Sonntag, 23. März 2014

218 »Drei Hasen«

Der Hohe Dom zu Paderborn
birgt ein Geheimnis.
Foto Walter-Jörg Langbein
Teil 218 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Sorgfältig reinige ich die fünfzehn mal zehn Zentimeter kleine Glasplatte vom Staub. Da und dort schimmert etwas wie ein Bildnis durch. Die freien Flecken lassen sich vergrößern. Das geht, so scheint es, recht einfach. Doch dann bleibt immer noch eine Schmutzschicht, die verbirgt, was auf der Glasplatte zu sehen ist. Ein »Screen Cleaner« löst Verkrustungen. Nach und nach kommt so etwas wie ein Bild zum Vorschein.

Endlich ist die Glasplatte vollständig von Schmutz befreit. Das Bild erweist sich als Fotonegativ. Etwas Kreisrundes steht im Mittelpunkt. Drei »Stäbe« ragen in den Kreis hinein. Daran befinden sich… ja was? Komplett einscannen kann ich das Glasnegativ nicht, also digitalisiere ich es streifenweise und füge die Streifen schließlich zu einem Ganzen zusammen.

Jetzt erkenne ich das Schwarzweißbild. Da ist so etwas wie ein rundes Fenster. Drei steinerne (?)Hasen – an Metallstäben befestigt – laufen im Kreis (ein Fenster) wie in einem Laufrad um die Wette. Irgendwo habe ich diese Darstellung – oder eine ähnliche –  schon gesehen.

Es war in England, in der Grafschaft Devon. Ich besuchte als Schüler das Kleinstädtchen Tavistock am Tavy, im westlichen Devon gelegen.  Bei einem Gottesdienstbesuch schaute ich gelangweilt an die Decke des Gotteshauses. Da erspähte ich den Schlussstein mit eigenartiger Verzierung. Drei goldene Hasen mit blaugrünen Augen liefen im Kreis. Die niedlichen Häschen hatten natürlich alle jeweils zwei Ohren, insgesamt aber nicht sechs, sondern nur drei Ohren. Die drei Ohren bildeten ein Dreieck… Drei Hasen.. drei sichtbare Augen… drei Ohren.

»Das ist das Symbol für die christliche Dreifaltigkeit!«, erklärte mir der örtliche Geistliche nach dem Gottesdienst. »Aber wieso Hasen?«, wollte ich damals wissen. Der Geistliche zuckte nur mit den Schultern. Etwas ganz Ähnliches ist offensichtlich auf der Glasplatte zu sehen: drei Hasen laufen im Kreis, sie haben alle je zwei Ohren… insgesamt aber nur der Ohren drei. Ein Reim fällt mir beim Betrachten des von mir zusammengestellten »Puzzles« ein:

Leicht übersieht man die drei Hasen... Foto Walter-Jörg Langbein

»Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei!«, der alte Merkspruch erinnert an ein Kuriosum des Doms zu Paderborn! Also machte ich mich auf nach Paderborn. Von Bad Pyrmont sind es mit der S-Bahn nur 45 Minuten. Vom Bahnhof in Paderborn zum Dom marschiere ich in knapp dreißig Minuten. Aber wie komme ich zu den drei Hasen vom Paderborner Dom? Ein freundlicher Geistlicher führt mich geduldig. »Das Dreihasenfenster befindet sich an der Nordseite, allerdings nicht im Dom selbst, sondern im Innenhof des Domkreuzgangs!«, erfahre ich.

Geschaffen wurde das rätselhafte Motiv vermutlich im beginnenden 16. Jahrhundert, also vor etwa einem halben Jahrtausend. Ein unbekannter Künstler hat sie aus rotem Wesersandstein gemeißelt. Im Lauf der Jahrhunderte änderte sich das mysteriöse Kunstwerk. Zeitweise waren die drei Hasen mit metallenen Stangen am steinernen Kreis befestigt. Zeitweise hatten die Nager einen anderen Hintergrund. Die drei Hasen selbst haben sich aber im Verlauf der letzten fünfhundert Jahre nicht verändert.

Drei Hasen springen im Kreis... Foto Walter-Jörg Langbein

»Das Dreihasenfenster ist symbolisch zu verstehen!«, erklärt mir der Gottesmann vor Ort. »Es versinnbildlicht die Heilige Dreifaltigkeit!« Aber wieso Hasen? Der Geistliche zuckt mit den Schultern. »Manche bringen den Hasen als Symbol mit der Unsterblichkeit in Verbindung!« Andere wiederum verstehen den Hasen als Erinnerung an vorchristliche, heidnische Zeiten! Christlich ist das Symbol des Hasen allerdings ganz und gar nicht, auch wenn uns der Hase an den Osterhasen erinnert.

Das zentrale Fest der christlichen Konfessionen ist Ostern. Es ist auch zugleich das älteste christliche Fest und wurde bereits in der ersten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts gefeiert. In der jungen Gemeinde gedachte man allerdings zunächst mehr des Kreuzestodes Jesu und nicht, wie heute, seiner Auferstehung. Um den genauen Zeitpunkt von Ostern stritt man sich Jahrzehnte lang. Fast hätte der Disput zu einer Kirchenspaltung geführt. Erst im Jahr 325 n.Chr. einigte man sich auf dem Konzil von Nizäa auf den heute noch gültigen Termin.

Heute ist Ostern das wichtigste Fest im christlichen Kirchenjahr. Sein Ursprung ist allerdings alles andere als christlich. Er reicht weit in vorchristliche Zeiten zurück. Ostern hatte zwei heidnische Vorläufer: ein germanisches Frühlingsfest und die Feierlichkeiten zu Ehren der Göttin Ostara. Auf sie geht auch der Name Ostern zurück. Über die nordische Gottheit Ostara gelingt aber wiederum der Brückenschlag, so erstaunlich das klingen mag, zur Bibel: Die Frühlingsgöttin entspricht der biblischen Astarte.

Astarte (1) allerdings war offiziell alles andere als beliebt bei den Anhängern des biblischen Jahweglaubens. Kein Wunder! Astarte dürfte als mächtige Konkurrenz gesehen worden sein! Die Herrin von Byblos wurde schon Jahrtausende vor dem Eingott Israels angebetet. Sumerische Rollsiegel aus Lagasch zeigen sie schon um 2300 v.Chr. als »Himmelskönigin«. Sie führte das Regiment über Sterne und Tote. Salomo, so berichtete es das erste Buch der Könige, betete Astarte an. Dadurch zog sich der berühmte König Israels den Zorn Gottes zu.

Der Hase ...  ein heidnisches Symbol. Fotos Walter-Jörg Langbein

Verwirrend sind die Familienverhältnisse der Göttin. Angeblich war sie eine Tochter von Ascherah und El. El wird im Alten Testament häufig mit Jahwe gleichgesetzt. Dank der syrischen Angewohnheit, wichtigen Göttinnen stets zwei Namen zu verleihen, waren Verwechselungen geradezu vorprogrammiert. Sorgsamen Götterrecherchen zufolge sind Astarte und Anath ein und dieselbe Himmelsgöttin.

Astartes Name bedeutete ursprünglich, sinngemäß übersetzt, »die, die gebärt«. Sie wurde als Symbol der Fruchtbarkeit verehrt. Lebt im »christlichen« Osterhasen ein heidnisches Symbol für Fruchtbarkeit weiter? Kann man die drei im Kreis laufenden Hasen als Symbol für Unsterblichkeit sehen, für den ewigen Kreislauf des Lebens?

Die drei Hasen auf der Glasplatte ...
mühsam rekonstruiert. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

Christliche Interpreten werden das bestreiten. Sie werden nur eine Interpretation gelten lassen: »Drei Hasen gleich Heilige Dreifaltigkeit«. Tatsächlich sind die drei Hasen im christlichen Europa weit verbreitet. Das konnte inzwischen nachgewiesen werden. In England gibt es eine Studiengruppe, die sich ausschließlich den drei Hasen verschrieben hat. Das »Three Hares Project« (2) hat Erstaunliches herausgefunden. Die drei Hasen mit den drei Ohren, die sie sich teilen, wurden in Dutzenden von englischen Kirchen verewigt, besonders häufig, wie es scheint, in Devon, aber auch in Suffolk. In der Kathedrale von Chester wurde um 1400 n.Chr. das »Drei-Hasen-Motiv« in einer Fließe verewigt. Es taucht offenbar in ganz Europa auf, in Deutschland, Frankreich und in der Schweiz.

Das mysteriöse Fenster...
Oben: Die drei mysteriösen Hasen.
Foto Walter-Jörg Langbein


Allerdings gibt es das mysteriöse »Drei-Hasen-Motiv« auch außerhalb christlicher Glaubenswelten! Die ältesten bekannten Beispiele wurden in den Höhlentempeln von Magao bei Dunhuang, China gefunden. Sie entstanden zwischen 581 und 907 n.Chr. Due buddhistischen Künstler hatten mit Sicherheit keine christliche Symbolik im Sinn! Das gilt ohne Zweifel auch für eine Kupfermünze, anno 1281 oder 1282 in Urmiya, Iran, geprägt! Noch ein Beispiel: Ein Reliquienschrein aus dem »südlichen Russland« soll im späten 13. Oder frühen 14. Jahrhundert angefertigt worden sein. Offenbar entstand das kostbare Behältnis nicht in christlichem, sondern islamisch-muslimischem Umfeld!

Kurzum: Das »Drei-Hasen-Motiv« vom Hohen Dom zu Paderborn taucht häufiger auf als man annehmen möchte, und das nicht nur in christlichem Umfeld. Unterschiedlichste Kulturkreise kennen es, verehren es. Aber wie interpretieren sie es? Es gibt keine einzige zeitgenössische Interpretation. War die Bedeutung der drei Hasen mit den drei Ohren geheim?

Schon die Mayas von Palenque glaubten an eine »Dreifaltigkeit«. Demnach waren die Vorfahren der ersten Herrscher von Palenque drei Gottheiten, die eine Triade bildeten. Dreigegliedert war auch das Weltbild der Mayas, bestehend aus Himmel, Erde und Unterwelt. Reichlich prosaisch heißen die drei Götter der Palenque-Trinität »GI«, »GII« und »GIII«.



Fußnoten
1) Siehe: Langbein, Walter-Jörg: »Lexikon der biblischen Irrtümer«, München 2003
2) Siehe hierzu auch: »The Three Hares Project«, http://www.chrischapmanphotography.co.uk/hares/index.html


Der Innenhof ... Fenster über Fenster ... ein Drei-Hasen-Motiv.
Foto: Walter-Jörg Langbein

»Die Krypta und das Grab«,
Teil 219 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 30.03.2014


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 16. März 2014

217 »Drei Heilige und ein Heidenstein«

Teil 217 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


St. Jakobus bei Nacht. Foto Walter-Jörg Langbein

Zu den mysteriösesten Kirchen Deutschlands zählt für mich St. Jakobus von Urschalling, am Chiemsee gelegen. Das kleine Gotteshaus birgt ein inzwischen recht bekanntes »ketzerisches« Geheimnis. Es ist eigentlich ein Sakrileg: Auf einem uralten sakralen Fresko wird der »Heilige Geist« dargestellt - ganz eindeutig als Frau! Es gibt im kleinen Kirchlein von Urschalling allerdings zwei weitere Rätsel…

Vollendet wurde das äußerlich unscheinbare Gotteshaus Ende des 12. Jahrhunderts, also vor weit mehr als acht Jahrhunderten. Der Turm dürfte sehr viel älter sein. Er stammt womöglich, zumindest in Teilen, aus der Römerzeit. Als die Römer längst abgezogen waren, blieb der Turm zurück. Er war als Zuflucht gedacht, im Falle von Überfällen durch Räuberbanden oder feindliche Truppen. Ob er je als »letzte Rettung« genutzt wurde, wir wissen es nicht. Später wurde das kleine Kirchenschiff an den Turm gesetzt und eine Verbindung geschaffen. St. Jakobus wurde von den Einheimischen als – wie St. Michael von Kirchbrak – als Wehrkirche angelegt.

Nicht ganz klar ist, wann genau die ersten frommen Fresken angebracht wurden. Die ältesten sind vielleicht schon acht Jahrhunderte alt. Um 1550 wurden sie jedenfalls alle überputzt und übertüncht. Sie gerieten in Vergessenheit.

Die »Trinität« von Urschalling.
Foto Walter-Jörg Langbein
Als man die schmalen Fenster des Gotteshauses erweiterte, wurden – unwissentlich – herrliche Fresken aus uralten Zeiten beschädigt. Wieder entdeckt wurden sie erst anno 1923. Ein älterer Einwohner von Urschalling erklärte mir bei meinem Besuch, seine Urgroßmutter habe bei einer langweiligen Predigt an der Wand gekratzt. Etwas sei abgefallen und ein Gesicht zum Vorschein gekommen. Ob die kleine Anekdote der Wahrheit entspricht?

Ursprünglich waren alle Wände und die Decke im schönen Gotteshaus mit unzähligen religiösen Bildnissen flächendeckend geschmückt. Erst 1941/42, 1966 bis 1968 und 1980 bis 1991 wurden mit großem Aufwand Restaurierungen vorgenommen. Es zeigte sich, dass doch einige erhebliche Lücken in der Freskenmalerei klaffen. Zum Glück haben die Restauratoren aus Respekt vor den Originalen Leerstellen nicht neu bemalt. So sind die religiösen Malereien lückenhaft geblieben, aber unverfälschte Originale.

Etliche Jahrhunderte jünger als die dezente Freskenmalerei sind drei gekrönte Heiligenfiguren. Sie entstanden erst im 16. Jahrhundert, die drei heiligen Frauen. In ihrer Mitte erkennen wir sofort die Gottesmutter Maria. Sie sitzt auf einem Thron und hat das kleine Jesuskind auf dem Arm. Zu ihrer Rechten steht, ebenfalls mit einer Krone auf dem Haupt, steht die Heilige Katharina. Zur Linken Mariens machen wir die Heilige Barbara aus.

Die Heilige Katharina wird als Märtyrerin verehrt, und das sowohl von den katholischen, als auch von der Orthodoxen Kirche. Sie soll zur Zeit der Regentschaft von Caesar Maximus Daia (305-313 n.Chr.) für ihren Glauben gestorben sein. Katharina, Tochter des heidnischen Königs Costus aus Zypern, wurde – so weiß es die Überlieferung – von einem frommen Eremiten zum Christentum bekehrt. Kaiser Maximus ließ seine besten Gelehrten und Philosophen gegen Katharina antreten. Katharina aber gab ihren Glauben nicht auf. Sie argumentierte so überzeugend, dass ihre fünfzig Widersacher geschlossen zum Christentum übertraten. Der wütende Kaiser ließ sie zur Strafe auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Nusplingen St. Peter und Paul, Enthauptung Katharina
von Alexandrien . Foto  LepoRello (Wikipedia)

Der Kaiser war von Katharinas Standhaftigkeit und Intelligenz zutiefst beeindruckt. Wiederholt bot er ihr an, neben ihm auf dem Thron zu sitzen und als Herrscherin zu regieren. Doch Katharina lehnte das Angebot immer wieder ab, auch dann noch, als sie fürchterlichen Qualen ausgesetzt wurde. So wurde Katharina zunächst grausam gefoltert, dann zwölf Tage blutend und ohne Nahrung in ein finsteres Verließ gesperrt. Engel standen ihr – nach uralter Überlieferung – bei, versorgten ihre Wunden. Sie bereiteten sie auf ihren Tod als Märtyrerin vor.

Auch als Katharina mit grausamen Folterinstrumenten zu Tode gequält werden sollte, erhielt sie zunächst göttlichen Beistand. Als sie mit fürchterlichen Rädern zerstückelt werden sollte, betete die fromme Frau verzweifelt.  Ein Engel stieg vom Himmel herab und zerstörte die mit Nägeln und Sägen bestückten Räder mit solcher Gewalt, dass 4 000 gaffende Zuschauer auf der Stelle getötet wurden.

Katharina wurde dann aber doch mit einem Schwert enthauptet. Wieder ereignete sich ein Wunder. Aus ihren Wunden quoll kein Blut, sondern Milch. Engel trugen ihren geschundenen Leib auf den Berg Sinai im Heiligen Land und bestatteten sie. Erst ein halbes Jahrtausend später wurden ihre sterblichen Überreste gefunden. Und genau dort wurde das »Katharinenkloster« errichtet. Aus ihren Knochen, so heißt es, fließe heilsames Öl.

Enthauptung Barbaras,
Barbara Altar von Jerg Ratgeb in der
Stadtkirche Schwaigern,
1510 Schmelzle (talk  contribs)
Auch Barbara von Nikomedien soll sich – so überliefert es der alte Volksglauben – geköpft… vom eigenen Vater. Gerade zu Zeiten blutiger Christenverfolgungen im dritten Jahrhundert soll sich Barbara dem neuen Glauben zugewendet haben. Barbara, von mächtigen Männern heiß begehrt, wurde in einen Turm eingesperrt, bekannte sich aber weiter zum Christentum. Die Ärmste wurde gefoltert, um sie vom Christentum wieder abzubringen… 

Vergeblich. Wie Katharina bekam auch die Heilige Barbara zunächst göttlichen Beistand. Wie so häufig sollte Barbara aber nicht wirklich geholfen, ihr qualvolles Leiden sollte nur verlängert werden. Als ihr Vater sie eigenhändig töten  wollte, tat sich ein Felsspalt auf. Barbara konnte sich zunächst verbergen. Ein böser heidnischer Hirte allerdings verriet das Versteck. Zur Strafe verwandelte Gott den Mann in einen Mistkäfer.

Barbara aber konnte ergriffen werden. Sie wurde misshandelt, bis ihr die Haut in Fetzen vom Leibe hing. Ihre Brüste wurden abgeschnitten, Barbara wurde mit brennenden Fackeln gemartert… Wieder gab es vorübergehend Linderung. Ein himmlischer Bote tauchte auf und umhüllte ihren geschundenen Leib mit einem weißen Gewand. Jesus, der Heiland der Christen, soll selbst erschienen sein und ihre Wunden geheilt haben. Der himmlische Beistand aber zögerte ihr Ende nur hinaus. Wie Katharina wurde auch sie nicht gerettet, sondern vom eigenen Vater enthauptet. Der unerbittliche Mörder aber – so weiß die fromme Legende – überlebte seine Tochter nicht lange. Er wurde kurz nach seiner Tat dahingerafft: Ein Blitz traf ihn und verbrannte den Christenhasser.


Die Heilige Katharina von Urschalling links im Bild.
Die Heilige Barbara rechts im Bild.
Foto: Walter-Jörg Langbein

Die Heilige Katharina wird häufig mit ihren Insignien Rad und Schwert dargestellt, weil sie mit dem Rad gepeinigt und mit dem Schwert enthauptet wurde. Die Heilige Barbara wird oft mit dem Turm verewigt, weil sie in einen Turm gesperrt wurde. Die Katharina von Urschalling hält stolz das tödliche Schwert in den Händen, die Heilige Barbara den Turm.

Die Heilige Margareta von Antiochien erlitt den Märtyrertod im Jahre 305 n.Chr. Sie soll von ihrer christlichen Amme erzogen und zum Christentum bekehrt worden sein. Ihr eigener Vater – so überliefert die fromme Legende – zeigte sie an und brachte sie vor Gericht. Der heidnische Richter begehrte die sehr attraktive junge Frau, wurde aber empört zurückgewiesen. So wurde sie einer Feuerfolter unterzogen und in siedendes Öl geworfen. Auf wundersame Weise überlebte sie diese mörderischen Torturen, was zu wahren Massentaufen führte. Doch auch Margareta musste schließlich sterben. Wie Katharina und Barbara wurde sie enthauptet.

Das weithin bekannte »Geheimnis« von Urschalling ist die »Dreifaltigkeit« mit einer »Heiligen Geistin« in der Mitte. Kaum beachtet ist ein zweites »Geheimnis«, eine rein weibliche Trinität. Barbara, Katharina und die Heilige Margareta von Antiochien bilden eine weibliche Trinität, eine weibliche Dreifaltigkeit innerhalb der berühmten »Vierzehn Nothelfer«. Eine weibliche Trinität formieren auch die drei »Heiligen« von Urschalling. Allerdings wurde Margareta durch Maria, die Gottesmutter, ersetzt.


Der »Heidenstein«, das
»dritte Geheimnis« von Urschalling.
Foto Dr. Wilfred Krause at de.wikipedia

Das dritte »Geheimnis« mutet sehr rätselhaft an. Im Mittelgang der St. Jakobus-Kirche steht so etwas wie ein steinerner Pilz. Der Fuß -  eine niedrige, moderne Säule. Sie könnte aus Beton sein.  Und darauf ruht ein uralter Stein - die Kappe des Pilzes. Die merkwürdige Säule mit dem Stein darauf wirken fast störend. Sie versperren teilweise den Weg zum Altar. Der runde Stein weist einen »Kreis« an der Oberseite auf, bestehend aus sechs sorgsam »gebohrten« Löchern, mit einer siebten Vertiefung in der Mitte.

Im Mittelgang der mysteriöse Stein.
Foto Dr. Wilfried Krause
at de.wikipedia

Was auch immer dieser runde Steinscheibe darstellen soll, christlich ist sie nicht. Wann entstand sie? Welchem Zweck diente sie? Im 19. Jahrhundert, so ergab mein Quellenstudium, hielt man sie für einen »keltischen Heidenstein«, was auch immer das bedeuten soll. Diese These ist heute mehr als umstritten. Der Stein, so erfuhr ich von einer außergewöhnlich gut informierten Expertin, stammt aus römischer Zeit. Vielleicht wurde er von römischen Soldaten als »Spielstein« verwendet.

Wie aber kam der »Heidenstein« in die christliche Kirche von Urschalling? Und warum? Jemand, vermutlich ein Pfarrer, ließ ihn – wahrscheinlich im 19. Jahrhundert –  hinter dem Altar einmauern. Warum? Warum wurde er nicht dort belassen? Warum wurde er aus der Mauer gerissen und dann an so zentraler Stelle im Mittelgang auf einem Säulenpodest angebracht, und zwar so, dass er nicht zu übersehen ist? Betritt man heute die Kirche und blickt Richtung Altar, dann sieht man zentral vor sich den »Heidenstein« und rechts vor sich die weibliche Trinität mit Maria, der Gottesmutter, im Mittelpunkt…..


»Drei Hasen«,
Teil 218 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«,                         
von

Walter-Jörg Langbein,                                                                                              
erscheint am 23.03.2014





Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!



Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (47) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Der Tote im Zwillbrocker Venn (18) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Der hässliche Zwilling (14) Atlantis der Südsee (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)