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Sonntag, 6. September 2020

555. »Der Kardinal, der Biologe und der liebe Gott«

Teil 555 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Kardinal Reinhard Marx (*1953) schreibt in seinem umstrittenen Werk »Freiheit« im Kapitel über Hochmut und Anmaßung über das Ende einer Ära (1): »Gelegentlich wird schon darauf verwiesen, dass das Anthropozän am Ende sei und wir uns von dem auf den Menschen konzentrierten Blick lösen müssten.«

Das müssten wir in der Tat. Es mag auch in der Tat so sein, dass das Zeitalter mit dem Menschen als geradezu gottgleichem Zentrum (Anthropozän) am Ende angelangt ist. Das freilich scheinen wir Menschen bis heute nicht wirklich einsehen zu wollen. Irgendwie sehen wir uns nach wie vor noch als »Krone der Schöpfung«. Uneinigkeit gibt es nur in der Frage, ob die »Schöpfung« Gott oder dem Experiment Zufall zu verdanken ist. Mir scheint, weder der glühende Anhänger der Ersatzreligion »Zufall allein schafft den Menschen«, noch das fundamentalistische Mitglied einer der drei großen monotheistischen Religionen möchte die eingebildete Führungsposition des Menschen im Lebensraum Erde aufgeben.

Wir sind aber weder die »Krone einer göttlichen Schöpfung« noch der Evolution, denn als intelligent erweist sich unsere Spezies Mensch ganz und gar nicht. An der Spitze des Lebens sollte aber doch wohl die intelligenteste Spezies auf Erden sein. Das aber ist der Mensch nicht. Der Neurobiologe Stefano Mancuso (*1965) versucht schon seit Jahren, uns die Augen zu öffnen, damit wir endlich die unglaubliche, aber höchst reale menschliche Dummheit zur Kenntnis nehmen. Wir fühlen uns noch wohl auf unserem Thron, der uns schon lange unter dem Gesäß wegbricht.

Seit 2008 verleiht das »Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und die Buchkultur« von Österreich den Titel »Wissenschaftsbuch des Jahres«. 2016 wurde Stefano Mancuso diese hoch angesehene Auszeichnung für sein Werk »Die Intelligenz der Pflanzen« zugesprochen.

Fotos 1-4: Tempelanlage von Karnak
und Memnonkolosse (rechts unten).
Historische Aufnahmen, Ägypten.
Fotos 1-3: Archiv Walter-Jörg Langbein.
Foto 4: Walter-Jörg Langbein
In einem Interview, das bundesweit von diversen Zeitungen publiziert worden ist, hat es Stefano Mancuso auf den sprichwörtlichen Punkt gebracht (2): »Wir sind als Spezies seit 300.000 Jahren auf der Erde. Seit etwa 15.000 Jahren existiert das, was wir menschliche Zivilisation nennen. Und in dieser Zeit, vor allem in den letzten Jahren, haben wir es sozusagen in rasender Geschwindigkeit geschafft, den Planeten in den erbärmlichen Zustand zu bringen, in dem er sich jetzt befindet.«

Stefano Mancuso, seit 2001 als Hochschullehrer an der »Universität Florenz« und Mitglied der renommierten »Accademia dei Georgofili« tätig, entwirft ein ganz anderes Bild von der Intelligenz des Menschen als uns lieb sein kann: » Ich streite mich oft über die angebliche Überlegenheit der menschlichen Intelligenz gegenüber der Intelligenz der Pflanzen. Das oberste Ziel einer Spezies ist das Überleben der eigenen Spezies. Die Fortpflanzung ist das erste Ziel. Alles andere ist sekundär. Aus dieser Perspektive ist der Mensch mit weitem Abstand eine der am wenigsten überlebensfähigen Arten, die es je auf der Erde gab.«

Hauptmerkmal für die Intelligenz einer Spezies ist ja wohl die Fähigkeit oder Unfähigkeit zu überleben. Wenn der Mensch auf diesem Gebiet mit deutlichem Abstand schlechter abschneidet als die Pflanzen auf Terra, dann ist er auf gar keinen Fall die »Krone der Schöpfung«, um den religiösen Terminus zu benutzen. Anders ausgedrückt: In Sachen Überlebenskunst ist der Mensch alles andere als die führende Spezies der Natur.

Auf anschauliche Weise verdeutlicht Stefano Mancuso, wie schlecht wir Menschen im Wettbewerb in Sachen Überleben abschneiden: » Das durchschnittliche Leben einer Spezies auf der Erde beträgt fünf Millionen Jahre. Um im Durchschnitt zu bleiben, müssten wir als Art also noch 4,7 Millionen Jahre existieren, eine unvorstellbare lange Zeit für uns. Wir denken in wenigen Tausenden Jahren. Wird es uns in 1.000 Jahren noch geben? Wer weiß! Wenn wir so weiter machen, sicher nicht.«

Dessen ungeachtet hegen und pflegen wir die Einbildung, sonnen uns im Glanz der vermeintlichen Überlegenheit der Menschen über alle anderen Lebensformen auf unserem Planeten und zeichnen uns doch nur dadurch, dass wir als einzige Spezies in erstaunlicher Geschwindigkeit und mit an Perfektion grenzender Konsequenz für die eigene Spezies unbewohnbar machen. Was aber, dieser Frage gehen wir nicht nur aus dem Weg, machen wir anders als alle anderen Spezies auf Terra? Wenn wir uns überhaupt mit anderen Spezies vergleichen, dann heben wir mit Stolz hervor, was wir im Gegensatz zu anderen Spezies zu tun in der Lage sind. Wir können uns über große Entfernungen auf der Erde bewegen, wozu zum Beispiel Pflanzen nicht in der Lage sind. Pflanzen sind so ortsgebunden und unbeweglich, wie wir Menschen während der coronaverursachten Ausgangssperren. Dazu Neurobiologe Stefano Mancuso:

»Wir leben gerade alle in einer Art vegetativen Zustand. Ein paar Milliarden Menschen auf der Welt. Wir können uns nicht frei bewegen. Die Pflanzen leben immer so. Ihr wichtigstes Erfolgsrezept ist ihr Gemeinsinn. Den könnten wir uns abschauen. Pflanzen wetteifern nur in wenigen Ausnahmen mit anderen Pflanzen oder Lebewesen. Anstatt zu wetteifern, schaffen sie Gemeinschaften, die zusammen leben. Pflanzen, Tiere, Insekten, Mikroorganismen.«

Fotos 5+6: Tempel der Hatschepsut, Ägypten
(oben um 1910, unten  um 1986). Foto oben:
Archiv Walter-Jörg Langbein. Foto unten:
Foto Walter-Jörg Langbein.
Ägypten.
Geht das von Menschen dominierte
Zeitalter zuende?
Auch wenn zu schlimmsten Corona-Zeiten bei den meisten menschlichen Bewohnern unseres Planeten aus Angst des Individuums vor Ansteckung und Tod vorübergehend Verantwortungsbewusstsein den Alltag bestimmte, so wird sich doch das gemeinschaftliche Miteinander von uns Menschen als eine vorübergehende Erscheinung erweisen. Wir suchen den Fortschritt nicht im Miteinander, sondern im Gegeneinander. Wir versuchen erst gar nicht, gemeinsam lebensnotwendige Ziele zu erreichen, sondern wir konkurrieren miteinander. Die Hoffnung, dass in der Postcorona-Zeit ein neues Denken unser Handeln bestimmen würde, wird sehr viel schneller als eine Seifenblase platzen.

So wie im weltweiten Sport jeder gegen jeden kämpft, so ist auch unser aller Leben von Konkurrenz geprägt. Und dabei sieht sich der vermeintlich ach so intelligente Mensch als den hoch über allem stehenden Herrn über den Rest der Welt. Die biblische Legitimation für sein Treiben kann man schon im ersten Kapitel des Ersten Buch Mose (3) finden: »Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.« Freilich haben wir das Prinzip der radikalen Ausbeutung von Planet Erde für egoistische Zwecke längst so stark verinnerlicht, dass wir eine biblische Legitimation für unser schädliches Tun gar nicht mehr benötigen.

Angesichts der Plünderung und Zerstörung des Lebensraums Erde sehen sich Theologen genötigt, den »göttlichen Auftrag« neu zu interpretieren. Genauer gesagt: Man habe, so heißt es aus Theologenmund, den göttlichen Befehl bislang missverstanden. Gott habe den Menschen aufgefordert, verantwortungsvoll mit der ihm anvertrauten Erde umzugehen. Warum wurde dieser vermeintliche göttliche Auftrag nicht in schlichten, verständlichen Worten zum Ausdruck gebracht?

 Statt »Macht euch die Erde untertan!« hätte man formulieren können »Geht verantwortungsvoll mit der Erde um!« »Christliches Radio für den Alltag« (4): »Dieser Satz gehört zu den Bibelworten, die man leicht in den falschen Hals kriegen kann. Und das hat dann schlimme Folgen. ›Macht euch die Erde untertan‹ – wie oft wurde das missverstanden!? Bedeutet diese Weisung Gottes, der Mensch könne nun alles mit Gottes Schöpfung tun, was er will? Gibt Gott einen Freibrief, die Erde auszubeuten? Wird der Mensch zum höchsten Chef alles Geschaffenen? Zum Herrscher der Tiere, der mit ihnen nach Belieben umgehen kann? Zum Souverän über das Pflanzenreich, der roden oder züchten darf, wie er will?«

»Christliches Radio für den Alltag« beantwortet sodann die gestellten Fragen in einer Art und Weise, die man nicht als kindlich bezeichnen sollte. Wenn man die von »Christliches Radio für den Alltag« vorgetragene Antwort als Beispiel von kindlicher Logik bezeichnet, beleidigt man die Kinder. Doch lassen wir »Christliches Radio für den Alltag« zu Wort kommen: »›Macht euch die Erde untertan‹ – ein Satz, den man in den falschen Hals kriegen kann, wenn man nicht sieht, was direkt davor steht:

›Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bild Gottes schuf er ihn‹. Damit wird nicht das Aussehen Gottes beschrieben, sondern die Herrschaft Gottes und was der Mensch damit zu tun hat. Um dies zu verstehen muss man wissen: Wenn im Altertum ein König ein großes Reich zu regieren hatte, war das nicht einfach. Telefon und Internet waren noch längst nicht erfunden, auch Flugzeuge und Autobahnen gab es nicht. Wie sollte ein König – zum Beispiel der Großkönig von Babylon – sein Riesenreich regieren? Wie sollte er die weiten Entfernungen überwinden, um in fernen Provinzen zu zeigen: auch in Gebieten weit weg von der Hauptstadt bin ich euer Herrscher?

Die Lösung: der König ließ Standbilder aufstellen, Abbilder von sich selbst. An vielen Orten gab es solche Wahrzeichen, Bilder, die zeigten: hier herrscht dieser König, auch wenn er nicht persönlich anwesend ist.«

Mit anderen Worten: Weil Gott nicht jeden Menschen per Telefon erreichen kann, setzt er den Menschen als sein Abbild ein, um überall zu verdeutlichen, dass Gott in Gestalt des Menschen als sein Abbild allüberall herrscht. Damit aber wird der Mensch aus der Gesamtschöpfung herausgestellt und über dem Rest der Schöpfung platziert.

Nach dieser – in meinen Augen sehr seltsamen – Vorstellung wird die Welt dem Menschen von Gott ausgeliefert. Da aber Gott nach theologischer Vorstellung allwissend ist und die Zukunft kennt, ist ihm natürlich bekannt, wie der Mensch mit der Welt umgehen wird. Gott überlässt dem Menschen in diesem Bild die Welt zur Ausplünderung, die Tiere zur rücksichtslosen Ausbeutung. Das erklärt man in der Theologie dann mit dem »freien Willen« des Menschen.

Theologen meinen allen Ernstes, sie könnten und müssten dem »lieben Gott« einen »Persilschein« ausstellen: Nicht der »liebe Gott« ist demnach für Leid und Elend auf der Welt verantwortlich, sondern das ist der Mensch. Der »liebe Gott« hat dem Menschen in vermeintlicher Güte einen »freien Willen« gewährt. Und der Mensch nutzt diesen seinen freien Willen leider auch, um Böses zu tun. Diese Vorstellung empfinde ich, gelinde gesagt, als unstimmig und als erschreckend entsetzlich. Denn wo bleibt der freie Wille der Opfer? Ein Gott, der faktisch dem Bösen einen freien Willen zubilligt, nicht aber dem Opfer des Bösen, entspricht ganz und gar nicht meiner Vorstellung von einem liebenden, guten Gott.

Fußnoten
(1) Marx, Reinhard: »Freiheit«, München 2020, eBook (kindle), Kapitel »Die Gefahr der Hybris«, Position 172
(2) Müller-Meiningen, Julius: »Wenn wir so weitermachen, stirbt unsere Spezies aus«, »Augsburger Allgemeine«, 06.06.2020 (Das Interview erschien auch im »Obermain Tagblatt«, Lichtenfels. Datum leider nicht mehr feststellbar.)
Alle weiteren Zitate von Stefano Mancuso sind diesem Interview entnommen.
(3) 1. Buch Mose Kapitel 1, Vers 28
(4) https://www.erf.de/erf-plus/audiothek/wort-zum-tag/macht-euch-die-erde-untertan/73-3531

Zu den Fotos
Fotos 1-4: Tempelanlage von Karnak und Memnonkolosse (rechts unten). Historische Aufnahmen, Ägypten. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein
Fotos 5+6: Tempel der Hatschepsut (oben um 1910, unten  um 1986). Foto oben: Archiv Walter-Jörg Langbein. Foto unten: Foto Walter-Jörg Langbein.
Ägypten.

556. »Gott, die Schöpgung und das Ende der Menschheit«
Teil 556 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 13. September 2020
 


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Sonntag, 3. Juni 2018

437 „Der steinerne Riese von Thelitz“

Teil 437 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein



Weltweit zeigen Museen nur einen Bruchteil ihrer „Schätze“. Bei der Materialfülle fehlt einfach der Platz, um alle Objekte ständig in Vitrinen zur Schau zu stellen. Es muss also immer eine Auswahl getroffen werden. Gezeigt wird in der Regel nur, was mit der gängigen Lehrmeinung im Einklang steht. Funde, die belegen könnten, dass es lange vor unserer Zivilisation bereits andere Zivilisationen gegeben haben muss (1), fristen in der Regel ein armseliges Dasein in staubigen Depots.

Michael Cremo (2), aber auch Reinhard Habeck (3), beweisen in ihren Sachbüchern, dass es tatsächlich in den Depots, aber auch (seltener) in den Vitrinen der Museen wirklich „mysteriöse Schätze“ gibt, „Funde versunkener Welten“, die so ganz und gar nicht ins Weltbild der klassischen Schulwissenschaften passen und daher gern verdrängt und verschwiegen werden.

In den vermeintlich hoch wissenschaftlichen Publikationen der Professoren werden sie, wenn überhaupt, nur selten erwähnt.

Foto 1: Emil Langbein
Manches archäologische Artefakt findet erst gar nicht den Weg in ein Museum. So ein Objekt ist der mysteriöse steinerne Riese von Thelitz, der bis heute verschollen ist. Zeuge für den ungewöhnlichen Fund ist mein Großvater väterlicherseits Emil Langbein. Vorab einige Informationen zu Emil Langbein aus neutraler Quelle. Herbert Perzel schreibt in seinem Werk „800 Jahre Michelau in Oberfranken/ Vergangenheit und Gegenwart einer fränkischen Gemeinde“ (4):

„Unsere Ordnungshüter. … Sein Nachfolger wurde Hauptwachtmeister Emil Langbein, geboren am 1. Juni 1888 in Ebersdorf bei Ludwigstadt, der 1938 zum Kommissär befördert wurde. Er mußte die Station durch die schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre führen. … Zwischendurch wechselte die Station ihren Leiter, nachdem der mittlerweile zum Oberkommissar der Landpolizei beförderte, verdienstvolle Amtsvorsteher Emil Langbein nach 17 Jahren Dienstzeit in Michelau am 1. Juni 1953 in den Ruhestand trat.“

Und weiter (5): „Emil Langbein konnte seinen Ruhestand wahrlich genießen, verstarb er doch erst am 3. Mai 1983 im Alter von fast 95 Jahren.“

Emil Langbein versah zuletzt seinen Polizeidienst in Michelau in Oberfranken am Main. Michelau liegt im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels im nördlichen Bayern. Das mysteriöse Objekt wurde in Thelitz entdeckt. Thelitz gehört wie das Dorf Michelau (Einwohnerzahl 6474) zum Landkreis Lichtenfels. Thelitz wurde 1978 dem beschaulichen kleinen Städtchen Hochstadt (Einwohnerzahl 1645) einverleibt. 1987 wurden in Thelitz 47 Einwohner in 11 „Wohngebäuden mit 11 Wohnungen“ gezählt. Die Einwohnerzahl dürfte seither weiter gesunken sein.

Foto 2: Emil Langbein in Uniform
Nachfolgend nun das Protokoll meines Gesprächs mit Emil Langbein, das ich im Frühjahr 1977 führte.

Frage (WJL): „Wie wurdest Du auf den mysteriösen Fund von Thelitz aufmerksam?“
Emil Langbein (EM): „Im Jahr 1932 wurden bei Thelitz Erdlöcher ausgehoben, um massive Betonsockel für Strommaste zu gießen. In einer Tiefe von etwa zwei Meter stießen Arbeiter in einer dieser Gruben auf einen steinernen Riesen. Sie wussten nicht so recht, was sie mit dem Koloss anfangen sollten, also meldeten sie den Fund der zuständigen Polizei, in Michelau.“

WJL: „Daraufhin wurdest Du aktiv?“
EL: „Richtig. Zusammen mit einem Oberwachtmeister machte ich mich zu Fuß auf den Weg. Die Entfernung betrug knapp sechs Kilometer. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Nachricht vom „versteinerten Riesen“ bereits herumgesprochen. Viele Menschen strömten aus den umliegenden Dörfern nach Thelitz.“

WJL: „Was hast Du vor Ort in Thelitz unternommen?“
EL: „Ich fand, wie gesagt, eine offene Grube von etwa zwei Meter Tiefe vor. Zahllose Neugierige umsäumten das Loch. Es bestand die Gefahr, dass jemand in die Grube stürzte. Ich ließ eine behelfsmäßige Absperrung um das Loch errichten, um die Neugierigen ein Stück auf Abstand zur Grube zu halten.“

WJL: „Gab es tatsächlich einen versteinerten Menschen in der Grube?“
EL: Ich sah eine Figur in Menschengestalt am Boden der Grube. Sie war etwa 2,40 Meter groß. Einzelne Körperpartien waren sehr naturgetreu ausgeprägt, sogar die Fingernägel fehlten nicht. Merkwürdigerweise wies die Gestalt jedoch keine Geschlechtsmerkmale auf, auch fehlte jeder Haarwuchs. Der Gedanke an eine Statue zerschlug sich schnell, denn man fand weder einen Sockel noch eine Haltevorrichtung.“

WJL: „Was geschah dann?“
EL: „Ein Amateurarchäologe aus der Umgebung von Thelitz erklärte den Fund kurzerhand für archäologisch wertlos. Die Folge: Man beließ den steinernen Riesen im Erdloch und errichtete über ihm einen Betonklotz als Basis für den Elektrizitätsmast.“

Foto 3: Von links nacht rechts... Herty Langbein (meine Mutter), Emil Langbein, Tante Friedel Bär, ich (im grauen Pullover), rechts außen Onkel Rudi Bär, vorn mein Bruder Volker, ganz hinten (weitestgehend verdeckt), mein Großvater (mütterlicherseits) Heinrich Gagel.

WJL: „Warum hat man den Riesen nicht aus der Grube gehoben?“
EL: „Wie gesagt: Der Hobbyarchäologe hielt das für sinnlos. Außerdem drängte die Arbeit. Termine mussten eingehalten werden.“

WJL: „Der steinerne Riese von Thelitz blieb also im Loch?“
EL: „Genau! Ob die Figur zerschlagen wurde, oder ob man sie ganz ließ, weiß ich allerdings nicht. Zu diesem Zeitpunkt war ich wieder auf Dienstgang unterwegs.“

Foto 4: Die mysteriöse Figur...
Das Gespräch führte ich mit meinem Großvater Emil im Frühjahr 1977. Im gleichen Jahr interessierte sich ein Mitarbeiter der Redaktion des „Perry Rhodan-Report“ für den Fall und recherchierte vor Ort. Im „Perry Rhodan-Report“ Nr. 21 (6) erschien ein kurzer Bericht über den mysteriösen Fund. Im Verlauf der folgenden Jahre unterhielt ich mich noch so manches Mal über den mysteriösen Fund von Thelitz. Bis zu seinem Tod erinnerte sich mein Großvater noch sehr genau. Er bedauerte es sehr, dass „Der steinerne Riese von Thelitz“ nicht aus der Grube geholt wurde. „Man hätte ein Gestell über der Grube errichten, einen Flaschenzug anbringen müssen. Das hätte die Arbeiten aber verzögert, was die Bauleitung ablehnte.“

Der kurze Bericht im „Perry Rhodan-Report“ endet mit den Worten (7): „Man muß sich fragen, mit wie vielen Relikten aus der Vergangenheit, die wertvolle Hinweise geben könnten, ähnlich verfahren wurde.“ Das muss man sich wirklich fragen!

Wie viele Statuen, wie viele rätselhafte Figuren mögen noch vergraben darauf warten, entdeckt zu werden? Auf der Osterinsel ruhen mit Sicherheit noch viele der berühmten Kolosse im Erdreich. Und so manche Figur aus uralten Zeiten verrottet vor unseren Augen, etwa jene mysteriöse Gestalt am Münster zu Hameln. Bereits anno 1838 (oder 1848) wurde außerhalb von Holzgerlingen, Landkreis Böblingen, angeblich in der Flur »Schützenbühl« eine Steinstatue gefunden. Sie wurde aus einem Sandsteinblock heraus gemeißelt. Das Material ist grobkörnig und von gelblich-grauer Farbe.Nach einer mir vorliegenden Beschreibung ist die Figur 2,30 Meter groß, 30 Zentimeter breit und 20 Zentimeter dick. Die Oberarme liegen seitlich am Körper an, der rechte Arm ist angewinkelt. Die Hand greift waagrecht über den Körper zur Seite hin. Arme und Hände sind gut ausgearbeitet, der Rest des Körpers wirkt eher wie eine Säule mit Gürtel.

Die »Kleidung« scheint der Riese nicht zu tragen. Es ist möglich, dass ursprünglich Kleidungsstücke aufgemalt waren. Die Farben sind aber im Verlauf der vergangenen 2.500 Jahre verschwunden. Mysteriös mutet an: Die Figur ist doppelgesichtig, blickt also nach vorn und zurück. Laut »Landeskundlichen Informationssystem Baden-Württemberg (8)« trägt die »doppelgesichtige, überlebensgroße Stele aus Holzgerlingen eine sogenannte Blattkrone, die an die berühmte Statue des ›Fürsten‹ vom Glauberg in Hessen erinnert.«

Die »Blattkrone« musste ergänzt werden. Eines der an Hasenohren erinnernden Zacken musste von Experten ergänzt werden. Offenbar war es schon bei Auffinden der Figur im 19. Jahrhundert abgebrochen. Im Gegensatz zum »Fürsten« von Glauberg handelt es sich bei der Statue von Holzgerlingen nicht um einen heroisierenden Ahnen, (9) »sondern eher eine nicht genauer identifizierbare keltische Gottheit«. Stand sie einst im Freien? Oder wurde sie in einem überdachten Tempel verehrt? Wurde sie vielleicht zu Zeremonien herumgetragen? Wir wissen es nicht.

Ich konnte keine näheren Angaben über den exakten Ort in Erfahrung bringen, wo und unter welchen Umständen man die Statue gefunden hat. Musste sie ausgegraben werden? Gab es im direkten Umfeld der Figur weitere Gegenstände, die uns weitere Informationen über die Figur von Holzgerlingen geben könnten? Auch dazu habe ich keine Hinweise finden können.

Meiner Meinung nach könnte es sich bei dem steinernen Riesen von Thelitz auch um eine keltische Kultfigur gehandelt haben. Die Haltung der Arme stimmt wohl bei beiden Figuren überein. Beide Figuren scheinen unbekleidet zu sein, Geschlechtsmerkmale sind aber keine zu erkennen. Schließlich darf ich daran erinnern: Der Fundort des steinernen Riesen von Thelitz liegt im Einzugsbereich der alten Keltenfestung auf dem Staffelberg. Ist der steinerne Riese von Thelitz also ein Kelte, vielleicht gar ein keltischer Gott?

Foto 5: ... am Hamelner Münster ...
Fußnoten
1) Cremo, Michael A.: „Forbidden Archeology”, San Diego 1993
Cremo, Michael A.: „Verbotene Archäologie/ Sensationelle Funde verändern die Welt“, Essen 1994
2) Cremo, Michael A.: „Verbotene Archäologie. Die verborgene Geschichte der menschlichen Rasse“, 5. Auflage, Rottenburg, Januar 2017
Hinweis: Es gibt ältere Ausgaben dieses Buches in deutscher Übersetzung. Aber nur diese deutsche, bei Kopp erschienene Version gibt den kompletten Inhalt des Originals wieder.
3) Habeck, Reinhard: „Mysteriöse Museumsschätze/Rätselhafte Funde versunkener Welten“, Wien 2017
Hinweis: Reinhard Habeck hat eine Buchreihe verfasst über Dinge, die es nicht geben dürfte. „Dinge, die es nicht geben dürfte“, „Bilder, die es nicht geben dürfte“, „Kräfte, die es nicht geben dürfte“, „Wesen die es nicht geben dürfte“. Diese profunden Werke sind alle sehr zu empfehlen.
4) Gemeinde Michelau i.Obfr. (Herausgeber): „800 Jahre Michelau in Oberfranken/ Vergangenheit und Gegenwart einer fränkischen Gemeinde“, „Schriften des Deutschen Korbmuseums Michelau Nr. 3“, Michelau 1994, Seite 132, rechte Spalte unten und Seite 133, linke Spalte oben
5) ebenda, Seite 133, linke Spalte unten
6) „Perry Rhodan-Report“ Nr. 21, Seite XIV, erschienen in „Perry Rhodan“ Nr. 832, „Station der MVs“, München/ Rastatt August 1977
7) ebenda, die Rechtschreibung wurde nicht gemäß der Rechtschreibreform korrigiert, sondern belassen.
(8) https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/lmw_museumsobjekte/98/Stele+aus+HolzgerlingenKapitel (Stand 20.06.2018)
(9) Ebenda

Foto 6: Sie ist und bleibt ein Rätsel

Zu den Fotos:
Foto 1: Mein Großvater Emil Langbein bei einem Familienausflug. Foto Walter Langbein sen.
Foto 2: Emil Langbein in Polizeiuniform. Foto: Archiv Langbein
Foto 3: Familienausflug mit Emil Langbein. Foto Walter Langbein sen.
Foto 4: Die mysteriöse Figur am Hamelner Münster … Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: … rottet vor sich hin. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6: Sie ist und bleibt ein Rätsel. Foto Walter-Jörg Langbein

438 „Werden wir sein wie die ‚Götter‘?“,
Teil 438 der Serie
„Monstermauern, Mumien und Mysterien“
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 10.06.2018




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Sonntag, 14. September 2014

243 »Das Geheimnis der Schatzhöhle«



Teil 243 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 14.09.2014

Der Götterberg grüßt aus der Ferne. Foto Walter-Jörg Langbein

Unternehmen wir gemeinsam in Gedanken eine Zeitreise, und zwar in das Jahr 100 vor unserer Zeitrechnung. Zusammen mit einem bärtigen Kelten erklimmen wir den mehreren Meter hohen Wall der »Keltenschanze«, die man später »Herlingsburg« nennen würde. Es ist ein klarer Frühlingstag, die Sicht ist ausgesprochen gut. Am Horizont sieht man den »Götterberg«, der gut zwei Jahrtausende später den verballhornten Namen »Köterberg« tragen wird. Voller Ehrfurcht, ja durchaus nicht ohne Angst, deutet unser Kelte in Richtung Köterberg.

Auch wir blicken zum fernen Berg. »In ferner Zukunft wird man auf diesem Berg ein großes Haus errichten!«, erklären wir dem kriegerischen Kelten. Der nickt zustimmend. »Den Göttern ist nichts unmöglich!«  Wir sprechen weiter: »In diesem Haus werden viele, viele Menschen wohnen! Jeder wird ein eigenes Zimmer haben, mit einem Bett, würdig eines Königs. Alle Zimmer sind durch  dünne Wände verschlossen, durch die man hindurch blicken kann, die aber den kalten Wind fern halten!«

Der Kelte wird jetzt etwas nachdenklich. »Auch das mag den Göttern möglich sein!« Wir sprechen weiter, berichten von einer Zaubermaschine, die in bitterster Kälte Wärme schafft, von einem magischen Apparat, der in glühender Sommerhitze für angenehme Kühle sorgt, von einer auf Wunsch sofort sprudelnden Quelle, die sauberstes Wasser liefert, von einem seltsamen Thron, auf dem man nicht ruht, sondern seine Toilette erledigt und der die Hinterlassenschaften mit sprudelndem, glasklaren Wasser verschwinden lässt.

Der »Zauberturm« auf dem Götterberg. Foto W-J.Langbein

Auch das alles mag »unser« Kelte den Göttern noch zutrauen. Wie aber mag er reagieren, wenn wir von einem Kasten sprechen, der uns lebende Bilder zeigt, aus aller Welt, von Menschen in fernsten Erdteilen, deren Stimmen wir aber deutlich vernehmen. Und was wird er sagen, wenn wir von einem riesigen Turm auf dem »Götterberg« fabulieren, der Bilder aus aller Welt einfängt und im Zauberkasten nebst Tonzauber erscheinen lässt? Ob er das seinen Göttern zutraut?

Kehren wir in die Gegenwart zurück. Wir stehen anno 2014 auf dem Rest eines Walls der »Keltenschanze«. Am Horizont sehen wir ganz deutlich das Hotel auf dem Berg, in dessen Zimmern jene märchenhaften Dinge zur Verfügung stehen, die dem Kelten vor 2100 Jahren wie göttliches Zauberwerk erschienen wären. Daneben ragt der Fernsehturm empor, nicht gerade ein Schmuckstück in der Natur.

Blick von der Herlingsburg auf den Götterberg. Fotos W-J.Langbein

Für uns heute sind Fernsehapparat, Klimaanlage, Heizung, Fensterscheibe, Waschbecken und WC alles andere als Wunderwerke, sondern Alltag. Vor 2100 Jahren mag ein Kelte derlei »Zauberei« selbst den Göttern vom Berg nicht zugetraut haben. Andererseits waren für »unseren« Kelten Sagengestalten und Märchenwelten feste Bestandteile der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit der einen mag anderen als fantastische Fantasie erscheinen … und umgekehrt. Beim Studium unserer Vergangenheit habe ich gelernt, Fantastisch-Märchenhaftes nicht voreilig als Hirngespinste abzutun. Wir verhalten uns womöglich dem überlieferten Wissen unserer Vorfahren nicht anders gegenüber als ein Kelte vor 2100 Jahren heutiger Alltagstechnologie begegnen würde.

Bei meiner Wanderung um die Herlingsburg genoss ich den Blick ins Tal mit dem – künstlich angelegten – Schiedersee, wo ein Schaufelraddampfer gemächlich seine Runden zog. In der Ferne ging ein Specht hämmernd seinem anstrengenden Tagwerk nach. Die Atmosphäre ist zauberhaft. Die märchenhafte Stille ist erholsam in unserer hektischen Zeit.

Blick ins Tal von der Herlingsburg
aus. Foto W-J.Langbein

Nicolaus Schaten, ein Theologe und Historiker, vermeldet im 17. Jahrhundert, Karl der Große höchstselbst habe die Herlingsburg besichtigt. Man habe ihm versichert, Hermann der Cherusker habe einst die Burg genutzt. Einer alten Sage zufolge, die vor Ort bei der Herlingsburg auf eine Schautafel nachgelesen werden kann, zogen sich Hermann alias Arminius und seine Kampfgefährten nach dem glorreichen Sieg über die Römer auf die Herlingsburg zurück. Wirklich Ruhe fand Hermann dort allerdings nicht! Schuld daran sollen die Zwerge gewesen sein, die damals im Berg hausten. Sie hüteten – wie ihre Artgenossen im Nibelungenlied – einen herrlichen Schatz.

Schautafel Herlingsburg. Foto Walter-Jörg Langbein

Ich zitiere die Schautafel von der Herlingsburg: »Eines Nachts bei Vollmond öffnete sich der Berg einen schmalen Spalt, gerade so weit, dass ein Mensch hindurch schlüpfen konnte. Im Mondlicht schimmerten Perlen, goldene Äpfel und viele andere Schätze. Hermann starrte gebannt auf die funkelnde Öffnung. Wie von fremder Hand gesteuert schlüpfte er durch den Spalt in den Berg hinein. So einen Schatz hatte er noch nie zu Gesicht bekommen: In den unterirdischen Gärten blühten Lilien aus Silber und Rosen aus Gold. Glitzernde Diamanten und rotglühende Rubine lagen fein säuberlich aufgeschichtet an den Wänden der Höhlen.

Berauscht wandelte Hermann durch die Gänge und vergaß, dass der Eingang sich wieder schließen könnte. Und so geschah es. Im Morgengrauen ließ ein Zauber der Zwerge die Öffnung verschwinden. Für eine unendlich lange Zeit.
Aber wer zur rechten Stunde genau an dieser Stelle steht, dem wird sich der Berg auftun. Er darf hinuntersteigen und sich von den Schätzen so viel nehmen, wie er mag. Und wer weiß: Vielleicht begegnet er dabei dem alten Hermann, der auf seine Rückkehr wartet.«

Hermann in der Herlingsburg?
Foto W-J.Langbein

 Wie sich doch die Bilder gleichen. Hermann, der Cherusker, kletterte in den Berg der Herlingsburg und wurde darin eingeschlossen, von gewaltigen Schätzen förmlich hypnotisiert.  Der Köterberg soll, so haben es die Gebrüder Grimm überliefert, in seinem Inneren gewaltige Schätze lagern. Eine »Jungfrau in königlicher Tracht« soll einst einen braven Schäfer ins Innere des Köterbergs geführt haben. Am Ende eines Ganges zeigte sie ihm eine schwere Eisentür. Mit Hilfe einer magischen Springwurz konnte der Schäfer die massive Tür öffnen. Tief im Bergschoß saßen zwei weitere Jungfrauen an Spinnrädern. Damit war eine »Jungfrauentriade« komplett, die uns an die uralten Göttinnen-Triaden erinnern. Der Schäfer durfte so viel Gold und Geschmeide aus dem Berg schleppen. Er möge aber das Kostbarste nicht vergessen. Das genau aber tat der Schäfer. Er stopfte sich die Taschen voll mit Gold und Silber, ließ aber die Springwurz bei den drei Jungfrauen auf dem Tisch liegen. Somit konnte er, nachdem er mit Kostbarkeiten den Berg verlassen hatte, nicht wieder zurückkehren!

Die Herlingsburg – offensichtlich eine uralte Wehranlage der Kelten – und der Staffelberg im schönen Oberfranken haben erstaunliche Gemeinsamkeiten zu bieten. Ob der Köterberg vor gut zwei Jahrtausenden auch Kelten angezogen hat? Im Berg der Herlingsburg, im Köterberg und im Staffelberg soll es unsagbar große Schätze geben. Ähnliche Überlieferung besagen, dass sich Felsspalten am Staffelberg wie am Berg der Herlingsburg auftaten und die gewaltigen Schätze zugänglich waren.


Der Staffelberg auf alter Ansichtskarte. Archiv Langbein

Fakt ist, Ausgrabungen haben das bewiesen: der Staffelberg in Oberfranken ist von Höhlen durchzogen, eine davon ist vom Plateau des Bergs bequem erreichbar. Am Rande des Plateaus muss man einige Meter gen Tal klettern und schon steht man vor dem Eingang der wenig anziehend wirkenden Höhle. Sie ist nur sehr kurz und wird anscheinend gern für »Picknicks« missbraucht und mit entsprechendem Abfall verunreinigt. Ich selbst war wiederholt in dieser Höhle. Meist herrschten recht unangenehmer Geruch (um das Wort Gestank zu vermeiden) und eine schwer zu beschreibende, auf mich bedrückend wirkende Atmosphäre.

In dieser Höhle kamen in meiner Jugend zwei Kinder ums Leben, sie wurden vom Blitz erschlagen. Die Kinder waren vor einem Unwetter in die Höhle geflohen, um Schutz vor dem Gewitter zu finden. Ein Loch in der Decke der Höhle kann von oben eingesehen werden. Um zu verhindern, dass jemand in dieses Loch fällt, wurde es mit einem Eisengitter umgeben. Der Blitz schlug in dieses Eisengitter und tötete die beiden Kinder, die unmittelbar darunter standen.

Blick auf den Staffelberg. Foto Walter-Jörg Langbein

Riesenglück hatte im Juli eine 40-jährige Autofahrerin aus Lichtenfels. Auf der Suche nach ihrem 16-jäjhrigen Sohn fuhr sie im PKW auf das Hochplateau des Staffelbergs. Sie verlor ihrer Aussage nach im Starkregen die Orientierung, übersah die Kante des Abgrunds und stürzte zwölf Meter in die Tiefe. Nach freiem Fall blieb sie, im Auto angeschnallt, an einer Baumkrone zunächst hängen. Nach der »Mainpost« bog sich der Baum »wie eine Wippe bis zum Boden des Steinhangs«. Relativ sanft gelangte der PKW ins Unterholz, rollte noch etwa fünfzig bis sechzig Meter weiter und blieb stehen. Die Fahrerin löste den Sicherheitsgurt, zog die Handbremse an und ging, fast unverletzt, zu Fuß nach Hause. (1)

Im Inneren des Staffelbergs soll es eine Höhle geben, die Schätze unglaublicher Kostbarkeit birgt. Alle hundert Jahre öffnet sich die Höhle der Sage nach, und zwar für eine Stunde. Wer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, kann dann – so an einem Sonntag geboren – in die Höhle vordringen und Kostbarkeiten herausschleppen. Er muss sich aber beeilen, denn nach einer Stunde schließt sich der Zugang wieder und Eingeschlossene müssen wieder einhundert Jahre warten, bis sie wieder das Licht des Tages sehen können.

Mir scheint, es gibt die Urfassung einer Sage, die immer wieder in leicht voneinander abweichenden Varianten überliefert wird: 

In einem »Heiligen Berg« befindet sich eine Höhle. Ein kostbarer Schatz ist darin versteckt. Der Zugang ist meist verborgen, kann aber mit Hilfe der »Springwurz« geöffnet werden. In Verbindung mit der Schatzhöhle treten drei »Heilige Frauen« oder »drei Jungfrauen« auf. Schatzsucher gelingt es in der Regel nicht, den Schatz zu bergen, weil sie die wahre Bedeutung der Springwurz verkennen.

Die Springwurz gilt seit Ewigkeiten als magische Pflanze. Sie wurde schon von Eingeweihten im »Alten Indien« beschrieben, aber auch von Plinius im römischen Schrifttum und in hebräischen Werken über magische Wirkung von Pflanzen. König Salomo soll die Magie der Springwurz genutzt haben. Kein Mensch, so heißt es in uralten Texten, weiß, wo die Springwurz wächst. Mit einer List, so behaupten Esoteriker aus uralten Zeiten, kann man in den Besitz der Springwurz gelangen. Man vernagelt eine Spechthöhle, versperrt so dem Specht den Zugang in seine Behausung. Der Specht schafft dann die Springwurz herbei um  mit Hilfe des Zauberkrauts seine Höhle wieder zu öffnen. Jagt man dann dem Specht im rechten Moment einen ordentlichen Schreck ein, lässt er die Springwurz fallen. So gelangt man angeblich in den Besitz des magischen Zauberkrauts.

Wann öffnet sich der Staffelberg wieder?
Foto wikicommons/ Presse03

Auf meinen Reisen habe ich immer wieder von der Springwurz gehört. Uneinigkeit herrschte dabei, ob es sich dabei um eine reale, existierende Pflanze handelt und wenn ja, um welche. Ist es »Salomons Siegel« aus der Familie der Spargelgewächse? Oder handelt es sich um eine Pfingstrosenart … oder um Johanniskraut? Lassen wir uns nicht durch voneinander abweichende Varianten der Schatzhöhlengeschichte in die Irre führen. Die drei Jungfrauen, drei Mädchen, drei heiligen Frauen weisen auf matriarchalisches Glaubensgut hin. Die Höhlen waren die ältesten Orte der Verehrung der Göttin, die seit Urzeiten als göttliche Triade aufgetreten ist. In der Höhle der Göttin befindet sich nun ein unendlich wertvoller Schatz.

Ich glaube, beim Schatz in der Höhle der Göttin handelt es sich nicht um profanes Geschmeide, sondern um das geheime Wissen der Göttin vom ewigen Leben, von Tod und Wiedergeburt, von Tod und Auferstehung. Es ist das älteste Geheimnis der Menschheit.

Der Köterberg grüßt... Foto Walter-Jörg Langbein


Fußnoten

1) Siehe hierzu »Die Querkele vom Staffelberg«, »Süddeutsche Zeitung« vom 12.07.2014
2) Brettenthaler, Josef und Laireiter, Matthias: »Das Salzburger Sagenbuch«, Salzburg 1969

»Die Krypta, die selbst Bomben trotzte«,
Teil 244 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                        
erscheint am 21.09.2014
 


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Donnerstag, 4. März 2010

8 »›Science-Fiction‹ - Realität vor Jahrtausenden?«

Walter-Jörg Langbein

Teil 8 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«

Gotteshäuser sind im christlichen Abendland Häuser der Versammlung und der Andacht. Gebete werden gesprochen, Lieder werden gesungen und Priester predigen. Im »Alten Indien« waren Tempel mehr: Orte der Versammlung, aber auch Abbilder der himmlischen Flugvehikel, der Vimanas der Götter. Was heilige Texte überlieferten, das wurde auch in sakraler Tempelarchitektur verewigt.

Einst gab es »heilige Tänze«, die von wissenden Frauen aufgeführt wurden. In Pantomimen und symbolhaft-bedeutsamen Gesten wurden uralte Geschichten erzählt: von »Göttern«, ihrem Wirken auf Erden und von ihren »Vimanas«.

Sollten »Vimanas« nicht nur in religiösen Texten beschrieben, sondern zusätzlich noch in Tempelform plastisch dargestellt werden, damit sich Menschen auch noch nach Jahrtausenden an die phantastisch anmutenden, nichtsdestotrotz aber realen Vorgänge erinnern können würden? Sollte uns auf diese Weise etwas verdeutlicht werden? Erschwert wird das Auffinden uralten Wissens durch die schier unüberblickbare Flut von heiligen Texten, die sich im Verlaufe von Jahrtausenden angesammelt haben. Selbst Experten können nur einen Bruchteil davon wirklich ernsthaft studieren und überprüfen.

Und doch können wir die alten Quellen studieren. Und wir sollten sie endlich wirklich ernst nehmen! Die schier unüberblickbare Fülle uralten Textmaterials macht die Suche nach Beschreibungen der »Vimanas« allerdings zu einer Arbeit für Generationen von Forschern. Manch fantastischer Fund wurde schon getätigt. Die schier ellenlangen Namen und Bezeichnungen strapazieren die europäischen wie amerikanischen Zungen. Das darf uns nicht abschrecken! Trotzdem sollten wir die alten Quellen weit intensiver studieren als dies bisher geschah!

Und »heilige Texte« gibt es in Hülle und Fülle. Sie wurden zum Beispiel auf schmalen »Palmblatt-Büchern« aufgeschrieben. Da diese nicht ewig haltbar waren, mussten sie immer wieder abgeschrieben werden. Die Kopisten waren angehalten, wortgetreu die Vorlagen auf frische Palmblätter zu übertragen. Nichts durfte ergänzt, nichts durfte weggelassen werden.

Aber Vorsicht: Stellen wir uns vor, altindische Texte enthalten Hinweise auf prähistorische Weltraumtechnologie. Nehmen wir an, ein Sprachkundiger überträgt altindische Texte in eine europäische Sprache. Was wird dann aus dem Text, wenn das im 19. Jahrhundert geschieht? Der Übersetzer hat keine Ahnung von utopischer Weltraumtechnologie, also wird man Hinweise etwa auf Raumfahrttechnik in seinen Texten nicht mehr finden können. Was einst reale Wirklichkeit beschrieb.. wird aus Unkenntnis zu mythologischem Kauderwelsch.

Und wenn so ein Text in unseren Tagen übersetzt wird? Dann sind dem Sprachkundigen doch Begriffe aus der Weltraumtechnologie bekannt. Dann sind für so einen Spezialisten Weltraumfahrt, Satelliten und Laserwaffen kein esoterischer Humbug. Wird er also eine korrektere Übertragung der Schriften aus dem Sanskrit der uralten Zeiten liefern? Möglich ist das, aber nicht zwingend!

Es kommt nicht nur darauf an, was man wissen könnte, sondern was man wissen möchte! Religiöse Fanatiker blenden alles aus, was sich nicht mit ihrem Glauben vereinbaren lässt. Sie meinen zu wissen, was sie glauben. Woran sie nicht glauben, kann es für sie nicht geben. Sie glauben nicht, was sie sehen. Vielmehr sehen sie nur, was sie glauben. Ihr Realitätssinn ist getrübt. Leider sind von diesem Syndrom nicht nur religiöse Sturköpfe befallen, sondern auch Wissenschaftler. So mancher Wissenschaftler meint, die Wirklichkeit zu erforschen. Doch klammert er manches aus, was es seiner Überzeugung nach nicht geben darf.

Selbst kundige Übersetzer der heiligen Sanskrittexte begehen gravierende Fehler: wenn sie nicht glauben wollen, dass schon vor Jahrtausenden riesige Weltraumstädte um die Erde kreisten. Dr. Dileep Kumar Kanjilal, geboren am 1.8.1933 in Kalkutta, ist ein indischer Professor und Spezialist für Pali, Sanskrit und andere alte Sprachen Indiens.Prof. Kanjilal, den ich persönlich kennenlernen durfte und interviewte, monierte, dass dann aus Kämpfen zwischen Weltraumstädten im All leicht Gefechte zwischen Städten auf der Erde werden. Übersetzer, die nichts von der Weltraumtechnologie der alten Götter wissen wollen, machen dann aus »Kämpfen in der Luft mit fliegenden Wagen« irdische »Kämpfe auf den Bergeshöhen mit Wagen«. Und schon sind faszinierende Hinweise auf eine phantastische Vergangenheit verschwunden!

Das »Vymaanika Shaastra« beschreibt präzise geheimnisvolle Gerätschaften, die heute leicht identifiziert werden können. Bei dem sogenannten »Visvakriyadarpana« handelte es sich offensichtlich um ein Teleskop. »Shaktyakarsanayantra« war ein »Spiegel«, der dazu benutzt wurde, weit entfernte Objekte sichtbar zu machen. Der Text gibt genau an, wie der »Wunderspiegel« herzustellen ist, listet präzise die Substanzen auf, die verwendet werden müssen. Der Stoff, aus dem das »Mirakel« bestehe, setze sich zusammen aus »fünf Teilen Quecksilber, sechs Teilen Glimmer, acht Teilen Perlenpuder, zehn Teilen Granitsalz, acht Teilen Salz«. Nach Reinigung der einzelnen Stoffe, so vermerkte der Text, müssen sie auf 800 Grad erhitzt, schließlich verflüssigt und in die vorbereiteten Formen gegossen werden.

In den gewaltigen, Jahrtausende alten Epen der altindischen Literatur, die ganze Bibliotheken füllen, finden sich zahlreiche Hinweise auf eine überlegene Technologie. Immer wieder geht es um Apparaturen, mit denen die Raumschiffe ausgestattet waren. Einige Beispiel seien genannt:

»Parivesayantra« war ein technisches Gerät, das man benötigte, um mit einem »Vimana« Kontakt aufzunehmen. Offensichtlich handelte es sich dabei um ein Kommunikationssystem. Ein »Vyairoopyadarpana« kontrollierte das »Vimana« und stellte »Verbiegungen« selbständig fest. Offenbar sollten so auch schon geringe Schäden an einem Raumschiff entdeckt werden, so dass frühzeitig Reparaturen vorgenommen werden konnten. »Sabdakendramukha« ließ »Lärm ausströmen«. Es könnte sich um eine Art Sonarsystem gehandelt haben: Schallwellen wurden abgegeben, um Hindernisse frühzeitig zu erkennen, etwa bei Tiefflügen. Oder war es ein Antriebsaggregat, das höllischen Lärm machte? »Saktyudgamayantra« befand sich im Zentrum des »Vimana« und erzeugte Energie. »Saktipinjara« kontrollierte die Kraftmaschine.

»Angopasamharanayantra« verkleinert eine Flugmaschine. Der Mechanismus zieht den Flugapparat zusammen. Was ist damit gemeint? Heute gibt es Flugzeuge, die ihre Flügel nach der Landung auf einem Flugzeugträger zusammenfalten können.

Wie soll derartiges Wissen, das so gar nicht zu einer Jahrtausende alte Kultur auf Planet Erde zu passen scheint, ins Alte Indien gelangt sein? Die Antwort klingt verblüffend. Einst tauchten nach altindischen Überlieferungen riesige »Weltraumstädte« am Himmel auf. Sie drehten sich ständig um die eigene Achse. So wurde in ihrem Inneren künstliche Schwerkraft erzeugt.

»Saubhika« war die Bezeichnung des Kommandeurs einer oberthschen Riesenraumstation. Sein Berufsbild wird von den altindischen Texten so umschrieben: »Jemand, der die Kunst es Fliegens einer Raumstadt kennt«. Prof. Kanjilal: »Die Beschreibung von einer Anzahl um sich selbst drehender Städte im Weltall, die bezeichnet sind als ›Vaihayasu‹, ›Gagancara‹ und ›Khecara‹, erscheinen im ›Vanaparvan‹ des ›Mahabharata‹. Im ›Sabhaparvan‹ finden sich ebenfalls Beschreibungen von Raumstädten, von Maya erbaut. Was erstaunlich an dieser Beschreibung ist, dass diese ›Sabhas‹ sich in unveränderten Bahnen rund um die Erde bewegten. Ihre Eingänge waren weit genug, um schmalen Flugzeugen den Durchgang zu ermöglichen.«

Im altindischen Epos »Krsnayajuveda« wurden um 3000 v. Chr. ältere Textteile zu einem neuen Ganzen verwoben. Niemand weiß, wann die ältesten Vorlagen entstanden. Das »Krsnayajuveda« geht auf den kriegerischen Aspekt der Riesenstädte im All ein. So heißt es, dass der Sternenkrieger Rudra seine Geheimwaffe einsetzte, um die bis dahin als unüberwindbar geltenden Weltraumhabitate zu vernichten. Er feuerte einen mächtigen »Pfeil« ab, dem eine ganz besondere Kraft innewohnte. Sie bestand aus der »Hitze des Feuers« und den »Strahlen des Mondes«. Sollte es sich um eine nukleare Waffe gehandelt haben?

Das Epos »Mahabharata« gehört zu den umfangreichsten Werken der religiösen Weltliteratur und dürfte eines ihrer ältesten sein. Im »Mahabharata« wird die Zerstörung der drei Weltraumstädte im All bestätigt. Gewaltige Energien waren dafür erforderlich: die Hälfte der gesamten Kraft der Götter. Im persönlichen Gespräch erklärte mir Prof. Kanjilal faszinierende Einzelheiten: »Eine der drei fliegenden Städte befand sich in einem stationären Orbit, eine weitere bewegte sich frei am Himmel und die dritte war am Boden stationiert. Die drei Städte konnten aber zu einer Einheit verbunden werden, also aneinander gedockt werden. Shivas Pfeil wurde offenbar von einem militärischen Satelliten aus abgefeuert.« Prof. Kanjilal weiter: »Bei Shivas Waffe handelte es sich nicht um ein Phantasiegebilde, sondern um eine aufflammende Rakete, die von einem fliegenden Satelliten aus abgefeuert wurde. Diese Waffe war offenbar im Weltraum stationiert worden.«

In mystisch-mythischen Versen werden immer wieder »Star Wars«-Szenarios beschrieben, so wie wir es aus SF-Filmen kennen. Doch der Krieg der Sterne fand schon statt: vor Jahrtausenden, am Himmel über den Köpfen unserer Vorfahren!

Setzten sie Nuklearwaffen oder eine andere uns vollkommen unbekannte, mindestens ähnlich wirksame Waffentechnologie ein? Wie auch immer: Nach der Zerstörung der drei Weltraumstädte wurden die besten Ingenieure damit beauftrag, ein Weltraumhabitat zu schaffen, das wirklich unbesiegbar und unzerstörbar war. Angeblich soll es gelungen sein, eine unsichtbare Weltraumstadt zu entwickeln. Anno 1998 gelang es US-Militärs, eine Flugmaschine zu bauen, die per Radar nicht mehr erfassbar.. also »unsichtbar« ist. Aber auch an einer »Tarnkappe«, die Menschen, Panzer, Flugzeuge oder Schiffe wirklich im wahrsten Sinne unsichtbar macht, wird fieberhaft gearbeitet.

Shiva soll es geschafft haben, eine Waffe zu entwickeln, die selbst die »unzerstörbare« Stadt vernichten konnte. Sein neuer Kampfflieger war »so hoch, so geräumig wie ein spitz zulaufender Hügel konstruiert«. Im »Matsyapurana«-Text wird ein fürchterlicher Kampf geschildert. Im »Matsyapurana«-Epos (Kapitel 129, V. 20-21, 30-34 und 140, V. 40-44) wird folgendes berichtet:

»Eine grausame Schlacht entwickelte sich zwischen Shiva und den Dämonen. Maya mit seiner dreistufigen, fliegenden Stadt wich gegen den Ozean hin aus. Shivas Fahrzeug folgte ihm. Taraka wurde von Shiva getötet und Nandi tötete den Dämon Vidyunmali. Aber Maya führte seinen unbarmherzigen Krieg fort. Shiva gab Maya den Rat, sich in den Wassern zu verstecken, welchen Maya befolgte.« Die drei »fliegenden Städte« führten ein Manöver durch, dockten aneinander an. Das half ihnen aber nicht.

»Augenblicklich warf Shiva einen machtvollen Pfeil, drei Arten von Kraft waren in ihm vereint. Der Pfeil oder die Rakete beleuchtete den Himmel mit ihrer goldenen Färbung... Nach dem Mahabharata fiel die brennende fliegende Stadt mit lautem Getöse in den Westlichen Ozean.«

Ein friedliches Bild soll meine Exkursion in die fantastische Welt altindischer Überlieferungen schließen. Der mächtigste Gott Indiens war – und ist – Shiva. Shiva hatte einen göttlichen Sohn: Ganesha. Ganesha wird schon seit »ewigen Zeiten« als Vermittler zwischen seinem Vater Shiva und den Menschen angesehen. Er wird als Mischwesen dargestellt: auf dem Körper eines Menschen sitzt der Kopf eines Elefanten. Wer Shivas göttlichen Beistand sucht, bittet Ganesha um Hilfe als Vermittler zwischen einem Irdischen und dem Höchsten. Als besonders glücksbringend gilt es, von einem Elefanten »gesegnet« zu werden. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, diese huldvolle Geste zu empfangen, die schon kleine Elefanten spenden. Sanft legte so ein jugendlicher Repräsentant Ganeshas seinen geschmeidigen Rüssel auf mein Haupt.

Literaturhinweis:
Kanjilal, Prof. Dr. Dileep Kumar: »Vimana in Ancient India.
Aeroplanes or Flying Machines in Ancient India«, Calcutta
Februar 1985 (Archiv Langbein, Artikel-Nr. 1317a)
Kanjilal, Prof. Dr. Dileep Kumar: »Vimana in Ancient India.
Aeroplanes or Flying Machines in Ancient India«, Übersetzung
aus dem Englischen von Julia Zimmermann, Bonn 1991 (Archiv
Langbein, Artikel-Nr. 1317b)


»Besuch in einer Palmblattbibliothek«
Walter-Jörg Langbein
Teil 9 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
erscheint am Sonntag, den 14.3.2010


©Fotos 1 und 2: Walter-Jörg Langbein
©Foto 3: Ingeborg Diekmann

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