Sonntag, 29. November 2020

567. »Und es gab weder Anfang noch Ende.«

Teil 567 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


 »Doch was überhaupt ist das Leben
und was ist der Lebenssinn?
Mit welchem Recht geht der Mensch
so willkürlich von der eigenen Wichtigkeit
in der Schöpfung aus?«
Howard Phillips Lovecraft (1)


James Lovelock (*1919) hat als Hundertjähriger wieder ein faszinierendes Sachbuch verfasst und veröffentlicht. Er beschreibt auf überzeugende Weise Gegenwart und Zukunft der Menschheit. In seinem Opus »Novozän« (2) lässt er »Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz« plastisch sichtbar werden. Demnach sind wir Jetztmenschen die Steigbügelhalter unserer Nachfolger auf Planet Terra. Nichtbiologische Einheiten von gottgleicher Intelligenz und Allmacht werden morgen oder übermorgen das Regiment auf unserem Heimatplaneten übernehmen.

Was aus dem Jetztmenschen werden wird? Lovelock (3): »Die Zukunft ist für uns unvorhersehbar, so wie es schon immer gewesen ist, selbst in einer organischen Welt. Cyborgs werden Cyborgs entwerfen. Sie werden keineswegs als minderwertige Lebensform weitermachen, die uns Bequemlichkeiten verschafft, sondern sie werden sich entwickeln und könnten die fortschrittlichen evolutionären Produkte einer neuen und kraftvollen Spezies sein.« Bei allem Respekt vor James Lovelock und seinem Lebenswerk: Im Gegensatz zu Lovelock sehe ich keinen realen Grund, warum die künstliche Intelligenz nicht die Herrschaft über uns an sich reißen wird. Bei allem Respekt vor James Lovelocks wissenschaftlichen Leistungen, etwa für die NASA: Ich halte es für überhaupt nicht nachvollziehbar, dass das unendliche Universum ausschließlich den Menschen als intelligente Spezies hervorgebracht haben soll. »Wir sind allein« (4) behauptet James Lovelock. In einem unendlich großen Kosmos sollte es nur uns Menschen als intelligente Spezies geben? Der Mensch soll nicht nur die Krone der irdischen, sondern auch der kosmischen Schöpfung sein? Das ist – meine ich – unvorstellbar.

Foto 1: Prof. Hermann Oberth (links)
und Autor Langbein im Gespräch (März 1983).

James Lovelock, von 1961 bis 1964 »Professor für Chemie« am »Baylor College of Medicine« in Houston, Texas, sieht den Menschen als unfassbare Ausnahme im gesamten Universum. Seiner Überzeugung nach ist der Kosmos nur dazu in der Lage, ausschließlich uns Menschen hervorzubringen. Howard Phillips Lovecraft (*1890; †1937) monierte vehement diese Selbsterhöhung von uns Menschen (5): »Und so können wir begreifen, dass die Menschheit nichts anderes als ein momentanes Phänomen ist. Unsere Existenz auf unserem Planeten ist im Vergleich zur Unendlichkeit erst neueren Datums, wurde in der ganzen unermesslichen Weite des Raums erst gestern möglich.«

Die vielleicht zentralen Fragen, die sich uns an dieser Stelle aufdrängen müssen, lauten: Hat das tote Universum zufällig Intelligenz auf Welten wie der Erde hervorgebracht? Oder hat Intelligenz das Universum erschaffen? Ist das Universum das Produkt von Intelligenz und nicht Intelligenz das Produkt des Universums? Was war am Anfang: der Geist oder die Materie? Religiös orientierte Menschen, speziell die Anhänger einer der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, postulieren, dass es am Anfang Gott gab, der das Universum schuf. Materialistisch orientierte Menschen, die freilich nur anderen »Gurus« folgen, gehen davon aus, dass am Anfang der Urknall war. Aber auch der Urknall kann nichts aus dem Nichts hervorbringen. Entweder gab es am Anfang Gott oder Materie.

Was aber war vor Gott? Was war vor der Materie? Auch wenn wir es nicht wirklich begreifen können, es gibt eine dritte Variante: War am Anfang Intelligenz? Mir ist klar: Niemand vermag zu erklären, was vor Gott, was vor der Materie, was vor der Intelligenz war. Die drei Denkmodelle setzen voraus, dass es am Anfang etwas und nicht das Nichts gab.

In der Lutherbibel von 1545 lesen wir gleich zu Beginn des Evangeliums nach Johannes: »Im anfang war das Wort / Vnd das wort war bey Gott / vnd Gott war das Wort.« Noch in der Lutherbibel von 1984 findet sich der 1. Vers des 1. Kapitels des Evangeliums nach Johannes so: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.«

Vergleicht man damit die Lutherbibel von 2017, reibt man sich staunend die Augen ob der Veränderungen im Text: »Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – «. Von einer Übersetzung kann nicht mehr die Rede sein, nur noch von einer freien Interpretation. Das Wort, das am Anfang war, ist verschwunden. Wir finden es nur noch in folgenden Bibelausgaben: »Neue Genfer Übersetzung«, »Hoffnung für alle«, »Zürcher Bibel«, »Gute Nachricht Bibel« und »Neues Leben. Die Bibel«. In der »Elberfelder Bibel« entdecken wir, freilich verklausuliert, das »Wort, das am Anfang war«: »Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens.«

Bis 1984 sagt die Lutherbibel klar und deutlich, dass am Anfang – vor dem eigentlichen Schöpfungsakt – das Wort war. Im Band 1 von Ginzbergs »Legends of the Jews«, 1909 von »The Jewish Publication Society of America« in Philadelphia publiziert, wird der Sachverhalt noch viel deutlicher, nämlich dass dass Wort vor der Schöpfung da war. Da wird präzisiert, dass das Wort (6) bereits »zweitausend Jahre vor der Erschaffung von Himmel und Erde« vorhanden ward, geschrieben mit »schwarzem Feuer auf weißem Feuer«. Als dann Gott zur Schöpfung schritt, konsultierte er das Wort. Wenn Gott das Wort zu Rate zog, hat er es nicht selbst geschaffen. Es muss vor Gott da gewesen sein. Warum sollte Gott Antworten in einem Buch suchen, das er selbst geschrieben hat?

Was aber war das »Wort«? Die »Intelligenz«? Der deutsche Physiker Prof. Markolf H. Niemz (* 1964 in Hofheim am Taunus) hat ein wahrhaft kühnes Bild von der Realität entwickelt. Nach Prof. Niemz ist das All eine Art Computerprogramm, das ohne »Hardware« auskommt. Wenn alles scheinbar Reale Illusion ist, wer oder was hat sie geschaffen? In der Kabbala, der jüdischen Mystik, kommt alles aus dem Göttlichen und kehrt ins Göttliche zurück. Kabbala-Kenner Michael Laitman enthüllt in seinem Standardwerk »Kabbala für Anfänger« (7):

Es gab »nur das Einfache Höhere Licht, welches die ganze Wirklichkeit ausfüllte.« Und weiter (8): »Es gab keinen leeren Raum und keine unausgefüllte Atmosphäre, sondern es war alles mit diesem unendlichen Einfachen Licht erfüllt. Und es gab weder Anfang noch Ende. Und alles war Eins: Einfaches, vollkommen gleichmäßiges Licht. Und dieses hieß: Licht von Ejn Sof (Unendlichkeit).« Was können wir uns unter diesem mysteriösen »Licht« vorstellen?

Foto 2: Prof. Oberths
bahnbrechendes Werk.
Alle Systeme, die die Wirklichkeit erklären sollen, sind allenfalls Versuche einer Annäherung an die Wirklichkeit. Genauer gesagt: Sie sind Versuche von Annäherungen an das, was man für die Wirklichkeit hält. Religiöse Weltbilder, fabriziert von monotheistischen Religionsgründern und ihren Anhängern, machen es sich leicht. Ein allmächtiger Gott hat das Universum, Erde inklusive, geschaffen. Diese Götter geraten allerdings recht irdisch-menschlich. Sie tun Gutes für ihre Geschöpfe, erwarten aber ewige Dankbarkeit und Kulthandlungen. Sie erlassen zum Teil seltsam anmutende Gesetze, die befolgt werden müssen. Nur wer nach diesen Gesetzen lebt, darf hoffen nach dem Tode in ein himmlisches Elysium aufgenommen zu werden. Solche »Götter« sind doch eher rechthaberische Kleingeister als allmächtige Schöpfer des Universums.

Religiös orientierte Menschen sind nicht automatisch alle dumm. Selbst Fanatiker können intelligent sein. Sie nutzen aber nicht ihre Intelligenz, um zu suchen. Warum nicht? Ganz einfach, weil sie glauben, dass alle Antworten in ihrem »Heiligen Buch« stehen. Sie suchen nicht nach Unbekanntem, weil man sie davon überzeugt hat, dass längst alles gefunden wurde. Sie versuchen auch gar nicht, Antworten auf bislang ungeklärte Fragen zu finden. Warum nicht? Weil sie glauben, alles zu wissen, was ihr Gott sie wissen lassen will. Wenn es unbeantwortete Fragen gibt, dann weil ihnen ihr Gott keine Antworten geben möchte. Zu suchen wäre dann Blasphemie. Sie akzeptieren ihr Unwissen in bravem Gottvertrauen.

Dabei haben schon die primitivsten Urformen, die in den Ozeanen hausten, gesucht. Unsere Vorvorfahren lebten im Wasser. Sie atmeten mit Kiemen, nicht mit Lungen. Das ideale Ambiente dieser unserer schlichten Urururahnen war das Wasser. Offensichtlich hatten sie keinen Anführer, der ihnen Ausflüge an Land verbieten konnte. Sie eroberten langsam das Land. Statt wie schwerelos im Wasser zu schweben, musste sie sich schwerfällig an Land dahinschleppen. Hitze versengte ihnen die Haut. Kälte schlug beißende Wunden.

Tödliche Gefahren lauerten, die es im Lebensraum Wasser nicht gab. So strapaziös und gefährlich der Umzug auch war, er brachte nicht nur Nachteile. Es tat sich eine vollkommen neue Welt für das Leben auf. Nein: Die Pioniere unter den primitiven Kleinstlebewesen eroberten eine neue Welt für sich und für ihre Nachkommen.

Unsere primitiven Vorfahren haben sich auf die Suche gemacht. Sie haben das Wasser verlassen und sind an Land gegangen. Ihre Nachkommen haben nach und nach den Heimatplaneten Erde erkundet. Ihr Wissensdrang hat sie auf die höchsten Berge steigen und in die tiefsten Abgründe der Meere tauchen lassen. Unser Wissensdurst treibt uns weiter. Geradezu zwangsläufig werden wir ins All aufbrechen. Erste zaghafte Schritte sind schon gewagt worden. Weitere werden folgen.

Das Meer ist unsere »Wiege«, Planet Erde ist unsere Kinderstube. Unsere Vorvorfahren haben die »Wiege« verlassen. Wir werden nicht in der Kinderstube ausharren. Wir werden sie verlassen. Unser Heimatplanet steht nicht im Zentrum des Universums. Er ist eine kleine unbedeutende Welt in einem unwichtigen Sonnensystems am »Rande« des Universums.

Vor vielen Jahrtausenden begannen die Menschen, Planet Erde zu erobern. Sie erkundeten zunächst die engere Heimat, dann das eigene Land. Sie erforschten schließlich den eigenen Kontinent und überquerten Berge und Meere. Irgendwann waren alle Länder erkundet, alle Flüsse befahren, alle Meere erforscht, alle Gebirge erklommen. In unseren Tagen verließen die ersten Menschen Planet Erde. Sie besuchten den Mond. Bald werden Menschen zum Mond zurückkehren. Bald werden sich Menschen zum Mars aufmachen.

Ich wage ein Prognose: Irgendwann wird es soweit sein, dass Menschen unser Sonnensystem verlassen, so wie einst die »Astronautengötter« vor Jahrtausenden aus den Tiefen des Alls zur Erde kamen. Prof. Dr. Hermann Oberth jedenfalls war davon überzeugt, dass jede Intelligenz irgendwann einmal Weltraumfahrt betreiben wird. Warum? Warum sollten einst Besucher aus dem All zur Erde gekommen sein? Warum soll der Mensch dereinst ins All aufbrechen?

Foto 3: Handschriftliche Widmung
von Prof. Oberth für Walter-Jörg Langbein.

Der »Vater der Weltraumfahrt« formulierte verallgemeinernd (9): »Das ist das Ziel: Dem Leben jeden Platz zu erobern, auf dem es bestehen und weiter anwachsen kann, jede unbelebte Welt zu beleben und jede lebende sinnvoll zu machen.« So wie wir ins All streben, so tun dies anderen Orts Außerirdische auch.


Fußnoten
(1) Lovecraft, Howard Phillips: »Gegen die Religion/ Atheistische Schriften«, Leipzig Juli 2020 (Einmalige Vorzugausgabe limitiert auf 250 Stück), Seite 60, 13.-10. Zeile von unten
(2) Lovelock, James: »Novozän: Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz«, 1. Auflage, München 2020
(3) Ebenda, Seite 148, 1. Zeile von unten und Seite 149, 1.-6. Zeile von oben
(4) Ebenda, Kapitel 1, »Wir sind allein«, Seiten 17-20
(5) Lovecraft, Howard Phillips: »Gegen die Religion/ Atheistische Schriften«, Leipzig Juli 2020, Seite 61, 2.-7. Zeile von oben
(6) Ginzberg, Louis: »The Legends of the Jews/ Bible Times and Characters from the Creation to Jacob«, Übersetzung nach dem deutschen Manuskript von Henrietta Szold, »The Jewish Publication Society of America«, Philadelphia 1909, Seite 3, »The First Things Created«.
(7) Laitman, Michael: »Kabbala für Anfänger«, Toronto/ Wien 2009, Seite 7, 2. Zeile von oben
(8) Ebenda, Zeilen 3-7 von oben
(9) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum/ Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, 4. Auflage, Düsseldorf 1963,« S. 301

 

Zu den Fotos 
Foto 1: Prof. Hermann Oberth und Autor Langbein im Gespräch (März 1983). Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Prof. Oberths bahnbrechendes Werk. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Handschriftliche Widmung von Prof. Oberth für Walter-Jörg Langbein. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein



 
568. »Nun überschreiten wir unsere Wissensgrenze«,
Teil 568 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 06. Dezember 2020


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Sonntag, 22. November 2020

566. »Waren die Götter ›Cyborgs‹?«

Teil 566 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein



Howard Phillips Lovecraft (*1890; †1937) schrieb Kurzgeschichten und Romane. Und er verfasste eine wahre Flut an Briefen, korrespondierte mit Leserinnen und Lesern. Mit dem Englischlehrer Maruice W. Moe scheint er sich heftig über Religion gestritten zu haben. Anders als der tiefgläubige Moe aus Wisconsin, USA, glaubte Lovecraft nicht an die Notwendigkeit religiösen Glaubens. Lovecraft vertraute auf einen besonderen Impuls.

Am 15. Mai 1918 schrieb Lovecraft an Maurice W. Moe (1): »Sie vergessen einen menschlichen Impuls, der sich trotz seiner Beschränkung auf eine relativ kleine Anzahl von Männern im Laufe der Geschichte als so real und lebenswichtig wie Hunger erwiesen hat – als so stark wie Durst oder Gier. Ich muss ja wohl nicht sagen, dass ich mich auf das einfachste, aber erhabenste Attribut unserer Spezies beziehe – auf das starke, anhaltende, unstillbare Sehnen nach WISSEN.«

Foto 1: Vielleicht stellen
die Kachina-Puppen der Hopi-Indianer
»Cyborgs« dar.
Von geradezu zwanghafter Sehnsucht nach Wissen wurde ein Amerikaner geplagt. Ich meine den großen Archivar von Tatsachen, die von der etablierten Schulwissenschaft verdammt werden, Charles Hoy Fort (*1874; †1932). Von zehn Romanen aus Forts Feder wurde nur ein einziger veröffentlich. Anno 1909 erschien »The Outcast Manufacturers«, von Kritikern gepriesen, vom Publikum kaum zur Kenntnis genommen. Eine Übersetzung ins Deutsche liegt meines Wissens nicht vor. Was aus den anderen neun Romanen wurde? Sie gelten als verschollen. Eine deutsche Übersetzung des publizierten Romans liegt bis heute nicht vor.

Fort veröffentlichte sein erstes Buch anno 1919. Er nannte es »Book of the damned« (2a). Die deutsche Übersetzung ließ lange auf sich warten: »Das Buch der Verdammten« kam erst 1995 auf den Markt. Drei weitere Bücher Forts erschienen, die allesamt sehr zu empfehlen sind (2b-2d). Fort interessierte sich brennend für die Welt der Wissenschaften, allerdings nicht für die hinlänglich beantworteten Fragen und faktenreich belegten Theorien. Ihn faszinierten die unmöglichen Fakten, die seiner Überzeugung nach von der Wissenschaft »unter den Teppich gekehrt« wurden, weil es sie eigentlich gar nicht geben dürfte. Er fand spannend, was mit den herkömmlichen schulwissenschaftlichen Theorien nicht erklärbar war. Fort bezeichnete den etablierten Wissenschaftlern verhassten Fakten als »Verdammte«. Er sah es als seine Lebensaufgabe an, just diese Fakten zu sammeln und zu publizieren. Dank einer Erbschaft konnte Fort zum Vollzeit-Sammler der verbotenen Fakten werden.

Bis zu seinem Tode wühlte er sich wie ein Besessener durch ganze Bibliotheken und trug zigtausende Fakten zusammen, die seiner Überzeugung nach das Dasein von Verdammten fristeten. Er interessierte sich brennend für die Welt der Wissenschaften. Er sah sich selbst als wahren Wissenschaftler, der ohne Vorurteile alles sammelte, um Wissen zu schaffen. Er lehnte es strikt ab, Theorien zu ersinnen und nur solche Fakten zu akzeptieren, die irgendwelche Theorien bestätigten. Es ging ihm um ein breites Spektrum an Fakten, nicht um eine willkürliche Auswahl an Fakten, die irgendeine Theorie beweisen sollen. Fort wollte aufzeigen, dass die Realität sehr viel mehr zu bieten hat als vermeintlich wissenschaftlich Denkende zu erfassen bereit sind. Die Wirklichkeit fühlt sich nicht an Theorien gebunden.

Charles Hoy Fort nahm vor über einem Jahrhundert fantastisches Gedankengut vorweg. Vieles publizierte er, manches nahm er sich für künftige Bücher vor. Über außerirdische Besucher auf unserem Planeten dachte er vor über einem Jahrhundert nach (3): »Eines Tages werde ich mich damit beschäftigen, dass die seltsam geformten Erdhügel von Forschern von irgendwo gebaut wurden, die nicht zurückkehren konnten, konstruiert in der Absicht, die Aufmerksamkeit von einer anderen Welt anzulocken ...«

Charles Hoy Fort weiter (4): »Wir werden ... oder auch nicht ... akzeptieren, dass es eine verlorene Kolonie oder Expedition von irgendwo auf dieser Erde gegeben haben mag und außerirdische Besucher, die nie zurückkehren konnten, und andere außerirdische Besucher, die wieder gegangen sind.«

Vor über einem Jahrhundert spekulierte Charles Hoy Fort über Besucher von Außerirdischen auf unserem Planeten, als Raumfahrt bestenfalls eine verrückte Idee von Fantasten ohne jeglichen Realitätssinn war. Und doch räsonierte Fort schon so früh über kosmische Besucher in grauer Vergangenheit (5): »Ich denke, wir sind Besitz. Ich denke, ich sollte sagen, Etwas besitzt uns. Dass irgendwann diese Erde Niemandsland war und dass andere Welten hier forschten und kolonisierten und untereinander um den Besitz ... der Erde kämpften ... und dass Etwas diese Erde besitzt.« (6)
Wer sich von seiner Sehnsucht nach Wissen motivieren lässt, der wird vermutlich sehr viel mehr Antworten finden als er Fragen gestellt hat. Wer wirklich sucht, muss offen auch für das Ungewöhnliche und Fantastische sein. Wer ein Weltbild bestätigen, aber kein eigenes Weltbild aufbauen möchte, ist nicht wirklich wissbegierig. Und wer unvoreingenommen sucht, der findet mehr. Ob uns eine Vorstellung angenehm ist oder nicht, das sollte kein Kriterium für uns sein, ob etwas der Realität entspricht oder nicht.

Foto 2: Diese Kreationen (Kuelap, Wolkenmenschen)
könnten »Cyborgs« darstellen.

Eine zusehends zerstrittenere Weltgemeinschaft kann durch ein globales Raumfahrtprogramm zu einer wirklichen Gemeinschaft vereint werden. Nur dann werden dereinst gigantische Weltraumstädte ins All aufbrechen, mit Zigtausenden, vielleicht Hunderttausenden von Menschen. Sind derlei Gedanken zu kühne Spekulation? Keineswegs! Schon vor Jahrzehnten kamen 28 Professoren und Techniker der »Stanford University« und der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zur Erkenntnis, dass eine riesige Weltraumstadt in Walzenform – Hermann Oberth (*1894, †1989) lässt grüßen – im Bereich des Machbaren ist. »Der Spiegel« in seiner Ausgabe vom 1.9.1975: »Die Raumstation, die etwa gleich weit von der Erde und dem Mond entfernt wäre...würde in einem Zwei-Stufen-Programm erbaut werden: Zunächst müssten eine erdumkreisende 2.000-Mann-Raumstation so wie eine kleine Mondstation errichtet werden. Von dort aus würden die Baustoffe, aus Mondmaterialien gewonnen, ins All transportiert und zusammenmontiert. … Die fertige Raumstation, die sich zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft einmal pro Minute dreht, würde alles Lebensnotwendige an Bord haben: Felder und Wiesen erstrecken sich 800 m weit vor den Augen der Bewohner, das Trinkwasser würde immer aufs neue regeneriert, die Luft wäre sauberer als in unseren Städten.«

Dr. Thomas Heppenheim, Luftfahrtingenieur am »California Institute of Technology«, schilderte das Leben in der Raumstation im »National Enquirer« (November 1975) so: »Das Leben in der geplanten Weltraumstadt wird nicht nur angenehmer sein als auf der Erde, sondern die Menschen werden dort alles haben, was für größtes Wachstum notwendig ist. Keine Ernte wird fehlschlagen. Die ersten 10.000 Menschen werden in Terrassenapartments mit modernstem Wohnkomfort leben. Von den Fenstern aus blicken sie auf gewölbte Erntefelder und überschauen grüne Parks. Das Leben wird angenehm und sonnig sein.«

Die zweite Weltraumstadt könnte dann schon ganz andere Ausmaße haben. Prof. Gerard Kitchen O’Neill (*1927; †1992) lehrte an der »Princeton University«, publizierte seine fundierten Visionen in einem Buch »Unsere Zukunft im Raum/ Energiegewinnung und Siedlung im Weltraum« (7). Für den Physiker O’Neill, Inhaber wichtiger Patente, ist eine Besiedlung des Universums von der Erde aus keine unsinnige Science-Fiction-Illusion, sondern realistisch, finanzierbar und auch machbar. Der Wissenschaftler entwickelte mehrere Modelle von Weltraumstädten in Röhrenform. Die größeren (Länge etwa 30 km, Durchmesser 6 km) bieten 10.000.000 Menschen Lebensraum. In absehbarer Zukunft könnte – so postulierte Prof. O’Neill – ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung in Weltraumstädten leben. Liegt also die Zukunft der Menschheit im All?

So wie primitive Lebensformen vom Wasser aus das fremde, scheinbar feindselige Terrain Erde erobert haben, so werden wir Menschen oder unsere »Nachfolger« einst den interstellaren Weltraum erkunden. Der Schritt an Land brachte das Leben in seiner Entwicklung weit voran. Wird der Weg ins All zu einer wiederum weit höheren Entwicklungsstufe des Menschen führen?

Zurückbleiben wird »Atlantis Erde«. Astronauten werden dann erst wirklich ihren Namen mit Recht tragen: Sternenfahrer! Sie werden die Fackel des Lebens ins Universum tragen. So wird das Leben auch dann noch fortbestehen, auch wenn es auf Planet Erde schon lange nicht mehr existiert. Und in den Weiten des Alls werden neue Zyklen des Lebens beginnen, ganz so wie im unendlichen Kalender der Mayas geschrieben steht.

Das göttliche Gebot (8) »Seid fruchtbar und mehret euch!« wird dann eine ganz andere Bedeutung gewinnen als Theologen und Laien gewöhnlich meinen. Ein Fragenkomplex aber wird von vielen Menschen seit den Anfängen von irdischer Raumfahrt erörtert: Warum? Wozu? Prof. Dr. Dr.-Ing. Hermann Oberth antwortete auf Einwände gegen interplanetare und interstellare Raumfahrt so (9): »Aber wozu das alles? Wer das faustische Streben nicht kennt, dem kann man auf diese Frage nicht antworten, und wer es kennt, der weiß die Antwort selbst. Ihm ist es selbstverständlich, alles Erforschbare zu erforschen, alles Unentdeckte zu entdecken, mit den Bewohnern anderer Welten in Verbindung zu treten.«

Prof. Oberth war davon überzeugt, dass jede Intelligenz, so sie sich nicht vorher selbst auslöscht, einmal Raumfahrt betreiben und in die Tiefen des Alls vordringen wird. Sollte es also seit Anbeginn der Zeit in den Weiten des Universums immer wieder dazu kommen, dass Zivilisationen die Kinderstube ihrer Entwicklung verlassen und Vertreter in die Unendlichkeit von Zeit und Raum schicken?

Foto 3: Göttin Chalchiuhtlicue (Mexico)
war vielleicht ein Cyborg.
Generationenraumschiffe hin oder her: das zentrale Problem für bemannte interstellare Raumfahrt sind die unvorstellbaren Distanzen zwischen den Sternen. Daraus resultiert das Zeitproblem: Gigantische Entfernungen benötigen viel Zeit für Raumreisende. Eine Lösung bietet sich an: Künstliche Intelligenz! Cyborgs, so wie sie sich James Lovelock vorstellt, nämlich als superintelligente »Wesen« ohne biologischen Anteil können theoretisch und wohl auch praktisch Ewigkeiten überdauern und so Intelligenz im Kosmos ausbreiten. Solche Cyborgs könnten einen elektronischen »Winterschlaf« nutzen, um ihr Intelligenzpotential zu steigern. Sie würden, so Lovelock, bald schon wie Götter sein. Vielleicht stellen die Kachina-Puppen der Hopi-Indianer »Cyborgs« dar, die einst zur Erde kamen. Vielleicht erinnern die mysteriösen Sarkophagfiguren der »Wolkenmenschen« an solche Besucher? Womöglich war die Göttin Chalchiuhtlicue (Mexico) so ein »Cyborg«!

Mir drängen sich wieder Fragen auf: Waren die vermeintlich »göttlichen« Besucher auf unserem Planeten vor Jahrtausenden keine Lebewesen wie wir, sondern »Cyborgs«? Hatten diese »Cyborgs« die Aufgabe, für die Ausbreitung von Intelligenz im Kosmos zu sorgen?

Fußnoten
(1) Lovecraft, Howard Phillips: »Against Religion/ The Atheist Writings of H. P. Lovecraft«, Herausgeber Joshi, S. T., New York 2010, Seite 13. Übersetzung aus dem Englischen: Walter-Jörg Langbein
(2a) Fort, Charles Hoy: »Book of the damned«, New York 1919/ Übersetzung »Das Buch der Verdammten«, Frankfurt 1995
(2b) Fort, Charles Hoy: »New Lands«, New York 1923/ Übersetzung »Neuland«, Frankfurt am Main 1996
(2c) Fort, Charles Hoy: »Lo!«, New York 1931/ Übersetzung »Da!«, Frankfurt am Main 1997
(2d) Fort, Charles Hoy: »Wild Talents«, New York 1932/ Übersetzung »Wilde Talente«, Frankfurt am Main 1997
(3) Fort, Charles Hoy: »The Book of the damned«, Gesamtausgabe in einem Band, New York 1974, S. 157, 14.-11 Zeile von unten. Übersetzung aus dem Amerikanischen Walter-Jörg Langbein
(4) Ebenda, S. 159, 7.-11. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Amerikanischen Walter-Jörg Langbein
(5) Ebenda, S. 163, 6.-10. Zeile von oben. Übersetzung aus dem Amerikanischen Walter-Jörg Langbein
(6) Siehe hierzu auch Langbein, Walter-Jörg und Sachmann, Hans-Werner: »Charles Hoy Fort – Der Chronist des Unerklärlichen« in Däniken, Erich von (Herausgeber): »Das Erbe der Götter/ Auf ›kosmischen Spuren‹ rund um die Welt«, München 1997, S.19-25
(7) O'Neill, Gerard K.: »Unsere Zukunft im Raum«, Bern und Stuttgart 1978
(8) 1. Buch Mose Kapitel 9, Vers 7
(9) Oberth, Hermann: »Menschen im Weltraum – Neue Projekte für Raketen- und Raumfahrt«, Düsseldorf 1954, Seite 301

Zu den Fotos
Foto 1: Vielleicht stellen die Kachina-Puppen der Hopi-Indianer »Cyborgs« dar. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Diese Kreationen (Kuelap, Wolkenmenschen) könnten »Cyborgs« darstellen. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Göttin Chalchiuhtlicue (Mexico) war vielleicht ein Cyborg. Foto Walter-Jörg Langbein


567. »Und es gab weder Anfang, noch Ende«,
Teil 567 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29. November 2020


Besuchen Sie auch unser Nachrichtenblog!

Labels

Walter-Jörg Langbein (656) Sylvia B. (105) Osterinsel (79) Tuna von Blumenstein (46) Peru (34) Karl May (27) Nan Madol (27) g.c.roth (27) Maria Magdalena (22) Jesus (21) Karl der Große (19) Make Make (19) Externsteine (18) Für Sie gelesen (18) Bibel (17) Der Tote im Zwillbrocker Venn (17) Rezension (17) der tiger am gelben fluss (17) Autoren und ihre Region (16) Apokalypse (15) Vimanas (15) Atlantis der Südsee (13) Der hässliche Zwilling (13) Weseke (13) Blauregenmord (12) Nasca (12) Palenque (12) meniere desaster (12) Krimi (11) Pyramiden (11) Malta (10) Serie Teil meniere (10) Ägypten (10) Forentroll (9) Mexico (9) National Geographic (9) Straße der Toten (9) Lügde (8) Briefe an Lieschen (7) Monstermauern (7) Sphinx (7) Tempel der Inschriften (7) Winnetou (7) Lyrik (6) Marlies Bugmann (6) Mord (6) Märchen (6) altes Ägypten (6) 2012 - Endzeit und Neuanfang (5) Atahualpa (5) Hexenhausgeflüster (5) Mexico City (5) Mord in Genf (5) Satire (5) Thriller (5) Atacama Wüste (4) Cheopspyramide (4) Dan Brown (4) Ephraim Kishon (4) Hexenhausgeflüster- Sylvia B. (4) Leonardo da Vinci (4) Machu Picchu (4) Sacsayhuaman (4) Teutoburger Wald (4) große Pyramide (4) Meniere (3) Mondpyramide (3) Mord im ostfriesischen Hammrich (3) Mysterien (3) Sakrileg (3) Shakespeare (3) Bevor die Sintflut kam (2) Das Sakrileg und die heiligen Frauen (2) Friedhofsgeschichten (2) Goethe (2) Lexikon der biblischen Irrtümer (2) Markus Lanz (2) Münsterland-Krimi (2) Vincent van Gogh (2) Alphabet (1) Bestatten mein Name ist Tod (1) Hexen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen (1) Lyrichs Briefe an Lieschen Hexenhausgeflüster (1) Mord Ostfriesland (1) Mord und Totschlag (1) Münsterland (1) einmaleins lernen (1) meniére desaster (1)