»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein
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| Haupttempel von Inga Pirka Foto: W-J.Langbein |
Ich habe auf mehreren Reisen »Inga Pirka« besucht. Einige Male erlebte ich sintflutartige Regenschauer, die jegliches Fotografieren unmöglich machten. Eine schöne Fotos gelang mir im Herbst 1992.
»Inga Pirka« bedeutet in der Quechua-Sprache »Steinmauer der Inka«. Diese Bezeichnung verrät nur, dass wohl schon vor Jahrhunderten nicht mehr bekannt war, welchem Zweck der Komplex einst diente. Richtig ist, dass die Inkas um 1480 ihre Bauarbeiten beendeten. Richtig ist aber auch, dass bereits vor den Inkas die Cañari lange vorher ein Kultzentrum gebaut hatten. Leider ist von der ursprünglichen Anlage so gut wie nichts übrig geblieben ... lediglich der ursprüngliche Name: »Cashaloma«, was so viel wie »Ort, an dem die Sterne aus dem Himmel fallen« bedeutet.
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| Sakrales Observatorium Foto: W-J.Langbein |
Tupac-Yupanqui besiegte die Cañari und ließ ihr Heiligtum »Cashaloma« alias »Inga Pirka« erweitern. Die Cañari verehrten Mond und Sonne, die Inkas rückten die Sonne ins Zentrum ihrer religiösen Astronomie. Die Cañari dürften Anhänger eines uralten Mondkults gewesen sein, also die Göttin angebetet haben. Die Inka-Herrscher sahen sich als direkte Nachfahren des Sonnengottes. »Inga Pirka«, fast direkt am Äquator gelegen, war ideal als Sonnenobservatorium geeignet fällt doch das Sonnenlicht fast senkrecht ein.
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| Teil der einstigen Tempelmauer Foto: W-J.Langbein |
Wie wichtig ... und mit wichtig meine ich heilig ... den Inkas »Inga Pirka« war, das beweist ein besonderer Umstand: Obwohl die Cañari auf Seiten der Spanier gegen die Inkas kämpften, rührten die Inkas ihr Heiligtum nicht an. Vor allem: Mir ist kein zweites sakrales Bauwerk bekannt, das von den Inkas so geschützt wurde wie Inga Pirka. Warum? Was war so besonders an Inga Pirka? Wir werden es wohl nie erfahren!
Die »zivilisierten Spanier« indes verwüsteten mit blindem Hass die Baudenkmäler der Inkas, so »gut« sie das konnten. Offenbar befürchteten die Inkas, dass die marodierenden Eroberer aus Europa auch »Inga Pirka« in Schutt und Asche legen wollten. Also »beerdigten« die Inkas den gesamten Komplex, der riesig gewesen sein muss. Wie er einst aussah ... wir wissen es nicht mehr. Angeblich stellte der steinerne Haupttempel den Kopf eines riesigen Pumas dar. Die altehrwürdige Inkastraße fungierte im Gesamtbild als Rückgrat des gewaltigen mythologischen Tieres. Wo man sich die Schwanzspitze vorstellte, stand einst ein sakrales Gebäude. Wie der Gesamtkomplex aussah ... wir wissen es nicht. Offenbar war er als großes »Bild« für die himmlischen Götter gedacht!
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| Eingang in Inkabauweise Foto: W-J.Langbein |
Traurig aber wahr: Als Alexander von Humboldt anno 1801 das wieder ausgegrabene »Inga Pirka« besuchte, war die Gesamtanlage noch komplett. Auch Theodor Wolf sah die sakralen Bauten noch in ihrer Gesamtheit ... im Jahr 1879. Und doch ist heute nur noch ein Teil der Bauwerke erhalten. Warum? Weil was vor Jahrhunderten der Zerstörungswut der Spanier entgehen konnte ... in unseren Zeit massiv demoliert wurde. »Inga Pirka« wurde als Steinbruch missbraucht. Es ist wahrlich kein Ruhmesblatt für die katholische Kirche, dass das christliche Gotteshaus des Dorfes Ingapirka zum Großteil aus Steinen aus den uralten Gemäuern gebaut wurde! Die Zerstörung uralter Baudenkmäler aus Inka- und Vorinkazeiten endete keineswegs vor Jahrhunderten!
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| Inga Pirka heute Foto: W-J.Langbein |
»Galerie der Verdammten - Mysteriöse Funde im Museum«,
Teil 91 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 16.10.2011
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