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Sonntag, 2. August 2020

550. »Zweimal Himmel und retour«

Teil 550 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Henoch wurde nach dem »Alten Testament«, nach dem Koran und nach apokryphen Texten von Engeln in höchste himmlische Gefilde und wieder retour gebracht. »Sepher Raziel Ha Malach«, das vielleicht geheimnisvollste Buch der Weltgeschichte, wurde von Engel Raziel aus himmlischen Gefilden zur Erde getragen.

In den Details gab und gibt es da unterschiedliche Textvarianten. Niemand weiß, wie viele Versionen verlorengegangen sind. Nach einer Überlieferung aus der rabbinischen Welt wollten einige eifersüchtige Engel verhindern, dass Adam durch das mysteriöse Buch zu geheimstem Wissen kommen würde. Sie stahlen es und schleuderten es ins Meer. Engel Rehab musste auf Befehl Gottes in die Tiefen tauchen, das Buch im Saphierstein bergen und Adam zurückgeben.

Foto 1: Entweder bekam Adam
das »Raziel-Buch« schon
im Paradies ausgehändigt...
(Koberger Druck 1493).
Widersprüchlich sind die Angaben in den alten Legenden zur Frage, wann denn Adam in den Besitz des Buches gelangt sein soll. War dies schon zu Zeiten, als Adam noch mit Eva im Paradies leben durfte? Oder erhielt Adam das »Sepher Raziel Ha Malach« erst nach der Vertreibung aus dem Paradies? Mir leuchtet Variante 2 besser ein. Warum sollte Gott Adam verbieten, vom Baum der Erkenntnis zu naschen, um ihm sozusagen gleichzeitig geheimstes Wissen in einem Wunderbuch anzuvertrauen?

Verschiedene Überlieferungen vermelden im Detail Widersprüchliches. War Adam nur 130 Jahre jung als ihm das in Saphir geschnitzte göttliche Wissen ausgehändigt wurde? Oder geschah dies erst ein halbes Jahrtausend später auf Adams flehentliches Jammern hin?

Das »Äthiopische Henochbuch« (1) dürfte spätestens in den letzten Jahrhunderten vor Christus entstanden sein. Ob es ein älteres »Urmanuskript« gegeben hat? Das mag sein, aber ein solches Manuskript wurde bis heute nicht gefunden. Vermutlich geht der umfangreiche Text auf mehrere Teilmanuskripte unterschiedlicher Verfasser zurück. Wir wissen nicht mit Sicherheit, in welcher Sprache die ältesten Texte einst verfasst wurden. War es hebräisch? War es aramäisch? Es geht um Engel, die Henoch zu Himmelsreisen einladen. Oder sollte man besser sagen, die ihn entführen? Wie oft war Henoch im Himmel? Es geht um astronomisches Wissen und um die »Weltgeschichte«. Gelegentlich mahnt Henoch, manchmal rügt er.

Das »Slavische Henochbuch« (2), gern als »2. Henoch« bezeichnet, gilt allgemein als etwas jünger. Meist wird eine nachchristliche Entstehungszeit angenommen. Auch vom »Slavischen Henochbuch« liegt nicht das Urmanuskript vor. Es wird viel spekuliert. Eine Fassung in kirchenslavischer Sprache liegt vor, bei der es sich – so wird vermutet – um eine Übersetzung aus dem Griechischen handeln könnte. Übereinstimmung herrscht freilich in dieser Frage keine. So hat man eine Rückübersetzung aus dem Slavischen ins Hebräische vorgenommen. Es kann sein, dass der Satzbau des »Slavischen Henochbuchs« ein Original in hebräischer Sprache nahelegt. Dann ist es womöglich zumindest in Teilen womöglich älter als gewöhnlich angenommen. Oder wurde der Text ursprünglich in griechischer Sprache verfasst? Hat der Schreiber nur hebräische »Hebraismen« eingebaut?

Wenn sich Theologen mit Henoch beschäftigen, dann verbannen sie seine Schilderungen von Himmelsreisen in den Bereich des Märchenhaften.

Foto 2: ... oder Adam erhielt
das mysteriöse Buch erst nach
der Vertreibung aus dem Paradies
(Koberger Druck 1493).
Das »Slavische Henochbuch« beginnt mit einer Entführung in den Himmel. Insgesamt absolvierte Henoch alias Idris aber zwei, vermutlich sogar mehrere Reisen von der Erde in den Himmel und wieder retour. Und Engel Raziel brachte »sein« Buch aus dem Himmel zur Erde. Über einzelne Begriffe in den rätselhaften Büchern wird diskutiert. Weisen sie auf einen Urtext in hebräischer Sprache hin? Oder legen sie die Vermutung nahe, dass der ursprüngliche Text in griechischer Sprache verfasst wurde. Theologisches Geplänkel gibt es viel, aber dass es womöglich reale Himmelsreisen gegeben haben könnte, das ist und bleibt für Theologen tabu.

»The Sword of Moses« ist ein weiterer apokrypher Text, der von hohen himmlischen Gefilden, von Engelwelten und geheimsten Wissen berichtet. Das Buch wird erstmals um das Jahr 1000 vom Leiter der jüdischen Akademien in Babylon, Haya Gaon, in einem Brief erwähnt. Moses Gaster (*1856; †1939), jüdischer Oberrabbiner und Gelehrter, beschäftigte sich intensiv mit dem Text und kam zur Schlussfolgerung, dass er womöglich schon vor zwei Jahrtausenden entstanden sein mag. Doch uraltes Wissen über den Kosmos passt nicht ins Weltbild von Theologen und Wissenschaftlern. Theologen wie Wissenschaftler vertreten in schöner Harmonie ein Bild von der Entwicklung des Menschen. Beide stellen den Menschen als Krone der Schöpfung oder Krone der Evolution dar. Sich besonders fortschrittlich wähnende Theologen wollen Evolution als einen von Gott ausgelösten Entwicklungsprozess verstanden wissen.

In beiden Weltbildern steht der heutige Mensch hoch oben und blickt auf seine Vorgänger herab. Eine zyklische Entwicklung (wie sie von Azteken und Mayas gesehen wurde) darf es nach beiden Weltanschauungen nicht geben. Mayas und Azteken kannten aufeinanderfolgende Zeitalter, nicht eine lineare Entwicklung von O bis jetzt. Ein Auf und Ab wird in unserer Kultur ausgeschlossen. Die Entwicklung ging langsam voran, vom Primitiven zum Aktuellen. Wir sind demnach allen Vorgängerkulturen haushoch überlegen. Ausgeschlossen wird, dass es schon in grauer Vorzeit Kulturen gegeben hat, die uns ebenbürtig oder gar überlegen waren.

Der Mensch steht zu Beginn des dritten Jahrtausends an der Schwelle zum Kosmos. Wird uns der Sprung ins All gelingen? Oder löschen wir uns vorher selbst aus? Ausgeschlossen wird, dass das womöglich schon vor Jahrtausenden so war, und das womöglich nicht nur einmal, sondern wiederholte Male.

Was erkennen wir? Was verstehen wir? Oder besser gefragt: Was können wir verstehen? Wir können nur »verstehen«, was man uns beigebracht hat. Wirklich verstehen aber heißt meiner Meinung nach, auch Neues, bislang Unbekanntes begreifen. Um das zu können, müssen wir stets dazu bereit sein, das Erlernte ständig zu hinterfragen und womöglich als falsch zu erkennen. Das wiederum ist die erste Voraussetzung für ein Vorankommen beim Begreifen der Wirklichkeit. Ich formuliere es etwas bescheidener: Wir werden nur den Versuch unternehmen können, etwas mehr von der Wirklichkeit zu erfassen, wenn wir dazu bereit sind, bislang als gesichert geltende »Erkenntnisse« rigoros über Bord zu werfen. Bisher standen alle vermeintlich wissenschaftlichen Doktrinen auf recht wackeligen Beinen.

Foto 3: Der »Azteken-Kalender«
dokumentiert den Glauben an eine zyklisch ablaufende Zeit.
Foto Ingeborg Diekmann

Lange Zeit habe ich gebraucht, bis mir klar wurde, dass ich in Schulen und an der Universität nicht gelernt habe, selbständig zu denken. Vielmehr wurde mir beigebracht, was als vernünftig und somit richtig zu gelten hatte und was nicht hinterfragt werden darf.

Voraussetzung für wirkliches Weiterkommen auf dem weiten, weiten Feld der Erkenntnis ist allerdings die Bereitschaft, alles, was bislang als vernünftig und richtig gegolten hat, zu hinterfragen. Es hat im Verlauf der Menschheitsgeschichte nur deshalb eine Weiterentwicklung gegeben, weil es immer wieder Pioniere gegeben hat, die das etablierte Denken abgelehnt und ganz neue Wege entdeckt haben. Sie haben in der Regel nur mit großer Anstrengung den engen Horizont ihrer Zeit überwunden und sind zu neuen Horizonten aufgebrochen.

Angeblich war es der weise Konfuzius (*551 v.Chr.; †479 v.Chr.), der folgenden Sinnspruch formuliert hat: »Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen.« Eine alte Volksweisheit besagt, dass nur tote Fische mit dem Strom schwimmen. Aber es ist vollkommen gleichgültig, ob man mit oder gegen den Strom schwimmt, wenn es einem genügt, im Fluss zu bleiben. Wenn wir aber das weite, weite Feld der Erkenntnis zu beiden Uferseiten erkunden wollen, dann werden wir wohl oder übel aus dem Fluss klettern müssen. Dann, und nur dann können wir das weite, weite Land, das vor uns liegt, erkunden. Nur dann werden wir die Welt kennenlernen können!

Bequemer ist es allerdings, weiter zu schwimmen wie bisher und zu behaupten, außerhalb unseres Ambientes gebe es nichts. Dann können wir weiter glauben, dass die Welt am Ufer endet.

Es gibt eine weite, große Welt altehrwürdiger Überlieferungen. Eine Vielzahl »heiliger Texte« finden wir in dieser weiten, weiten Welt. Verstehen wir diese Texte, diese Überlieferungen? In der Regel verlassen wir uns auf »Experten«, die uns erklären, wie die alten Texte und Überlieferungen zu verstehen sind. Diese »Experten« freilich sind in der Regel im Studium nicht deshalb schnell vorangekommen, weil sie selbst gedacht oder gar altehrwürdige »Erkenntnisse« hinterfragt haben. Vielmehr haben sie brav übernommen, was ihnen vorgedacht wurde. Und ihnen folgen wiederum die mit Erfolg nach, die wiederum ihre »Erkenntnisse« hinnehmen und mit Eifer bestätigen. Nur die wenigsten »Experten« wagen es, den Strom zu verlassen und an Land zu gehen. Dort aber warten die wirklich neuen Erkenntnisse. Es kann sein, dass man dann nicht nur neues Wissen hinzugewinnt, sondern bislang als gesichert geltendes »Wissen« als falsch erkennen muss. Voraussetzung ist aber, um im Bild zu bleiben, dass man den Mut aufbringt, den bewährten Fluss zu verlassen.
Sind wir dazu bereit?

Foto 4: Bei den Mayasfolgte Epoche auf Epoche,
auf einen Untergang ein neuer Anfang.

Bei den Mayas (3) folgte Epoche auf Epoche, auf einen Untergang ein neuer Anfang. Die sich so zivilisiert wähnende Menschheit von heute scheint zielstrebig auf ein Ende hinzuarbeiten, auf das es einen Neuanfang ohne Menschheit geben wird. Es ist möglich, dass der Mensch eine Zukunft auf einer endlosen Reise ins All erleben wird. Es ist aber auch möglich, vielleicht sogar wahrscheinlicher, dass sich die Menschheit selbst auslöschen und in der Geschichte des Iniversums weniger als eine kleine Fußnote sein wird. Planet Erde kommt ganz ausgezeichnet ohne uns Menschen zurecht. 

Fußnoten
(1) »Henochbuch oder Erster Henoch« in Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seiten 355-451
(2) »Henochbuch (slawisch) oder Zweiter Henoch/ Das Buch der Geheimnisse Gottes/ Die Offenbarungen Gottes« in Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seiten 452-473
(3) Schele, Linda und Freidel, David: »Die Unbekannte Welt der Maya/ Das Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt«, Augsburg 1994, Übersetzung von »A Forest of Kings«
Westphal, Wilfried: »Die Maya – Volk im Schatten seiner Väter«, Bindlach 1991

Zu den Fotos
Foto 1: Entweder bekam Adam das »Raziel-Buch« schon im Paradies ausgehändigt... (Koberger Druck 1493).
Foto 2: ... oder Adam erhielt das mysteriöse Buch erst nach der Vertreibung aus dem Paradies (Koberger Druck 1493).
Foto 3: Der »Azteken-Kalender« dokumentiert den Glauben an eine zyklisch ablaufende Zeit. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 4: Bei den Mayas folgte Epoche auf Epoche, auf einen Untergang ein neuer Anfang. Foto Walter-Jörg Langbein

551. »Von der Pyramide in die Unterwelt«,
Teil 551 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 09. August 2020
 



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Sonntag, 19. Juli 2020

548. »Alles menschliche und göttliche Wissen«

Teil 548 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Erzengel Raziel, 17. Jahrhundert.
(vermutl. Spanien).
Engel beschäftigen mich schon seit einigen Jahrzehnten. Wunderschönen Darstellungen bin ich in deutschen Kirchen und Kapellen begegnet, aber auch in der Südsee. Erste Ergebnisse meiner Recherchen erschienen bereits 1981 in der Monatsschrift »Esotera« (1) in einer zweiteiligen Serie. Ich muss zugeben, dass die spannende Thematik immer verwirrender wurde, ja intensiver ich mich mit den mysteriösen Himmelswesen beschäftigt habe. Je mehr Material ich zusammentrug, desto geheimnisvoller wurde die Welt der Engel.

Vordergründig ist der Sachverhalt klar. Für gläubige Christen sind Engel ganz besondere Wesen. Zur Weihnachtszeit treten sie massiv auf. Sie blasen Posaune oder singen »Oh du fröhliche…« Und seit Jahrhunderten werden sie in der abendländischen Kunst meist als attraktive menschliche Wesen gezeigt. Nicht selten sind es ansehnliche junge Frauen. Und immer haben Engel mächtige Flügel am Rücken. Je wichtiger, je bedeutsamer ein Engel ist, desto imposanter sind seine Flügel. Die Engel der Bibel, speziell des »Alten Testaments«, haben aber mit den Engeln der Kunst und unzähliger kitschiger Darstellungen der letzten Jahrhunderte nichts zu tun.

Biblische Engel sind auch keine Frauen, sondern immer Männer, und ohne Flügel. Sie haben eine prosaische Funktion: Botschaften von Gott werden übermittelt. Diese Funktion wird deutlich, wenn wir im Hebräischen nachlesen. »Mal’ach« steht da in der »Biblia Hebraica«, »Engel« heißt es viele Male in den Übersetzungen. Wortgetreu wäre schlicht und einfach »Bote« oder »Übermittler von Botschaften«. Sie überbrachten Nachrichten vom himmlischen Gott an irdische Menschen.

Es gibt es eine kaum zu überschauende Fülle von Namen. Offensichtlich gibt es sehr viel mehr Namen als Engel, weil ein und derselbe Engel oft unter verschiedenen Namen in Erscheinung tritt. Im »Slavischen Henochbuch« zum Beispiel, so »Jewish Encyclopedia« (2) taucht unter den Namen »Raguel« und »Rasuel« erstmals der Engel »Raziel« auf. Und tatsächlich, der slav slavischerische Henoch, auch »Das Buch der Geheimnisse Gottes« genannt (3) erwähnt Engel Rasuel (4).

Prof. Ernst Bammel (*1923; †1996) leitete an der »Friedrich Alexander Universität« zu Erlangen in den späten 1970er Jahren spannende Seminare zu den mysteriösen »Schriftrollen vom Toten Meer«, die in den Jahren von 1947 bis 1956 in elf Felshöhlen nahe der Ruinenstätte Khirbet Qumran im Westjordanland entdeckt hat.

An Professor Bammel konnte ich mich wenden, wenn ich Fragen zu außerbiblischen Texten hatte. Professor Bammel erklärte mir, dass der Name »Raziel« mit »Geheimnis von Gott« übersetzt werden könne. Das sei nur logisch, denn Gott, so Prof. Bammel, hat diesem Engel »Geheimnisse« anvertraut. Nicht ganz klar scheint zu sein, ob »Raziel« ein echter individueller Eigenname oder ein Titel im Sinne von »Gottes Geheimnisträger« ist.

Höchst mysteriös ist eine offenbar recht umfangreiche »Sammlung geheimer Schriften«. Zu dem zum Teil nur schlecht erhaltenen Texten gehört das »Buch Raziel«. Einen Teil der Texte, so ist es überliefert, hat Erzengel Raziel dem biblischen Adam übermittelt, kurz nachdem der wegen des berühmten »Apfelskandals« aus dem Paradies vertrieben worden war. Ein anderer Teil wurde dem biblischen Noah übermittelt. Raziel, so haben es die Lehrer der »Geheimlehre Kabbala« übermittelt (5), »ist der Erzengel der Mysterien und Hüter der Geheimnisse. Er ist der Verfasser des Buches »Sepher Raziel Ha Malach« (Malach bedeutet so viel wie Engel.) Als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, war ihnen bald die Tragweite dessen bewusst. Als Adam deshalb zu beten begann, so die Legende, erhörte ihn Gott und sandte den Erzengel Raziel zu ihm.

Von Adam kam dann das Buch in die Hände Noahs. … Nach der Sintflut überreichte Noah es dem Patriarchen Abraham, welcher das Buch nach Ägypten brachte. Das Buch wurde von Vater zu Sohn weitergegeben und schließlich hielt eines Tages auch König Salomo das Buch in den Händen, der König des Friedens und der Weisheit.« Gebaut wurde die »Arche Noah« nach einem »himmlischen Bauplan« im vielleicht mysteriösesten Buch der Welt.

Ein Detail ist besonders interessant, wie »Jewish Encyclopedia« unter dem Stichwort »Raziel, Book of« vermeldet (6): »Das Buch wurde in Saphirstein eingraviert und von Generation zu Generation weitergegeben, bis es zusammen mit vielen anderen geheimen Schriften in den Besitz Salomos gelangte.«

Während meines Studiums der Theologie an der »Friedrich-Alexander- Universität« zu Erlangen-Nürnberg nutzte ich ausgiebig die üppig ausgestattete Bibliothek. Während sich viele meiner Studienkollegen zum Beispiels Luthers Traktate, Tischreden und Predigten zu Gemüte führten, interessierten mich ganz andere Veröffentlichungen. Besonders fasziniert hat mich »The Golden Bough: A Study in Magic and Religion« von Sir James George Frazer (*1854; †1941). Der schottischer Ethnologe und Klassischer Philologe gilt als Mitbegründer der Religionsethnologie. Kein anderes mir bekanntes Werk eines Wissenschaftlers hat so gründlich Mythologie und Religion miteinander verglichen. Im englischen Original erschien »The Golden Bough« zwischen 1906 und 1915 in dritter Auflage in zwölf stattlichen Bänden. Eine sehr stark gekürzte Version in einem Band erschien 1928 in Leipzig in deutscher Übersetzung: »Der goldene Zweig. Das Geheimnis von Glauben und Sitten der Völker«. Spannend und sehr aufschlussreich sind Sir Fraziers religionswissenschaftliche Vergleiche (7).

Foto 2: Die »Arche Noah«,
Gemälde von Edward Hicks (*1780; †1849)

Über den mysteriösen Raziel weiß Sir Frazier Interessantes zu berichten (8). Demnach lernte Noah aus Raziels Buch »Sepher Raziel Ha Malach«, wie die berühmt-legendäre »Arche« gebaut werden musste. Dieses Buch, so Sir Frazier, enthielt »alles menschliche und göttliche Wissen«. Das Opus war kein gewöhnliches »Papier-Buch«, auch kein Papyrus oder Codex. Vielmehr war es aus Saphiren gefertigt und erinnert der Beschreibung nach mehr an einen Computer als an ein herkömmliches Buch. So diente es dem Noah »als Zeitmesser«, der Tag und Nacht funktionierte. An Bord der Arche bewahrte Noah Raziels »Sepher Raziel Ha Malach« sorgsam in einer »goldenen Kassette« auf.

Über die Jahre habe ich versucht, so viele Einzelheiten über Raziels Buch »Sepher Raziel Ha Malach« in Erfahrung zu bringen. Unbezweifelbar ist der im wahrsten Sinne des Wortes himmlische Ursprung dieses seltsamen Buches. Es kam aus dem Himmel. Robert von Ranke-Graves (*1895; †1985) veröffentlichte ein umfangreiches Werk. Eingefleischten Anhängern eines rein patriarchalischen Gottes sehr zu empfehlen ist (9) »Die weiße Göttin« aus seiner Feder.

Wie die »Jewish Encyclopedia« und Sir James George Frazer, so legt auch von Ranke-Graves dar, dass das Buch »Sepher Raziel Ha Malach« eine Sammlung von kosmischen Geheimnissen bietet, die in einen Saphir eingeritzt worden sind (10). Kann man denn ein Buch in einen Saphir einritzen? Selbst ein riesiger Saphir bietet doch viel zu wenig Platz, um mehr als nur einen einzigen kurzen Satz zu verewigen. Und doch könnte ein Saphir tatsächlich ein ganzes Buch aufnehmen, freilich wäre dazu modernste Technologie erforderlich, die doch wohl zu biblischen Zeiten nicht zur Verfügung stand. 

Siddharth Dhomkar, Physiker vom »City College in New York«, beklagt, dass heutige Speichertechnologie, die vor wenigen Jahrzehnten allenfalls als futuristische Zukunftsvision denkbar war, längst an ihre Grenzen stößt, veraltet ist und dringend abgelöst werden muss.

»Die übliche Festplatte hat ihr Limit erreicht und kann maximal einige Terabytes speichern. Zudem halten sie nur einige Jahre, dann verhalten sie sich seltsam oder fallen gleich ganz aus.« Unsere heutigen Speichermedien haben, so Siddharth Dhomkar, keine Zukunft (11). Was heute an Daten verewigt wird, verdient diese Bezeichnung gar nicht. DVDs und andere optische Speicher, konstatiert der Wissenschaftler, funktionieren in der Praxis höchstens einige Jahrzehnte. Sogenannte »Flash-Speicher« sind womöglich schon nach wenigen Jahren bereits unzuverlässig und somit kein wirklich taugliches Speichermedium.

Siddharth Dhomkar hat nun einen praktikablen Weg gefunden, Daten in Diamanten zu speichern. Christian Buck: »Bei der Lebensdauer der Bits wäre das Material allen Konkurrenten haushoch überlegen: Lagert man den Diamanten in Dunkelheit, sollen die Daten ewig halten. Auch die Speicherkapazität wäre kaum zu schlagen. Die Daten kann Dhomkar im gesamten Diamanten speichern – nicht bloß auf einer Ebene wie bei DVDs. Dadurch erreicht er eine bis zu 1000-fach höhere Speicherdichte als Blu-ray-Disks. Und das könnte erst der Anfang sein.«

1953 sang Marilyn Monroe »Diamonds Are a Girl’s Best Friend« im Film »Blondinen bevorzugt«. 2053 sind vielleicht Diamanten der beste Freund von gespeicherten Daten, die dann »unsterblich« sein können. Noch ist die neue Methode nicht ausgereift, doch es zeichnen sich schon fantastisch anmutende Möglichkeiten ab: Diamanten als Speicher könnten Daten für die Ewigkeit erhalten. Sollte Gott sein himmlisches Wissen auf modernste Weise für die Ewigkeit abgespeichert haben? Nach dem »Slavischen Henochbuch« war jedenfalls der »ewige Gott« der Urheber des mysteriösen »Sepher Raziel Ha Malach«-Buches. Und der bezeichnet sich im »Slavischen Henochbuch« (12) als »ewig«.

Fußnoten
(1) Langbein, Walter-Jörg: »Engel im Orbit«, »Esotera« Juni und Juli 1981.
(2) »Jewish Encyclopedia«, Stichwort »Raziel, Angel«.  http://www.jewishencyclopedia.com/articles/12605-raziel (Stand 12.05.2020)
(3) »Henochbuch (slawisch) oder Zweiter Henoch/ Das Buch der Geheimnisse Gottes/ Die Offenbarungen Gottes« in Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seiten 452-473
(4) Ebenda, Kapitel 33, Vers 6
(5) »Erzengel Raziel in der Kabbala«, »Edition Ewige Weisheit«, »Über die Esoterische Philosophie in den West-Östlichen Traditionen«. https://www.ewigeweisheit.de/geheimwissen/kabbalah/erzengel/raziel (Stand 12.05.2020)
(6) »Jewish Encyclopedia«, Stichwort »Raziel, Book of«. http://jewishencyclopedia.com/articles/12606-raziel-book-of (Stand 12.05.2020)
(7) Frazer, George: »Folk-lore in the Old Testament; studies in comparative religion, legend and law«, London 1919
(8) Ebenda, Seite 143
(9) Ranke-Graves, Robert von: »Die weiße Göttin/ Sprache des Mythos«, Berlin 1981
(10) Ranke-Graves, Robert von und Patai, Raphael: »Hebräische Mythologie/ Über die Schöpfungsgeschichte und andere Mythen aus dem Alten Testament«, Reinbek 1986, Seite 65, »12.«.
(11) Buck, Christian: »Daten für die Ewigkeit«, erschienen in »Technology Review«, Print-Ausgabe 04/2017
(12) Das »Slavische Henochbuch« Kapitel 33, Vers 4


Zu den Fotos
Foto 1: Erzengel Raziel, 17. Jahrhundert. (vermutl. Spanien). Foto wikimedia commons, public domain
Foto 2: Die »Arche Noah«, Gemälde von Edward Hicks (*1780; 1849). wikimedia commons, gemeinfrei.

549. »Und wir erhoben ihn zu einem hohen Ort.«
Teil 549 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26. Juli 2020


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