Sonntag, 14. März 2010

9 »Besuch in einer Palmblattbibliothek«

Walter-Jörg Langbein
Teil 9 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

Seit über 40 Jahren bereise ich die Welt, um für meine Bücher zu recherchieren. Von Ägypten bis Vanuatu (Südsee) war ich in den vergangenen vier Jahrzehnten unterwegs, um vor Ort die großen Geheimnisse unseres Planeten zu erkunden. Immer wieder stieß ich auf Geheimnisvolles. Die Realität ist oft sehr viel rätselhafter als die Beschreibungen in den Lehrbüchern vermuten lassen. Und so manches Mysterium kommt in den Lehrbüchern gar nicht vor. Mir drängt sich immer mehr der Eindruck auf, dass in »wissenschaftlichen Werken« gern verschwiegen wird, wofür es noch keine plausible Erklärung gibt.

So machte ich im Lauf der vielen Jahren so manche Entdeckung. Auf meinen Reisen erlebte ich immer wieder Faszinierendes. Manche Spur aber hat sich als nicht besonders ergiebig erwiesen. Manche Recherche ergab: Das vermeintliche »Geheimnis« ist gar keines.

Nach Indien haben mich nicht nur die geheimnisvollen Tempel gelockt, sondern auch die mysteriösen Palmblattbibliotheken. Vor Ort aber gab es Ernüchterung.

Auf die »Palmblattbibliotheken« machte mich Johannes von Buttlar durch sein Buch »Zeitsprung« (München 1977) aufmerksam. Staunend las ich da: »Es ist höchst verwunderlich, daß auf den Palmblättern immer der genaue Name des Betreffenden genannt wird und auch nur derjenigen Angehörigen, die am Tage des Besuches in der Bibliothek noch leben. Das bisherige Leben des Besuchers wird in allen Einzelheiten so bildhaft geschildert, als hätte der längst verstorbene Verfasser des Palmblattes persönlich daran teilgenommen.«

Das klang wirklich sehr interessant. Sollte vor vielen Jahrhunderten ein Kreis von seherischen Propheten gewusst haben, welche Menschen aus aller Welt so eine Palmblattbibliothek aufsuchen würden? Sollten vor Jahrhunderten Informationen über diese Menschen verewigt worden sein, über ihre früheren Leben, über ihr aktuelles Leben und über ihre künftige Leben? Sollte es in Indien handfeste Beweise für übersinnliche Kräfte begnadeter Seher geben, die vor vielen Jahrhunderten lebten und wirkten?

Im November 1995 machte ich mich nach ausführlichen Recherchen in deutschen Bibliotheken auf den Weg. Begleitet wurde ich von einigen Leserinnen und Lesern meiner Bücher. Organisiert und sorgsam vorbereitet habe ich die Reise zusammen mit Julia Zimmermann, Bonn. Bereits Monate vor Reiseantritt erbat und erhielt die Palmblattbibliothek von Poosamuthu (Abb.re) in Vaithisvarankoil einige Informationen über unsere kleine Reisegesellschaft: den Namen, das Geburtsdatum und die genaue Geburtszeit und einen sauberen Daumenabdruck auf Papier jedes Teilnehmers unserer Gruppe.

Ich war unvoreingenommen, wartete voller Spannung auf den Besuch in der Palmblattbibliothek. Würden sich die aus der Literatur bekannten, teilweise phantastischen Schilderungen als wahr erweisen? Schließlich und endlich war es dann soweit: Auf der Fahrt von Chidambaram nach Vaithisvarankoil in einem kleinen Bus wuchs die Spannung. Angeblich gehörte die von uns ausgesuchte Palmblattbibliothek zu den besten ihrer Art.

Die Umgebung der »Palmblattbibliothek« war höchst ärmlich. Armselige Behausungen boten den Bewohnern notdürftig Schutz vor den Wetterunbilden. Auf staubigen Straßen fuhren PKWs, Busse und Fahrräder. Rinder trotteten des Wegs. Menschen zerrten kleine, aber schwer beladene Karren. Kleine Garküchen an Straßenecken boten kleine Imbisse an. Keine Frage: Das Leben der Menschen war alles andere als einfach. Die Menschen waren, wenn es um materielle Güter geht, arm. Und doch machten sie keinen depressiv-traurigen Eindruck. Die Menschen lächelten. Sie strahlten förmlich. Wenn ich da an die in unseren Breiten des Wohlstands weit verbreitete Griesgrämigkeit denke...

Im Kontrast zu den einfachen Hütten der Menschen war das gewaltige Schild auf dem Dach jenes Hauses, wo man angeblich mit den Palmblättern über uns auf uns wartete... die schon vor vielen Jahrhunderten aufgeschrieben und immer wieder kopiert worden waren. Groß war auch der Kontrast zwischen dem Leiter der Bibliothek Poosamuthu und der Bevölkerung von Vaithisvarankoil. Während die Bevölkerung offensichtlich in Armut lebte, demonstrierte Poosa Muthu stolz seinen Wohlstand. Goldschmuck glänzte. Goldgeschmückt waren auch die Angestellten Poosa Muthus.

Beim Betreten der Bibliothek wurde uns bedeutsam zugeraunt, dass wir als besonders würdig erachtet würden. Und so werde uns eine besondere Ehre zuteil: Leiter Poosamuthu persönlich würde uns empfangen. Und in der Tat: Poosamuthu begrüßte uns tatsächlich persönlich und erklärte uns – stets huldvoll lächelnd – den weitern Ablauf des Tages.

Zunächst einmal ging es um den schnöden Mammon: Pro Person waren 4.000 Rupien zu entrichten. Das entsprach damals etwa 200 DM oder 100 Euro. 100 Euro mag auch in unseren Gefilden als Lohn für einen Wahrsager üblich sein. In Indien aber entsprachen 4.000 Rupien in etwa dem Monatslohn eines gut verdienenden Beamten oder zwei Monatsgehältern eines Arbeiters. Ein Knecht musste Ende der 90er mindestens ein halbes Jahr hart schuften, um 4.000 Rupien zu verdienen.

Die Hälfte dieser Summe wurde bei unserem Besuch sofort einkassiert, der Rest beim Verlassen der Bibliothek. Hatte man schlechte Erfahrungen mit ausländischen Kunden gemacht? Weigerten sich enttäuschte Kunden zu zahlen?

So ging es dann weiter: Die Unterlagen, die wir Monate vorab geschickt hatten, waren »verschwunden«. Vergeblich wurden sie gesucht. Und so hatte man die Palmblätter für die Teilnehmer unserer Reise ins Land der Tempel noch nicht zurecht gelegt. Sie mussten erst ausfindig gemacht werden. Damit das aber möglich sei, so erfuhren wir, müssten wir »einige Fragen« beantworten.

Es müsse, so wurde uns erklärt, für jeden von uns die ganz persönlichen Palmblätter in der Bibliothek gefunden werden: in einem gewaltigen Meer von unzähligen Palmblättern. Denn für jeden Besucher, der jemals die Bibliothek aufsuchen werde... liegen sorgsam gebündelte beschriftete Palmblätter parat.

Wir alle wurden in Einzelgesprächen befragt. Von »einigen wenigen Fragen« war zunächst die Rede. Das aber war maßlos untertrieben. Die Fragen wurden in Tamil-Sprache gestellt. Ein hauseigener Dolmetscher übersetzte sie ins Englische. Ich antwortete in Englisch. Meine Antwort wurde dann wieder in Tamil übersetzt.

Ich beantwortete geduldig anderthalb Stunden lang unzählige Fragen: zu meinen familiären Verhältnissen, zu meiner Frau, zu meinem Beruf, zu meinen Eltern und Großeltern. Diese Informationen seien erforderlich, um die jeweils passenden Palmblätter ausfindig machen zu können.

Aber genügt dazu nicht das exakte Geburtsdatum? Nein, wurde mir versichert. Natürlich würden weltweit zu jeder Sekunde viele Menschen geboren. Um sicher zu sein, auch wirklich meine Palmblätter vorliegen zu haben, seien die erfragten Informationen unverzichtbar. Auf meine Rückfrage versicherte man mir, dass mein Name nicht auf meinen Palmblättern stehe.

Nach einem ermüdenden Verhör von anderthalb Stunden machte man sich auf die Suche.... und präsentierte mir Stunden später stolz meine Palmblätter. Die Eintragungen waren in winzigen Zeichen in knappen Zeilenabständen notiert... angeblich »vor vielen Jahrhunderten«. Sie wurden in Tamil vorgelesen und ins Englische übersetzt.

Angeblich waren die Original-Palmblätter in Alt-Tamil beschriftet. Der kundige Leser übertrug die altehrwürdige Sprache in das heutige Tamil. Ein emsiger Schreiber hielt das Diktat in Neu-Tamil fest. In Windeseile sauste sein Kugelschreiber über die Seiten eines Schulheftes. Fast zwei Schulhefte wurden gefüllt. Diese Hefte durfte ich behalten.

Und siehe da, welch Wunder: Da stand geschrieben... exakt das, was man mich zuvor gefragt hatte. Alle Auskünfte zu meiner Frau, zu meinen Eltern und Großeltern und zu mir, die ich selbst gegeben hatte... wurden nun von den Palmblättern vorgetragen. Es gab nicht eine einzige noch so unbedeutende Information auf meinen Palmblättern, die ich nicht Stunden zuvor selbst offenbart hatte.

Ein Beispiel: Im »Verhör« hatte man mich aufgefordert: »Notieren Sie den Vornamen Ihres Vaters!« Und siehe da: Stunden später erklärte man mir, schon vor vielen Jahrhunderten sei der Vorname meines Vaters auf einem meiner Palmblätter notiert worden.

Ich erfuhr aber nicht nur, was ich sowieso schon wusste. So offenbarte man mir meine früheren Leben und die vor mir liegende Zukunft, bis zu meinem angeblichen Tode im Jahr 2025. Ernst nehme ich diese Prophezeiung nicht. Am 15.11.1995 wurde mir vorgelesen, meine liebe Mutter werde »noch sehr viele Jahre« leben und hochbetagt in ferner Zukunft sterben. Sie werde noch bei guter Gesundheit sein, wenn ich als steinalter Mann weltweit »zu Ruhm und Ehre komme«. Leider hat sich diese Prophezeiung nicht bewahrheitet: meine Mutter verstarb nur wenige Monate später schon am 7.6.1996... und nicht »hochbetagt«, sondern mit 66! Künftige Erdenleben, so erfuhr ich, würde ich nicht mehr auf mich nehmen müssen. Vielmehr würde ich nach meinem Tod mit 71 Jahren sofort ins Nirvana eingehen.

Andere Teilnehmer sollten es schwerer haben: So habe eine mitreisende ältere Dame in einem früheren Leben besonders schlimme Schuld auf sich geladen. Sie sei damals an leitender Stelle verantwortlich für das Wohl und Wehe der Insassen eines Waisenhauses gewesen. Sie habe aus Raffgier das ihr anvertraute Geld unterschlagen. Anstatt zum Beispiel Essen für die armen Kinder zu kaufen, habe sie es für sich selbst ausgegeben. Ihre Zöglinge verhungerten. Bestraft werde die Dame in ihrem jetzigen Leben: durch Kinderlosigkeit. Ein schlimmes Karma laste auf ihr, nach und nach trage sie es ab. Zwei Möglichkeiten habe sie nun: Sie könne auch in künftigen Leben für die Verbrechen bestraft werden. Oder sie könne bei ihrer nächsten Reise zur Palmblattbibliothek zurückkehren und mit einer großzügigen Spende die Restschuld sozusagen abwaschen.

Nicht verschwiegen werden soll, dass es durchaus einige erstaunlich zutreffende Aussagen über Vergangenheit und Zukunft einiger Mitreisender gab. Mitreisende X wurde mitgeteilt, dass sie aus ihrer ersten Ehe ein Kind habe. Mitreisende Y wurde vorgelesen: Ihr Großvater habe »kleine Häuschen in großen Häusern« gebaut, und die kleinen Häuschen »waren innen heiß«. Tatsächlich war der Mann Ofensetzer. Mitreisende Z schließlich sollte bald nach der Lesung unerwartet eine schöne Summe Geldes erhalten. Auch das ist eingetroffen.

Mein persönliches Resümee: Der Besuch in der Palmblattbibliothek hat sich nicht gelohnt. Mir wurde aus meinen »Palmblättern« genau das vorgelesen, was ich bei der intensiven Befragung Stunden vorher selbst erzählt hatte. Was mir für die Zukunft prophezeit worden ist, hat sich entweder als falsch erwiesen.... oder war sehr vage formuliert. Für mich war die besuchte Palmblattbibliothek kein Highlight meiner Reisen um die Welt.

Verallgemeinern aber will ich nicht: Ich habe eine von einer ganzen Reihe von Palmblattbibliotheken besucht. Aus Gesprächen mit Indienreisenden weiß ich, dass auch ganz andere, nämlich sehr positive Erfahrungen gemacht wurden.


Ausblick auf Teil 10 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«

»Mysteriöses Cusco«

Seit über 30 Jahren beschreibe ich rätselhafte archäologische Monumente, die meiner Überzeugung nach von der Schulwissenschaft nicht erklärt werden können. Kritiker nehmen das gern zum Anlass, an meiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln. Doch während ich seit Jahrzehnten die Welt bereise, begnügen sich manche Kritiker mit Antworten vom häuslichen Schreibtisch aus. Sie »widerlegen« gern nach dem Motto »Es kann nicht sein, was nicht sein darf!« Ich begnüge mich nicht mit »Recherchen« im häuslichen Arbeitszimmer. Ich recherchiere vor Ort. Und was ich immer wieder gesehen habe, beweist für mich ganz eindeutig: »Es gibt phantastische Dinge, auch wenn es sie nach Gelehrtenmeinung gar nicht geben dürfte.« Nun kann man entweder die Realität bestreiten.. oder an der Schulwissenschaft zweifeln. Wenn die Wirklichkeit manchmal phantastischer ist als die trockene Lehre der Wissenschaft, dann muss man darüber nachdenken, ob es nicht an der Zeit ist, endlich die wissenschaftliche Gedankenwelt an die Realität anzupassen.

Zu den großen, ungelösten Rätseln der Vergangenheit gehören die mysteriösen Steinbearbeitungen aus uralten Zeiten. Vor Jahrtausenden wurden da gigantische Felsmassive bearbeitet, als sei dies mit spielerischer Leichtigkeit erfolgt. Geben uns die »Engel von Chinchero« Hinweise auf ein uraltes Geheimnis?

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»Mysteriöses Cusco«Teil 10 der Serie

»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
erscheint am 21. März 2010



Hauke- Text von Helga König

Vergangenen Mittwoch berichtete mir eine Freundin,  dass  sie das Wochenende in Berlin verbringen wird. Dort lebt ihre Tochter. Sie fragte mich, wann ich das letzte Mal in Berlin gewesen sei. Ich antwortete wahrheitsgemäß im Herbst 1970. Damals war ich noch ein halbes Kind, eine Schülerin auf Klassenfahrt und verliebte mich unsterblich in den schönen Hauke, einen Schüler aus Husum, der ebenfalls auf Klassenfahrt war.

Wieder zuhause angelangt, erhielt ich am 6.10.1970 folgenden Brief, den ich im Original hier einstelle, wie auch einen weiteren Brief, den seine Mutter am 24.1.1977 schrieb. Beide Menschen leben nicht mehr, insofern sehe ich kein Problem darin, die Briefe zu veröffentlichen.

Mittwoch, den 6.10.1970
Liebe Helga,
Ich habe Dir versprochen, zu schreiben und nun bin ich auch so einigermaßen nüchtern und ausgeschlafen und dazu fähig.
Leider komme ich mir etwas hilflos vor, denn  wir kennen uns erst seit ein paar Tagen und ich weiß nicht, wie ich zu einer solchen Freundschaft stehen soll. Einerseits bedeutest Du mir, trotz der kurzen Zeit, übermäßig viel, doch andererseits weiß ich auch, dass es sehr schwer sein wird, unsere Freundschaft ein bisschen aufrecht zu erhalten. Es ist zwar ein Trost, dass Du zu Ostern nach Rendsburg kommst, aber wenn ich daran denke, welche Zeitspanne zwischen dem heutigen Tage und Ostern liegt, wird mir doch ein wenig anders.
Es war ein fürchterliches Gefühl für mich, als ich Euren Bus am Sonnabend wegfahren sah. Ich konnte und kann es heute noch nicht begreifen, dass die Zeit schon zu Ende sein soll.
Hoffentlich können wir uns recht bald wiedersehen, denn Du bedeutest mir sehr viel. Ich werde wahrscheinlich sehr lange an Dich denken, aber bitte versuche Du die Zeit in Berlin zu vergessen. Ich möchte nicht gerne, dass Du genau so unter  dieser Trennung leidest wie ich, zumal Du es gar nicht nötig hast, denn Du siehst wunderschön aus und soweit ich es beurteilen kann, hast Du auch einen guten Charakter und wirst sofort einen neuen Freund finden.
Liebe Helga, wir haben uns sehr flüchtig kennengelernt. Damit Du nicht ein einseitiges Bild von mir bekommst, zähle ich Dir einige Charaktereigenschaften auf. Dergleichen könntest Du übrigens von Dir tun.
Also, ich kann ziemlich aggressiv werden und bin allerdings , wie die meisten Menschen ein Egoist.Ich versuche mich in vielen Dingen von anderen abzusondern. Das soll nicht heißen, dass ich das gesellschaftliche Leben verabscheue, aber ab und zu brauche ich  einfach meine Ruhe. Dazu kommt auch noch, dass ich ziemlich sensibel bin. Ich hoffe, Du hast nun kein zu schlechtes Bild von mir bekommen.
Abschließend kann ich nur noch sagen, dass ich Dich sehr lieb habe, obwohl wir uns nicht lange kennen.
Viele liebe Grüße Dein Hauke

Als ich von dieser Klassenfahrt zurückkam, hatte ich einen schweren Verkehrsunfall in Darmstadt, wo mich mein Vater mit dem Auto vom Bus abholte. Ich hatte Glück, dass ich überlebte.  Ein betrunkener Amerikaner verursachte schuldhaft diesen Crash. Während des Aufpralls sah ich, wie in Trance, Hauke bei einem ähnlichen Verkehrsunfall sterben.  Ich war wochenlang krank, erhielt obigen Brief, war  aber unfähig ihn zu beantworten.  Vergessen konnte ich Hauke allerdings nicht. Er lebte in meinem Herzen weiter.


7 Jahre später, ich studierte bereits, schrieb ich Hauke eine Antwort auf seine Zeilen und erhielt wenige Tage danach folgenden Brief:


24.1.1977
Liebes Fräulein Löffler,
wenn meine Hand beim Schreiben zittert und wenn eine Träne übers Papier rollt, wenn Sie meinen Brief gelesen haben, werden sie wissen warum.
Genau am Heiligen Abend kam der Brief hier an und ich glaubte an einen Spuck. Ich glaubte alle Welt wisse um unser schweres Schicksal und ich glaubte, ich hätte es in die ganze Welt geschrien: unser Hauke ist tot.
Und sie haben es doch nicht alle gehört. Ich habe geschrien und gerufen, bis man mir sagte, es sei sinnlos, er komme nie wieder. Doch in mir stirbt er nie und wenn ich am Wochenende Blumen an sein Grab bringe, dann sehe ich ihn und jedesmal   nimmt er ein Stück von mir zu sich.
Ich kann mich erinnern, wie Hauke aus Berlin zurück kam, hatte er von Ihnen erzählt. Er hat mir auch ein Bild gezeigt. Er war ein so fleißiger Junge und alles lief in seinem Leben so planmäßig. Nach seinem Fachabitur machte er sein Praktikum und dann fuhr er ein Jahr auf See. Von England bis ich weiß nicht, wohin überall.
Dann war er einige Tage zu Hause und begann  sein Studium auf der Ingenieur- Schule in Flensburg. Mit 21 Jahren wäre er fertiger Ingenieur gewesen, wenn der 2.11.1973 nicht gewesen wäre. Da verunglückte er.
Unser Hauke war uns genommen. Die Ursache wissen wir nicht, doch die Polizei glaubt, er sei eingeschlafen. In jeder freien Minute hat er gearbeitet- müde war er nie. Und doch sollte das sein Verhängnis werden.
Nun ist meine Kraft wieder zu Ende. Doch ich wollte es Ihnen schreiben.
Ihre Frau P.

Nach Berlin bin ich nie mehr gefahren. Die Stadt will ich stets so in Erinnerungen bewahren, wie ich sie gemeinsam mit Hauke erlebte.

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