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Sonntag, 26. Juli 2020

549. »Und wir erhoben ihn zu einem hohen Ort.«

Teil 549 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Foto 1: Henoch wird entrückt
(Bibelillustration um 1730)
Das »Slavische Henochbuch« beginnt mit einer Entführung in den Himmel. Im zarten Alter von 365 Jahren hatte Henoch eine mysteriöse Begegnung. Zunächst glaubte er zu träumen (1): »Ich war in großer Kümmernis und weinte; dann schlief ich ein. Da erschienen mir zwei sehr große Männer, wie ich nie auf Erden gesehen. Ihr Antlitz leuchtete wie die Sonne, aus ihrem Munde sprühte Feuer; ihre Kleidung und ihr Gesang waren herrlich.

Was Henoch für einen Traum gehalten hat, muss aber Realität gewesen sein! Waren doch die riesenhaften Männer immer noch da, nachdem sich der verängstigte Henoch erhoben hatte. Ihre Mission (2): »Sei getrost, Henoch! Fürchte dich nicht! Der ewige Herr hat uns zu dir gesandt. Du sollst mit uns heute in den Himmel gehen. … Keiner aber soll dich suchen, bis der Herr dich ihnen wieder zuführt.«

In einer neueren Übersetzung lesen wir (3): »Der ewige Herr hat uns zu dir gesandt. Und siehe, (noch) heute wirst du mit uns hinauf in den Himmel gehen. … Und niemand soll dich suchen, bis der Herr dich zu ihnen zurückbringt.«

Heute verstehen wir »Der ewige Herr hat ihn/ sie in den Himmel geholt!« als »Er/ sie ist gestorben.« In Henochs Fall allerdings ging es um ein zeitlich begrenzte, leibhaftige Entführung Henochs in den Himmel.

Im »Alten Testament« wird die Entrückung Henochs mit 365 Jahren auch erwähnt, allerdings recht kurz und bündig (4): »Und Henoch wandelte mit Gott. Und nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, lebte er 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter, dass sein ganzes Alter ward 365 Jahre. Und Henoch wandelte mit Gott und ward nicht mehr gesehen, denn Gott hatte ihn entrückt.«

Nach Ansicht der Mehrheit muslimischer Interpreten des Korans ist Idris, der im Koran zwei Mal kurz erwähnt wird, mit Henoch identifiziert. Am Ende seines Lebens, so heißt es im Koran (5) wurde Idris (alias Henoch), Ismael und Dhu l-Kifl in die Barmherzigkeit Allahs aufgenommen. In einer islamischen Erzählung erfahren wir Konkreteres: Todesengel Asrael entführte Idris und zeigte ihm auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin die himmlischen Gefilde. So kann auch knapper Hinweis im Koran verstanden werden (7):

Foto 2: Erzengel Asrael
(Dom zu Florenz, frühes 13. Jahrhundert).

»Und gedenke in der Schrift des Idris! Er war ein Wahrhaftiger und ein Prophet. Und wir haben ihn an einen hohen Ort erhoben.« Fast wortgleich übersetzt Max Henning (8): »Und gedenke im Buch des Idris; siehe, er war aufrichtig, ein Prophet; und wir erhoben ihn zu einem hohen Ort.« Nicht verschweigen möchte ich, dass manche Übersetzungen nicht von »einem hohen Ort«, sondern von einem »hohen Rang« ausgehen. In einer englischen Übersetzung wiederum heißt es ganz eindeutig (9): »And We raised him to a high station.« Ins Deutsche übersetzt: »Und wir hoben ihn empor an einen hohen Ort.«

Foto 3: »Sahih Muslim« (um 1910).
»Encyclopedia of Islam« halt fest (10) hält fest, dass Idris in der Zeit zwischen Adam und Noah lebte. Im 8. Jahrhundert, so ist weiter zu lesen, ging man davon aus, dass Idris der arabische Name Henochs war und dass er »zu einer hohen Station empor gehoben« wurde. Nach einem Hadith (11), der auf Malik ibn Anas zurückgehen soll, ist Mohammed auf seiner legendären Himmelsreise Idris im vierten Himmel begegnet. Dem Propheten, so wird überliefert, wurde »ein weißes Tier namens Buraaq« zur Verfügung gestellt. Sein Schritt, so soll Mohammed berichtet haben, war so gewaltig, dass unvorstellbare Entfernungen zurückgelegt werden konnten. Mohammed bestieg dieses Wundertier. Zunächst ging es in Windeseile nach Jerusalem. Dort betete er und schon erschien Engel Gabriel, der ihn auf seiner Himmelsreise begleitete.

Der Pförtner des Himmelstores, also der Petrus des Islam, befragte kurz Engel Gabriel. Als Gabriel erfährt, dass da Gabriel und Mohammed um Einlass bitten, lässt er beide passieren. Auf dem Rücken des schnellen Reittieres kam man schnell voran, erklomm Himmel für Himmel. Im vierten Himmel begegnete Mohammed dem Idris, dem Henoch des Islam.

Zurück zum Henoch der jüdischen Apokryphen. Laut der Rießler-Übersetzung hatten die großwüchsigen Besucher (12) »Arme wie goldene Flügel«. Demnach hatten die fremden Besucher keine Flügel, aber »Arme wie goldene Flügel«. Nachdem Henoch seine Söhnen ermahnt und seine baldige Heimkehr nach kurzem Aufenthalt in himmlischen Gefilden angekündigt hatte, kam der Abschied und aufwärts ging’s gen Himmel (13): »Suchet mich nicht, bis mich der Herr zu euch zurückbringt! Nachdem ich so zu meinen Söhnen gesprochen, riefen mich die zwei Männer, setzten mich auf ihre Flügel, trugen mich in den ersten Himmel empor und setzten mich hier ab.« Jetzt werden den Männern, die Henoch abholten, plötzlich Flügel zugebilligt.

Der engagierte Theologe Karl August Wünsche (*1838; †1912) veröffentlichte eine Fülle von Texten aus dem rabbinischen Judentum. In fünf Bänden erschien sein Werk »Aus Israels Lehrhallen« (14). Sehr interessant: »Das Leben Henochs« (15). Da erhält Henoch ein wundersames Pferd, das aus dem Himmel kommt und Henoch als fliegendes Reittier dient. Ähnlich wie Mohammed macht sich dann Henoch auf dem Wundertier auf – in den Himmel. Nach dem äthiopischen Buch Henoch allerdings benötigt Henoch, anders als Mohammed, kein noch so schnelles Reittier (16): »Wolken luden mich im Gesichte ein, und ein Nebel forderte mich auf; der Lauf der Sterne und der Blitze trieb und drängte mich, und Winde gaben mir Flügel und hoben mich empor in jenem Gesicht. Sie trugen mich in den Himmel.« Oder war es doch anders? Wurde Henoch, so vermeldet es das äthiopische Buch Henoch an anderer Stelle (17), von einem »Wirbelwind entrückt«?

Foto 4: Inka-Schamanen beherrschten die Kunst der Seelenreise
(Inkamotiv auf einem Teppich).

Oder wurde Henoch vielmehr (18) »auf den Wagen des Geistes erhoben«? Wenige Verse weiter kommt wieder ein Wagen ins Spiel (19): »Danach ward mein Geist entrückt und stieg in den Himmel auf. Ich sah die Söhne der heiligen Engel auf Feuerflammen treten...« Da fragt man sich doch, ob den Henoch nun leibhaftig oder nur im Geiste seine Himmelsreise angetreten hat. Hat er sich seinen Flug in himmlische Sphären nur eingebildet? Oder blieb sein irdischer Leib auf der Erde, während sein Geist sich in höchste Höhen emporschwang? Schamanen wird ja weltweit nachgesagt, sie könnten Geistreisen absolvieren und im Geist fremde Orte aufsuchen, während ihr physischer Leib zurückbleibt. So gibt es Hinweise auf einen Inkaschamanen, der vor Jahrhunderten im Geist von Südamerika aus die Osterinsel besuchte. Konkreter: Nach der »Antarquilegende« erhielt der »Tupac Inca«, vermutlich Túpac Inca Yupanqui, der 10. Inka-Herrscher, Ende des 15. Jahrhunderts Hinweise von Seefahrern auf »Inseln« weit im Westen Südamerikas gelegen. Der Inka-Herrscher wollte diese »Inseln« ausfindig machen. Um das Risiko zu minimieren konsultierte er vorsichtig einen berühmten Schamanen seines Reiches, einen gewissen »Antarqui«.

Der beherrschte, so die Legende weiter, die Kunst der »Seelenreise«. Dank seiner »Künste« flog er die von den Seefahrern beschriebene Reise nach und fand tatsächlich die »Inseln«. Fakt oder Fiktion? Fakt ist, dass Inka-Schamanen das Geheimnis der Pflanzen, die halluzinogene Substanzen enthalten, kannten. Die nahmen sie zu sich und traten dann, high pflanzlichen Drogen und losgelöst vom physischen Leib, »Seelenreisen« an. »Tupac Inca«, so führt die Legende weiter aus, bekam von Antarqui bestätigt, dass es die Inseln tatsächlich gab und erfuhr offenbar auch ihre Position.

Foto 5: Das Buch Henoch
in der Übersetzung von
Andreas Gottlieb Hoffmann.
Daraufhin soll sich der Inkaherrscher mit einer gewaltigen Flotte von Balsaflößen mit insgesamt mehr als 20.000 Mann Besatzung auf die Reise gemacht haben. Fakt oder Fiktion? Das wird sich vermutlich nicht mehr feststellen lassen. Von derlei Schamanenreisen ist im Kulturkreis Henochs nichts bekannt. Gleich zwei Textstellen im äthiopischen Henoch lassen Henoch recht klar beschreiben, dass er leibhaftig in den Himmel gebracht wurde, und zwar von geheimnisvollen Wesen (20):

»Da erhob ich abermals die Augen gen Himmel und sah im Gesicht, wie aus dem Himmel Wesen, die weißen Menschen glichen, hervorkamen; einer davon kam aus jenem Ort hervor, und drei waren bei ihm.

Diese drei, die zuletzt kamen, ergriffen mich an der Hand, nahmen mich von dem Erdengeschlecht hinweg und brachten mich an einen hohen Ort und zeigten mir einen hohen Turm hoch über der Erde, und all die Hügel waren niedriger.«

Der kurze Text wirft mehr Fragen auf als er beantwortet. Wer oder was waren die vier Wesen, die aus dem Himmel kamen? Menschen waren es offenbar nicht, den der Text besagt ja ausdrücklich, dass sie »weißen Menschen glichen«, nicht dass sie Menschen waren. Sollten Engel gemeint sein?

Was müssen wir unter »jenem Ort« verstehen, aus dem zunächst eines der Wesen erschien, gefolgt von drei gleichartigen? Klar nur ist die Aussage, dass drei dieser Wesen Henoch »an einen hohen Ort« brachten, so wie auch Mohammed an einen hohen Ort gebracht wurde. Von dort aus sah Henoch dann niedrige Hügel und »einen hohen Turm«. Was müssen wir uns unter diesem »hohen Turm« vorstellen? Stand er auf der Erde oder schwebte er über der Erde?

Nahmen wir an, der merkwürdige Turm stand auf der Erde und reichte bis in den Himmel, nach heutigem Sprachgebrauch ins All. Da sind der technischen Fantasie keine Grenzen gesetzt. Solche Türme werden womöglich von künftigen Weltraumpionieren errichtet. Warum das? Zu welchem Zweck?

Foto 6: Der »Turm zu Babel«
(Moses Scheuchzer Bibel Physica Sacra,
Kupferstich 1731).
Denken wir an den biblischen Turm zu Babel. Es heißt im berühmten Text (21), die Menschen wollten über diesen Turm in den Himmel gelangen. In den Himmel? Oder ins All? Schon anno 1895 dachte der russische Weltraumpionier Konstantin E. Ziolkowski (*1857, †1935) über einen gigantischen »Weltraumturm« nach, dessen »Spitze« in den Weltraum reichen würde. Im Inneren des Turms würde ein Aufzug ins All führen. 1957 war es wieder ein russischer Wissenschaftler, nämlich Juri Nikolajewitsch Arzutanow (*1929; †2019) (6), der einen Weltraumlift propagierte. Von einem Satelliten aus, der konstant am Himmel stehen würde, könne ein Seil herabgelassen werden, an dem ein Aufzug zwischen Himmel und Erde pendeln sollte. Arzutanow schwebte ein »Seil« von über 35.000 km Länge vor: zwischen Erde und einer stationär im All stehenden Weltraumstation. Beim hohen Turm, den Henoch vom Himmel aus sah... sollte es sich da um so einen Weltraumlift gehandelt haben. Das ist, zugegeben, ein sehr kühner Gedanke, aber muss er deshalb falsch sein?



Fußnoten
(1) »Henochbuch (slawisch) oder Zweiter Henoch/ Das Buch der Geheimnisse Gottes/ Die Offenbarungen Gottes« in Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seite 452, 1. Kapitel, Verse 3-5
(2) Ebenda, Verse 8 und 9
(3) Böttrich, Gottfried: »Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit«, »Band V/ Lieferung 7/ Das lavische Henochbuch«, Gütersloh 1996, Seite 836, Verse 8 und 9
(4) 1. Buch Mose Kapitel 5
(5) Koran Sure 21, 86
(6) Busse, Heribert: »Islamische Erzählungen von Propheten und Gottesmännern: Qiṣaṣ al-anbiyāʼ oder ʻArāʼis al-maǧālis Otto«, Wiesbaden 2006, Seite 65
(7) Koran Sure 19, 56 (Übersetzung Rudi Paret)
(8) Koran Sure 19, 56 und 57 (Übersetzung Max Henning)
https://koran.rocks/neunzehnte-sure-maria (Stand 14.05.2020)
(9)»The Noble Qur’an« https://quran.com/19 (Stand 14.05.2020)
(10) Campo, Juan Eduardo: »Encyclopedia of Islam«, »Idris«, Infobase Publishing, New York 2009, Seite 344
(11) »Sahih Muslim«, Hadithnr. 234/Kapitel 2 und Sahih Muslim, Kapitel 2/Hadithnr. 238
(12) »Henochbuch (slawisch) oder Zweiter Henoch/ Das Buch der Geheimnisse Gottes/ Die Offenbarungen Gottes« in Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seite 452, 1. Kapitel, Verse 5
(13) Ebenda, S. 453, 2. Kapitel Vers 4 und 3. Kapitel, Vers 1
(14) Wünsche, Karl August: »Aus Israels Lehrhallen«, 5 Bände, Leipzig 1907-1910
(15) Ebenda, Band I, Seiten 1-6
(16) »Henochbuch oder Erster Henoch« (äthiopischer Henoch) in Rießler, Paul: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel übersetzt und erläutert von Paul Rießler«, Augsburg 1928, Seite 364, 14. Kapitel, Vers 8
(17) Ebenda, Seite 385, 52. Kapitel, Vers 1
(18) »Henochbuch oder Erster Henoch« Kapitel 70, Vers 2
(19) »Henochbuch oder Erster Henoch« Kapitel 71, Vers 1
(20) »Henochbuch oder Erster Henoch« Kapitel 87, Verse 2 und 3
(21) 1. Buch Mose Kapitel 11, Verse 1-9

Zu den Fotos
Foto 1: Henoch wird entrückt (Bibelillustration um 1730). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Erzengel Asrael (Dom zu Florenz, frühes 13. Jahrhundert). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: »Sahih Muslim« (um 1910). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Inka-Schamanen beherrschten die Kunst der Seelenreise (Inkamotiv auf einem Teppich). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Das Buch Henoch in der Übersetzung von Andreas Gottlieb Hoffmann. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Der »Turm zu Babel« (Moses Scheuchzer Bibel Physica Sacra, Kupferstich 1731). Foto Walter-Jörg Langbein


550. »Zweimal Himmel und retour«,
Teil 550 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 02. August 2020



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Sonntag, 7. Januar 2018

416 »Mit dem ›Fahrstuhl‹ oder durchs ›Sternentor‹ ins All? «

Teil  416 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein                       

Foto 1: Projekt Weltraumlift der NASA.

Einer der großen alten Raumfahrtpioniere war Prof. Eugen Sänger,  der mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten den ersten Raumfahrttechnikern konkrete Fortschritte ermöglichte, aber auch Visionen schenkte. Sänger ging davon aus, dass wir Menschen einst interstellare Raumfahrt betreiben werden. In seinem Werk »Raumfahrt« (1)  stellte Prof. Eugen Sänger schon 1958 Überlegungen über Besucher von anderen Sternen auf der Erde in der Vergangenheit an. Er schreibt (2): »Der Wunsch, nach den Sternen zu greifen, ist so alt wie die Menschheit selber ... Der Gedanke der Raumfahrt erscheint daher am frühesten schon in der prähistorischen Menschheitsperiode in den Göttermythen und Sagen.«

Entstand also der Wunsch nach Raumfahrt aus Mythen der Vorzeit und aus alten heiligen Büchern der Völker, weil die Menschen davon träumten, einst in die Tiefen des Alls vorzudringen, so wie man ja auch Seen und Ozeane überqueren konnte? Wurden also schon vor Jahrtausenden fiktive »Raumfahrergeschichten« formuliert? Prof. Sänger hält das für unwahrscheinlich. Er geht vielmehr von Erinnerungen an reale Ereignisse aus (3):

Foto 2: Sängers visionäres Buch.
»Es erscheint uns heute fast wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren diese Vorstellungen aus realen Erfahrungen bei der Begegnung mit prähistorischen Besuchern aus dem Weltraum erwarben, als dass eine ans Unglaubwürdige grenzende Zukunftsschau sie ihnen schon vor Jahrtausenden auf wunderbare Weise geoffenbart hätte.« Der Raumfahrtpionier betonte  vor einem halben Jahrhundert, dass entsprechende Hinweise nicht etwa nur bei einzelnen Völkern oder Religionen vorkommen, »sondern praktisch bei allen Völkern der Erde in sehr ähnlicher Weise auftauchen.«
    
Schließlich benennt Prof. Sänger einige Indizien für Besuche der »Astronautengötter« auf, die Jahre später sozusagen zum Kanon der »Prä-Astronautik« gehören sollten (4):

»Tatsächlich berichtet nicht nur die Bibel vom Propheten Elias, er sei auf einem von Flammenrossen gezogenen Donnerwagen gen Himmel gefahren, nach mexikanischen Mythen erhielt die Maya den Besuch eines Gottes aus dem Weltraum, die Begründer der peruanischen Inkadynastie kamen vom Himmel.« Und weiter: »Die bei Ninive gefundene Tontafel Assurbanipals mit der Kunde von dem Himmelsflug des sumerischen Königs Etam um 3200 v. Chr. bis in solche Höhen, dass ihm die Länder und Meere der Erde nicht größer erscheinen als ein Laib Brot, mag auch hierher gehören, ebenso wie die aus der Zeit um 155 v. Chr. stammende bekannte griechische Sage von Ikarus und Dädalos und die entsprechende germanische Sage von Wieland dem Schmied.«
    
Schließlich blickt Raumfahrtpionier Sänger in die Zukunft: Die »Erinnerung an die Fähigkeiten außerirdischer Wesen«  könne sehr wohl im Menschen den Wunsch verstärkt haben, »selbst Raumfahrt zu treiben«.

Foto 3: Oberths visionäres Buch.
Die Sehnsucht der Menschen, in den Himmel emporzusteigen, wird schon sehr früh im »Alten Testament« beschrieben. Dabei wird deutlich, dass im mythischen Text unter Himmel nicht etwa ein Aufenthaltsort für die Seelen Verstorbener gemeint ist, sondern die Gefilde hoch über uns, also das All. Die Menschen wollten in’s All vordringen, nicht in geistige Sphären. Ähnlich wie die »Engel« auf Jakobs Leiter wollten sie hoch, sehr hoch emporsteigen. Und sie bauen zu diesem Zweck einen gewaltigen Turm. Lassen wir die Bibel selbst zu Wort kommen (5):

»Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.
Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst.

Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.

Da fuhr der JAHWE hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der JAHWE sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.

Fotos 4-6: Turm zu Babel Kupferstich von Jacob Andreas Fridrich

Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der JAHWE von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der JAHWE daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.«

Menschen bauen also einen riesigen Turm, um in den Himmel empor zu steigen, wie das »Alte Testament« berichtet. Hermann Oberth, Vater der Weltraumfahrt dazu: »Die Raketentechnik bietet in unseren Tagen schnellste Möglichkeit, Material ins Weltall zu schaffen, das aber kostet Unmengen an Energie!« Der Gelehrte erklärte mir weiter, dass es theoretisch andere Methoden gebe, die nur einen Bruchteil der Energie erfordern, die Raketen verbrauchen. Prof. Oberth: »Wenn man einen riesigen, unvorstellbar hohen Turm bauen würde mit Treppen darin, dann könnte man zu Fuß ins All klettern.«

Fotos 7 + 8: Via Himmelsleiter ins All. Kupferstich von Küsel, 1679.

Das freilich würde sehr lange dauern. Oberth weiter: »Ein Lift im Turm, wie in einem Kaufhaus, würde die Sache gewaltig beschleunigen und vergleichsweise sehr wenig Energie verbrauchen, im Verhältnis zum Raketenantrieb jedenfalls.«

Was Prof. Oberth zum Zeitpunkt unserer Gespräche in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren nicht wusste: Schon 1895 dachte der russische Weltraumpionier Konstatin E. Ziolkowski (*1857, †1935) über einen gigantischen »Weltraumturm« nach, dessen »Spitze« in den Weltraum reichen würde. Im Inneren des Turms würde ein Aufzug ins All führen. 1957 war es wieder ein russischer Wissenschaftler, nämlich Juri Nikolajewitsch Arzutanow (*1929) (6), der einen Weltraumlift propagierte. Von einem Satelliten aus, der konstant am Himmel stehen würde, könne ein Seil herabgelassen werden, an dem ein Aufzug zwischen Himmel und Erde pendeln sollte. Arzutanow schwebte ein »Seil« von über 35.000 km Länge vor: zwischen Erde und einer stationär im All stehenden Weltraumstation.

Foto 9: Projekt Weltraumlift der NASA.
Zu optimistisch war wohl Bradley Edwards, als er anno 2004 verkündete, ein Prototyp eines Weltraumlifts könne schon 2019 in Betrieb genommen werden. Die NASA beteiligte sich mit immerhin einer halben Million Dollar an dem Vorhaben.

Die amerikanische Firma »Liftport Group« griff die Idee vom »Weltraumlift« auf und arbeitete seit den frühen 2000er Jahren an einem »Mondprojekt«: Ein Weltraumlift würde nach diesen Plänen eine Raumstation mit dem Mond verbinden. Mehr erdorientiert ist die japanische Firma »Obayashi«, die 2012 ein ehrgeiziges Ziel anpeilte. Anno 2050 will sie eine Weltraumstation in 36.000 km Höhe über dem Erdboden mit einem Weltraumlift verbinden.

Nun stellt sich eine Frage: Beschreibt der biblische Text von Jakobs Himmelsleiter einen Weltraumlift? Liegt der Schilderung vom »Turmbau« zu Babel auch so etwas wie ein Weltraumlift zugrunde? Wenn ja: Was war dann für die Menschen an so einem technischen Großprojekt so schrecklich, so erschreckend? So furchteinflößend? Erinnern wir uns: In der Piscator-Bibel von 1736 lesen wir in Genesis (7):

»Dann er war erschrocken worden und hatte gesagt: Wie schrecklich ist dis ort? Dis ort ist nichts anders dann Gottes hause, und dis ist des himels pfort.« Wirklich interessant ist die Erklärung Piscators: »schrecklich) Nemlich von wegen der herrlichen majestaet Gottes, welche den menschen wegen ihrer bloedigkeit erschroecklich ist.«  Der Mensch ist also erschrocken, weil er – Piscator – zu blöde war um zu verstehen, was sich da vor seinen Augen abspielte.

Übrigens: Auch wenn sich der Ausdruck »Jakobs Leiter« eingeprägt hat: Der biblische Ausdruck kann auch mit »Treppe« übersetzt werden. Die »Heilige Stiege« hoch über Bad Töz in Bayern basiert also auch auf der mysteriösen Geschichte von Jakobs »Vision«.

Foto 10: Die Heilige Stiege von Bad Tölz.

Was aber geschah da vor den Augen des Zeugen Jakob? Beobachtete er »Engel«, die einen »Aufzug« benutzten, um zwischen All und Erde zu pendeln? Noch ist so ein gigantischer Lift reine Utopie, aber doch schon theoretisch zu planen. Es fehlen nur noch die Materialien für so ein »Seil« ins All. Oder wurde Jakob Zeuge eines sensationellen Vorgangs? Sah er, wie Außerirdische via »Sternentor« aus den Tiefen des Alls zur Erde kamen und auf gleichem Wege wieder dorthin verschwanden?


Fußnoten
1) Sänger, Eugen: Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges, Hamburg 1958,
2) ebenda, S. 124 und S. 125
3) Sänger, Eugen: »Raumfahrt – technische Überwindung des Krieges«, Hamburg 1958, S.124
4) ebenda, S. 125
5) 1. Buch Mose Kapitel 11, Verse 1-9
6) Ob Juri Nikolajewitsch Arzutanow noch lebt, konnte ich nicht ermitteln.
7) 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 17

Foto11: Handschriftliche Widmung Hermann Oberths für Walter-Jörg Langbein

Foto 12: 3. und 4.3.2018... Seminar in Bremen
Zu den Fotos
Foto 1: Projekt Weltraumlift der NASA. Foto NASA, wikimedia commons, frei verfügbar.
Foto 2: Sängers visionäres Buch. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Oberths visionäres Buch. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 4-6: Turm zu Babel Kupferstich von Jacob Andreas Fridrich nach Johann Melchior Füssli bei Johann Jakob Scheuchzer im Verlag Johann Andreas Pfeffel, Augsburg, Wagner, 1731. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 7 - 8: Via Himmelsleiter ins All. Kupferstich von Küsel, 1679. Fotos Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Projekt Weltraumlift der NASA. Foto NASA wikimedia commons, frei verfügbar
Foto 10: Die Heilige Stiege von Bad Tölz. Foto Walter-Jörg Langbein. 
Foto 11: Handschriftliche Widmung Hermann Oberths für Walter-Jörg Langbein.
Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 12: 3. und 4.3.2018... Seminar in Bremen. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein


417 »Engel, Götter oder Teufel«,
Teil  417 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                       
von Walter-Jörg Langbein,                     
erscheint am 14.01.2018


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