Montag, 1. November 2010

Helga König im Gespräch mit Anka Kampka, der Autorin des Ratgebers " Keine Angst vor Mobbing!"

Sehr geehrte Frau Kampka, in der vergangenen Woche habe ich Ihr Buch rezensiert und möchte Ihnen heute einige Fragen dazu stellen.

1) Dem Klappentext kann man entnehmen, dass Sie als Konflikt- und Mobbingberaterin in Mainz arbeiten? Möchten Sie "Ein Buch lesen" Ihre Erfahrungen in Ihrem Job kurz schildern?

Anka Kampka: Ja, ich bin Beraterin in Konflikt- und Mobbingsituationen. Ich habe selbst 9 Jahre Mobbing im öffentlichen Dienst erlebt. Dabei ging der Konflikt bis zum heutigen Oberbürgermeisters der Beschäftigungsbehörde. Dabei musste ich immer wieder feststellen, dass einerseits auf allen Ebenen gegenüber dem Thema eine große Hilflosigkeit im Umgang mit dem Thema besteht, andererseits erschreckte mich die Gleichgültigkeit und menschliche Kälte, die ich immer wieder erfahren musste. Da saßen Kollegen und Kolleginnen mir gegenüber, die mich eben noch nett und hilfsbereit fanden und im nächsten Moment, wenn Druck auf sie ausgeübt wird oder jemand schlecht über mich sprach, wendete sich das Blatt rasant gegen mich. Ich habe während all der Zeit so ziemlich alle Schikanen durchgemacht, die man dem Mobbing zuspricht und ich gebe zu, dass ich nicht viel länger hätte durchhalten können.

Ich hatte jedoch in all der Zeit ein tolles Netzwerk, privat wie professionell und ich bin ein "Kämpfer", der sich so schnell nicht zurückdrängen oder einschüchtern lässt. Da ich bereits während dieser Zeit den Entschluss gefasst habe, mich als Beraterin freiberuflich zu etablieren, habe ich stets ein großes Ziel vor Augen gehabt: Eines Tages vor den Menschen stehen zu können und Ihnen die Botschaft zu vermitteln: Ihr könnt es schaffen! Schaut her, ich bin gelernte Verwaltungsfachangestellte und habe mich gegen einen übergroßen Gegner zur Wehr gesetzt! Und ich habe meine "Berufung" als Beraterin und Trainerin gefunden. Wenn ich es kann, dann könnt Ihr das auch!


2) Was hat Sie veranlasst, das Buch zu schreiben?







Die Idee war schon sehr lange da, aber eigentlich nie so präsent, als dass ich sie direkt umgesetzt hätte. In diesem Punkt ist mir ein wenig das "Glück" zu Hilfe gekommen und eines Tages lag ein Brief des Klett-Cotta-Verlages auf meinem Schreibtisch, mit der Anfrage, ob ich nicht Lust hätte ein Buch zu dem Thema zu schreiben. Da mir meine Umwelt stets zurückgemeldet hat, ein lustiger und kreativer Mensch und dabei immer authentisch zu sein, habe ich es mir zugetraut, mich unter die Autoren zu begeben.

Ich wollte den Betroffenen etwas an die Hand geben, was ihnen wirklich hilft. Deshalb habe ich Übungen eingebaut, die mir selbst damals geholfen haben oder die meine Klienten als hilfreich empfanden. Alle Beispiele sind aus dem Leben gegriffen, damit sich der Leser stets realitätsnah wieder finden kann.

Wichtig ist mir auch dabei, Tabuthemen aufzugreifen wie z.B. das Mobbing von Beratern und Vereinigungen untereinander. Mir geht es nicht darum, einzelne Berater anzugreifen oder "schmutzige Wäsche" zu waschen, sondern darum, verzweifelten Menschen durch genaues Hinschauen und kritisches Hinterfragen vor erneuten Verletzungen zu schützen.

Momentan veröffentliche ich kleine "5-Minuten-Büro-Krimis", die den Leser zum Entspannen und Schmunzeln anregen und dem Betroffenen Mut machen sollen, aktiv zu werden. Dabei kann man z.B. die Geschichten in die Teeküche hängen, um die Kollegen "so ganz nebenbei" auf die Mißstände im eigenen Büro hinzuweisen. Die Geschichten können über mich bestellt oder auf der XING-Seite abgerufen werden.

3) Wie definieren Sie den Begriff Mobbing?

Zusammengefasst kann man sagen: Wenn Kränkungen krank machen, spricht man von Mobbing. Mobbing beginnt immer mit einem Konflikt, der dann eskaliert, oft schleichend, und dann in Mobbing mündet.


4) Sie schreiben auf den Seiten 30-31 von den gesundheitlichen Beschwerden der Mobbingopfer. Können Mobbingopfer ihre Mobber finanziell in den Regress nehmen aufgrund der dargestellten Krankheitsbilder?





Generell sollten die gesundheitlichen Beschwerden im Rahmen des Mobbingtagebuchs notiert werden, damit der Zusammenhang zwischen dem Mobbing und der Erkrankung erkennbar ist. Das Tagebuch kann gut beim Arzt wie auch beim Rechtsanwalt vorgelegt werden, um die Beschwerden als weiteren Tatbestand aufnehmen zu können. Ob und inwieweit dies im Rahmen weiterer juristische Schritte verwertbar ist, hängt stets vom Einzelfall und den individuellen Umständen ab und sollte mit dem Rechtsanwalt vor Ort abgeklärt werden.

5) Halten Sie es für sinnvoll, dass Mobbingopfer sich öffentlich zur Wehr setzen und das Mobbing anprangern?

Grundsätzlich halte ich es für richtig und unterstütze jeden, der den Mut und die Kraft aufbringt, sich zur Wehr zu setzen. "Mut" ist die erste Ebene und der erste aktive Schritt, mit dem wir in eine positive, gute Energie eintreten. Mobber spüren das natürlich und versuchen, uns wieder in die Mutlosigkeit und damit in schlechte Energien zu ziehen bzw. darin zu halten.

Davon abgesehen, erleben wir dies ja immer wieder international auf politischer Ebene, was passiert wenn Unfairness im weitesten Sinn aufgedeckt und veröffentlicht wird: In vielen Ländern wird das Volk durch seine Machthaber unterdrückt. Mutige Reporter in der ganze Welt zeigen die Missstände auf und berichten darüber. International regt sich die Empörung; Politiker in aller Welt melden sich zu Wort. Wir bekommen mit, wie die Machthaber reagieren: Mit Verneinen, Herunterspielen, Bagatellisieren usw. Gleichzeitig wird der Druck intern auf das Volk durch Bestrafung etc. erhöht; Journalisten ins Gefängnis gesperrt. Erst wenn der Druck weltweit so hoch ist, dass die Machthaber kaum noch Spielraum haben, wird nachgegeben.

Doch zurück zum einzelnen Mobbing im Betrieb. Es gilt, stets genau hinzuschauen und sehr exakt herauszufilten, ob, wann der richtige Zeitpunkt und wer der richtige Ansprechpartner ist, öffentlichen Druck aufzubauen.

Ich habe im Laufe der Jahre die Erfahrung gemacht, dass man viel mehr erreicht, wenn man mit dem Mobber das respektvolle und wertschätzende Gespräch sucht. Es darf nicht vergessen werden, dass oftmals hinter den aggressiven Fassade eine enorme Hilflosigkeit seitens des bzw. der Mobber besteht.


6) Was treibt Mobber dazu zu mobben? Sind die Motive in der Regel immer die gleichen?








Die Motive sind so unterschiedlich wie die Umstände des Mobbings. Damit ist auch jeder Mobbingfall anders gelagert. Man kann jedoch übereinstimmend feststellen, dass Mobber stets versuchen, ihre eigenen Schwächen und Fehler mit massiven Mitteln auf andere zu projizieren. Oft reicht ein "Anderssein" als Anlass aus, um ins Abseits zu geraten. Das kann sowohl ein körperliches Merkmal wie z.B. die Hautfarbe sein, wie auch ein Verhalten z.B. das Gangbild.


Mobbing hat auch mit mangelnder Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit zu tun.

7) Worin besteht der Unterschied zwischen einem Mobber und einem Stalker?

Wie besprochen kann ich dazu Nichts bzw. wenig sagen.

8) Was raten Sie gemobbten Personen? Wir sollen sie sich verhalten?

Auf jeden Fall sollte ein Mobbingtagebuch angelegt werden, so wie im Buch beschrieben. Ein Mobbingverlauf unterscheidet sich stark von einem Konfliktverlauf. Konflikte kennen wir alle und reagieren entsprechend nach unseren vorhandene Erfahrungen. Deshalb ist es wichtig, den Mut aufzubringen, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen und ein gutes Netzwerk an privater wie professioneller Unterstützung aufzubauen: Familie und Freunde sowie Selbsthilfegruppen können einem Mut machen, in dem der Gemobbte die Rückmeldung erhält, "ich bin o.k.".

Wichtig ist auch, zwischen "Beratung" und "Therapie" zu unterscheiden. Viele begeben sich aufgrund ihrer finanziellen Situation oder auf Rat ihres Arztes in therapeutische Hände. In der Therapie werden in aller Regel tieferliegende Problematiken aufgegriffen und bearbeitet. Deshalb greift Therapie meist langfristiger.

In der Beratung werden aktuelle Probleme der Arbeitsplatzproblematik erörtert und gelöst. Dazu gehört z.B. die Vorbereitung zu Personalgesprächen oder die Frage, wie spreche ich den mobbende Kollegen an, wenn ich morgen wieder ins Büro muss? Die unterschiedliche Herangehensweise und deren Erwartungshaltung wird oftmals verwechselt. D.h. konkret, dass der Gemobbt vom Therapeuten erwartet, dass der ihm sagt, wie er mit den verschwunden Daten auf seinem Rechner umgehen soll. Deshalb sollte man sich vorher im Klaren sein, welche Erwartungen man hat und diese vorab telefonisch oder im ersten Kontakt abklären.
9) Welche Aktionen laufen, um den Gemobbten künftig effizienter zu unterstützen und Informationen schneller an die Hand geben zu können?






Unser Team des Netzwerks der Mobbingselbsthilfegruppen Deutschland ist in der Gründungsphase, einen bundesweiten Dachverband aufzubauen. Ziel des Verbandes ist, alle Interessen zu bündeln, um so bessere Aufmerksamkeit zu erlangen. Dabei freuen wir uns über die fast täglich wachsende Anzahl der Unterstützer, die unser Netzwerk mit Ideen und Tipps bereichern.

Uns liegt dabei besonders am Herzen, unser Netzwerk mit den Menschen zu bereichern, die sich die eigene Fairness auf die Fahnen geschrieben haben, und deren Engagement mit Herzblut angereicht ist. Wir sind der Überzeugung, dass nur so ein Dachverband gut und langfristig funktionieren kann.

In Planung ist auch die Herausgabe eines Mobbingratgebers in Form einer Mobbingzeitschrift. Dazu konnten wir einen spezialisierten Verlag gewinnen, der uns bei der Umsetzung des Projektes kooperierend zur Seite steht.
Momentan läuft über unser Netzwerk im Rahmen einer Unterschriftenaktion eine Petitionseingabe, um Mobbing gesetzlich als Straftatbestand zu verankern (über meine Homepages Netzwerk oder Krisenmanagerin herunterzuladen; wird heute installiert). Die Federführung hat dabei Frau Cordula Grüssel übernommen.
Eine weitere Plattform des Austausches findet sich auf der XING-Plattform, Gruppe "Wut & Mut" die von Frau Grüssel und mir als Co-Moderatorin geleitet wird.

Vielen Dank für das erhellende Gespräch, liebe Frau Kampka.

Ich freue mich, Sie demnächst persönlich kennen zu lernen.

Herzlich Helga König

Hier können Sie die Rezension von Helga König zu »Keine Angst vor Mobbing« lesen.

Das Buch »Keine Angst vor Mobbing« ist überall im Handel erhältlich.







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Sonntag, 31. Oktober 2010

41 »Die Schlange, die vom Himmel steigt«

Teil 41 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Vielleicht die schönste Pyramide der Welt...
Sie ist für mich eine der schönsten Pyramiden der Welt: »Castillo« nannten sie die Spanier, geweiht war sie dem Gott Kukulkan. Die heute sichtbare Pyramide wurde über eine ältere gebaut. Die »Urpyramide« steckt wie ein Kern in der »neuen«.

Der plündernde »Eroberer« Francisco de Montejo baute hier sein Lager auf... im Zentrum einer einst gewaltigen Metropole. Einst war die Mayastadt mindestens fünfundzwanzig Quadratkilometer groß. Sie ist heute weitestgehend vom Erdboden verschwunden. Weite Teile müssen noch rekonstruiert werden. Wo mögen sich noch Fundamente im Erdreich verborgen finden? Die Spanier haben gewaltig gewütet und unermesslich kostbare Kulturgüter verwüstet und zerstört.

»Heidnischer Glaube« war den Vertretern des christlichen Abendlandes ein Gräuel. Dabei dürften die meist des Lesens unkundigen Europäer, die gen Mittel- und Südamerika zogen wohl kaum wirklich fromm und gottesgläubig gewesen sein! Man muss es immer wieder wiederholen: Zeugnisse der uralten Kulturen Zentralamerikas wurden rücksichtslos vernichtet. Kultstätten wurden verwüstet, fortschrittliche Siedlungen abgefackelt, Menschen wurden gefoltert und ermordet.

Prof. Dr. Hans Georg Wunderlich (1928-1974) bringt es in seinem Standardwerk »Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende« (1): »Kolumbus, Cortés, Pizarro und wie sie alle hießen, sie waren nach heutigen Vorstellungen bestenfalls Abenteurer, in der Mehrzahl aber tatsächlich nichts anderes als brutale Erpresser und Killer. »Nach Prof. Wunderlich waren »die Konquisadoren durchweg goldgierige Massenmörder – und das waren sie wirklich«.

Der Kulturphilosoph Egon Friedell (1878-1938) kritisiert mit Recht die Arroganz der Spanier. In seinem geradezu legendären Werk »Kulturgeschichte der Neuzeit« (2) schreibt er: »Als Hernando Cortez im Jahre 1519 den Boden Mexikos betrat, fand er eine hochentwickelte, ja überentwickelte Kultur vor, die der europäischen weit überlegen war; als Weißer und Katholik, verblendet durch den doppelten Größenwahn seiner Religion und seiner Rasse, vermochte er sich jedoch nicht zu dem Gedanken erheben, dass Wesen von anderer Weltanschauung und Hautfarbe ihm auch nur ebenbürtig waren. Es ist tragisch und grotesk, mit welchem Dünkel diese Spanier, Angehörige der brutalsten, abergläubischen und ungebildetsten Nation ihres Weltteils, eine Kultur betrachteten, deren Grundlage sie nicht einmal ahnen konnten.«

Ein Kalender aus Stein
Die Kukulkan-Pyramide beeindruckt nicht durch monumentale Wuchtigkeit, sondern durch schlichte Eleganz und Leichtigkeit. Was mögen die Priesterarchitekten dem sakralen Bauwerk der Mayas
an Wissen anvertraut haben? Haben wir schon das im Stein verewigte Wissen schon vollständig entschlüsselt? Das wage ich zu bezweifeln. Fakt ist: Das Bauwerk des Kukulkan besteht aus neun Plattformen. Vier Treppen führen nach oben zum Kukulkan-Tempel. Insgesamt sind es 364 Stufen. Eine 365. Stufe gewährt Zutritt zum Tempel, Zwei Säulen säumen den Eingang. Gefiederte Schlangen sind zu erkennen.

Jede Treppenstufe steht für einen Tag. 365 Treppenstufen entsprechen exakt der Dauer eines Jahres von 365 Tagen. Die Mayas waren geradezu besessene Astronomen. Sie beobachteten die Planeten und Sterne. Über Jahrhunderte hinweg notierten sie die Ergebnisse ihrer präzisen Beobachtungen. Sie erkannten das Gesetz der ewigen Wiederkehr. Die Zeit, das wussten die Mayas – und das war die Grundaussage ihrer Philosophie – besteht aus sich ewig wiederholenden Zyklen: seit Anbeginn des Universums drehen sie sich wie die Räder eines genial entworfenen Mechanismus.

Die mystische Schlange
steigt vom Himmel herab
Die Mayas haben ohne Zweifel ihre Erkenntnisse in unzähligen Codices verewigt. Die aber wurden von den barbarischen Eroberern mit Enthusiasmus gesammelt und in gewaltigen Feuern verbrannt. Erhalten geblieben ist ein astronomisches Werk in Stein: die Pyramide des Kukulkan! Alle Jahre wieder bietet sie so etwas wie einen Film, eine »Lichtshow«.. mit der Präzision eines Uhrwerks: immer am 21. März und am 21. September kriecht Gott Kukulkan als Schlange aus Licht vom Himmel herab... und verschwindet wieder ins Himmelreich.

Damit dieses Phänomen Jahr für Jahr pünktlich zu den Sonnwendfeier an 21. März und am 21. September sichtbar werden konnte, waren umfangreichste Berechnungen und präzise Entwürfe erforderlich. Die Kukulkan-Pyramide musste millimetergenau platziert werden, sonst würde nicht seit Jahrhunderten Sonnenlicht und Schatten eine Schlange vom Himmel steigen und wieder entschwinden lassen...

Ich habe diesen »Film« mit einigen Tausend anderen Besuchern am 21. März gesehen. Schon am Morgen hatte ich mich eingefunden. Erst gut anderthalb Stunden vor dem Sonnenuntergang begann’s: die Sonne leuchtete die dem Westen zugeneigte Pyramidenfläche an. Wie unzählige Kegel von Taschenlampen projizieren die Sonnenstrahlen Licht auf die nördliche Pyramidenfront. Dreiecke aus Licht entstehen, wandern von der Spitze der Pyramide nach unten. Ein Schlangenkopf taucht aus dem Schatten auf...

Deutlich ist der Leib der zur Erde kriechende Schlange zu erkennen, von der Schwanzspitze bis zum geöffneten Maul. Die Schlange vollendet ihre Reise: aus dem All zur Erde. Dies geschieht alljährlich am 21. März. Und alljährlich am 21. September kehrt sie wieder in die unendlichen Weiten des Alls zurück!

Ein steinerner Schlangenkopf
Worte vermögen den Zauber nicht wirklich zutreffend zu beschreiben. Es ist ein Mysterium aus Stein, Licht und Schatten.. wir vor den Augen des Betrachters eine Schlange aus Licht entsteht, die sich mit ihrem mächtigen Kopf aus massivem Stein am Boden vereint.

Astronomische Kenntnisse waren Voraussetzung.. ebenso wie perfekte Baukunst! Und Astronomen der Extraklasse waren sie, die Mayas! Über viele Jahrhunderte beobachteten sie Sterne und Planeten. Sie verfügten in Chichen Itza über ein perfektes Observatorium!

In Chichen Itza gab es auch eine »Kirche« der Stern- und Planetenforscher. Das Kultgebäude heißt heute »Caracol«, zu Deutsch »Schneckenhaus« oder »Schneckenturm«. Wie es bei den Mayas hieß, das weiß heute niemand mehr zu sagen ... Deutlich ist der Zweck des Bauwerks zu erkennen: Es war ein Observatorium. Der Name ist leicht erklärt: Im Inneren führt eine Wendeltreppe bis zur höchsten Stufe. Schon aus einiger Distanz fällt die ungewöhnliche Kuppel des astronomisch-sakralen Denkmals auf.

Das Observatorium der Mayas
Auf drei Stufen erhebt sich das Gebäude an der idealen Stelle in der Stadt. Die Maya-Astronomen hatten den perfekten Blick auf die Venus, die sie studierten. Auch Sonnenbeobachtungen wurden mit wissenschaftlicher Akribie durchgeführt. Leider nagte der Zahn der Zeit über die Jahrhunderte am »Caracol«, der aber nichts von seiner majestätischen Aura eingebüßt hat. Leider lässt sich die Ruine nicht mehr exakt genug rekonstruieren. So kann so manches Maß von astronomischer Bedeutung nicht mehr erkannt werden. Und die Manuskripte der Astronomen, die es gegeben haben muss, wurden wohl von den Spaniern mit Eifer verbrannt. Oder ruhen sie noch irgendwo in geheimen Verstecken, die die Plünderer übersehen haben?

Trotzdem muss man auch heute über die Präzision der Baumeister der Mayas staunen. Der Grundriss des Caracol hat ein Seitenverhältnis von 5 zu 8. Auf den ersten Blick erscheint das nicht weiter ungewöhnlich zu sein. Doch entspricht diese Relation exakt dem Verhältnis der Umlaufzeiten von Erde und Venus, 365 zu 584. Wie viele astronomische Daten mögen wohl einst in das Maya-Observatorium eingeflossen sein? Fest steht:

Durch kleine Fensterchen und Luken wurden wichtige Sterne angepeilt. Planeten wurden beobachtet. Ergebnisse wurden notiert. Die Mayas wollten dem Geheimnis des Universums auf die Spur kommen. Sie wollten eruieren, nach welchem Plan sich Sterne und Planeten bewegen.

Die Mayas verfügten über enormes astronomisches Wissen. Sie versuchten Gesetzmäßigkeiten im Zusammenspiel der kosmischen Körper zu erkennen. Hinter den Planeten und Sternen vermuteten sie einen intelligenten Plan.

Tausende bestaunen das Wunder von Chichen Itza
Zurück zur Pyramide von Kukulkan und der Schlange aus Licht ... Das Phänomen lockt auch heute noch Tausende von Maya-Nachkommen, aber auch Touristen, an. Die Schlange, geformt aus Licht und Schatten, wandert von der obersten Tempelplattform nach unten. Sie ringelt sich die steilen Pyramidenstufen hinab....und kehrt auch wieder nach oben zurück.

Wer sich einen guten Platz ergattern möchte, sollte schon frühmorgens bei der Kukulkan-Pyramide erscheinen. Denn bald schon setzt der Massenansturm ein. Das weitläufige Areal wird förmlich von Menschen überflutet ... sehr zum Ärger der katholischen Kirche! Wird doch auf diese Weise – unwissentlich oder nicht – ein uralter Kult der Mayas ... die Anbetung der Schlange, die vom Himmel kommt ... fortgeführt ... Es empfiehlt sich, sich möglichst nah bei den Ruinen eine Unterkunft zu suchen. Auf diese Weise kann man schon frühmorgens die Ruinenanlage betreten, ohne störende Besuchermassen Pyramide, Observatorium, Tempel und Opferbrunnen auf sich wirken lassen.

Im »Buch der Jaguar-Priester« heißt es: »Sie (die Götter, Ergänzung des Verfassers) stiegen von der Straße der Sterne hernieder. Sie sprachen die magische Sprache der Sterne des Himmels. Ihr Zeichen ist unsere Gewissheit, dass sie vom Himmel kamen. Und wenn sie wieder herniedersteigen, dann werden sie neu ordnen, was sie einst schufen.«

Nach Jahrzehnten des Forschens bin ich davon überzeugt: Die Mayas sahen den Ablauf der Geschichte des Universums als ewige Wiederkehr von Zeit-Zyklen. Sie rechneten in astronomischen Zahlen. Sie überblickten wahre Zeitmeere, die sich kein Mensch vorstellen kann. Sie maßen Zeitenläufe nach Milliarden von Jahren. Für die Mayas folgten einander Weltuntergang und Neuanfang immer wieder aufs Neue! Kulturen wurden geboren, Kulturen blühten zu höchstem Niveau, um wieder zu versinken. Doch jedem Ende wohnte bei den Mayas ein Neuanfang inne ...

Leben wir am Vorabend des Jahres 2012 im Angesicht des nächsten Weltuntergangs? Endet im Jahr 2012 wieder ein Zyklus der Mayas? Steigen dann wieder Götter vom Himmel... Astronautengötter? Naht die nächste Apokalypse? (Zu diesem Thema habe ich mich ausführlich in meinem Buch »2012 - Endzeit und Neuanfang« geäußert!)

Astronautengott aus dem All?
Fußnoten(1) Wunderlich, Hans Georg: »Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende«, Reinbek bei Hamburg 1977, S. 184

(2) Zitiert von Wunderlich, Hans Georg: : »Die Steinzeit ist noch nicht zu Ende«, Reinbek bei Hamburg 1977, S.186

»Das Geheimnis der fliegenden Männer«,
Teil 42 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 07.11.2010






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