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Sonntag, 28. Oktober 2012

145 »Von Rädern, Zahnrädern und Spielzeug«

Teil 145 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Tenochtitlan-Zentrum, Rekonstruktion
Foto: Thelmadatter
»Diese Kultur ist das einzige Beispiel für einen gewaltsamen Tod. Sie verkümmerte nicht, sie wurde nicht unterdrückt oder gehemmt, sondern in der vollen Pracht ihrer Entfaltung gemordet, zerstört wie eine Sonnenblume, der ein Vorübergehender den Kopf abschlägt.« So beschreibt der Geschichtsphilosoph Oswald Spengler (1880-1936) in seinem epochalen Werk »Untergang des Abendlandes« (1) die gewaltsame Vernichtung des Mayaimperiums.

Resigniert-zynisch konstatiert Oswald Spengler (2): »Das alles wurde nicht etwa durch einen verzweifelten Krieg gebrochen, sondern durch eine Handvoll Banditen in wenigen Jahren so vollständig zerstört, daß die Reste der Bevölkerung bald nicht einmal eine Erinnerung bewahrten. Von der Riesenstadt Tenochtitlan blieb kein Stein über dem Boden, in den Urwäldern von Yukatan liegen die Großstädte der Mayareiche dicht beieinander und fallen rasch der Vegetation zum Opfer. Wir wissen von keiner einzigen, wie sie hieß.«

Tenochtitlan ist vollkommen vom Erdboden verschwunden und die unterirdischen Reste sind vollkommen vom Moloch Mexiko-City überbaut worden. Archäologie ist nirgendwo sonst ein so schwieriges Unterfangen. Eine Rekonstruktion des sakralen Zentrums von Tenochtitlan ist inzwischen gelungen. Sie lässt erahnen wie gigantisch die einstige Metropole einst war.

Das Observatorium
von Chichen Itza
Foto: W-J. Langbein
Neben der »Weltstadt Uxmal« preist Spengler (3) Chichen Itza und Labna als »glänzende Großstädte«. Er lobt (4) ihre »gesamte hohe Politik«, staunt über ihr komplexes »geordnetes Finanzwesen, hochentwickelte Gesetzgebung mit Verwaltungsgedanken und wirtschaftlichen Gewohnheiten, wie sie die Minister Karls V. nie begriffen hätten, mit reichen Literaturen in mehreren Sprachen, einer durchgeistigten und vornehmen Gesellschaft in großen Städten, wie sie das Abendland damals keine einzige aufzuweisen hatte.«.

Zu den Glanzleistungen der Mayas gehörte auch die präzise, wissenschaftliche Astronomie. Ihre Observatorien – wie das von Chichen Itza – legen heute noch Zeugnis ab für den faszinierenden Kosmos der Mayas.
Ich muss zugeben: Es ist einige Fantasie erforderlich, um in den Ruinen von Labna die einstige Metropole zu erkennen. Das riesige Tor lässt vergangene Glorie erahnen. In dumpfer Hitze schuftende Arbeiter lassen erkennen, dass sich unter staubigen Erdhügeln Schutthaufen türmen. Aus den Schotterbergen rekonstruieren sie unter wissenschaftlicher Anleitung Bauten aus der stolzen Mayazeit. Und stolz ragen da und dort einzelne Ruinen in den Himmel, die im Lauf der vielen Jahrhunderte noch nicht vollständig zerfallenen sind.

Vom einstigen Prunk und Glanz ist kaum noch etwas erhalten ... und das wenige, was die Zeiten überdauert hat, ist uns nach wie vor rätselhaft. Der »Palast« war einst mit einer Vielzahl von »Verzierungen« versehen, deren Sinn bis heute zu Spekulationen anregt. So dicht gedrängt sind die sauber ausgearbeiteten Reliefs und Skulpturen, dass wir leicht etwas übersehen.

Aus dem Eck des »Palastes« ragt die mysteriöse Schlange heraus. Sie hat ihr Maul furchteinflößend aufgerissen ... Ein menschliches Gesicht ragt heraus. Das ominöse Wesen zieht heute so die Blicke auf sich, dass andere Einzelheiten übersehen werden.

Da wurde, mit bestechender Präzision etwas herausgearbeitet, was es angeblich zu Zeiten der Mayas gar nicht gegeben hat: ein Rad mit »Speichen« ... oder ist es eher ein Zahnrad? Deutlich zu erkennen ist die Achse, auf der das Rad steckt. Man möchte beim Betrachten meinen, dass sich das Rad gleich wieder um die Achse dreht. Wenn nicht Räderwerk ... was wollte der Steinmetz der Mayas dann darstellen? Besonders markant ist ein Rad aus Stein ... Es darf nur keines sein, weil die Mayas doch das Rad nicht kannten!

Diese Behauptung aber erscheint mir unglaubwürdig: Die Baumeister der Pyramiden und Tempel der Mayas sollen das Rad nicht gekannt haben? Sie sollen gewaltige Massen an Stein transportiert haben, ohne das Rad zu benutzen? Sie sollen ihr Reich mit einem ausgeklügelten System von breiten Straßen überzogen haben ... und das Rad nicht gekannt haben?

Warum bildeten sie dann aber – zum Beispiel in Labná – Räder ab? Es lässt sich nicht bestreiten: Das Rad von Labná ist eindeutig ein Rad! Mir kommt es so vor, als solle hier eine technische Apparatur dargestellt werden, bei der mehrere Räder ineinander greifen. Welchem Zweck mag die Vorrichtung gedient haben, die hier in Stein nachgebildet wurde?

Das Räderwerk von Labná - Foto: W-J.Langbein
Wikipedia findet im Artikel über das Rad eine interessante Lösung für das Radproblem! (5) Die Mayas haben in Zentralamerika das Rad zwar erfunden und in Reliefs an Tempeln auch sehr deutlich dargestellt ... aber sie haben es im Alltag nicht eingesetzt. Warum sollten sie das getan haben? Warum sollten sie beim Transport für ihre Pyramiden und Tempel keine Karren mit Rädern verwendet haben? Wikipedia meint, Wagen seien zu Mayazeiten nicht nachgewiesen. Wagen seien nicht eingesetzt worden, weil den Mayas keine geeigneten Zugtiere – wie etwa Pferde – zur Verfügung standen.

Steinquader auf Karren von A nach B zu transportieren, ist auch ohne Pferde praktischer und leichter, als sie zu tragen. Warum sollten die Mayas auf den Einsatz des Rades bei der Arbeit verzichtet haben ... wenn sie es doch kannten? Eine Antwort bietet sich zunächst an: Den Mayas war das Rad heilig. Sie verwendeten es lediglich bei der Darstellung ihres zyklischen Kalenders, nicht aber bei niederer Fronarbeit!

War für die Mayas das Rad etwas sehr Heiliges? War für sie das Rad kein Gebrauchsgegenstand, sondern ein sakrales Symbol? Stellte das Rad die Sonnenscheibe dar, die am Tag über den Horizont rollte? Oder versinnbildlichte das Rad für die Mayas die Zeit? Die Mayas hatten ein zyklisches Bild von der sich ewig wie ein Rad weiter drehenden Zeit. Das Rad könnte also für den ewigen Zeitenlauf stehen.

Räder von Labná - Fotos W-J.Langbein
Denkbar wäre diese Überlegung ... wenn da nicht die Spielzeuge von Maya-Kindern wären: Tiere – eventuell Hunde – wurden von Mayakindern an einer Schnur gezogen. Und diese Spielzeugtiere liefen ... auf Rädern! Die anthropologischen Museen von Mexiko City und Jalapa haben Spielzeuge mit Rädern in ihren umfangreichen Sammlungen! Die Mayas kannten also nicht nur das Rad, sie setzten es auch ein: etwa nur als Spielzeug? Wikipedia geht davon aus. (6)

Im »Anthropologischen Museum von Jalapa« soll es ein ganz besonderes »Ensemble« geben: ein hundeartiges Tier zieht ein Wägelchen. Meine Überzeugung: Die Mayas kannten eben doch das Rad! Ich verstehe nicht, warum das in der Maya-Forschung nach wie vor bestritten wird! Drängt sich mir eine – ketzerische – Frage auf: Was wird uns sonst noch über die Mayas verschwiegen? Waren sie gar nicht das »primitiv-blutrünstige« Volk, für das sie nach wie vor gern gehalten werden? Wikipedia schreibt (6): »Sie (die Mayas) benutzten schon in präkolumbischer Zeit Räder, sogar Zahnräder, in mehr oder weniger feinmechanischen Geräten.«


Wir sehen uns gern als die Krone der Schöpfung oder der Evolution. Fundamentalistischer Christ und strenggläubiger Darwin-Fan kommen letztlich zum gleichen Ergebnis: Der Mensch steht über allen Kreaturen. Bei den Religiösen – Juden, Christen und Moslems – hat Gott den Menschen an die Spitze der Schöpfung gesetzt. Bei den Wissenschaftsgläubigen hat die Evolution den Menschen an die Spitze katapultiert. In beiden Weltbildern überragt unsere heutige Zivilisation alle früheren Epochen. In beide Weltbilder passen frühe Kulturen, die der heutigen überlegen waren, ganz und gar nicht ins Bild.

Fußnoten
1 Spengler, Oswald: »Untergang des Abendlandes«, Sonderausgabe in einem Band, München 1980, S. 606 unten und S. 607 oben
2 ebenda, S. 607
3 ebenda, S. 608
4 eben da, S. 607
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Rad (Stand: 6.12.2011!)
6 ebenda
7 Hinweis zum Foto »Mayaspielzeug in Labná«. Diese Collage wurde zusammengesetzt aus einem Foto, das ich in Labná aufgenommen habe... und aus einem Foto aus dem Archiv von Erich von Däniken. Ich bedanke mich bei Erich von Däniken!

Däniken über die Mayas
Literaturempfehlung
Däniken, Erich von: »Was ist falsch im Maya-Land? Versteckte Technologien in Tempeln und Strukturen«, Rottenburg 2011

Die Bücher von Walter-Jörg Langbein

»Das Geheimnis vom Leistruper Wald«,
Teil 146 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 04.11.2012


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Sonntag, 14. Oktober 2012

143 »Rad oder nicht?«

Schildkröten, Schlangen und Ruinen 4
Teil 143 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Der Mann mit der
»Schriftrolle«
Foto: W-J.Langbein
Andächtig stehe ich unter der steinernen Statuette. Sie zeigt eine Person im Lendenschurz und ... so scheint es mir ... mit einem Umhang, der am Hals verknotet ist. In der Hand hält diese Person – ist es ein Mann oder eine Frau? – etwas Längliches, Rundes. Sollte es sich um einen Schriftgelehrten ... oder einen Priester handeln, der einen kostbaren Codex hält? Leider wurden ja die Maya-Codices in Massen von den spanischen Eroberern gesammelt und verbrannt.

Mag sein, dass das gesamte Wissen der Mayas einst in Schriftform verewigt worden ist. Die einst riesige Bibliothek wurde aber – noch bevor sie von Schriftgelehrten aus Europa kopiert oder gar entziffert werden konnte – mit Pedanterie Stück für Stück auf lodernde Scheiterhaufen geworfen. So sind wir heute auf Spekulationen angewiesen. Wir müssen Vermutungen anstellen ... und können die Geschichte der Mayas nicht wie ein Buch lesen. Auch die sogenannte seriöse Maya-Forschung spekuliert viel, auch wenn gern so getan wird, als seien fantasievolle Annahmen solides Wissen.

Da mag eine Skulptur für den einen Wissenschaftler den »Kopf der Königin von Uxmal« darstellen. Für den anderen Wissenschaftler hingegen ist es ganz klar das Haupt eines greisen Priesters ...

Die seltsamen runden Objekte
Foto: W-J.Langbein
Bleiben wir in Uxmal: Hinter dem Kopf der kleinen Statue mit der Schriftrolle – vielleicht ist es ja auch ein Zeremonialstab oder eine Keule – mache ich zwei runde Objekte aus, jeweils mit einem Loch in der Mitte. Sie befinden sich an der Mauer, hinter der seltsamen Gestalt, rechts und links vom Kopf. Was wurde da im Stein verewigt?

Der unvoreingenommene Betrachter erkennt sofort zwei Räder. Die Radnabe, so scheint mir, ist besonders sorgsam in den Stein gemeißelt worden. Den Laien wird es nicht weiter wundern ... Warum sollten denn Maya-Steinmetze nicht Räder dargestellt haben? Die Mayas haben herrliche Pyramiden gebaut ... da werden sie doch wohl mit dem Rad keine Probleme gehabt haben. Schon beim Betrachten eines runden Baumstamms muss doch ein findiger Mensch zum Rad gekommen sein. Ein runder Baumstamm rollt .. und ein Rad ist eine Scheibe, die man von einem runden Baumstamm absägt. Muss der Mensch nicht früher oder später das Rad erfunden haben?

Sieht aus wie ein Rad
Foto: W-J.Langbein
Ich bin davon überzeugt: Das Rad ist im Verlaufe der Menschheitsgeschichte oft erfunden worden, an unterschiedlichsten Stellen unseres Globus, von unterschiedlichsten Menschen. Aber: Die Mayas konnten zwar herrliche Tempelstädte bauen, die miteinander durch ein gewaltiges Netzwerk von Straßen verbunden waren ... sie kannten aber nicht das Rad! Die Mayas bauten Hunderte Kilometer von Straßen, oftmals 300 Kilometer lang und zehn Meter breit ... aber sie kannten nicht das Rad! Sie nivellierten ihre Straßen mit großem Geschick, hoben einzelne Straßenteile an, pflasterten die Verkehrswege. Sie besserten sie aus, wenn nötig. Und das alles für Fußgänger und Läufer, denn nach wissenschaftlicher Lehrmeinung war den Mayas das Rad unbekannt. Was aber zeigt das Relief von Uxmal, wenn kein Rad?

Auf diesem Straßensystem wurden keine Vehikel gezogen, wurden keine Karren zum Transport von Lasten eingesetzt?

Wer offenen Auges durch Maya-Ruinen wandert, der wird überall Darstellungen von Rädern finden ... zum Beispiel in Chichen Itza! In Chichen Itza sah ich eine ganze Reihe von Rädern, kunstfertig in den Stein graviert. In einem Fall waren drei Räder übereinander zu sehen. Deutlich zu erkennen sind die Naben, die von dort ausgehenden Speichen. Nur wer vom Lehrsatz »Die Mayas kannten nicht das Rad!« absolut überzeugt ist, erkennt ein Rad nicht als Rad ... jedenfalls nicht bei den Mayas!

Drei Räder von
Chichen Itza
Foto: W-J.Langbein
Weltweit kämpft eine mehr oder minder gut organisierte Gruppe gegen alles, was in ihren Augen »unwissenschaftlich« ist. Mit geradezu theologischer Spitzfindigkeit wird argumentiert: »Etwas sieht aus wie...« bedeutet nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, dass dieses etwas auch das ist, wonach es aussieht. Natürlich muss ein Relief aus Mayazeiten, das so aussieht wie ein Raumfahrer in seinem Flugvehikel... nicht wirklich ein Astronaut im Shuttle sein. Die selbsternannten Verteidiger der »Wissenschaft« - sie nennen sich »Skeptiker« - gehen aber einen Schritt weiter. »Etwas sieht aus wie... dann ist es nicht das, wonach es aussieht!« Seltsame »Logik«!

Ein Rad sieht aus wie ein Rad. Und wenn die Mayas etwas in den Stein meißelten, das so aussieht wie ein Rad ... warum soll es dann kein Rad sein? Ich meine: Wissenschaft sollte die eigenen Erkenntnisse immer wieder skeptisch hinterfragen.

Vielleicht war im Reich der Mayas – so wie im Iran schon vor rund vier Jahrtausenden – das Rad doch bekannt? Vielleicht wurde auf dem Straßensystem der Mayas nicht nur gelaufen? Ein Rad aus dem Iran ... sieht aus wie ein Rad und ist ein Rad. In Chichen Itza gibt es eine ganze Reihe von Reliefs, die ganz einfach so etwas wie Räder zeigen ... Es gibt vollständige Räder, sorgsam in den Stein geritzt. Und es gibt Bruchstücke von steinernen Rädern, von denen einige eher schlecht als recht zusammengefügt wurden.

Räder im Iran (oben) und in
Mexiko - Fotos: Conscious
(oben), W-J.Langbein (unten)
Vielleicht muss der Lehrsatz »Die Mayas kannten nicht das Rad!« revidiert werden? Steinerne Räder in allen möglichen Varianten, von Maya-Künstlern verewigt, bringen den Lehrsatz ins Wanken! Was ich nicht verstehe: Wieso will man den Mayas nicht das Rad zubilligen? Warum gehen Maya-Experten in dickleibigen Wälzern über die Mayas mit keinem Wort auf die Räder der Mayas ein? (1)

Nicht bezweifelt wird, dass die Mayas das Rad in Steinreliefs verwendeten, um ihren Kalender bildlich darzustellen. Die Mayas gingen ja von einem zyklischen Zeitablauf aus. Das heißt: Für die Mayas hatte die Zeit keinen Anfang und kein Ende. Zeit war wie ein Kreis: ohne Anfang, ohne Ende. Zeit dreht sich nach dem Verständnis der Mayas unaufhörlich.... eben wie ein Rad!



Fußnote
1 Die folgenden Werke – eine kleine Auswahl – verschweigen die Existenz der Maya-Räder. Dessen ungeachtet bieten sie eine Fülle wichtiger Informationen zur geheimnisvollen Welt der Mayas!
Bacon, Edward (Herausgeber): Versunkene Kulturen/ Geheimnis und Rätsel
früher Welten, Volksausgabe, München 1970,
(Mayas, Kap. 7. S. 93 fff.)
Biedermann, Hans: Altmexikos Heilige Bücher, Graz 1971
Bourbon, Fabio (Text): The Lost Cities of the Mayas/ The life, art and
discoveries of Frederick Catherwood, Vercelli (Italien) 1999


Räder ... Räder .. Räder - Fotos W-J.Langbein












Bridges, Marilyn: Für die Götter/ Luftaufnahmen heiliger Landschaften,
Frankfurt 1990 (Bildband)
(Bauwerke der Mayas, Yucatán und Chiapas, S. 32-55)
Cotterell, Maurice M.: The Mayan Prophecies, Shaftesbury 1995
Cotterell, Maurice M.: The Supergods/ They came on a mission to save
mankind, London 1998
Cottrel, Leonard: The Horizon Books of Lost Worlds, New York 1964
(Geschenk von Bob Fell, Kollege von Papa, USA)
Drew, David: The Lost Chronicles of the Maya Kings, London 1999
Eggebrecht, Eva und Arne: Die Welt der Maya/ Archäologische Schätze aus
drei Jahrtausenden, 2. Auflage, Hildesheim und Mainz 1992
Fuls, Andreas: Die astronomische Datierung der klassischen Mayakultur (500-
1100 n.Chr.), Hamburg 2007
Gockel, Wolfgang: Die Geschichte einer Maya-Dynastie/ Entzifferung
klassischer Maya-Hieroglyphen am Beispiel der Inschriften von Palenque,
Mainz 1988


Räder, Räder, Räder ...
Fotos W-J.Langbein
Ivanoff, Pierre: Monumente großer Kulturen/ Maya, Luxemburg 1974
Krickeberg, Walter (Hrsg.): Märchen der Azteken und Inkaperuaner, Maya
und Muisca, Düsseldorf 1972
Martinéz, Pio und Bandini, Pietro: Das Götterorakel von Yucatán/ Das
Geheimwissen der Maya entschlüsselt, München 1998
Méndez, Maria Teresa Mézquita: Die Prophezeiungen der Mayas, Mérida,
Mexiko, 3. Auflage 2010
National Geographic Society: Versunkene Reiche der Maya, Augsburg 1997
Prem, Hanns J. und Dyckerhoff, Ursula: Das alte Mexiko/ Geschichte und
Kultur der Völker Mesoamerikas, München 1986
Schele, Linda und Mathews, Peter: The Code of the Kings/ The Language of
seven sacred Maya Temples and Tombs, New York 1998
Schele, Linda und Freidel, David: Die Unbekannte Welt der Maya/ Das
Geheimnis ihrer Kultur entschlüsselt, Augsburg 1994, Übersetzung von A
Forest of Kings
Schele, Linda und Miller, Mary Ellen: The Blood of the Kings/ Dynasty and
Ritual in Maya Art, Fort Worth 1986 (korr. Nachdruck)
Sitchin, Zecharia: Versunkene Reiche/ Der Ursprung der Zivilisation im
Reiche der Maya und Inka, Rottenburg 2008
Soustelle, Jacques: Die Kunst des alten Mexiko, Osnabrück 1968
Stuart, David und George: Palenque/ Eternal City of the Maya, London 2008
Westphal, Wilfried: Die Maya – Volk im Schatten seiner Väter, Bindlach 1991
Wipf, Karl A.: Wanderer in der Nacht/ Religionsgeschichtliche Interpretationen
zu altamerikanischen Chroniken, Hallein 1980

Die Bücher von Walter-Jörg Langbein


»Das geheimnisvolle Tor von Labná«,
Teil 144 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 21.10.2012


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Sonntag, 23. September 2012

140 »Schildkröten, Schlangen und Ruinen«

1: Die Pyramide des Zauberers
Teil 140 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


US-Präsident George W. Bush
besichtigt Uxmal
Foto: Paul Morse - Weißes Haus
Vom Hotel »Misión Park Inn Uxmal« ist es nur ein Katzensprung zu den Ruinen von Uxmal. Hier haben, so erfahre ich, neben anderen Größen Königin Elizabeth und Prinz Philipp von England und Rainer von Monaco nebst Gattin logiert. In der »Queen Elizabeth Master Suite« darf auch der Normalsterbliche sein müdes Haupt betten ... muss aber in der Urlaubszeit mit etwa 1100 Dollar pro Nacht rechnen. Ob US-Präsident George W. Bush ebenfalls hier nächtigte, konnte ich nicht eruieren. Besichtigt hat das Staatsoberhaupt der USA Uxmal gemeinsam mit seinem mexikanischen Amtskollegen Felipe Calderon am 13. März 2007.

Sehr viel günstiger ist das »normale« Einzelzimmer ... selbst mit Whirlpool im Bad.
Der kleine Spaziergang vom Hotel zu den »Ruinas« tut nach einer nervigen Busfahrt gut. Schon vom Hotel aus sieht man die »magische« Pyramide. Am Abend scheint sie von innen heraus zu glimmen ...

Die Atmosphäre ist exotisch-idyllisch ... »Urwald« pur, aber parkanlagenhaft, bequem zu durchschlendern. Man schreitet heute sozusagen durch ein fremdartiges Paradies, während sich die ersten Besucher vor Jahrhunderten durch eine lebensbedrohliche Hölle quälen mussten. Die frühen Entdecker und Erforscher waren oftmals begeisterte Laien, die unter Einsatz ihres Lebens die Maya-Welten erkunden wollten. Sie waren unsäglichen hygienischen Bedingungen ausgesetzt, wurden von Krankheitserregern attackiert und hatten Angst vor den Nachkommen der einst so stolzen Mayas. Für sie gab es keine bequemen Wege zu den Ruinen. Sie mussten sich Meter für Meter durch den gefährlichen, oft lebensbedrohlichen Urwald kämpfen.

Aufgang zum Götterschlund
Foto W-J.Langbein
Unterstützung von amtlicher Seite wurde ihnen allenfalls ideelle zuteil. Finanzieren mussten die ersten Entdecker ihre Exkursionen am Ende der Welt selbst. Anerkennung konnten sie nicht erwarten ... 1996 wurde Uxmal von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Und das mit Recht. Ich persönlich ziehe die mysteriöse Welt von Uxmal selbst dem grandiosen Komplex von Chichen Itza vor. Uxmal, im südwestlichen Teil von Yucatán gelegen, bietet noch viele ungelöste Rätsel und Geheimnisse.

Betritt man die archäologische Anlage von Uxmal, so fällt sofort ein eigenartiges Gebäude auf: die »Pyramide des Zauberers« genannt, auch »Pyramide des Wahrsagers« oder »Pyramide des Magiers« und »Pyramide des Zwerges« tituliert. Ihr Grundriss ist nicht quadratisch, wie man das weltweit von Ägypten bis Peru von einer »anständigen« Pyramide erwartet, sondern elipsenförmig.
Sie ragt – die Angaben dazu variieren um einige Meter – fast vierzig Meter in den Himmel. Der Mythologie nach entstand sie in einer einzigen Nacht. Ein unheimlicher Zwerg soll sie, zusammen mit seiner Großmutter, einer Hexe, mit magischen Mitteln errichtet haben. Und man sieht ihr immer noch an, dass Jahrhunderte lang an ihr herumgebaut wurde.

Die »Pyramide des Zauberers«
Foto: W-J.Langbein
In einer einzigen Nacht wurde die seltsame Pyramide ganz sicher nicht gebaut. Man kann sie am ehesten mit einer steinernen Zwiebel vergleichen. Im Verlauf vieler Jahrhunderte wurde Schicht auf Schicht aufgetürmt, wurde ein Tempel über den anderen gestülpt.

Mit anderen Worten: die Pyramide wurde mehrfach gebaut, in der Wissenschaft geht man von fünf Mal aus. »Uxmal« deutet auf wiederholtes Aufbauen hin. Lässt sich doch der Name mit »die drei Mal errichtet wurde« übersetzen! Zum sechsten Mal wird der Uxmal-Komplex seit Jahrzehnten gebaut ... von Archäologen, die in mühsamer Kleinarbeit aus Ruinen und Schutthaufen ansehnliche Gebäude entstehen lassen.

Ruinen von Uxmal
Foto: W-J.Langbein
Bei meinem ersten Besuch in Uxmal hatten findige Arbeiter der Pyramide so etwas wie einen »Baulift« aufgesetzt. So mussten sie die Materialien für die Restaurierung nicht mühsam über die extrem steile Treppe in die Höhe schleppen. Wie von Zauberhand bewegt wanderten so Eimer ruckelnd und zuckelnd bis zur Pyramidenspitze. Ein junger Archäologiestudent erklärte mir: »Von manchem Gebäude finden sich nur noch einige Steine. Baupläne liegen uns keine vor. Wenn wir nur ein Buch lesen könnten, das uns die Architekten von Uxmal hinterlassen haben. Aber so ein Buch wurde bislang nicht gefunden!«

Nach einigem Nachfragen gibt der junge Mann zu: Fantasievoll ist so manche »Rekonstruktion«. So soll die Außenwand der Pyramide des Zauberers nicht so glatt gewesen sein, wie sie heute ist. Angeblich bestand sie einst aus roh zugeschlagenen Steinbrocken. Das heutige, für unsere Augen ansehnlichere Äußere ... ist das Werk der modernen Archäologie.

Auferstanden
aus Ruinen ...
Foto: W-J.Langbein
Noch ist erst ein kleiner Teil von Uxmal neu entstanden. So manche Ruine wartet darauf, wieder zu einem ansehnlichen Gebäude gemacht zu werden. Die Rekonstruktionen erfolgen etappenweise, je nach finanzieller Lage ... Lokalpolitische Empfindsamkeiten, so ergaben meine Recherchen vor Ort, erschweren die wissenschaftliche Arbeit an den Ruinen. Auf keinen Fall darf der Eindruck entstehen, dass man ausländische Unterstützung besonders finanzieller Art annehmen muss.
»Mein« Student raunte mir zu: »Je gründlicher wir uns mit diesem Bauwerk beschäftigen, desto früher müssen wir die Urpyramide datieren.«

Zunächst hatte die »Pyramide des Zauberers« als »junges Gebäude« gegolten ... errichtet im 10. Jahrhundert! Nun muss man davon ausgehen, dass der innerste Pyramidenkern bereits ein halbes Jahrtausend früher entstand. Fünf aufeinander folgende Bauetappen hat es gegeben. Viermal wurde über die Urpyramide eine weitere übergestülpt. Fünf Bauherrn waren tätig. Für sie alle muss der Standort der Pyramide von besonderer Heiligkeit gewesen sein.

Eingang zu »Tempel IV«
Foto: HJPD
Die fünf Pyramiden sind ineinander verschachtelt ... und doch wurde jedes Mal die Ausrichtung des sakralen Bauwerks verändert, als habe es immer wieder Änderungen im religiös-mythologischen Weltbild gegeben. Da die einzelnen Pyramiden jeweils die älteren in sich aufnahmen, fällt den Archäologen ihre Arbeit schwer. »Eigentlich müsste man die Pyramide Schicht für Schicht abtragen, um exakt erkennen zu können, wie sie zu Zeiten der einzelnen Bauphasen ausgesehen hat.«

Tempel IV betritt man durch das gewaltige Maul eines Gottes. Es ist Gott Chac, dessen furchteinflößende Maske die Fassade des Tempels ziert. Durch diesen göttlichen Schlund betrat einst der Gläubige das Allerheiligste, nachdem er andächtig die steile Treppe erklommen hatte.

Für mich gibt es keinen Zweifel: die »Pyramide des Zauberers« war einst ein sakraler Ort für religiöse Riten. Ich vermute: Hier wurden Einweihungen in einen göttlichen Kult zelebriert. Der Adept musste erst spirituell »sterben«, von Gott Chac verschlungen werden.

Teil des Komplexes von Uxmal
Foto: W-J.Langbein
Erst dann konnte – durfte – er in das Innere der Pyramide vordringen ... ins Totenreich. Erst danach – nach Durchleben geheimer Zeremonien – war es ihm möglich, in ein neues Leben zurückkehren. Nach drei Jahrzehnten des Erforschens uralter Kultbauten auf unserem Planeten sehe ich die großen Heiligtümer als »Tempel« uralter Glaubensvorstellungen von Leben, Sterben und Wiedergeburt an!

Fakt ist: Typisch Maya ist die Pyramide des Zauberers nicht. Sie unterscheidet sich durch ihre Gestalt von allen anderen echten Mayabauwerken der sakralen Art. Gab es in Uxmal auch einen Kult, der nicht der bekannten Maya-Ära zugeordnet werden kann?



»Der Gott mit dem Rüssel«,
Schildkröten, Schlangen und Ruinen 2
Teil 141 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 30.09.2012


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Sonntag, 16. September 2012

139 »Die Pyramide des Zauberers«

Teil 139 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Der Uxmal-Komplex - Foto: HJPD
Der Name »Bundesstraße 261« erweckt einen falschen Eindruck. Bei meiner Planung hatte ich für die knapp achtzig Kilometer von Merida bis Uxmal eine knappe Stunde einkalkuliert. Eher mühsam holpert der kleine Minibus weiter. Der Fahrer reagiert mit einem Lachen auf meine Ungeduld.

»Sie hätten zu Zeiten der Mayas reisen sollen! Damals war das Straßennetz besser als heute!« Und in der Tat: Zu Zeiten der Mayas gab es Straßen zwischen allen Tempelstädten, Hunderte von Kilometern lang. Alle Straßen besaßen ein solides Fundament aus Fels, bedeckt von einer wetterfesten Schicht. Bis zu zehn Meter breit war so eine gepflasterte Mayastraße ... und dabei bestreitet die Wissenschaft, dass den Mayas das Rad bekannt war.

»Sie hätten zu Zeiten der Mayas hier reisen müssen ... « wiederholt der Busfahrer. Mit modernen Verkehrsmitteln auf modernen Straßen benötigen wir für die achtzig Kilometer von Merida nach Uxmal fast zwei Stunden. »Freuen Sie sich, dass es so schnell geht!« fordert mich der Busfahrer auf. »Vor ein paar Jahren habe ich für diese Strecke vier und mehr Stunden gebraucht!« Als sich meine Miene nicht aufhellt, fügt er hinzu: »Und wir hatten damals keine Klimaanlage!«

Die Anlage von Uxmal, Gemälde von
Frederick Catherwood 1843
(wiki commons)
Aber: Uxmal – von Frederick Catherwood romantisierend verklärt – war an ein erstaunliches Straßennetz angeschlossen ... Straßen, wie es sie zur gleichen Zeit in Europa nicht gegeben hat.

Während ich in meinen Unterlagen blättere, schleudert mir der Busfahrer schließlich ein »Beckenbauer! Beckenbauer!« entgegen, gefolgt von einem enthusiastischen »Bayern München!« Der Mann wurde mir sofort sympathisch. Die Mayas, erzählt er mir, hatten auch ein Ballspiel. Es war am ehesten mit unserem heutigen Basketball zu vergleichen, musste doch einen massiver und sehr schwerer Ball durch einen steinernen Ring am Spielfeldrand bugsiert werden. Der Ball – angeblich so schwer wie ein heutiger Medizinball – durfte auf keinen Fall den Boden berühren. Die Spieler durften ihn weder treten, noch werfen. Sie durften auf keinen Fall mit Fuß oder Hand an den Ball kommen, mussten ihn mit Ellenbogen, Hüfte oder Schulter in der Luft halten, bis zum steinernen Ring schaffen. Und dann mussten sie versuchen, den Ball durch den steinernen Ring zu schlagen.

Im »Dallas Museum of Art« zeigt eine Vase – etwa 1400 Jahre alt – einen Ballspieler in Schutzkluft, die an die Montur eines Rugby- oder Eishockey-Spielers erinnert. Der wesentliche Unterschied zu heutigen Sportarten: das Maya-Ballspiel war wesentlich härter.

Ein Ballspieler auf einer
kostbaren Vase
Foto: Madman
Die genauen Regeln kennen wir heute nicht mehr. Bekannt ist allerdings, dass es beim »Spiel« um Leben oder Tod ging. Eine Mannschaft wurde am Ende eines Spieles den Göttern geopfert. Musste die ganze Mannschaft sterben ... oder nur ihr Kapitän? Wurden die Verlierer gefesselt, aneinandergebunden und die steilen Treppen der höchsten Pyramiden hinab gestürzt ... oder wurde diese Ehre der Siegermannschaft zuteil?

Der Name des Spiels - »poktapok« - kling wie eine Lautmalerei, die das Ballspiel akustisch beschreibt. Hernándo Cortés schaffte 1492 zwölf Ballspieler nach Europa, wo sie am Hof Karl des V. Ihre Kunst demonstrierten ... angeblich unter vollem Einsatz. War die höfische Gesellschaft zunächst gelangweilt, als das Ballspiel der »Wilden« angekündigt wurde ... Dann waren die Adeligen gebannt ... und entsetzt. Knochen barsten, Nasen wurden eingeschlagen ... das Spiel ging weiter. Blut spritze, ein »Spieler« kam ums Leben und musste vom Platz getragen werden. Knie und Hüften wiesen bald schlimme Verletzungen auf ...

Der Ring aus Stein von
Uxmal ... »Tor« beim
Ballspiel
Foto: W-J.Langbein
Wie viele Ballspielplätze es in Zentralamerika gegeben haben mag? Wir wissen es nicht mehr. Vor Ort hörte ich aus Expertenmund Schätzungen zwischen 1500 und 3000. Wer das Ballspiel erfunden hat? Auch darüber weiß man nichts Genaues. Die Mayas zelebrierten das blutige Spektakel, erfunden haben sie es sicher nicht. Archäologen förderten anno 1989 in El Manatí (im mexikanischen Bundesstaat Veracruz) zwölf Gummibälle zutage, die datiert werden konnten. Mit Hilfe der Radiokarbonmethode wurde festgestellt, dass sie zwischen 1600 und 1200 v.Chr. angefertigt und benutzt worden sind.

Wann mag zum ersten Mal das Ballspiel zelebriert worden sein? Vor 3600 Jahren? Vor 4000 Jahren? Wir wissen es nicht. Die Olmeken, zu Deutsch »Gummileute« mögen die ersten Ballexperten gewesen sein. Die vieltausendfach ausgefochtenen blutigen Spiele dienten sicher nicht dem profanen Zeitvertreib. Man muss davon ausgehen, dass der ursprüngliche Hintergrund des brutalen Sports ein religiöser war. Sprachanalysen ergeben: Ballspielen hatte eine mystisch-religiöse Bedeutung ... Aber welche?

Ein katholischer Archäologe vertraute mir abends im Hotel bei einem Whisky an, dass seiner Überzeugung nach das Spiel mit der Gummikugel ursprünglich von mythologisch-religiöser Bedeutung war.

Die Pyramide des Zauberers, Uxmal
Foto: W-J.Langbein
»Es war ein kosmologisches Spiel. Es ging um den ewigen Ablauf von Werden, Vergehen und Werden!« So wie die Sonne am Tag scheinbar den Himmel überquert und nachts durch die Unterwelt wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehrt, um wieder über den Himmel zu reisen ... so muss auch die heilige Kugel immer in Bewegung bleiben. So wie der Ball niemals die Erde berühren darf, so darf auch nicht die Sonne auf die Erde stürzen.«

Vor Jahrtausenden war das Ballspiel ein rein sakrales Ereignis ... ein religiöser Akt, Menschenopfer inklusive. Beim religiösen Zeremoniell, zum Erhalt des ewigen Kreislaufs der Zeit und des Lebens, blieb es nicht. So wie im Lauf der Jahrhunderte, ja Jahrtausende immer neue Varianten des Spiels entstanden, so änderte sich auch seine Bedeutung. Es gab irgendwann keine einheitliche Spielplatzgröße mehr. Es gab nicht mehr »die« richtigen Regeln ... und es wurde aus den unterschiedlichsten Gründen »gespielt«.

Mysteriöse Bauten von Uxmal
Foto W-J.Langbein
Prof. Hans Schindler-Bellamy erklärte mir im Interview: »So blutrünstig uns das Ballspiel erscheint, so diente es manchmal friedvollen Zwecken. Zwei Stämme befanden sich im Kriegszustand. Man hätte bis zum bitteren Ende gegeneinander kämpfen können. Stattdessen vertraten zwei Mannschaften im Ballspiel ihren jeweiligen Stamm. Die Mannschaften rangen erbittert um den Sieg. Der Ausgang des Spiels entschied über Sieger und Verlierer im Krieg. So wurden Kriegshandlungen verkürzt, wurden Menschenleben gerettet!«

Nach und nach wurde das Spiel profaner. Es ging dann um ganz weltliche Wettspiele, bei denen Wohlhabende hohe Summen auf »ihre« Mannschaften setzten. Es ging um Sensationsgier: Kriegsgefangene durften ums Überleben kämpfen. So motiviert ging es dann wohl noch viel härter zur Sache ... zur Belustigung der Zuschauer. In Rom gab es »Brot und Spiele« zur Befriedigung der Massen ... in Zentralamerika gab es das degenerierte Ballspiel ...

Kopf in der Schlange
Foto: W-J.Langbein
Das Ballspiel der Mayas war immer hart und hatte mit spielerischem Sportsgeist nie etwas zu tun ... so wie die »Pyramide des Zauberers« wohl nie etwas mit Magie zu tun hatte. Wer schon einmal die extrem steile Treppe dieser Pyramide erklommen hat ... und ohne Sturz wieder nach unten geklettert ist, der kann sich ohne Probleme folgendes Szenario vorstellen: an ein Seil gebunden wurde die »Verlierer-« oder die »Gewinnermannschaft« hinabgestürzt. Wer das zunächst überlebte, erlag den dabei zugezogenen schlimmen Verletzungen und Brüchen ...

Uxmal ... der mysteriöse Komplex hat noch so manches Geheimnis zu bieten ... einen Kopf in einem Schlangenmaul, Schildkröten aus Stein umkriechen einen uralten Tempel ... und Ruinen ... Ach, könnte man die Steine von Uxmal wie ein Buch lesen!

»Schildkröten, Schlangen und Ruinen«,
Teil 140 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 23.09.2012

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