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Freitag, 12. Januar 2018

417 »Engel, Götter oder Teufel«

Teil  417 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein   
                     

Foto 1: H.P. Lovecraft, etwa 1915
»Einige dieser Wesen, sagte er,
hätten sogar Verbindung zu anderen
Dimensionen und Welten gehalten.
In den vergessenen vormenschlichen
Zeiten seien solche Verbindungen
noch häufig vorhanden gewesen.«

H.P. Lovecraft und Hazel Heald
in »Das Grauen im Museum« (1)

Rekapitulieren wir: Jakob sah im Traum Engel, die vom Himmel herab zur Erde stiegen und von der Erde wieder in den Himmel zurückkehrten.  Über den Eingang in den Himmel erfahren wir nichts in unseren Bibelausgaben, wohl aber im altslavischen Text »Leiter Jakobs« (2): »Und die Spitze der Leiter war ein Antlitz wie eines Menschen, aus Feuer behauen.« Der unbekannte Textautor vergleicht also den Eingang zum Himmel mit einem »Antlitz eines Menschen, aus Feuer behauen«. Darf man den Text beim Wort nehmen?

Die gängigen Bibelübersetzungen vermelden eine offensichtlich sehr lange oder hohe Leiter (3): »Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.«  Der konkretere altslavische Text schildert eine sehr kurze Leiter von nur zwölf Stufen, an deren Ende etwas »Feuriges« war, etwas das wie ein feuriges Menschenantlitz aussah.


Im äthiopischen »Buch Henoch« stieß ich auf ein besonders interessantes Kapitel, betitelt »Das Geschichtsbuch. Die Entwicklung der Weltgeschichte.« Ich benütze auch in Sachen Henoch die meiner Meinung nach beste Übersetzung »verbotener« biblischer Texte das Standardwerk schlechthin als Quelle (4): Emil Kautzsch: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments« (4). Henoch schildert eine geheimnisvolle Begegnung (5):  

Foto 2: Henochs Himmelsreise nach Kautzsch

»Da erhob ich abermals meine Augen gen Himmel und sah im Gesichte, wie aus dem Himmel Wesen, die weißen Menschen glichen, hervorkamen; einer von ihnen kam aus jenem Ort hervor und drei mit ihm. Jene drei, die zuletzt hervorgekommen waren, ergriffen mich bei der Hand, nahmen mich von dem Geschlechte der Erde hinweg und brachten mich hinauf an einen hohen 0rt und zeigten mir einen Turm hoch über der Erde, und alle Hügel waren niedriger.«

Foto 3: »Das Haar der Medusa«
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Wie im Fall »Jakobs Himmelsleiter« kommen da Wesen »aus dem Himmel«. Bei diesen Wesen handelte es sich, so erklärt Prof. Kautzsch in einer Fußnote (6). Engel kamen also »aus jenem Ort hervor«. Doch während Jakob auf der Erde bleibt, bringen die Engel Henoch »an einen hohen Ort«. 

Die Engel entführen Henoch in den Himmel. Aus der Höhe blickt er hinab zur Erde und sieht »Hügel«. Und oben – »hoch über der Erde« – machten ihn die »Engel« auf einen »Turm« aufmerksam. Um ein irdisches Bauwerk, um einen in den Himmel ragenden urzeitlichen »Wolkenkratzer« kann es sich dabei nicht gehandelt haben. Henoch beschreibt doch ganz konkret, dass ihm die Engel einen »Turm« zeigten: »hoch über der Erde, und alle Hügel waren niedriger«. Der »Turm« befand sich also im Himmel und die »Engel« brachten Henoch hinauf in den Himmel, zum »Turm«. Sollte es sich um das Raumschiff der »Engel« gehandelt haben? Oder um etwas ganz anderes?

Henoch schildert an anderer Stelle seine »Himmelfahrt« ausführlicher (7). Die Engel entführten ihn in himmlische Gefilde: 

»Sie trugen mich hinein in den Himmel. Ich trat ein, bis ich mich einer Mauer näherte, die aus Krystallsteinen gebaut und von feurigen Zungen umgeben war; und sie begann mir Furcht einzujagen. Ich trat in die feurigen Zungen hinein und näherte mich einem großen, aus Krystallsteinen gebauten Hause. Die Wände jenes Hauses glichen einem mit Krystallsteinen getäfelten Fußboden, und sein Grund war von Krystall. Seine Decke war wie die Bahn der Sterne und Blitze, dazwischen feurige Kerube, und ihr Himmel bestand aus Wasser. Ein Feuermeer umgab seine Wände, und seine Thüren brannten von Feuer. Ich trat ein in jenes Haus, das heiß wie Feuer und kalt wie Schnee war. Da war keine Lebenslust vorhanden; Furcht umhüllte mich, und Zittern erfaßte mich. Da ich erschüttert war und zitterte, fiel ich auf mein Angesicht und schaute (Folgendes) im Gesichte: Siehe, da war ein anderes Haus, größer als jenes; alle seine Thüren standen vor mir offen, und es war aus feurigen Zungen gebaut. In jeder Hinsicht, durch Herrlichkeit, Pracht und Größe zeichnete es sich so aus, daß ich euch keine Beschreibung von seiner Herrlichkeit und Größe geben kann. Sein Boden war von Feuer; seinen oberen Teil bildeten Blitze und kreisende Sterne, und seine Wege war loderndes Feuer.«

Foto 4: Moon Pool von Merritt

Henoch versteht nicht, was ihm geschieht. Er begreift nicht, was ihm widerfährt. Ihm wird angst und bange, er zittert vor Angst, fällt nieder, ja er kann schließlich nicht mehr hinsehen (8). Was Henoch wortgewaltig schildert, das haben wir bereits im altslavischen Text über Jakobs Himmelsleiter gelesen. Am Ende der Himmelsleiter befand sich etwas Feuriges (9): »Und die Spitze der Leiter war ein Antlitz wie eines Menschen, aus Feuer behauen.«

Beide Texte beschreiben etwas, was weder Jakob noch Henoch begreifen konnten. Beide waren entsetzt. Warum? Erinnern wir uns: In der Piscator-Bibel von 1736 lag es an Jakobs »bloedigkeit«, dass er nicht begreifen konnte, was er da sah. Sind wir heute klüger? Prof. Ernst Bammel (*1923, †1996), profunder Kenner des altjüdischen Schrifttums, versicherte mir, dass es nach jüdischer Legende aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt eine Erklärung für Jakobs »Vision« gab. Demnach führte die Himmelsleiter über dem Boden zu einem »Tor zum Himmel«. Was ist unter einem »Tor zum Himmel« zu verstehen? Eine fantastische Antwort auf die Frage, die mir kein Theologe beantworten konnte, bekam ich in der Südsee, auf der Insel Pohnpei.

Die gigantischen Ruinen von Nan Madol werden als »Venedig der Südsee« bezeichnet. Aus tonnenschweren Basaltsäulen wurden vor der Küste von Pohnpei fast 100 künstliche Inseln geschaffen und darauf – wiederum aus Basaltsäulen – geradezu monströse Mauern und »Tempel« errichtet.

Foto 5: Einer der Tempel von Nan Madol.
In den 1990er Jahren besuchte ich Pohnpei zum ersten Mal. Die »Anreise« war strapaziös: Frankfurt–Amsterdam, Amsterdam–Tokio, Tokio–Guam, Guam–Pohnpei (Mikronesien). Die Rückreise war noch anstrengender: Pohnpei–Kosrae, Kosrae–Honolulu, Honolulu–Sydney (Australien), Sydney–Port Vila (Vanuatu), Port Vila–Tanna (John-Frum-Kult), Tanna–Port Vila, Port Vila–Nadi (Fiji), Nadi–Honolulu, Honolulu–Minneapolis, Minneapolis–Detroit, Detroit–Frankfurt.

Die Besuche in den Ruinen von Nan Madol waren fantastisch. In einem leicht maroden Motorboot kutschierte ein Guide mich und zwei Freunde zwischen den künstlichen Miniinseln umher. Überall waren die von Menschenhand geschaffenen Fundamente der Insel zu erkennen, aber auch Reste von einst stolzen Tempelanlagen. Auf verschiedenen Inseln gab es Schächte zu Tunneln, die angeblich unter dem Meeresboden weit hinaus führten.

Viele Stunden erkundeten wir die Welt des »8. Weltwunders«, des »Venedigs der Südsee«. Und abends gab es im herrlichen »Village Resort Hotel« von Bob und Patti Arthur faszinierende Gespräche. Eines Abends erzählte ich in kleiner Runde von meinem Theologiestudium und von meiner Beschäftigung mit dem »Tor zum Himmel« in biblischen und apokryphen sowie pseudepigraphen Schriften. Die Arthurs waren alles andere als erstaunt. Und zu meiner Verblüffung berichteten sie mir, dass es einst im Zentrum der mysteriösen Anlage von Nan Madol so ein »Tor« gegeben haben.

»Ein Tor zu Anlagen unter dem Meeresspiegel?«, wollte ich wissen. Die Arthurs lachten. »Eher eine Art ›Stargate‹, ein Eingang über andere Dimensionen…« Durch das »Stargate« könnten Eingeweihte fremde, fantastische Welten Besuchen. Durch das Stargate könnten mysteriöse Wesen – Engel, Götter oder Teufel – in unsere Welt eindringen. »Glauben Sie an dieses ›Stargate‹ von Nan Madol?«, fragte ich in eine Pause des Schweigens. Patti Arthur zuckte mit den Schultern. »Jedenfalls traut sich kein Einheimischer bei Nacht in die Ruinen von Nan Madol!«, antwortete sie schließlich. »Sie haben Angst, vom ›Leuchtenden‹ in eine andere Welt verschleppt zu werden.«

Foto 6: Luftaufnahme Nan Madol.

Ob es Literatur zu diesem faszinierenden Thema gebe? Meine Frage löste keine große Begeisterung aus. Schließlich gewährten mir die Arthurs Einblick in ihre kleine Bibliothek. Ein Stephen Athens zum Beispiel berichtete ausführlich über archäologische Funde von Nan Madol (10). Paul Hambruch, der schon vor dem ersten Weltkrieg die Ruinen von Nan Madol vermessen hat, schwieg sich über die fantastischen Überlieferungen in Sachen »Nan Madol und das Stargate« aus (11). Seither habe ich gesucht, gesucht und nichts gefunden. Selbst in einer neueren wissenschaftlichen Publikation (12), 2012 in Tokyo erschienen, klammerte man das Thema aus.

Fündig wurde ich nur in einem fantastischen Roman, auf den mich die Arthurs hingewiesen haben: »The Moon Pool« von Abraham Merritt, 1919 (14) in Erstauflage erschienen, schildert ein »Stargate« als Zugang zu fantastischen, aber auch gefährlichen Welten.

Foto 7: Jakobs Himmelsleiter in der Koberger-Bibel von 1483

Ich frage mich: Sollte Jakobs »Himmelsleiter« zu einem Stargate geführt haben? Und haben »Engel« Henoch durch so ein »Stargate« entführt und wieder zurück gebracht?


Fußnoten:
1) Lovecraft, Howard Phillips: »Das Haar der Medusa/ Horrorgeschichten 1930-1932, S. 278-324, Zitat S. 282, Zeilen 13- 10 von unten, Festa-Verlag, Leipzig, 1. Auflage Oktober 2017
2) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 3
3) 1. Buch Mose Kapitel 28, Vers 12, Luther Bibel 2017
4) Kautzsch, Emil: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments«, Bd. 2, Tübingen 1900, Seite 290
5) ebenda, Kapitel 87, Verse 2 und 3
6) Kautzsch, Emil: »Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments«, Bd. 2, Tübingen 1900, 

Seite 290 unten, Fußnote »m«: »Das sind die treugebliebenen Engel. Sie sind mit Menschen verglichen.«
7) »Das Buch Henoch«, Kapitel 14, Verse 9-17, Zitat nach Kautzsch, Emil, ebenda, Seiten 244 und 245
8) ebenda, Vers 19
 

Foto 8: Tempelmauer von Nan Madol.

 9) Petkov, Julian: »Altslavische Eschatologie: Texte und Studien zur apokalyptischen Literatur in kirchenslavischer Überlieferung«, Tübingen 2016, Seite 320, »Text der ›Leiter Jakobs‹«, I. 3
10) Athens, J. Stephen: »Pottery from Nan Madol, Ponape, Eastern Caroline Islands«, »The Journal of the Polynesian Society«, 89, 1980, S. 95–99.
11) Hambruch, Paul: »Ponape«, Hamburg 1936
12) »Japan Consortium for International Cooperation in Cultual Heritage«: »Survey Report on the Present State of Nan Madol, Federated States of Micronesia«, Tokyo 2012
13) Merritt, A(braham): »The Moon Pool« (Roman), 1. Auflage, New York und
London 1919
14) Zunächst veröffentlichte das Wochenblatt »All-Story Weekly« zwei Kurzgeschichten von Abraham Merritt: »The Moon Pool« erscgien1918, die Fortsetzung »Conquest of the Moon Pool« (etwa: »Eroberung des Mond-Teichs/Sees«) ein Jahr später. Beide dienten dann als Grundlage für den Roman »The Moon Pool«.


Zu den Fotos:
Foto 1: H.P. Lovecraft, etwa 1915, wikimedia commons/ public domain
Foto 2: Henochs Himmelsreise nach Kautzsch, 1900.Foto 3: »Das Haar der Medusa«, eine fantastische Sammlung von packenden Kurzgeschichten, die H.P. Lovecraft in Zusammenarbeit mit anderen Autoren verfasst hat. Dem FESTA Verlag darf ich auch für diese schöne Lovecraft-Publikation von Herzen danken. 
Foto 4: Moon Pool von Merritt, Originalausgabe 1919.
Foto 5: Einer der Tempel von Nan Madol. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Luftaufnahme Nan Madol. Foto Walter-Jörg Langbein

Foto 7: Jakobs Himmelsleiter in der Koberger-Bibel von 1483
Foto 8: Monströse Tempelmauer, Nan Madol. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Plakat zum Seminar »Phantastische Phänomene«, 3. und 4.März 2018

418 »Monstermauern, Mumien und Mysterien - ein Jubiläum!«,
Teil  418 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint wegen des Jubiläums ausnahmsweise bereits am 17.01.2018





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Samstag, 23. Dezember 2017

414 »Untergeordnete Gottheiten und der Weltraumprofessor«

Teil  414 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Jakob  von Rembrandt
»Wir sollten nur danach trachten, die Menschen zum Nachdenken anzuregen, nicht sie zu überzeugen.« Dieses kluge Wort wird dem Maler, Grafiker und Bildhauer Georges Braque (*1882,†1963), einem der Mitbegründer des Kubismus, zugeschrieben.

Mit meiner ausführlichen Recherche in Sachen »Jakobs Himmelsleiter« möchte ich auch nur zum Nachdenken anregen und niemanden auf Teufel komm raus von (m)einer Interpretation überzeugen. Es wird sich aber zeigen, dass eine fantastische Interpretation in Richtung Prä-Astronautik zumindest möglich ist.

Was Jakob im Traum wiederfuhr, es mutet mysteriös an. Aber was sagte kein Geringerer als Albert Einstein (*1879,†1955)? »Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle.« Mag sein, dass der biblische Jakob etwas erlebte, was ihm so fantastisch vorkam, dass er es nur als Traum akzeptieren konnte. 

Was aber könnte dem biblischen Jakob vor fast vier Jahrtausenden widerfahren sein? Wie müssen wir die Geschichte von den Engeln, die via Leiter aus dem Himmel zur Erde herab steigen und aus unseren niederen irdischen Gefilden wieder in den Himmel gelangen?

Gibt es eine technische Interpretation im Sinne der Präastronautik? Die Geschichte von der »Himmelsleiter« beschreibt ja die Verbindung zwischen Himmel und Erde via »Leiter«. »Engel« kommen aus dem Himmel zur Erde und kehren von der Erde in den Himmel zurück. Darf man bei einem biblischen Bericht über »Reisen« zwischen Himmel und Erde an vorgeschichtliche Astronauten denken, die zwischen Himmel und Erde denken? Prof. Georg Fohrer (*1915,†2002) war »ordentlicher Professor für Alttestamentliche Wissenschaft« in Erlangen.

Foto 2: Jakobs Leiter
Ich habe manche Vorlesung bei Prof. Fohrer besucht, an einigen seiner Seminare teilgenommen. Je näher seine Emeritierung 1979 rückte, desto offener wurde der Gelehrte auch für »Randfragen«. Mehrfach haben wir uns über das Thema der »Engel« im »Alten Testament« unterhalten. Prof. Oberth gab mir schließlich zu verstehen, dass seiner Ansicht nach »Engel« ihren Ursprung außerhalb des Judentums hatten. Sie waren, so Prof. Fohrer, ursprünglich »untergeordnete Götter«, die als »Engel« Eingang in die Schriften des »Alten Testaments« fanden.

Was haben wir uns unter »untergeordneten Gottheiten« vorzustellen, die zwischen Himmel und Erde pendelten? Martin Heinrich schlug eine präastronautische Lösung vor, verfasste ein sachkundiges Werk zum spannenden Thema: »Jakobs Himmelsleiter war ein Weltraumlift« (1). Ich erfuhr vor vielen Jahren zum ersten Mal vom »Projekt Weltraumlift«. Und zwar von Hermann Oberth. Prof. Dr. Dr.-Ing. Hermann Oberth (*1894,†1989) wird mit Fug und Recht als »Vater der modernen Raumfahrt« bezeichnet. Jules Vernes utopischer Roman »Die Reise zum Mond« war es, die den Gymnasiasten Hermann Oberth mit dem »Utopie-Bazillus« infizierte. Schon als Schüler tüftelte er an Experimenten, versuchte zum Beispiel Schwerelosigkeit zu simulieren: in der Badeanstalt. Er suchte nach realistischen Möglichkeiten, Menschen zum Mond und zurück zu bringen. Mit 14 Jahren entwarf Hermann Oberth bereits eine Rakete. Expandierende Gase sollten sie ins Weltall befördern.

1923 erschien sein bahnbrechendes Buch »Die Rakete zu den Planetenräumen«. Als Doktorarbeit war seine Abhandlung abgelehnt worden. 1929 erlebte Hermann Oberth auf dem »Raketenplatz Berlin« einen ersten Triumph: Sein Raketenmotor funktionierte. Studenten der »Technischen Universität« halfen ihm bei dem Experiment. Darunter befand sich Wernher von Braun (*1912,†1977) der auch als führender Mann bei der NASA nie seinen Lehrer Hermann Oberth vergaß.

Foto 3: Im Gespräch mit Prof. Hermann Oberth, März 1983

1969 saß der »Vater der Weltraumfahrt« beim Start von Apollo 11 zur ersten bemannten Expedition zum Mond auf der Ehrentribüne im »Kennedy Space Center«, Florida. Bereits 1922 hatte er in Heidelberg seine Abhandlung »Die Rakete zu den Planetenräumen« als Doktorarbeit eingereicht. Sie wurde abgelehnt. Hermann Oberth im Gespräch mit dem Verfasser: »Ein Professor aus Heidelberg meinte damals, derlei Pläne für Raumflüge zum Mond und darüber hinaus würden vielleicht in ferner Zukunft, in den letzten Tagen der Menschheit verwirklicht werden.«

Gern denke ich an so manchen Nachmittag zurück, den ich mit Prof. Oberth in seinem bescheidenen Domizil in Feucht bei Nürnberg verbringen durfte. So manche Stunde durfte ich dem »Vater der Weltraumfahrt« helfen, Briefe und Dokumente zu sortieren, zu archivieren. Hermann Oberth, dessen warmherzige Ausstrahlung mich von Anfang an faszinierte, geriet ins Schwärmen, wenn er von seinen frühesten Experimenten in Sachen Schwerkraft erzählte. Sie brachten ihm, als er noch Gymnasiast war, den Spitznamen »Mondoberth« ein. Für mich sind die Erinnerungen an Begegnungen mit diesem großen Menschen die schönsten, die ich nicht missen möchte. Hermann Oberth war Zeit seines Lebens von Raketen fasziniert, suchte aber auch nach Alternativen.

Fotos 4 und 5:  Jakobs Himmelsleiter. 

Bereits 1954 legte Oberth sein Werk »Menschen im Weltraum – Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt« (2) vor. Er dachte schon damals sehr konkret darüber nach, wie man andere Planeten unseres Sonnensystems für Menschen bewohnbar machen kann. Und das lange bevor der Begriff »Terraforming« geschaffen wurde. Er entwickelte Pläne für interstellare Raumfahrt mit gigantischen »Siedlungen im Weltraum«. Oberth berechnete riesige Weltraumstädte in Walzen- oder Radform, in denen eine künstliche Schwerkraft erzeugt werden kann, so dass der Mensch ohne Probleme der Schwerelosigkeit die Weiten des Universums erforschen würde. Hermann Oberth legte nicht nur den Grundstein der heutigen Raumfahrttechnologie. Er blickte als echter wissenschaftlicher Visionär in die Zukunft. Seine wohl kühnste Vision klingt heute, ein halbes Jahrhundert nachdem Hermann Oberth sie entwarf, reichlich utopisch. Hermann Oberth in »Menschen im Weltraum« (4):

Foto 6: Menschen im Weltraum
»Trotzdem könnte man sich vorstellen, dass Menschen ferne, unbekannte Planeten anderer Sonnen erreichen. Sie würden sich in Wohnwalzen als auf sich selbst gestellte Gemeinschaften auf den ungeheuer weiten Weg machen und nach Tausenden von Jahren ans Ziel kommen. Gewaltige, mehrschichtige Meteordämpfer an der Stirnseite der durch den Raum rasenden Wohnwalze würden für Sicherheit sorgen. 

Am Ziel würden die Nachfahren der einst von der Erde ausgezogenen Menschen neue Planeten erforschen und für ihre Nachkommen erschließen. Die Erinnerung an die alte Erde, die für sie in den Tiefen des Weltraumes versunken sein würde, wäre nur noch schwach und unwirklich, und die auf Mikrofilme und Tonbänder gebannte Geschichte der irdischen Menschheit klänge diesen Weltraumfahrern nicht anders als ein geheimnisvolles Märchen aus dem Reich der Toten.«


Hermann Oberth war davon überzeugt, dass wirkliche »Raumfahrt«, die diesen Namen auch verdient, möglich ist. Er sah den Bau von gigantischen Weltraumstädten als durchführbar an und suchte nach Alternativen zum Raketenantrieb. »Wenn man eine gewaltige Weltraumstadt auf der Erde baut, benötigt man unvorstellbare Mengen an Energie, um sie ins All zu bringen.«, so sagte er zu mir. Einzige Möglichkeit: Die Weltraumhabitate werden nicht auf der Erde gebaut, sondern im All. Wie aber bringt man das Material ins All?

Foto 7: Handschriftliche Widmung Oberths

Prof. Oberth arbeitete an einem »Windkraftwerk«, (5) das in sehr großer Höhe über dem Erdboden Strom gewinnen und zur Erde leiten sollte. Er verlor nie die praktische Seite aus den Augen. Ein »Seil« würde Windkraftwerk mit dem Erdboden verbinden. Techniker würden in »Gondeln« zum Windkraftwerk fahren, etwa um Wartungsarbeiten zu verrichten. Und sie würden auf diesem Wege wieder zum Erdboden zurück fahren. Mit leuchtenden Augen schilderte mir Prof. Oberth die »Steigerung«.

Er dachte an einen kleinen Himmelskörper, etwa einen Asteroiden als »Endpunkt« eines »Lastenaufzugs«. Mit einer solchen »Vorrichtung« könne man gewaltige Materialmengen in den Weltraum schaffen, und das mit einem sehr viel kleineren Energieaufwand. Raketen, so Oberth, können das auch. Raketen würden die Lasten sehr viel schneller ins All schaffen können als so ein »Lastenaufzug«, aber enormen Mengen an Treibstoff verbrauchen. Der »Aufzug« ins All sei natürlich sehr viel langsamer, aber auch sehr viel sparsamer im Energieverbrauch.

Die »Himmelsleiter« ist im Prinzip so eine Art »Weltraumlift für Arme«. Die »Engel« - »untergeordnete Götter«! -  werden aber nicht in Gondeln vom Himmel auf die Erde und retour geschafft, sie müssen mühsam eine Leiter nutzen, sprich Sprosse für Sprosse hinunter und hinauf steigen. Beschreibt der biblische Text einen »Weltraumlift« als »Leiter«? Kannte der Verfasser so ein energiesparendes Bauwerk? Ich habe da meine Zweifel! So ein Weltraumaufzug hätte mit einer Leiter wenig gemeinsam, wäre technisch enorm aufwändig und von gewaltigen Proportionen. Ich kann man nicht vorstellen, dass so ein Weltwunder der Baukunst und der Technologie spurlos verschwinden würde.

Wahrscheinlicher ist, dass es sich bei der »Jakobsleiter« um Teil eines »Stargates« gehandelt hat. Die »Leiter« führte zum Übergang in andere Welten, andere Dimensionen. Ein solcher Übergang muss für die Menschen zu biblischen Zeiten eine Stätte des Schreckens gewesen sein, ein göttliches Wunder, das sie nicht verstehen konnten. 

Im März des Jahres 1983 besuchte ich Prof. Oberth zum letzten Mal in seinem Haus in Feucht bei Nürnberg. Wir unterhielten uns lange. Schließlich durfte ich Prof. Oberth ausführlich interviewen. Zum Abschluss fragte ich den greisen Gelehrten: »Herr Professor, diese Macht der Kirche zu bestimmen, was Wissenschaftler lehren dürfen und was nicht... ist vorbei. Verhalten sich aber nicht auch Wissenschaftler ebenso autoritär wie die Kirchenvertreter von einst?«

Fotos 8 und 9: Bibel Illustration um 1875

Hermann Oberth antwortete: »Aber ja! Das war so, ist zum Teil auch noch so. Viele Wissenschaftler verhalten sich dem Wissen gegenüber wie eine gestopfte Gans gegenüber dem Futter. Nur um Gottes willen nicht noch mehr. Das war so, schon immer!« Ich fragte nach: »Wird es auch immer so bleiben?« Hermann Oberth antwortete: »Ich möchte nicht immer sagen.«

Foto 10: Oberths Abhandlung  »Drachenkraftwerk«.
Fußnoten
1) Heinrich, Martin: »Jakobs Himmelsleiter war ein Weltraumlift«, 
Hanau 2012. Mir liegt das eBook der interessanten Publikation vor.
2) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte 

für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963
3) ebenda, S. 198
4) ebenda, S. 201
5) Oberth, Hermann: »Das Drachenkraftwerk/ Neue Vorschläge 

für Windkraftwerke, die von prallgefüllten drachenähnlichen 
Ballons getragen werden als Alternative zu luftverschmutzenden – und Atomkraftwerken«, Feucht o.J. (Foto 8)

Zu den Fotos:
Foto 1: Jakob in einem Gemälde von Rembrandt.
Foto 2: Jakobs Leiter, mittelalterliche Bibelillustration.
Foto 3: Im Gespräch mit Prof. Hermann Oberth, März 1983.
Fotos 4 und 5:  Jakobs Himmelsleiter.  Kupferstich von Martin Tyroff nach Johann Melchior 1731
Foto 6: Oberths Menschen im Weltraum.
Foto 7: Handschriftliche Widmung Oberths für den Verfasser.
Foto 8: Oberths Abhandlung zum »Drachenkraftwerk«.
Fotos 8 und 9: Bibel Illustration um 1875.
Foto 10: Oberths Abhandlung zum »Drachenkraftwerk«.

415 »Wie schaurig ist dieses Stätte!«,
Teil  415 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 31.12.2017



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