wie die »Scilly Islands« liegen einsam, ja verloren auf unserem Planeten in den unendlichen Weiten des Universums. Und wir? Wir verbringen eine Winzigkeit von Zeit in der unendlichen Geschichte des Universums.

Auf einer Zugfahrt von Hannover nach Bremen zeigte mir ein freundlicher Mitreisender ein schmales Bändchen, mit Sprüchen von Ole Nydahl und anderen buddhistischen Lehrern. Von Lama Ole Nydahl stammt ein bemerkenswertes Zitat, das mir immer in den Sinn kommt, wenn ich über die Geheimnisse der Osterinsel nachdenke. Es lautet (14): »Die grundlegende Natur unseres Geistes ist grenzenlos und unzerstörbar wie der Raum. So wie wir mit dem Geist arbeiten und zu dieser Erkenntnis kommen, dann erkennen seine natürlichen Qualitäten deutlich und wir werden furchtlos und bekommen mehr Überschuss, um anderen zu helfen.«


Foto 7: Auch er schaut Richtung Inland
Fußnoten
(1) Die »Resolution« war ein Kohleschiff und hieß ursprünglich »Bark Marquis of Granby«. Sie wurde zunächst in »Drake«, dann (aus Rücksicht auf die Spanier) in »Resolution« umgetauft.
(2) http://www.osterinsel.de/08-moai-inland.htm (Stand 19.02.2019)
(3) https://www.blick.ch/life/wissen/naturwissenschaften/geheime-wasserquellen-entdeckt-raetsel-um-die-osterinsel-statuen-geloest-id15113236.html (Stand 19.02.2019)
(4) https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/osterinsel-erstaunliche-trinkwasserquelle/ (Stand 19.02.2019)
(5) https://www.blick.ch/life/wissen/naturwissenschaften/geheime-wasserquellen-entdeckt-raetsel-um-die-osterinsel-statuen-geloest-id15113236.html (Stand 19.02.2019)
(6) https://www.derstandard.de/story/2000095977353/weiteres-mysterium-um-statuen-der-osterinsel-womoeglich-geloest (Stand 19.02.2019)
(7) https://www.vienna.at/raetsel-um-mysterioese-steinstatuen-auf-osterinseln-ist-geloest/6063035 (Stand 19.02.2019)
(8) https://weather.com/de-DE/wissen/mensch/video/uraltes-ratsel-gelost-deswegen-stehen-die-statuen-auf-der-osterinsel (Stand 19.02.2019)
(9) Rudolf Kutzer wurde 1924 geboren.
(10) Fiebag, Peter und Johannes: »Aus den Tiefen des Alls, Handbuch zur Prä-
     Astronautik«, Tübingen 1985
(11) ebenda, Seiten 221-241
Siehe auch https://www.fischinger-blog.de/2015/07/die-insel-die-zum-himmel-sieht-die-maoi-weisen-den-weg-eine-pyramide-ueber-der-osterinsel-und-eine-geheime-botschaft-im-inneren/ (Stand 19.2.2019)
(12) Fiebag, Peter und Johannes: »Aus den Tiefen des Alls, Handbuch zur Prä-
     Astronautik«, Tübingen 1985, Seite 239
(13) Routledge, Katherine: »The Mystery of  Easter Island«, 1919, Nachdruck Kempton 1998, Zitat Seite 133, Zeilen 12 bis 17 von unten. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein.
(14) Ole Nydahl, auch als Lama Ole bekannt, wurde am 19. März 1941 nördlich von Kopenhagen geboren. Von 1960 bis 1969 studierte er Philosophie, Englisch und Deutsch in Kopenhagen und einige Semester auch in Tübingen und München. Das Philosophikum bestand er mit Bestnote. Bei dem Büchlein handelte es sich wahrscheinlich um einen Privatdruck. Weder Verlag noch Verlagsort oder Jahr des Erscheinens konnte ich entdecken.

Zu den Fotos
Foto 1: Sie hatten einst alle Augen... Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Cooks »Bark Endeavour«. Wiki commons/ gemeinfrei
Foto 3: Cooks »Bark Resolution«. Wiki commons/ gemeinfrei
Foto 4: 15 Kolosse wenden dem Meer den Rücken zu. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Sie schauten ins Landesinnere. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 : Ja wo schau(t)en sie denn hin, die Statuen? Archiv Langbein/ Kutzer 
Foto 7: Auch er schaut Richtung Inland. Foto Walter-Jörg Langbein
Im Schatten des Riesen: Ingeborg Dielmann (rechts) und Elfriede Wellbrock (rechts)

485 »Das Universum des Professors«,
Teil 485 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 5. Mai 2019



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