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Sonntag, 9. April 2017

377 »Der Teufel im Stall von Bethlehem?«


Teil  377 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Mohammed und  Gabriel

Kürzlich war ich im Weserbergland im Bus unterwegs. Ich ließ die Landschaft an mir vorüberziehen, da und dort lag noch Schnee (1). Kinder rutschten auf Schlitten von abschüssigen Gärten. Mürrische Männer hackten Eis von Gehwegen, Frauen streuten Salz. Ein junger Mann setzte sich neben mich und begann Allah zu preisen. Dass ich seinen Redeschwall unbeeindruckt über mich ergehen ließ, schien ihn zu ärgern. »Du kennst doch den Erzengel Gabriel!«, fuhr er mich etwas unwirsch an.

»Nicht persönlich…«, wandte ich ein. »Scherze nur über solche Dinge! Das Lachen wird dir schon noch vergehen!«, gab der orientalisch anmutende Missionar grob zu bedenken. Er zupfte versonnen und selbstgefällig an seinem krausen Bart. »Wenn du dich nicht zu Allah bekennst, wirst du in der Hölle schmoren! Teufel werden dich in siedendes Öl werfen und mit Mistgabeln quälen!«

Foto 2: Die zur Rechten Jesu

Ich reagierte wohl anders als erwartet: »Ich bin müde, wollte eigentlich etwas schlafen…« Damit hatte ich ihm ein Stichwort frei Haus geliefert. »Du bildest dir wohl ein, einst zur Rechten von deinem Jesus zu sitzen? Du wirst schreien vor Schmerz, wenn du in der Hölle landest!« Schließlich begann der junge Mann mit missionarischem Eifer über Allah, Tag und Nacht und die Gnade des Schlafens zu schwadronieren. Er steckte er mir ein Zettelchen zu. Darauf stand zu lesen:

»Wer von euch einen schönen Traum hatte, soll wissen, er ist von Allah. Er soll dafür danken und ihn sofort anderen weitererzählen. Wenn ihr einen bösen Traum habt, ist er vom Teufel und man muss vor ihm fliehen und bei Gott Zuflucht suchen. Man soll ihn auch nicht weitererzählen, dann wird der Traum keinen Schaden zufügen können.« Eine Quelle war auch angegeben (2).

Fotos 3-6: Teufel und Engel.
»Überall ist er, der Teufel und seine Gesandten!«, gab mir der in meinen Augen reichlich aufdringliche Mann noch auf den Weg als ich ausstieg. »Auf Reklametafeln, im Freibad…« Ich stand noch einen Moment an meiner Bushaltestelle, der Bus entfernte sich. Mir kam das Tympanon im Westturm des Freiburger Münsters in den Sinn. Entstanden ist es wohl im späten 13. oder im frühen 14. Jahrhundert, also um das Jahr 1200. Es spiegelt den damaligen Volksglauben wieder, wonach es in der Welt nur so von bösen und guten Mächten wimmelt, die sich alle um den Menschen bemühen. Beide »Parteien« trachten nach der Seele von uns Menschen. Die einen wollen sie in die Hölle zerren, die anderen gen Himmel führen. Vertreter des Guten sind natürlich die Engel, die des Bösen die Teufel. Beide – Engel wie Teufel – tauchen im Figurengetümmel des Tympanons immer wieder auf. Erzengel Gabriel tritt an der Seelenwaage in der Erscheinung. Mit einfachen Mitteln ermittelt er, wer als Sünder bestraft, wer als guter Mensch belohnt wird. Er muss nicht in ein Buch des Lebens blicken, in welchem gute und böse Taten jedes einzelnen Menschen penibel dokumentiert sind.

Der Erzengel kann – so sieht es der unbekannte Künstler –  per Waage feststellen, welche Seele in den Himmel darf und welche ab ins Höllenfeuer muss. Der böse Teufel vom Tympanon wird – so zeigt es das sakrale Kunstwerk – bei einem plumpen Versuch zu tricksen ertappt. Er zerrt mit Gewalt an der Waagschale, in der eine Menschenseele hockt. Der Teufel möchte sich die Seele – salopp gesagt – unter den Nagel reißen.

Foto 7: Erzengel Gabriel an der Seelenwaage mit Teufeln. Foto Walter-Jörg Langbein

Immer wieder habe ich die zahlreichen Figürchen und Figuren im Eingangsbereich des Freiburger Münsters betrachtet. Je länger ich versucht habe, die Aussagen der Darstellungen zu verstehen, desto klarer wurde mir: Eigentlich müsste man nicht Tage, sondern Wochen einplanen für einen Besuch des Freiburger Münsters, um sich auch nur einen Überblick zu verschaffen. Unklar ist, was die einzelnen Statuen und Statuetten aussagen sollen, vor allem auch, warum sie so angeordnet sind, wie wir sie vorfinden. Telefonisch befragt erklärte mir ein Mitarbeiter der katholischen Kirche von Münster:

»Vieles kennen, erkennen wir natürlich! Aber nicht alles! Wir wissen nicht bei allen Figuren, wer da dargestellt werden soll. Wir wissen schon gar nicht, ob die Anordnung der Figuren etwas aussagen soll. Wir wissen nicht, wie die Figuren ursprünglich angeordnet waren und ob sie aus welchen Gründen auch immer umgestellt wurden, auch nicht warum sie womöglich ursprünglich in ganz anderer Konstellation aufgestellt wurden!«

Foto 8: Der geheimnisvolle Lichtbringer.

Ich frage mich: Wussten die Menschen um das Jahr 1200 so viel mehr als wir heute über biblische Geschichten und Heiligenlegenden? Verstanden die, die nicht lesen konnten, ohne geschriebene Worte, was ihnen da vor Augen geführt wurde? Standen womöglich Mönche bereit, um zu erklären, was da zu sehen war? Ein Bild, heißt es, sagt mehr als tausend Worte. Aber es besteht die Gefahr, dass man Bilder völlig falsch interpretiert, wenn es keine erklärenden Worte dazu gibt. Wer – zum Beispiel – ist die mysteriöse Gestalt am Kopfende von Marias Bett im Stall von Bethlehem? Sie hält einen Kerzenständer mit mächtiger Kerze, während »Gottesmutter« Maria das erwachsen wirkende »Jesusbaby« herzt.

Foto 9: Figuren links vom Eingang.

Kunsthistoriker Guido Linke kommentiert in seinem detailreichen Werk »Freiburger Münster« (3): »Maria liegt im großzügig drapierten Kindbett. … Am Fußende sitzt der mit dem Judenhut angetane Joseph … Von den anbetenden Engeln hebt sich eine Gestalt am Kopfende des Bettes ab, die einen Kerzenleuchter trägt und durch eine Krone ausgezeichnet ist. Sie ist vielleicht als Personifizierung der das Licht der Welt anbetenden Kirche zu verstehen.«

Ist die Gestalt mit dem Kerzenständer ein Engel? Mir scheint ja! Das Haupt der Gestalt schmückt eine Krone. Ein Engel mit Krone? Wer soll das sein? Mir kommt die »Offenbarung des Johannes«, auch »Apokalypse des Johannes« genannt, in den Sinn. Da heißt es (4): »Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen.«

Die »Elberfelder Bibel« (5) vermeldet einen scheinbar abweichenden Sachverhalt: »Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel: Und siehe, ein großer, feuerroter Drache, der sieben Köpfe und zehn Hörner und auf seinen Köpfen sieben Diademe hatte.« Krone oder Diadem? Eine Fußnote klärt auf: »Das Diadem, ein Stirnreif, war im Altertum das Zeichen der Königswürde.« »Hoffnung für alle« (6) erkennt »Kronen« auf den Häuptern des Drachen, ebenso die »Schlachter-Bibel« (7). Die »Neue Evangelische Übersetzung« (8) greift wiederum zum Terminus »Diadem« und erklärt in einer Fußnote: »Ein Diadem ist keine Krone sondern ein schmales Band aus Seide, Leinen oder Edelmetall, das oft mit Perlen oder Edelsteinen besetzt ist. Es symbolisiert königliche Würde und Macht.«

Foto 10: Figuren rechts vom Eingang.
Mir kommt beim Anblick des gekrönten Engels mit der Lichterkerze der Lichtbringer in den Sinn! Ich darf in Erinnerung rufen: Jesus will Satan wie einen Blitz vom Himmel stürzend gesehen haben (9): »Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.«  Vom »Neuen« zum »Alten Testament« Bei Jesaja heißt es über den Sturz des Königs von Babylon (10): »Wie bist du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern!« Jesaja bezeichnete den Herrscher von Babylon als gefallenen »Morgenstern«. Und den kannte man in der römischen Mythologie als Luzifer. Der König von Babylon trug als Zeichen seiner Würde ein Diadem oder eine Krone. Wenn wir im Stall von Bethlehem einen »Engel« sehen, der Licht bringt, kann das als Anspielung auf Luzifer gesehen werden, auf den teuflischen Lichtbringer? Wie der verteufelte König von Babylon alias Luzifer hat auch der Lichtbringer im Stall von Bethlehem eine Krone auf dem Haupt. Was aber hat Luzifer im Stall von Bethlehem zu suchen?

Jahrzehnte bereiste ich die Welt, besuchte mysteriöse Orte. Ich berichtete über erstaunliche Phänomene von Ägypten bis Vanuatu. In den vergangenen Jahren widmete ich Stätten viel Aufmerksamkeit, die ich Jahrzehnte lang leider vernachlässigt habe: Es geht mir um sakrale Bauten – von der kleinen Kapelle bis zur mächtigen Kathedrale. Ausführlich schildere ich, was es – zum Beispiel – im Münster zu Freiburg zu sehen gibt. Warum? Ich will keineswegs meine Meinung als die wahre propagieren. Ich möchte lediglich darauf aufmerksam machen, was mich immer wieder zum staunenden Nachdenken bringt.

Nach Vanuatu in der Südsee werden mir nur die wenigsten Leserinnen oder Leser folgen können. Doch jede Leserin, jeder Leser hat – wo auch immer in unserer Heimat – Kapellen oder Kathedralen vor der sprichwörtlichen Haustüre, die zu besuchen mehr als lohnenswert sind.


Fußnoten
1) Diesen Beitrag habe ich am 20. Januar 2017 geschrieben.
2) Sahih Al-Buchari, Band 9, Buch 87, Nr. 114
3) Linke, Guido: »Freiburger Münster/ Gotische Skulpturen der Turmvorhalle«,
     Freiburg, 1. Auflage 2011, Seite 28, linke Spalte und rechte Spalte oben
4) »Offenbarung des Johannes«, Kapitel 12 Vers 3. Lutherbibel 2017
5) »Revidierte Elberfelder Bibel«, (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten
6) Ausgabe 2002
7) Genfer Bibelgesellschaft, Ausgabe 2000
8) © 2016 Karl-Heinz Vanheiden (Textstand 16 01)
9) »Das Evangelium nach Lukas« Kapitel 10, Vers 18
10) »Prophet Jesaja« Kapitel 14, Vers 12


Fotos 11 und 12: Die 12 Apostel.

Zu den Fotos
Foto 1: Mohammed und  Gabriel (etwa 1307). Foto wikimedia public domain/  Mladifilozof
Foto 2: Die zur Rechten Jesu ... Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 3-6: Teufel und Engel. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Erzengel Gabriel an der Seelenwaage mit Teufeln. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Der geheimnisvolle Lichtbringer. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Figuren links vom Eingang. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Figuren rechts vom Eingang. Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 11 und 12: Collage aus zwei Fotos. Die 12 Apostel. Fotos Walter-Jörg Langbein

378 »Erich von Däniken zum 82.«
Teil  378 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                        
von Walter-Jörg Langbein,                      
erscheint am 16.04.2017



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Sonntag, 26. Juni 2011

75 »Wenn der Vulkan im Paradies brüllt...«

Teil 75 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Eingang zum Port Resolution Club
Foto: Ingeborg Diekmann
Alle Jahre wieder feiern die Menschen auf der Südseeinsel Tanna, Vanuatu, das John-Frum-Fest. An diesem Tag, davon sind sie überzeugt, wird ihr Gott John Frum vom Himmel herabsteigen und seine Anhänger reich beschenken. Dann werden die Gläubigen endlich in den Genuss des üppigen Luxus kommen, den bislang die Weißen für sich allein beanspruchen. Um den John-Frum-Kult hautnah zu erleben, reiste ich mit einer kleinen Gruppe – Leserinnen und Leser meiner Bücher – in die Südsee, ins Reich Vanuatu, auf das Eiland Tanna. Untergebracht waren wir im »Port Resolution Club«. Luxus durften wir nicht erwarten, hieß es doch im hauseigenen Faltblatt nüchtern: »Der Port Resolution Club ist sehr einfach ausgestattet. Er liegt in einem tropischen Garten mit Blick auf die Bucht und den Yasur Vulkanberg. Hier gibt es nur eine Dusche (kein heißes Wasser), aber Toilette sowie Elektrizität.«

Dusche,
Waschgelegenheit,
Toilette
Foto I. Diekmann
Süßwasser ist auf Tanna eine Kostbarkeit. So sammelt man das Regenwasser, speichert es in Tonnen. Regenwasser ist Hauptgetränk Nummer 1 auf der Insel, mit Regenwasser wäscht man sich, duscht man und betreibt das WC. Für unsere Gruppe gab es zwischen unseren Bungalows eine Dusche (im Bild ganz links), eine Waschgelegenheit (mit Spiegel, im Bild in der Mitte) und ein Regenwasser-WC.

In der Tat: Elektrizität stand zur Verfügung: so lang das Stromaggregat lief. Gegen 20 Uhr gab es Abendessen (meist, ja eigentlich immer Reis). Danach wünschte uns der Wirt »Good Night!« und wir eilten so schnell wir konnten in unsere Bungalows. Gegen 20 Uhr 15 wurde der dröhnende Benzinmotor abgestellt, der »Port Resolution Club« versank in Dunkelheit. Untergebracht waren wir in »acht Bungalows nach einheimischem Stil« ... sehr spartanisch, in auf Pfählen stehenden Holzhütten, mit einer Art Schilf gedeckt und dünnen, ja sehr dünnen Wänden. Einzige Möbelstücke waren ein Bett und ein Nachttischchen mit einer Kerze. Über jedem Bett war ein Moskitonetz angebracht, das ungebetene Blutsauger fernhalten sollte.

Luxus gab es aber auch: Jeder Bungalow hatte eine eigene überdachte Veranda. Wer grünes Südseeparadies erleben wollte, konnte sich auf seine Veranda setzen ... und paradiesischen Frieden erleben, den kein noch so teures 5-Sterne-Hotel zu bieten vermag. Wer den sterilen Hyperluxus moderner 5-Sterne-Hotels wünscht, wird ihn auf Tanna vergeblich suchen. Wer aber exotische Urwaldnächte förmlich spüren möchte, dem kann ich den »Port Resolution Club« nur wärmstens empfehlen. Zwei Stunden dauert in etwa in Fahrt im »Hotelbus« vom kleinen Flughafen zum »Port Resolution Club«.

Veranda vor der Hütte
Foto: W-J.Langbein
Ich kann mich an meine erste Nacht im Urwaldbungalow lebhaft erinnern ...
Ermüdet von anstrengenden Exkursionen dämmere ich vor mich hin. Sanft schlafe ich ein ... Doch etwas weckt mich: Ein dumpfes Rumpeln und Pumpeln, begleitet von beunruhigenden Vibrationen, die meine hölzerne Bettstatt sanft schütteln. Völlig zutreffend heißt es im Faltblatt: »Das Rumoren und Glühen des Yasur-Vulkans macht die Bungalows wahrlich spektakulär.« Ein »rotes Glühen« hat schon anno 1774 James Cook nach Tanna gelockt. Cook hatte es auf See nächtens zufällig »in den Wolken« beobachtet, war diesem geheimnisvollen Zeichen gefolgt und schließlich in einer Bucht östlich des Vulkans an Land gegangen. Cook wollte den Vulkanberg besteigen, wurde aber von den Einheimischen daran gehindert. Sie glaubten nämlich, dass dort die Seelen der Verstorbenen hausen.

361 Meter ist er hoch, der Yasur Vulkan. Seit mindestens 800 Jahren ist er aktiv, rumort und rumpelt vor sich hin. Statistisch gesehen gibt es alle drei Minuten eine Eruption. Dann spuckt der Yasur glühende Lavaklumpen in die Höhe ... aus einem seiner drei Schlote im Hauptkrater. Der misst in unseren Tagen dreihundert Meter im Durchmesser und einhundert Meter in der Tiefe. Weil der Vulkan in wirklich sehr kurzen Abständen – und das regelmäßig – spuckt ... gewöhnt man sich sehr schnell an das Rumoren ... Tag und Nacht.

Aufstieg zum Vulkan
Foto: W-J.Langbein
Vielversprechend heißt es im Faltblatt unseres »Clubs«: »Die Spitze des Kraters kann leicht zu Fuß (zehn Minuten Weg) erreicht werden und das atemberaubende Erlebnis von Lava, die hunderte Meter hoch in die Luft geschleudert wird, glühend in der hereinbrechenden Nacht, das Rumoren und die Explosionen, die Vibrationen des Bodens ... werden unvergesslich bleiben.«

Wir nahmen auf Tanna nicht nur an der Jahresfeier des John-Frum-Kults bei, wir besuchten auch den Yasur-Vulkan. Das heißt, wir fuhren von unserem »Port Resolution Club« mit einem kleinen Bus so nah wie möglich an den Vulkankegel heran. Die letzten 300 Meter legten wir zu Fuß zurück. Der Anstieg erwies sich als anstrengender als gedacht. Die sommerlichen Temperaturen, gepaart mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit, machten den kleinen Gang schnell zu einem Marsch in einer Sauna.

Wir folgten einem schmalen Trampelpfad, vorbei an erstarrten Lavaklumpen unterschiedlicher Größe. 2010 entwickelte der Vulkan so heftige Reaktivitäten, dass es zu gefährlich war, sich dem Krater zu nähern. Das Besteigen des feuerspeienden Berges wurde 2010 vorübergehend verboten.

Wir erstiegen den Vulkankegel ... und spürten bald die Wärme des unterirdischen Feuers an den Füßen. Wir setzten uns am Rand des Kraters nieder und warteten den Abend ab. Ein herrlicher Blick aufs nahe Meer wurde uns gegönnt ... doch unsere Aufmerksamkeit war mehr auf den Vulkan gerichtet.

Blick aufs Meer vom Vulkan
Foto: W-J.Langbein
Als gut vorbereiteter Reiseleiter weiß ich, was wir hier vor Ort erwarten können ... »Das laute Rumpeln und Pumpeln, das wir Tag und Nacht hören, wird nicht unbedingt von Lava-Eruptionen verursacht. Man spricht von strombolianischen Eruptionen. Es sammeln sich im Inneren des Vulkans Gasblasen, die dann in regelmäßigen Abständen explodieren. Dabei wird meist nur wenig Lava gefördert. Die meisten Lavafragmente, die in die Luft geschleudert werden, sind oft nur tennisballgroß.« Trotzdem möchte wohl niemand von einem solchen »kleinen« Batzen, der emporkatapultiert wird und aus mehreren hundert Metern Höhe zurückfällt, getroffen werden.

»Wir müssen die Dunkelheit abwarten!« betont unser örtlicher Guide. »Bei Tag sieht man zu wenig ... Wir müssen natürlich Glück haben ... Emporgeworfene Brocken sieht man meist wegen des begleitenden Qualms nicht. Und wenn so ein Klumpen an der falschen Stelle niederschlägt, kann man kaum ausweichen.« Es würden aber nur höchst selten Besucher getroffen, versichert er uns. »Wie beruhigend!« meint sarkastisch ein Mitreisender.

Asche-Lava-Regen
Foto: Ingeborg Diekmann
Zunächst werden die aufsteigenden Staubwolken vom Sonnenlicht des Abends rötlich angestrahlt, dann verwandeln sie sich in eher düstere schwarze Wolken ... und bei Dunkelheit erkennt man schließlich die rotglühende Lava, die in den Himmel schießt und – abkühlend – wieder herabfällt. In der Regel folgt auf eine besonders heftige Gasexplosion fast feuerwerksartig ein wahrer Sprühregen glühender Punkte, die wie Sternschnuppen in den Himmel sausen.

Manche Batzen schlagen unangenehm nah von uns ein. Hautnah erlebten wir, spürten wir Vulkanismus live ... in relativ schwacher Form. Wir können uns aber etwas besser ein Bild machen, wie verheerend der Ausbruch eines Supervulkans sein muss! Wenn der Vulkan im Paradies brüllt, dann kann dies Unheil ankündigen wie die Trompeten der Apokalypse. Ist es ein Zufall, dass der Weltuntergang der Bibel deutlich an vulkanische Kataklysmen erinnert?

Als ich zu später Stunde bei völliger Dunkelheit mit meinen Reisebegleitern vom Yasur-Vulkan zurück ins Südseeparadies stolpere ... muss ich an den »Feuerring des Pazifiks« denken! Was man leicht verdrängt: Vulkanismus ist im Pazifik nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Der Pazifik ist alles andere als ein »friedlicher« oder »stiller Ozean«. Ganz im Gegenteil, der Name täuscht! Die seismische Zone um jenes Meer herum, das wir uns als Idyll vorstellen, wird als »Feuerring« bezeichnet.

Ein großer Teil der vulkanischen Aktivitäten unseres Planeten spielt sich auf dem Meeresboden im Pazifik ab. Der Geologe H.W. Mennard schätzte vor einem halben Jahrhundert, dass es am Boden des Pazifiks rund 10.000 bereits erloschene oder noch aktive Vulkane gibt. Die Osterinsel ist also ein Kind des vulkanischen Pazifiks. Aus erdgeschichtlicher Sicht brodelt es nicht gelegentlich, sondern ständig im Pazifik. Vulkane entstehen, schieben sich aus dem Erdinneren durchs Wasser. Vulkankegel wachsen empor. Viele erreichen nicht die Wasseroberfläche. Andere schießen über die Wellen hinaus, verschmelzen miteinander. Entstand so vor vielen Jahrtausenden das Atlantis der Südsee, als ein vulkanischer Kontinent in den Weiten des Meeres? Und verschwand dieser Kontinent wieder ... als Folge weiterer Katastrophen auf dem Meeresgrund?

Nach altem Glauben versammeln sich hier
die Totengeister -  Foto: W-J.Langbein
Unter dem Pazifik ticken gewaltige Zeitbomben. Jederzeit kann ein Supervulkan auf dem Meeresboden ausbrechen. Eine Kettenreaktion kann angestoßen werden, die weitere schlummernde Vulkane förmlich explodieren lässt. Schlimmste Seebeben können die Folge sein... Tsunamis, die weite Teile Süd- und Zentralamerikas, ja Nordamerikas verwüsten können, drohen. Eine Apokalypse, die unseren Globus – und damit die Menschheit – in einen Abgrund reißt, ist möglich ... Sie kann ihren Anfang im Pazifik nehmen!

Und wenn natürliche Kataklysmen – wie in Fukushima – zum Beispiel ein Atomkraftwerk verwüsten, dann ist eine Apokalypse möglich, die den biblischen Bericht vom Ende der Zeit bei weitem in den Schatten stellt! »2012« steht symbolisch für realistischen Horror, der jederzeit unseren Planeten zu einem höllischen Höllenpfuhl verwandeln kann.

Meine Prognose: Das Jahr 2012 wird verstreichen, der Weltuntergang wird ausbleiben. Rasch wird die ominöse Jahreszahl in Vergessenheit geraten. Neue Weltuntergangstermine werden publik gemacht werden. Vielleicht wird Nostradamus bemüht, vielleicht werden angebliche Prophezeiungen der Mayas aus dem Hut gezaubert ... Wir täten aber gut daran, die wahre Bedeutung von »2012« zu erkennen, die wahre Botschaft der Mayas zu verstehen ...

Zu diesem brandaktuellen Thema habe ich mein 30. und wichtigstes Buch geschrieben: »2012 – Endzeit und Neuanfang/ Die Botschaft der Mayas« (1).

Fußnote und Literaturempfehlung
Langbein, Walter-Jörg:
»2012/ Endzeit und Neuanfang – Die Botschaft der Mayas«, München 2009


»Was flog da über Golgatha?«,
Teil 76 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 03.07.2011


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