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Montag, 16. Januar 2017

Maria Schell: Nur die Liebe zählt – Teil 2

Maria Schell im Interview mit Walter-Jörg Langbein

> Fortsetzung von Teil 1

Foto 1: Maria Schells Memoiren
WJL: Müssen Sie sich als Schauspielerin mit einer Rolle identifizieren können?
Maria Schell: Sie meinen moralisch?
WJL: Ja.
Maria Schell: Ich muss eine Rolle verstehen können. Nehmen wir zum Beispiel »Die alte Dame« von Dürrenmatt. Ich musste mir einen Weg suchen, musste feststellen, in welcher Ecke meines Herzens ich so sein könnte. Ich habe zur »alten Dame« von Dürrenmatt einen anderen Schlüssel als meine Kolleginnen gefunden, die diese Rolle auf den Hass allein aufgebaut haben. Mein persönlicher Zugang zur Rolle war die Verletzung des Weiblichen. Da ist eine Frau, am Rande der Weiblichkeit, die keine Kinder mehr bekommen kann, eine Frau, die sich total an dem Mann rächt, der ihr das Kind genommen hat.

WJL: Was für Filmangebote würden Sie ablehnen?
Maria Schell: Solche mit sinnloser Brutalität, mit Gewalt, die einfach unnötig ist, die nicht gezeigt werden bräuchte. Es sei denn, die Gewalt zeigt einen Weg auf, der für ein Stück, ein Theaterstück oder einen Film, unerlässlich ist. Ich würde auch an keiner Pornoproduktion mitwirken, in solch einem Film möchte ich nicht drinnen sein, das sind zweitrangige Instinkte des Menschen, die ich nicht fördern möchte.

WJL: Wie stehen Sie zu Ihrer Rolle im Superman-Film? Hat Ihnen der Film gefallen? Sie waren ja die Mutter Supermans.
Maria Schell: Gefallen? Gar nicht!

Foto 2: Maria Schell spielte Suprmans Mutter
WJL: Warum haben Sie dann mitgewirkt?
Maria Schell: Ich habe den Film gemacht, weil mir sehr viel Geld gegeben wurde. Die Filmleute wollten so viele berühmte Namen wie nur möglich und haben dafür viel Geld bezahlt. Ich nenne solche Filme Telefonfilme. Alle zwei Jahre mache ich einen solchen Telefonfilm. Wissen Sie, ich vertelefoniere viel Geld mit meinen Kindern. Wenn ich dann einen riesigen Batzen Geld bekomme, für zwei, drei Tage Dreharbeit, für gar nichts, dann nehme ich solch ein Angebot an, zahle das Geld auf ein besonderes Konto und bezahle dann davon die vielen teuren Telefonate.
Aber es war natürlich eine große Freude mit Marlon Brando zusammenzuarbeiten. So klein die Szene auch war, der schauspielerische Austausch mit Marlon Brando war sehr faszinierend.

WJL: Sie beschreiben in Ihrem Buch »Die Kostbarkeit des Augenblicks« eine abenteuerliche, wahrhaft halsbrecherische Autofahrt mit Marlon Brando. War die wirklich so dramatisch, wie Sie das beschreiben?
Maria Schell: Aber natürlich. Ich gebe im Buch dieser Episode ja eine humorvolle Note.

WJL: Frau Schell, welche Filmpartner waren besonders wichtig für Sie?
Maria Schell: Viele, wirklich viele.

WJL: Können Sie einige Namen nennen?
Maria Schell: Gary Cooper, der war unheimlich wichtig; auch Yul Brünner, Curd Jürgens, Paul Scofield, mit dem ich »1919« drehte.

Foto 3: Filmpartner Yul Brünner
WJL: Kann der Film Ihrer Meinung nach eine positive Wirkung auf die Zuschauer haben?
Maria Schell: Aber unbedingt. Nur leider gehen nicht mehr so viele Menschen ins Kino wie früher. In Frankreich, da gibt es am Donnerstag, Freitag, Samstag und vielleicht am Sonntag keine Kinofilme im Fernsehprogramm. Als Folge strömen die Menschen wieder ins Kino. Es wäre fantastisch, wenn so etwas auch bei uns möglich wäre, aber die Fernsehmenschen sind doch froh, wenn sie die alten Filme zeigen können.

WJL: Sehen Sie sich Ihre alten Filme an?
Maria Schell: Wenn ich Sie lange nicht mehr gesehen habe, dann ja.

WJL: Sind Sie selbstkritisch?
Maria Schell: Natürlich bin ich das. Seit drei Jahren habe ich einen Videorekorder, besitze sechzig Filme von mir, ich schaue sie an, prüfe sie, wie weit sie schauspielerisch gelungen waren. Und ich kann sagen, dass ich zufrieden bin. Ich hab‘ weniger, weit weniger Filme, die der Zeit nicht standhalten als solche, die vor der Zeit bestehen können, die der Zeit standhalten.

WJL: Haben Sie Wünsche an Bühnenstücke, Filmprojekte?
Maria Schell: Ich würde gern »Die Betrogene« von Mann machen, das ist eine wunderschöne Novelle. Und vieles, was ich mir wünsche, das kann ich auch verwirklichen. So mache ich beispielsweise einen Film über eine Orgelspielerin, »Requiem für eine Orgel« heißt der Film, auch eine wunderschöne Geschichte. Verhandlungen sind im Gange über eine Fernsehserie, eine heitere Sache wäre das. Und nächstens wirke ich mit in einem Porträt von mir.

(Anmerkung: 1985 wurde »Zweimal 30 – Maria Schell Special« verwirklicht. Auch die von Maria Schell angesprochene Fernsehserie wurde produziert und mit großem Erfolg 1987 bis 1991 in 49 Folgen ausgestrahlt: »Die glückliche Familie«. Ob »Requiem für eine Orgel« in den Kinos oder im Fernsehprogramm lief, kann ich nicht mehr in Erfahrung bringen.)

Fotos 4, 5 und 6: Maria Schells erfolgreiche TV-Serie »Die glückliche Familie«

WJL: Wenn Sie in der Öffentlichkeit spazieren gehen, erkannt werden, freut Sie das dann oder fühlen Sie sich eher belästigt oder eher bestätigt?
Maria Schell: Also früher war das ganz schlimm. Da konnte ich nicht einmal eine Zahnbürste kaufen. Auch heute werde ich noch viel erkannt, auch im Ausland, in den USA etwa. Aber dieses Erkennen, die Reaktionen der Menschen, das hat sich gewandelt, ist von einer anderen Qualität. Es kommt nicht mehr zu Hysterie, nicht mehr zu Aufläufen. Da ist eine Wärme, eine große menschliche Wärme, die mir entgegengebracht wird, die ich spüre. Das ist keineswegs Belästigung.

WJL: Gibt Ihnen diese Wärme etwas, Kraft für Ihre Arbeit?
Maria Schell: Durchaus, durchaus.

WJL: Viele Zeitgenossen fürchten sich vor einem Krieg. Steht Ihrer Meinung nach ein großer Krieg, der die ganze Welt heimsucht, bevor?
Maria Schell: Ich hoffe, dass von dem Tag an, als wir zum ersten Mal vom Mond aus die Erde sahen, den blauen Planeten, auf dem wir alle leben müssen, von dem keiner runter kann, etwas bewusst oder unbewusst entstanden ist, das diesen Garten Eden behüten will.
Da ist dieses Es, die geistige Substanz, von der wir gesprochen haben, die sich wie eine Wolke formiert zum Schutz dieser Welt, in den Wünschen von uns allen. Der Wunsch nach Frieden ist sehr groß, nicht nur nach Frieden im Sinne von in Ruhe gelassen zu werden, sondern als Verteidigung dieser herrlichen Welt, in der wir leben, die zugekleistert wird von negativen Nachrichten, Tag für Tag, weil die sich gut verkaufen. Leider lesen ja die Menschen Tag für Tag am Anfang jeden Tages nur von Dingen, die einen für den ganzen Tag traurig stimmen müssten. Man erfährt ja tagtäglich nur das Schrecklichste, die entsetzlichen Meldungen.
Daher halte ich die Angst, die vorherrscht, für eine zum Teil künstliche Angst. Die Welt ist uns sehr verteufelt worden durch die übelste Berichterstattung, die alles an Negativ-Superlativen groß herausbringt. Warum? Damit vielleicht die Negativschlagzeile von gestern noch gesteigert werden kann.

Foto 7 Blick vom Mond zur Erde

Aber viele Menschen wollen, mögen diese Sensationsmache nicht, wollen nach innen leben. Weil sie alle spüren, dass die Grenze des Erlebbaren nicht erweitert werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass der Wille zum Frieden sehr stark wächst. Dabei ist es schon gar nicht leicht, mit dem Frieden fertig zu werden. Warum haben wir denn all‘ diese Aggressionen, diese Terroristen? Weil viele Menschen nicht mit dem Frieden fertig werden. Dazu sind noch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekommen. Viele junge Menschen stehen heute vor dem Problem dass sie nichts verändern dürfen. Trotzdem: der Wille zum Frieden ist groß. Die ersten Zeichen der Verständigung werden sichtbar. Ich hoffe, dass wir, weil wir aus dieser Erde unsere Lebenskraft beziehen und von ihr leben, zu einem größeren Miteinander als zu einem Gegeneinander finden.

WJL: Das ist Ihre feste Überzeugung?
Maria Schell: Ja. Letzten Endes entscheidet sich der Mensch für das Gute und nicht für das Böse. Der Mensch entscheidet sich nicht willentlich für das Böse, sondern für das Gute.

Foto 8: Paul Scofield, Filmpartner in »1919«
WJL: Stehen Sie einer bestimmten Religion näher als den anderen?
Maria Schell: Das ist schwer zu sagen. Ich bin streng katholisch erzogen worden. Ich glaube Christus ist der Weiseste der Weisen. Weil er eine Formel gefunden hat, die ich für genial halte: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Letztendlich ist das der einzig gangbare Weg. Wobei die Betonung nicht so sehr auf »Liebe« liegen muss, sondern auf »Nächsten«. Der »Nächste«, das ist der, der da ist, mit dem du zusammen bist, der dich braucht, der vor dir liegt, weil er gestürzt ist, weil er sich verletzt hat.
Liebe den Nächsten, den, der neben dir ist. Das ist die einzige Schwelle, über die wir alle gehen müssen, die Kommunisten, die Schwarzen, die Weißen, die Sozialisten, die Demokraten, alle. Diese Schwelle ist die Liebe. Dieser eine Satz enthält Verhaltensregeln für Jahrtausende. Dieser Satz ist wichtig, nicht das Zurückziehen ins Nirwana, nur die Liebe zählt. Und Jesus Christus hat diesen Gedanken der Nächstenliebe gelebt.

Zu den Fotos
Foto 1: Maria Schells Memoiren/ Buchcover Langen Müller Verlag
Foto 2: Maria Schell spielte Suprmans Mutter/ amazon
Foto 3: Yul Brynner/ Foto wikimedia commons/ Stevan Kragujević
Fotos 4, 5 und 6: Maria Schells erfolgreiche TV-Serie »Die glückliche Familie«
Foto 7 Blick vom Mond zur Erde/ Foto NASA/ Bill Anders
Foto 8: Paul Scofield, Filmpartner in »1919«/ Foto wikimedia commons/ Allen Warren
Foto 9: Grabstätte von Maria Schell, Friedhof Preitenegg, Gemeinde Preitenegg, Bezirk Wolfsberg, Kärnten, Österreich. Foto wikimedia commons/ Johann Jaritz





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Sonntag, 9. Oktober 2016

351 »Apocalypse Wow«

Teil  351 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Foto 1: Dürers Apokalyptische Reiter
Zu den großen Filmklassikern überhaupt zählt ohne Zweifel »Apocalypse Now« von Francis Ford Coppola aus dem Jahr 1979. Der beeindruckende und bedrückende Antikriegsfilm spielt in Vietnam. In Anspielung auf Coppolas filmisches Meisterwerk mit Marlon Brando in der Hauptrolle titelte die »Süddeutsche Zeitung« im Frühjahr 2016 (1) mit einer sensationellen Meldung: »Apokalypse Wow«. Und neben dem beeindruckenden Foto einer rot glühenden Sonnen lesen wir: »Bilder aus der Zukunft: In sechs Milliarden Jahren wird die Sonne spektakulär sterben. Bis dahin muss die Menschheit eine neue Heimat finden. Aber wo?«

Auf meiner Reise durch Indien lernte ich die uralte Philosophie des Landes kennen. Ähnlich wie die Mayas gingen die »alten Inder« von einem zyklischen Weltbild aus, von einem steten Werden, Leben und Zerfall. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Ein Schriftkundiger erklärte mir am Tempel von Tanjore (2): »Die Geschichte der Menschheit verläuft auf unserem Heimatplaneten in Zyklen. Auf die Zerstörung folgen Wiederaufbau, Leben und Gedeihen und erneute Zerstörung.«

So ist  Göttin Kali (zu Deutsch etwa »Die Schwarze«) im Hinduismus einerseits die Gottheit des Todes und der Zerstörung, andererseits aber auch der Erneuerung. Ganz ähnlich dachten die Maya, die – wie die alten Inder – in Sachen Erde und Kosmos in Zyklen von bis zu Jahrmilliarden rechneten. Eine »Menschheit« blüht auf, gedeiht um in einer Apokalypse wieder unterzugehen, gefolgt vom Aufblühen einer neuen Menschheit. Die Kataklysmen der Maya werden in der Mythologie recht plastisch-drastisch geschildert. Eine Epoche endete in einem Feuer- und Asche-Regen. Eine Zeit der Finsternis folgte, und doch  hatten die himmlischen Götter schon den Keim neuen Lebens gesät.

Foto 2: Am Tempeltor von Tanjore
Auch unsere Sonne sei, so erfuhr ich am Tempel von Tanjore, Zyklen unterworfen, sie pulsiere – und werde eines Tages explodieren, sich ausdehnen und dann wieder in sich zusammenbrechen.

Das von der »Süddeutschen Zeitung« prognostizierte Ende der Sonne und damit der Erde ist alles andere als unfundierte Horrorspekulation. So wird sich unsere »liebe Sonne« im Alter von etwa 11,7 bis 12,3 Milliarden Jahren so weit aufblähen, dass sie die Planeten Merkur und Venus verschlingt. Die Erde wird sich in eine wahre Höllenwelt verwandeln. Die Meere verdampfen, die heute noch feste Erdkruste wird zu einem einzigen zähflüssigen Lava-Brei werden. Da die Sonne bereits etwa 4,5 Milliarden Jahre auf dem Buckel hat, wird sich das beschriebene Ende der Welt in etwa sieben Jahrmilliarden abspielen. Selbst die Jüngsten unter uns werden das wohl nicht erleben, ich mit meinen 62 Jahren schon gar nicht. Ob freilich die Menschheit wirklich ausreichend Zeit haben wird? Ich weiß es nicht. Ich fürchte, sie wird längst ausgelöscht sein, wenn die Erde sterben wird. Sie wird sich wohl sehr viel früher selbst vernichtet haben!
Schon im nicht mehr ganz so zarten Alter von 5,5 Jahrmilliarden wird die Weiterentwicklung unseres Zentralgestirns dazu führen, dass die mittlere Temperatur auf der Erde 30 Grad Celsius überschreitet. Da wird es schon recht kritisch für »höhere Lebewesen«. Das wird also »schon« in einer Jahrmilliarde geschehen.

Foto3: Die Mayas glaubten....
In zwei Milliarden Jahren wird eine mittlere Temperatur auf Erden von 100 Grad erreicht werden. Mit anderen Worten: »Schon« in zwei Milliarden Jahren wird alles Leben auf der Erde verlöschen. Selbst jenen Krebsen, die heute ganz in der Nähe von Tiefseevulkanen leben, dürfte dann das letzte Stündlein geschlagen haben. Und die halten wahrhaft höllische Temperaturen aus!
Hermann Oberth (1894-1989)  im Gespräch zu mir (3): »Die Erde ist die Kinderkrippe der Menschheit. Kinder wachsen heran und verlassen irgendwann die Krippe und erkunden die Welt!« Ich fragte zurück: »Meinen Sie, dass wir Menschen einmal unsere Erde verlassen werden?«

Prof. Oberth bejahte. »Die Menschheit kann entweder irgendwann auf der Erde umkommen, oder sie versucht, ins Weltall vorzudringen und dort zu überleben. Ein Überleben auf der Erde für ewige Zeiten wird es nicht geben!«

Andrian Kreyer wiederholt in der »Süddeutschen Zeitung« (4) in der Rubrik »Wissen« zunächst die Schlagzeilen von Seite 1: »In sechs Milliarden Jahren wir die Sonne sterben, spätestens bis dann muss die Menschheit eine neue Heimat gefunden haben.« Dann folgt ein Hinweis auf so eine »Ersatzwelt«, die freilich alles andere als paradiesisch-verlockend anmutet: »Exoplanet HD 189733b etwa ist 63 Lichtjahre entfernt und blau wie die Erde. Das Problem: Die Tagestemperaturen dort liegen bei 900 Grad Celsius, die Windgeschwindigkeiten erreichen 9.000 Kilometer pro Stunde, und es regnet Glas.«

Foto 4: ... an Zeitzyklen.

»Werden wir Menschen ins All Reisen und fremde Planeten in fremden Sonnensystemen besiedeln?«,wollte ich von Prof. Oberth wissen. Der sympathische Gelehrte, den ich erstmals als Schüler im Alter von etwa zehn Jahren besuchte, lächelte milde: »Ganz so wie in Zukunftsromanen beschrieben wird das nicht ablaufen! Die Distanzen zu den Sternen sind riesig. Auf Science-Fiction geht auch Andrian Kreyer in seinem lesenswerten Artikel ein (5): »Der Mythos vom Auszug aus der Erde wird schon längst in Hollywood-Filmen wie ›Interstellar‹ und ›The Martina‹ gepflegt. Auch wenn erst das Kepler-Weltraumteleskop der NASA, das 2009 startete, die Suche so richtig voranbrachte.«

Foto 5: Autor Langbein  in Palenque
Wer hätte das gedacht: Vor einem halben Jahrhundert spekulierte man, wie viele Sterne – also fremde Sonnen – wohl von Planeten umkreist würden. Heute vermeldet der Astronom Jason Wright (6) »1642 bestätigte und 3786 unbestätigte Planeten«. Andrian Kreyer spricht von 5428 Hoffnungsmomenten, »dass das Leben da draußen ja irgendwie weitergehen könnte«. Nun ist aber Exoplanet HD 189733b etwa 63 Lichtjahre entfernt. Er eignet sich also nicht als neue »Wohnung« für die Menschheit, in die man einfach umziehen könnte. Ist damit Projekt »Erd-Exodus« schon gescheitert, bevor es überhaupt richtig angedacht werden konnte? Die Antwort findet sich beim »Vater der Weltraumfahrt«. Hermann Oberth schrieb bereits im Jahre 1954 in seinem Werk »Menschen im Weltraum« (7):

»Da Monde und Planeten relativ unwirtlich sind, liegt der Gedanke an künstliche Wohnstätten der Menschen im Weltraum nahe. … Nun geht es um die Ansiedlung von Menschen im Weltraum selbst.« Mit anderen Worten: Ein »Exodus ins All« ist natürlich auch dann möglich, wenn der nächste Planet nach heutigen Vorstellungen unerreichbar weit entfernt ist. Auch und gerade hier gilt: Der Weg ist das Ziel. Wenn es das »Ziel« sein sollte, irgendwann in fernster Zukunft einen fernen fremden Planeten zu erreichen, dann ist schon die Reise dorthin die einzige Chance der Menschheit. Bevor Planet Erde zur tödlichen Falle wird, kann es nur eine Flucht ins All geben. Hermann Oberth: »Unsere Erde wird noch viele Jahrhunderte lang Raum genug für die Menschen haben. … Doch die Menschheit wird nicht auf diese Erde beschränkt bleiben.«

Als Raumfahrtexperte begnügte sich Prof. Hermann Oberth nicht mit vagen Spekulationen. Vielmehr legte er bereits 1954 präzise Projekte vor, betitelt »Siedlungen im Weltraum« (8). Nach Prof. Oberths konkreten Visionen werden riesige Wohnräder in die Tiefen des Alls vordringen. Diese Weltraumhabitate drehen sich um die eigene Achse, so dass ihre Bewohner nicht in der Schwerelosigkeit schweben, sondern gewohnte irdische Verhältnisse genießen können. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Prof. Oberths »Wohnwalzen«. Noch einmal Oberth (9): »Unter einer Wohnwalze hat man sich einen Zylinder von beliebiger Länge vorzustellen, der einen Durchmesser von acht Kilometern hat. Er kann zehn Kilometer lang sein, aber auch hundert oder tausend.« Heute noch utopisch anmutende, aber keineswegs unrealistische Konzepte sehen Weltraumstädte mit Millionen von Menschen vor (10):

Foto 6: Autor Walter-Jörg Langbein im Gespräch mit Prof. Oberth

»Dr. Thomas Heppenheim, Luftfahrtingenieur am ›California Institute of Technology‹, schilderte das Leben in der Raumstation im November 1975 so: ›Das Leben in der geplanten Weltraumstadt wird nicht nur angenehmer sein als auf der Erde, sondern die Menschen werden dort alles haben, was für größtes Wachstum notwendig ist. Keine Ernte wird fehlschlagen. Die ersten 10.000 Menschen werden in Terrassenapartments mit modernstem Wohnkomfort leben. Von den Fenstern aus blicken sie auf gewölbte Erntefelder und überschauen grüne Parks. Das Leben wird angenehm und sonnig sein.‹

Die zweite Weltraumstadt könnte dann schon ganz andere Ausmaße haben. Prof. Gerard Kitchen O’Neill (1927-1992) lehrte an der ›Princeton University‹, publizierte seine fundierten Visionen in einem Buch ›Unsere Zukunft im Raum/  Energiegewinnung und Siedlung im Weltraum‹ (11).

Foto 7: Der Kalender der Azteken verlief in Zyklen

Für den Physiker O’Neill, Inhaber wichtiger Patente, ist eine Besiedlung des Universums von der Erde aus keine unsinnige Science-Fiction-Illusion, sondern realistisch, finanzierbar und auch machbar. Der Wissenschaftler entwickelte mehrere Modelle von Weltraumstädten in Röhrenform. Die größeren (Länge etwa 30 km, Durchmesser 6 km) bieten 10.000.000 (zehn Millionen!) Menschen Lebensraum. Schon in absehbarer Zukunft könnte – so postulierte Prof. O’Neill – ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung in Weltraumstädten leben.«

Prof. Gerard Kitchen O’Neills erste Veröffentlichung erschien endlich September 1974 in »Physics Today«. Vier Jahre lang war der wissenschaftlich fundierte Aufsatz von Fachzeitschriften wie »Science« und »Scientific American« abgelehnt worden. Er hieß »The Colonization of Space« (zu Deutsch etwa »Die Kolonisation des Weltraums«). Genauso war es Prof. Hermann Oberth mit seiner ersten Arbeit zur Raumfahrt ein halbes Jahrhundert zuvor ergangen. Aber kühn erscheinende wissenschaftliche Projekte setzen sich letztlich immer durch, stets gegen den Widerstand der etablierten Schulwissenschaft.

Foto 8: Der Küstentempel von Mahabalipuram, Stich 1860

Und so können wir Menschen von Planet Erde nachts sehnsuchtsvoll in den Sternenhimmel blicken. Die Milchstraße lockt uns heute, so wie einst Ozeane unsere Vorfahren vor Jahrtausenden. Die Ozeane mögen einst als unüberwindbar angesehen worden sein. Sie wurden aber – vielleicht sehr viel früher als die Schulwissenschaft meint – überquert. Wenn wir Menschen uns nicht gegenseitig ausrotten, werden wir den Weg ins All antreten. Davon bin ich überzeugt!

Und was ich mich nicht erst seit meiner Indienreise frage? Kamen die Götter der alten Inder aus dem All, waren ihre Vimanas nichts anderes als Raumschiffe? In altindischer Dichtung wie dem Rig Veda wimmelt es nur so von Hinweisen auf eine phantastische Vergangenheit! Und die alten Tempel stellen Vimanas dar, die Flugvehikel der Götter aus dem All!

Fußnoten
1) »Süddeutsche Zeitung am Wochenende«, Titelseite, München, Samstag/ Sonntag, 23./ 24. April 2016
2) Nach meinen handschriftlichen Notizen formuliert.
3) Basierend auf meinen handschriftlichen Aufzeichnungen.
4) »Süddeutsche Zeitung am Wochenende«, Seite 38, München, Samstag/ Sonntag, 23./ 24. April 2016
5) ebenda
6) ebenda
7) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum«, Düsseldorf und Wien 1954, Seite 194
8) ebenda, Seite 187
9) ebenda, Seiten 194-199
10) Langbein, Walter-Jörg Vortragsmanuskript »Unsere Zukunft liegt im All«, »A.A.S. One Day Meeting«,  Magdeburg 24.10.2009
11) O'Neill, Gerard K.: »Unsere Zukunft im Raum«, Bern und Stuttgart 1978

Foto 9: Der Küstentempel von Mahabalipuram. Stahlstich, etwa 1850

 Zu den Fotos

Foto 1: Dürers Apokalyptische Reiter. wiki commons gemeinfrei Foto 2: Am Tempeltor von Tanjore. Foto Walter-Jörg Langbein Foto 3: Die Mayas glaubten.... Foto Walter-Jörg Langbein Foto 4: ... an Zeitzyklen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto5: Autor Langbein auf den Spuren der Mayas in Palenque.Foto Ingeborg Diekmann 
Foto 6: Autor Walter-Jörg Langbein im Gespräch mit Prof. Oberth. Foto: privat 
Foto 7: Der Kalender der Azteken verlief in Zyklen
Foto 8: Der Küstentempel von Mahabalipuram, Stich 1860. Archiv
Walter-Jörg Langbein.


»352 Kröte, Löwe, Dämonen«,
Teil  352 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 16.10.2016


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