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Sonntag, 1. März 2015

267 »Mumien und eine geheimnisvolle Unterwelt«

Teil 267 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Blick in die »Mumien-Krypta«, etwa 1905
Was haben ein Maya-Tempel in Mexiko und ein romanischer Dom des christlichen Abendlandes gemeinsam?

Der berühmte »Tempel der Inschriften« von Palenque, Mexiko, wurde 690 vollendet. Auf einer Stufenpyramide thront ein Tempel. Unter der Pyramide befindet sich eine Grabkammer, die erst 1952 geöffnet wurde.

Majestätische Dome wie das jener in Bamberg wurden als »Gottesburgen« angelegt. Aber wo? Sehr häufig wählte man Stätten aus, die schon in vorchristlichen Zeiten als »heilig« angesehen wurden. Unter den Gotteshäusern wurden in der Romanik (10./ 11. Jahrhundert) Krypten angelegt, vergleichbar mit der Gruft unter dem Tempel der Inschriften.

Die christlichen unterirdischen Kammern waren streng genommen Kirchen unterhalb von Kirchen. Die Grabkammer von Palenque dürfte bei den Mayas als nicht minder heilig gegolten haben.

Abstieg in die »Unterwelt« von Palenque, Mexiko

In Palenque steigt man auch heute noch in die Krypta unter dem Tempel der Inschriften, so wie man auch in christlichen Gotteshäusern in Krypten gelangt. In Palenque ist klar zu erkennen, dass die unterirdische Kammer als letzte Ruhestätte für König Pakal gedacht war. Dort steht auch heute noch der kolossale Sarg des Herrschers. Die Krypten unter christlichen »Gottesburgen« dienten ursprünglich als geschützter Ort für »heilige Gebeine«. Ein Dom verstärkte durch Reliquien seine besondere Bedeutung – und Kraft. Leider lassen viele Besucher den Respekt vor den sakralen Stätten vermissen, beim Abstieg in die Krypta von Palenque sehr viel mehr als in christlichen Gotteshäusern.

Mit »heiligen Reliquien« wurde zeitweise ein schwunghafter Handel betrieben. Heute kann man Reliquien im Internet erwerben… oder staunend in altehrwürdigen Domen bestaunen. Anno 965, so wird überliefert, kehrte Erzbischof Adaldag von einer sehr erfolgreichen Pilgerreise nach Rom zurück. Vom Papst hatte der Kirchenmann damals sehr begehrte Reliquien zum Geschenk erhalten, nämlich die Knochen der Heiligen Kosmas und Damian. Die beiden christlichen Ärzte sollen im dritten Jahrhundert Wunder bewirkt haben, sehr zum Verdruss der Konkurrenz, und das vollkommen unentgeltlich. Besonders die Transplantation eines Beines soll unzählige Patienten vom christlichen Glauben überzeugt haben. Der römische Präfekt befahl den Tod der beiden Brüder. Sie überlebten ab diverse Versuche, sie hinzurichten. So konnten sie weder ertränkt, noch verbrannt werden. Sie ließen sich weder steinigen noch mit Pfeilen erschießen. Alle diese tödlichen Anschläge auf ihr Leben verpufften wirkungslos, bis sie schließlich enthauptet wurden.

Eingang zur »Unterwelt«

Anno 965, so wird überliefert, kamen die besonderen Reliquien nach Bremen, wurden in der Krypta des Doms eingemauert und offenbar vergessen. Erst 1334 wurden sie auf mysteriös-wundersame Weise wieder entdeckt. Romanische Krypten waren unter Kirchen angelegte Räume zur Aufbewahrung von Reliquien. Nach und nach verloren aber die alten Reliquien an Bedeutung. Der Reliquienkult aber lebte weiter, allerdings verehrte man anstatt der Märtyrer aus frühchristlicher Zeit neuzeitlichere Heilige, und das nicht mehr in den Krypten, sondern im Kirchenschiff selbst. Dort bekamen die »neuen Heiligen« eigene Altäre, in denen oftmals die verehrten Knochen für das Volk der Gläubigen zur Schau gestellt wurden. Damit verloren die Krypten ihre Bedeutung. Sie gerieten teils in Vergessenheit, teils wurden sie für recht weltliche Zwecke missbraucht. In der Ostkrypta des Doms zu Bremen wurden Bleibarren gelagert. Die Bremer waren weitsichtig. Man benötigte das Blei fürs  Domdach. Da Brände oder Stürme regelmäßig das Dach beschädigten oder zerstörten, legte man ein Bleilager in der einstigen Krypta an. Die hieß dann profan nicht mehr Krypta, sondern Bleikeller, Bleikammer oder Bleigewölbe.

An der Decke: Mumifizierte Hühner....
Nach meinen Recherchen wurden die Mumien erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts zufällig entdeckt. Von da an wurde der einstige Bleikeller zum Mumienkeller... und zur Touristenattraktion.  Im frühen 19. Jahrhundert zeigten tüchtige Kaufleute aus Bremen Interesse an der einstigen Bleikammer. Sie wollten sie als Lager für ihre Waren verwenden. Mit brachialer Gewalt wurde von außen ein Eingang in die Krypta geschlagen, um so den Kaufleuten den direkten Zugang zur gemieteten Räumlichkeit  zu ermöglichen. Die Kirche vermietete also den einst von Gebeinen von Heiligen »bewohnten« Raum gegen Bares an Kaufleute. Anno 1823 wurden die Mumien umgesiedelt, sie wurden in die »Kohlenkammer unter dem Konferenzzimmer« geschafft. Anno 1984 wurden die Mumien ein weiteres Mal in ihrer schon lange nicht mehr beschaulichen Ruhe gestört. Weil manche Besucher der Mumien offenbar  die Stille des Gotteshauses  störten, siedelte man die Mumien samt »Bleikeller« ein – bisher – letztes Mal um, nämlich in ein Nebengebäude des Doms.

Heute ist die Ostkrypta wieder ein »Ort der Stille« geworden, was ja dem Charakter des altehrwürdigen Gotteshauses mehr entspricht als ein Gruselkabinett der Mumien. Pietätvoll ist man mit den sterblichen Überresten nicht immer umgegangen. Nach meinen Recherchen sind die Mumien nicht mehr vollständig. Touristen sind ja dafür bekannt, dass sie gern Erinnerungsstücke mit in die Heimat zurück nehmen. So wurden den bedingt durch die geringe Luftfeuchtigkeit eingetrockneneten Toten ganze Haarbüschel ausgerissen und Finger abgebrochen. Einer dieser Finger und eine mumifizierte Kinderhand fanden ihren Weg nach Weimar, ins Goethehaus, als Geschenk für den Dichterfürsten.  Vergeblich hoffte man in Bremen, auf diese Weise die Neugier Goethes zu wecken. Der aber blieb Bremen fern und schenkte die makaberen Gaben seinerseits seinem Sohn August. Erst seit Ende der 1960-er Jahre sind die Mumien vor Zugriffen durch Besucher geschützt, in ihren »Schneewittchen- Särgen«.

Mumien in Särgen, ein Katzenskelett und ein Schädel...

Heute ist die Ostkrypta wieder ein Ort der Andacht geworden. Das ist meiner Meinung nach auch wirklich gut so. Die mysteriöse Krypta war ja auch nie als Ausstellungsraum für Mumien gedacht, sie sollte niemals eine Art Gruselkabinett werden. Unzählige Besucher standen schaudernd vor den offenen Särgen mit den erstarrten Mumien, genossen in gruseliger Atmosphäre frei erfundene Geschichten über die Toten. Dabei wurden die eigentlichen Geheimnisse der Krypta übersehen. Erstaunliche Kunstwerke aus der Zeit der frühen Gotik – 12. Jahrhundert – fanden keine Beachtung. Unter dem Putz warteten die wahrscheinlich ältesten Malereien Bremens darauf, wieder entdeckt und fachgerecht restauriert zu werden. Wurde bis heute wirklich alles Verborgene wieder sichtbar gemacht?

Mumiensärge der Chachapoyas, Peru

Unterwegs zu den großen Mysterien unseres Planeten begegneten mir immer wieder Monstermauern und Mumien. Es scheint so, als hätten alle großen Kulturen in grauer Vorzeit spielerisch mit gewaltigen Steinblöcken umgehen können. Die Kolosse wurden in Peru wie in der Türkei, auf der Osterinsel wie in Ägypten, in Bolivien wie in der Südsee bearbeitet, transportiert und oft wie Bauklötze im Riesenformat zu »Tempeln« oder wahren »Monstermauern« aufeinander getürmt. Nicht selten sehen die Steinriesen wie gegossen aus, so als habe man die Verschalungen eben abgenommen.

Mumien der Chachapoyas, Peru
 Und immer wieder begegneten mir Mumien, in den Hochanden Perus bei den Chachapoyas, den Wolkenmenschen… in Ägypten. Altehrwürdige Mumien der Chachapoyas waren aus den Begräbnisstätten an nur unter Lebensgefahr erreichbaren Steilwänden geholt worden. Sie warteten in einer Art Lagerraum in Pappkartons auf den letzten »Umzug« in ein Museum.

Die Mumien vom Dom zu Bremen sind im Vergleich dazu würdevoller untergebracht. Vor allem liegen sie nun hinter Glas und sind so vor Berührung durch pietätlose Besucher geschützt. Die Ostkrypta bietet wirklich Rätselhaftes, vor allem auf den Säulenkapitellen! Vorchristliche, also heidnische Symbole finden sich in großer Zahl. Immer wieder sehe ich, besonders im Altarbezirk der Ostkrypta an der Südwand, den Drudenfuß. Für die Druden war er heilig, die Tempelritter haben ihn übernommen und in großen Kathedralen verewigt. Der Drudenfuß – Pentagramm – gilt als magisches Zeichen. Er soll das Böse abwehren. Was ist nur schöne Ornamentik, was Symbolik? Verschmilzt da ein Ewigkeitssymbol mit dem Drudenfuß? Was haben die kleinen maskenhaften Gesichter zu bedeuten, die in Kapitelle neben rätselhafte Symbole in den Sandstein gemeißelt wurden? Sollen die Fratzen das Böse darstellen, das durch den Drudenfuß ferngehalten wird? Oder sind Seelen Verstorbener gemeint?

Schlangendrache gegen Fenriswolf

Mich interessieren besonders seltsame Tierdarstellungen. Da kämpft ein Wolf gegen ein Schlangenwesen. Hilft uns die nordische Mythologie weiter. Der Fenriswolf war das erste Kind des Gottes Loki und der Riesin Angrboda. Ein weiteres Kind war die Midgardschlange. Aus der Midgardschlange wurde ein geflügelter Drache. Was hat es zu bedeuten, dass in der Krypta der Kampf zwischen den Geschwistern Fenriswolf und Midgardschlange gezeigt wird? Stellen sie das Böse da, im Gegensatz zum häufig in der Krypta dargestellten Sonnensymbol? Was hat die doppelköpfige Schlange zu bedeuten?

Die alten Kirchen und Dome Deutschlands mussten im Verlauf der letzten tausend Jahre immer wieder restauriert, oft weitestgehend neu aufgebaut werden. Was Brandkatastrophen und alle möglichen Kriege überstanden hatte, das wurde bis zum Ende des »Zweiten Weltkriegs« Ziel von Angriffen aus der Luft. Alliierte Streitkräfte verwüsteten auch Gotteshäuser. Die unterirdischen Krypten überstehen die sinnlos wütenden Kräfte der Zerstörung seit vielen Jahrhunderten. Die Ostkrypta des Doms zu Bremen sieht heute wohl genauso aus wie vor einem Jahrtausend. In dieser »Unterwelt« atmet man den Geist der Ewigkeit. Könnte man nur die Symbole in dieser Unterwelt wie ein Buch lesen....

Anmerkung

Die Geschichte der »Dom-Mumien« ist teils widersprüchlich überliefert, teils spekulativ oder frei erfunden. Die historischen Hintergründe, die die Geschichte der »Dom-Mumien« immer wieder massiv beeinflusst haben, sind zu komplex, um in einem Artikel hinreichend gewürdigt zu werden. Wirklich exakt-konkretes Wissen über die »Dom-Mumien« gibt es weitestgehend keines. Um die unheimliche Attraktion für Besucher interessanter zu machen, wurde viel erfunden.

Unter dieser Grabplatte ruhte die »Mumie von Palenque«...
Fotos

Blick in die »Mumien-Krypta«, etwa 1905 -
Vermutlich handkolirierte Aufnahme, um
1905. Archiv Walter-Jörg Langbein

Abstieg in die »Unterwelt« von Palenque,
Mexiko - Foto Walter-Jörg Langbein

Eingang zur »Unterwelt« -
Archiv Walter-Jörg Langbein

An der Decke: Mumifizierte Hühner.... Aufnahme um 1900. ArchivWalter-Jörg Langbein

Mumien in Särgen, ein Katzenskelett und ein Schädel...:
historische Aufnahme, Archiv Walter-Jörg Langbein

Mumiensärge der Chachapoyas, Peru - Foto Walter-Jörg Langbein

Mumien der Chachapoyas, Peru - Foto Walter-Jörg Langbein

Schlangendrache gegen Fenriswolf - Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

Unter dieser Grabplatte ruhte die »Mumie von Palenque«... - Foto Walter-Jörg Langbein

268 »Monsterwölfe, Teufel und der Höllenschlund«,
Teil 268 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 08.03.2015


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Sonntag, 19. September 2010

35 »Das Geheimnis der Heiligen Stiere«

Teil 35 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Von der Djoser-Pyramide aus blicke ich hinaus in eine steinige Höllenglut von Wüste. Ein einheimischer Guide erklärt mir: »Überall gibt es noch unentdeckte komplexe unterirdische Anlagen ungeahnten Ausmaßes. Immer wieder werden neue Säle unter dem Wüstenboden entdeckt. Es ist schon vorgekommen, dass parkende Busse urplötzlich einbrachen... und in einem unterirdischen Schlund zu versinken drohten! Zum Glück wurde dabei noch niemand verletzt! Es wurde mit großer Wahrscheinlichkeit erst ein kleiner Teil der unterirdischen Welt entdeckt!«

Prof. Hans Schindler-Bellamy bestätigte: »Einst gab es im Wüstenboden ein Gewirr von zahllosen unterirdischen Gängen, Räumen und Sälen! Da wurde eine Unterwelt erschaffen, von deren Größe wir keine Vorstellung haben!«

Welche Geheimnisse
birgt die Wüste von Sakkara noch?«
Mit der Djoser-Pyramide – der ältesten Pyramide Ägyptens – im Rücken blicke ich hinaus in die rötlich-braune Wüste. Unerbittlich brennt die Sonne vom Himmel. Die trostlose Landschaft wirkt seltsam fremdartig, wie das Szenario eines Science-Fiction-Films »fremder Planet«. Ich marschiere über den unwegsamen Wüstenboden. Hier und da lassen sich Mulden erkennen, die auf Grabungen schließen lassen. Dort sind kleine Hügel aufgeschüttet. Manche Erdbewegung scheint noch frisch zu sein. Wird hier illegal nach Schätzen gesucht? Eindeutig künstlich behauene Steinquader liegen im Sand. Stammen sie aus einer der unterirdischen Kammern? Gehörten sie zu einem der wuchtigen Gewölbe? Oder sind es Brocken aus der Djoser-Pyramide?

Hier, in dieser Wüste, hat Auguste Mariette nach dem »Heiligen Stier« gesucht... Vergeblich. Im Jahr 1857 startete Auguste Mariette (1821-1881) ein zweite Grabungskampagne in der Wüstenei von Sakkara. Massive Sprengladungen erleichterten ihm die Arbeit wesentlich. Aus heutiger Sicht muss sein Vorgehen als höchst unwissenschaftlich bezeichnet werden. Die gewaltigen Detonationen zerstörten kostbare Spuren in die Vergangenheit.


Foto: ©Public Domain, Wikimedia

Mariette war eher ein rücksichtloser Grabräuber als ein wissenschaftlicher Archäologe. Manche bezeichnen ihn als Dieb. Immerhin: Tausende Fundstücke schaffte er heimlich außer Landes. Die Direktion des Louvre war dankbar für die Schätze, ernannte Mariette zum »Kurator der ägyptischen Abteilung«. In Ägypten wurde Mariette vom Vizekönig Said Pascha zum »Direktor des Altertümerdienstes« befördert. 1862 wurde ihm der Titel eines »Bey«, 1879 der eines »Pascha« verliehen.


Die majestätische Sphinx hatte Mariette nach Sakkara geführt. 134 Sphingen entrissen Mariette und seine Arbeiter dem Wüstensand. Eine Entdeckung folgte auf die andere: Kostbare Schätze kamen ans Tageslicht, Statuen von Falken, Panthern und Göttern. Einen Fund schätzte Auguste Mariette besonders: Es war ein Stierbildnis. In einem Tempelchen, von der Architektur am ehesten mit einer Kapelle zu vergleichen, ruhte stoisch gelassen eine kunstvoll aus Kalkstein gearbeitete Skulptur eines Apis-Stieres. Der französische Wissenschaftler war überzeugt: Diese Statue weist auf den Kult um den heiligen Stier hin!

Der Apis-Stier wurde schon in der Ersten Dynastie im Tempel des Gottes Ptah (Memphis) angebetet.. als das göttliche Symbol für die Fruchtbarkeit. Im Lauf der Zeit stieg der Apis-Stier auf: Er wurde zum himmlischen Boten Ptahs. Schließlich wurde er als die »herrliche Seele« Ptahs auf Erden verehrt. Wenn der »amtierende« Apis-Stier starb, wurde Staatstrauer angeordnet. Erst wenn wieder ein Stier ausfindig gemacht wurde, der die »heiligen Zeichen« des Apis trug, endete die Trauer. Was geschah mit dem toten Stier? Wurde er in einem riesigen Sarkophag beigesetzt?

Wurde der tote Apis-Stier
in so einem Riesensarg beigesetzt?
So hatte der Apis-Stier auszusehen: Er musste makellos schwarz sein. Auf der Stirn musste ein klar umrissenes, weißes Dreieck zu sehen sein. An der Seite musste sich ein weiterer weißer Fleck befinden: in der Gestalt einer Mondsichel.

Der tote Apis-Stier, so ist überliefert, wurde innerhalb von siebzig Tagen mumifiziert und im unterirdischen Serapeum von Sakkara bestattet. Auguste Mariette war davon überzeugt, dass die Riesensärge einst für die Mumien der Apis-Stiere geschaffen worden waren. Die kolossalen Steinsarkophage waren ja auch des toten Apis-Stires würdig. Galt der doch als Osiris, als Gott der Wiedergeburt. So wie der Nil regelmäßig über seine Ufer trat und dem Land Fruchtbarkeut schenkte, so war auch Osiris der Gott der ewigen Wiederkehr: der Vegetation, der Wiedergeburt.

Immer wieder entdeckte Auguste Mariette gigantische Steinsärge. Immer wieder schöpfte er Hoffnung, immer wieder wähnte er sich am Ziel. Aber er wurde immer wieder enttäuscht. Grabräuber hatten Löcher in die steinernen Riesenkisten geschlagen... und vollkommen ausgeplündert. Im Sommer des Jahres 1852 stieß Mariette auf einige unbeschädigte Sarkophage. Seine Freude war verfrüht. Nachdem er die tonnenschweren Deckel zur Seite hatte wuchten lassen ... waren auch sie leer. Seltsam: Warum haben Grabräuber den tonnenschweren Sargdeckel zur Seite geschoben, die Sarkophage völlig leergeräumt und dann wieder sorgsam mit dem wuchtigen Steindeckel verschlossen?

Einer der Monstersarkophage von Sakkara


Am 5. September 1852, so schien es, bahnte sich endlich die erhoffte Sensation an. Vor dem Eingang einer Nische in der unterirdischen Gruft stand eine kostbare vergoldete Statue des göttlichen Osiris. Sie bewachte, davon war Mariette überzeugt, seit Jahrtausenden eine Apis-Mumie. Ganz offensichtlich hatten keine Grabräuber Statue und Sarkophag entdeckt. Sie hätten die wertvolle Götterfigur geraubt und die steinerne Kiste geplündert.

Mariette wähnte sich endlich am Ziel seiner Sehnsüchte. Er vertraute seinem Tagebuch an: »Auf diese Weise hatte ich Gewissheit, dass vor mir eine Apis-Mumie liegen müsse, und konsequenterweise verdoppelte ich meine Vorsicht. Meine erste Sorgfalt galt dem Kopf des Stieres. Aber ich fand keinen. Im Sarkophag lag eine bitume, sehr stinkige Masse, die beim kleinsten Druck zerbröselte. In der stinkigen Masse lag eine Anzahl sehr kleiner Knöchelchen, offenbar schon zersplittert in der Epoche des Begräbnisses. Inmitten des Durcheinanders von Knöchelchen ohne Ordnung und eher zufällig fand ich fünfzehn Figürchen.«

Mit Nachdruck suchte Auguste Mariette nach der Mumie eines »heiligen Stieres« in der Unterwelt von Sakkara. Er fand Monstersarkophage: und die waren entweder vollkommen leer oder sie enthielten ein stinkendes teerartiges Gemisch in die offensichtlich vor Jahrtausenden zerschlagene Knochen gerührt worden waren. Die archäologische Wissenschaft behauptet: in den Riesensärgen wurden Apisstiere beigesetzt.

Tonnenschwere Deckel verschlossen die
Monstersarkophage von Sakkara.
Die Ägypter waren Meister der Mumifizierung. Menschen von hohem Rang wurden siebzig Tage lang nach einem komplizierten Verfahren für die Ewigkeit vorbereitet. Zweck der Mumifizierung war es, einen Leichnam möglichst perfekt zu konservieren, um ein Leben nach dem Tode zu ermöglichen.

Was auch immer bei Sakkara bestattet wurde, das sollte nicht auferstehen. Man hat keine Mumie konserviert. Man hat vielmehr Lebewesen zerstückelt, mit einer teerartigen Masse vermengt und den ekelerregenden Brei in tonnenschweren Steinsarkophagen verwahrt und mit tonnenschweren Steindeckeln verschlossen. Was auch immer auf diese Weise entsorgt wurde, es sollte auf keinen Fall zu neuem Leben erwachen. Was auch immer in die gewaltigen Monstersärge wie in Tresore gesperrt wurde... hat es einst Angst und Schrecken verbreitet?

Der heilige Apis-Stier wurde – wie ein Pharao – siebzig Tage lang mumifiziert: das gilt als anerkannte Lehrmeinung. 70 Tage lang war der Sirius von Ägypten aus nicht zu sehen. Siebzig Tage lang hielt er sich sozusagen im Totenreich auf, um dann wieder zu erscheinen... aufzuerstehen! 70 Tage der Mumifizierung hatten symbolische Bedeutung: So wie Sirius nach siebzig Tagen ins Reich der Lebenden zurückkehret, so sollte auch der mumifizierte Tote dereinst zu neuem Leben erwachen.

Seltsam: Die Apis-Stiere galten als Sinnbild der Wiedergeburt. Warum wollte man ausgerechnet eine Auferstehung dieser heiligen Tiere verhindern? Ist es nicht geradezu paradox, dass das Fleisch gewordene Symbol der Wiedergeburt und des neu erstehenden Lebens ... selbst nicht wiedergeboren werden sollte? Ob die alten Ägypter warum auch immer Angst gehabt haben vor dem Apis-Stier? Wollten sie deshalb eine Wiederkehr des Apis-Stiers unbedingt verhindern? Haben sie aus Angst die Leichname der Apis-Stiere zerstückelt, mit einer breiigen Masse verrührt und für immer in tresorartigen Sarkophagen weggesperrt? Sollte etwas Monströses nie mehr ins Reich der Lebenden zurückkehren?

Wenn wir glauben, man könne die uralte Vergangenheit Ägyptens wie ein offenes Buch von der ersten bis zur letzten Seite lesen ... dann ist das ein Irrtum! Noch so manches Geheimnis wartet darauf, gelöst zu werden.

»Die verlorene Stadt in den Anden«,
Teil 36 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26.9.2010

Sonntag, 12. September 2010

34 »Monstermumien im Alten Ägypten?«

Teil 34 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Der Wiener Archäologe Prof. Hans Schindler-Bellamy hat mich auf das Grabungsfeld von Sakkara aufmerksam gemacht. Seiner Empfehlung folgend nehme ich von Kairo aus ein Taxi gen Süden. Es ist früh am Morgen und doch ist die Hitze schon fast unerträglich. Vom Ufer des träge dahinziehenden Nil winken schwer schuftende Bauern freundlich und lachen. Unweit der Cheopspyramide kippen zwei Männer alte Kühlschränke in den Eingang zu einem alten Grab. Sie werfen einige Müllsäcke hinterher. Die Millionenstadt Kairo wächst an die Pyramiden heran.

Ich weiß: Im-Hotep wirkte um 2.600 v. Chr. als berühmter Architekt und Weisheitslehrer im Alten Ägypten. Er war es, der dem König Djoser die Stufenpyramide von Sakkara entwarf und baute. Er war es, der die älteste Weisheitslehre Ägyptens verfasste. Das umfangreiche Werk ging leider verloren. Enthielt es Hinweise auf das eigentliche Geheimnis von Sakkara? Wusste Im-Hotep, zu welchem Zweck die unterirdischen Anlagen von Sakkara gebaut wurden?

Die mysteriöse Pyramide
von Sakkara... Hüterin einer
geheimnisvollen Unterwelt.
Im Jahre 1850 reiste der französische Wissenschaftler Auguste Mariette (1821-1881) im Auftrag des Louvre nach Kairo. Er war fest entschlossen, Ägyptens rätselhafte Vergangenheit zu erforschen. Er wollte dazu beitragen, dass man bald Ägyptens Vergangenheit wie ein offenes Buch lesen kann. Es musste doch noch eine Vielzahl von aufschlussreichen uralten Texten geben, die von der Wissenschaft noch nicht erfasst worden waren. Bei seiner Suche hoffte Mariette auf die Mithilfe des koptischen Patriarchats. Würde ihm die hohe Geistlichkeit altägyptische Papyrus-Texte zur Verfügung stellen, die bislang unter Verschluss gehalten worden waren? Mariette reichte einen Antrag ein und bat um Einsicht in die Archive der Kopten. Lange bekam er keine Antwort, dann vertröstete man ihn. Er bekam zu hören, man müsse erst ausführlich seinen Antrag besprechen. Die Besprechungen zogen sich ohne Ergebnis hin.

Mariette wandte sich der »Cheopspyramide« und der rätselhaften Sphinx zu. Würde er Neues entdecken? Ernsthafte archäologische Ausgrabungen schienen aber nicht möglich zu sein. Neugierige Touristen störten den wissbegierigen Forscher bei der Arbeit. Mariette wollte schon aufgeben und unverrichteter Dinge Ägypten verlassen.... da machte er eine zufällige Entdeckung.

Enttäuscht schlenderte Auguste Mariette gedankenverloren über den Basar von Kairo. Er ging schlecht gelaunt von einem Antiquitätengeschäft zum anderen. Wertloser Plunder wurde leichtgläubigen Touristen angeboten. Doch zwischen billigem Ramsch gab es echte, Jahrtausende alte Antiquitäten. Mariette stieß immer wieder auf Kostbarkeiten: auf echte, wirklich antike Sphingen, auf Miniaturausgaben der großen Sphinx. Die kleinen Sphingen waren keine neuzeitlichen Kopien. Es waren Jahrtausende alte Originale. Sie stammten alle aus der Gegend von Sakkara. Die Sphinx führte Mariette nach Sakkara.

Die Sphinx führte Mariette
nach Sakkara....
Mariette machte sich mit einer kleinen Karawane auf ... in die trostlose Wüste von Sakkara. Würde er dort fündig werden? Die Einöde der glutheißen Wüste war alles andere als einladend. Die berühmte Stufenpyramide von Sakkara war damals noch nicht zu sehen. Sie lag unter Geröll und Wüstensand. Archäologische Entdeckungen schienen nicht auf Ausgräber zu warten. Wo andere Forscher erst gar nicht gesucht hatten, da machte sich Auguste Mariette an die Arbeit. Ziellos grub da und dort im Sand. Er wurde fündig und legte das Haupt einer Sphinx frei.

Unweit dieses mythologischen Fabelwesens aus Stein lag eine unscheinbare Tafel im Staub. Sie trug rätselhafte Hieroglyphen. Auguste Mariette konnte nur ein einziges Wort lesen: »Apis«, also »Stier«. Auguste Mariette kombinierte: War er auf die Spur des antiken ägyptischen Kults vom »Heiligen Stier« gestoßen? Hatte er jene Stätte gefunden, die bereits der Historiker Strabon (63 vor Christus bis 26 nach Christus) im ersten Kapitel seiner »Erdbeschreibung« schildert?

Bei Strabon heißt es: »Nahe ist auch Memphis selbst, der Königssitz der Ägypter; denn vom Delta bis zu ihr sind drei Schoien (16,65 Kilometer). Sie enthält an Tempeln zuerst den des Apis, welcher derselbe ist mit Osiris. Hier wird der für einen Gott gehaltene Stier Apis in einer Tempelhalle unterhalten. Auch ein Serapis-Tempel ist daselbst an einem sehr sandigen Orte, so dass vom Winde Sandhügel aufgeworfen werden, von welchen wir die Sphingen teils bis zum Kopfe verschüttet, teils halb bedeckt sahen.«

Auguste Mariette wähnte sich seinem Ziel näher denn je zu sein. Prof. Hans Schindler-Bellamy: »Mariette hatte die Unterwelt von Sakkara entdeckt. Labyrinthe von gewaltiger Ausdehnung erstrecken sich unter dem Wüstenboden. Das sind komplexe Anlagen ... unterirdische Gänge von vielen Kilometern Länge ... und Räume und Hallen unter dem Wüstenboden!«

Auguste Mariette setzte bedenkenlos Dynamit ein, um mit Gewalt einen Zugang zur Unterwelt von Sakkara zu finden. Er wurde fündig! Am 12. November 1851 tat sich der Boden unter Auguste Mariette im wahrsten Sinne des Wortes auf. Offenbar hatte er ein unterirdisches Gewölbe entdeckt. Die von ihm ausgelöste Detonation riss ein Loch in eine steinerne Decke unter dem Wüstenboden. Auguste Mariette stürzte in die Tiefe. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt. Erst als sich der Staub gelegt und man Mariette eine Fackel gereicht hatte, erkannte er, wo er sich befand: in einer gewaltigen unterirdischen Gruft. Auguste Mariette war überglücklich – und sollte doch so herb enttäuscht werden.

In der Unterwelt von Sakkara
Würde er unvorstellbare Schätze entdecken? Es sah so aus! Nur wenige Meter von ihm war eine majestätische Nische auszumachen. In ihrem Zentrum stand ein wahrhaft gigantischer steinerner Sarg. Der Atem stockte Mariette, als er mit seiner Fackel näher trat. Kein Deckel lag auf dem steinernen Monstrum. Jemand hatte, das mochte Jahrhunderte oder Jahrtausende her sein, den Deckel auf die Seite gewuchtet. Der Sarkophag war leer. Waren ihm Grabräuber zuvor gekommen?

Was war wohl in so einem riesigen Sarg aus Stein bestattet worden? Der monströse Sarkophag ließ auf kostbare Grabbeigaben hoffen. Warum sonst war er einst mit einer tonnenschweren Platte verschlossen worden? Der Deckel war wann auch immer wieder entfernt worden. Der Sarg selbst war leer. Keine Spur einer Mumie war zu finden ... von Grabbeigaben ganz zu schweigen. Waren Mumie und Grabbeigaben von Plünderern geraubt worden? Nach und nach erkundete Mariette die von ihm entdeckte »Unterwelt«. Wochenlang vermaß er den unterirdischen Saal, in den er gestürzt war. Das Zentralgewölbe allein hatte gewaltige Ausmaße: Es war dreihundert Meter lang, acht Meter hoch und drei Meter breit. Auf beiden Seiten standen monströse Sarkophage. Sie waren alle ... leer!

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte nach Mariette bin ich bei Sakkara in die Unterwelt gestiegen. Von der glutheißen Wüstenhitze kam ich in eine muffige Halle unter dem Wüstensand. Meine Taschenlampe tastet sich durch die Dunkelheit. Die Decke aus wuchtigen Steinen mag zehn Meter hoch sein. Ich schreite die Halle ab. Ich schätze ihre Länge auf dreihundert Meter. Die Breite des Zentralgewölbes messe ich genau aus: vier Meter. Rechts und links stehen monströse Särge in Nischen. Einen messe ich aus: Er ist 3,85 Meter lang, 2,25 Meter breit und 2,50 Meter hoch. Die Sarkophagwand misst immerhin 43 Zentimeter. Verschlossen wurde die beeindruckende Riesenkiste aus Stein mit einem Deckel, 62 Zentimeter dick. Nach vorsichtigen Schätzungen wiegt der Sarg mit Deckel rund einhundert Tonnen!

Jeder der Riesensärge wurde aus einem einzigen Klotz gefertigt ... aus härtestem Granit! Der Steinbruch befindet sich in Assuan ... rund 1 000 Kilometer entfernt! Warum machte man sich vor Jahrtausenden die Mühe, die monströsen Steinsärge 1000 Kilometer in die Einöde der Wüste zu transportieren? Warum wurde die unheimliche Unterwelt nicht direkt bei Assuan geschaffen?

Einer der gigantischen Monstersärge
von Sakkara.
Stundenlang habe ich die Unterwelt von Sakkara erkundet. Ich habe nur einen winzigen Bruchteil der unterirdischen Gänge und Säle untersuchen können. Viele der Riesensärge sind offensichtlich geplündert worden. Weil die wuchtigen Deckel den Grabräubern oft zu schwer waren, haben sie mit roher Gewalt Löcher in die Seitenwände geschlagen. Was haben sie entdeckt? Was haben sie gestohlen?

»Das Geheimnis der Stiermumien«,
Teil 35 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19.9.2010

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