Samstag, 10. September 2011

Poesie am Samstag: Sylvia B. »Die leise Stimme«

und jemand sagt mir sie sei krank
sie soll schon länger
krank sein
wobei das
nichts neues
für mich ist

ich denke
dass ich sehr wohl
Illustration: Sylvia B.
den grund
ihres leidens kenne

sie hat sich vergiftet
mit ihrem
eigenen gift
tief in ihr
wird schon
eine stimme sein die ihr

leise
sagt

dass sie
glück
liebe
vertrauen
echte freundschaft
für geld
nicht kaufen kann

eine leise stimme
die sie
nicht hören kann
oder will
jemand sagt mir
sie sei krank

und ich denke
sie ist
einfach nur
böse

Aus: Sylvia B. »der tiger am gelben fluss«





Mittwoch, 7. September 2011

Mousse au Chocolat und Ingwer

Versuch einer Rezension von
Sylvia Bs »Nimm es nicht persönlich«
Walter-Jörg Langbein


Als ich den Titel »Nimm es nicht persönlich« las, musste ich an eine Szene aus dem genialen Film »Das Leben des Brian« (Monty Python!) denken. Die Mutter Brians wird gefragt, ob sie Jungfrau sei ... und gebeten, sie möge die Frage nicht persönlich nehmen. Die Mutter Brians reagiert empört: Persönlicher könne doch eine Frage nicht sein.

Als ich »Nimm es nicht persönlich« zum ersten Mal durchblätterte, schaute ich – ich geb's zu – zunächst die Fotos an. Und ich dachte: Die Frau hat einen schönen Po (um das Fünf-Buchstabenwort zu vermeiden)!

Als ich die Fotos genauer ansah, fiel mir auf, dass sie nicht nur erotisch im wirklichen Sinn des Wortes, sondern auch märchenhaft schön sind.

Ich suchte ... suche nach vergleichenden Worten. Ich versuche mich verbal an die Fotos heranzutasten. Ich wage es: Die Fotos zeigen eine erotische Fee. Ein Bild macht das besonders deutlich: Die zauberhafte Fee ... in einer märchenhaften Landschaft, ein wenig wüstenhaft-orientalisch ... von wallendem Stoff eher zart nachgezeichnet als verhüllt ... und passend dazu ein großer »Schmetterling«, der sich von der Fee angezogen fühlt und ihre Nähe sucht. Die Leichtigkeit des »Schmetterlings« passt zur Zartheit der Fee, die dabei standhaft dem sie umspielenden Wind trotzt.

Ich lese meine kläglichen Versuche, das zauberhafte Foto zu beschreiben ... und muss erkennen, dass Worte dem erotischen Zauber des Bildes nicht gerecht werden können.

Als ich die poetisch-erotischen Texte Sylvia B's las ... wurde mir klar, dass keine Rezension diesem Buch gerecht werden kann. Ich suchte – vergeblich – nach einem passenden Vergleich. Schokolade kommt mir in den Sinn, zartbitter, gefüllt mit Mousse au Chocolat und Ingwer ...

Man kann »Nimm es nicht persönlich« nicht wirklich zutreffend beschreiben, schon gar nicht in einer Rezension »zusammenfassen«. Ich kann nur empfehlen, dieses Buch zu lesen, die Fotos zu betrachten, das Buch als zauberhafte Komposition zu genießen.

So schlecht, denke ich, ist mein Vergleich mit Schokolade »Zartbitter, gefüllt mit Mousse au Chocolat und Ingwer« nicht. Zartbitter schreibt die Autorin ... eine romantische Zynikerin, eine zynische Verliebte, eine feenhafte Amazone, eine Prinzessin mit ehrlicher Freude am Sex, die den lahmarschigen Prinzen mit einem Tritt in den verlängerten Rücken aus dem Schloss befördert ...

Wieder lese ich meinen zaghaften Versuch einer Rezension, die diesem zauberhaften Buch nie und nimmer gerecht werden kann ... man muss es lesen, betrachten und genießen. Man muss es auf sich wirken lassen. Man muss zulassen, dass es die eigenen Sehnsüchte, Träume und Hoffnungen bewusster macht. »Nimm es nicht persönlich« ist ein persönliches Buch, wie es persönlicher nicht sein kann. Es ist ein erotisches Buch, in einer immer kälter werdenden Welt, in der Gefühle durch Kommerz ersetzt werden ... in der käufliche Pornografie als Ersatz für Erotik dienen soll.

»Nimm es nicht persönlich« ist ein zauberhaftes Meisterwerk, ein notwendiges Buch, ein wichtiges Buch, ein schönes Buch, ein verführerisches Buch. Um den Titel spielerisch zu ergänzen:

»Nimm es persönlich« ... in die Hand, schlag es auf, blättere betrachtend darin, lies es, genieße die Poesie der Fotos und der Texte!








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