Sonntag, 22. Januar 2012

105 »Am Nabel der Welt«

»Am Nabel der Welt«
Teil 105 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Geheimnisvolle
Osterinsel
Foto: W-J.Langbein
»Te Pito O Te Henua« wurde vom holländischen Admiral Jacob Roggeveen am 5. April 1772 »entdeckt«: ein kleines, von friedlichen Menschen bevölkertes Eiland in den unendlichen Weiten der Südsee ... am Ostersonntag. Und so taufte Roggeveen die einsame Insel »Paasch Eiland«, »Osterinsel«. Wer aber hat den kleinen Flecken im Pazifik wirklich entdeckt?

Uralte Sagen und Mythen geben Auskunft. Im Westen der Osterinsel gab es einst das »Atlantis« der Südsee, Maori Nui Nui genannt. Es drohte in den Fluten zu versinken. König Hotu Matua ließ nach einer neuen Heimat für sein Volk suchen ... lange vergeblich. Schließlich griff der fliegende Gott Make Make ein. Er verschleppte den Priester Hau Maka zu einer fernen Insel.
Make Make brachte den Priester schließlich zurück in seine sterbende Heimat. Hau Maka informierte seinen König über seinen »Traum«, denn seine Flugreise konnte doch nur ein Traum gewesen sein. Fedor Petrovic Krendelov schreibt in seinem Werk »Die Geheimnisse der Osterinsel« (1): »Die Beschreibung der Insel, die er im Traum gesehen hatte, war derart realistisch, dass sich der Gedanke aufdrängt, dass ihm die Osterinsel bekannt gewesen ist.« König Hotu Matua jedenfalls glaubte dem Priester ...

Kinder, die im Wasser stehen
Foto:  W-J.Langbein
Fedor Petrovic Krendelov (2): »In Vorbereitung der Übersiedlung entsandte Hotu Matua sieben Jünglinge mit dem Auftrag, die Insel zu finden, Yams (eine essbare Knolle) anzupflanzen und eine Bucht zu suchen, die für die Landung von Menschen aus großen Schiffen geeignet wäre. Die Kundschafter sahen den Vulkan Rano-Kao, der ihnen zur Orientierung diente, sowie daneben drei Inselchen, von denen Hau Maka als von ›Kindern, die im Wasser stehen‹ gesprochen hatte.«

Darf man derlei Überlieferungen glauben? Vor fast 40 Jahren interviewte ich zu diesem Thema den renommierten Osterinsel-Experten Dr. Fritz Felbermayer. Der Wissenschaftler antwortete mir: »Es ist meine felsenfeste Überzeugung, dass diese Überlieferung eine absolut wahre Begebenheit beschreibt. Von den alten Insulanern wird diese Tatsache so klar und ohne Zögern wiedererzählt, und immer in derselben Weise. Es werden Namen genannt, die einfach nicht erfunden wurden. So konnte ich diese Begebenheiten ohne jeden Zusatz aufschreiben. Im Vorwort meines Buches (3) habe ich auf eine Sache hingewiesen, die Sie lesen müssen: ›Wenn derjenige, der gerade erzählte, sich irrte oder auch nur einige wenige Worte änderte, die an sich ohne Bedeutung waren, so protestierten die anderen Zuhörer so lange, bis der Sprecher die Worte genauso wiedergab, wie sie die Vorfahren berichteten.‹«

Wann aber wurde die Osterinsel von Hotu Matua und seinem Volk besiedelt? Im Lauf der letzten vier Jahrzehnte las ich unterschiedliche Zeitangaben. Genannt wurden stark abweichende Daten: 500 n. Chr., 1000 n. Chr. und 1500 n. Chr. Ein eher unscheinbarer Vulkankegel im Osten des Eilands weist auf eine viel frühere »Entdeckung« hin. Der kleine Vulkan trägt den Namen »Puku-puhipuhi«, zu Deutsch: »der Keuchende« oder »der Schnaufende«. Die letzte vulkanische Tätigkeit auf der Osterinsel gab es um 500 vor Christus. Damals müssen schon Menschen auf der Osterinsel gelebt haben, die den kleinen Vulkan noch aktiv kennengelernt haben!

Te  Pito O Te Henua
Foto: W-J.Langbein
»Entdeckt« aber hat auch Priester Hau Maka nicht die Osterinsel. Sie war nämlich schon besiedelt. Die sieben Kundschafter trafen einen gewissen Jaga Tawake an ... Wer also als Erster die winzige Osterinsel erspähte ... Wir wissen es nicht. Admiral Jacob Roggeveen als »Entdecker« des Eilands zu feiern, beweist nur die Arroganz von uns Europäern. Nach wie vor tun wir so, als beginne die eigentliche Geschichte eines Eilands wie der Osterinsel erst mit dem Erscheinen eines Europäers. Für europäische Arroganz spricht auch die Umbenennung des mysteriösen Eilandes in »Osterinsel«. Der ursprüngliche Name aber lautet – poetisch und wohlklingend wie eine träumerische Melodie – Te Pito O Te Henua ... »Nabel der Welt«.

Wer die Osterinsel besucht, sollte unbedingt beim »Nabel der Welt« Halt machen. Direkt an steiniger Küste gelegen ... findet sich ein mysteriöses Denkmal. Ein Steinmäuerchen schützt einen eiförmigen Stein, um den wiederum vier kleinere, ebenfalls eiförmige Steine angeordnet sind. Wiederholt habe ich vor Ort recherchiert ... und unterschiedliche, voneinander abweichende Erklärungen erhalten: von Einheimischen, aber auch vom Magier Houngan-Man.

Nahaufnahme von
Te Pito O Te Henua
Foto W-J.Langbein
Variante A: Das Mäuerchen symbolisiert das Meer ... oder den Erdkreis. Das Ei in der Mitte zeigt präzise den exakten Punkt »Nabel der Welt« an. Um diesen Mittelpunkt ist das Meer ... ist die gesamte Welt, ja das gesamte Universum angeordnet. Die vier kleineren Steineier zeigen die vier Himmelsrichtungen an.

Variante B: Das Steinmäuerchen dient lediglich als Schutz für das eigentliche Heiligtum, das große Steinei in der Mitte. Die vier kleineren »Eier« haben – wie die Steinmauer – keine tiefere Bedeutung. Sie dienten lediglich andächtigen Besuchern als – eher unbequeme – Hocker.

Ich fand die Bezeichnung »Nabel der Welt« schon immer irritierend. Meiner Meinung nach passt er weniger zur Mentalität von Südseeinsulanern als von Europäern. Wir sehen unsere Welt gern als Zentrum aller Kultur und Zivilisation. So wundert es nicht, dass in Griechenland ein »Nabel der Welt« zu bestaunen ist! Im Allerheiligsten des Apollon-Tempels zu Delphi stand er eins ... der Omphalos. Alter Mythologie zufolge fiel der kurios geformte Stein einst aus dem Himmel zur Erde herab. Der angebliche Phallusstein dürfte aber kein Denkmal für männlich-göttlichen Stolz gewesen sein. Vielmehr diente er wohl in vorpatriarchalischen Zeiten der Erdmutter und Muttergöttin Gaia als Opferstein!

Der mysteriöse Omphalos-
Stein - Foto:
Ingeborg Diekmann
Intensives Literaturstudium hat mich zur Überzeugung gebracht, dass » Te Pito O Te Henua« ursprünglich mit dem ominösen »Nabel der Welt« nichts zu tun hat! Tatsächlich bedeutet »henua« zu Deutsch »Erde« oder »Welt«. Und man kann »pito« auch mit »Nabel« übersetzen! Weit verbreitet im Pazifik ist eine andere Bedeutung: »Ende«. »Te Pito O Te Henua« hieße dann ... »Ende der Welt«. Nach alten Überlieferungen ist die »Osterinsel« ein kleines Überbleibsel eines einst »sehr großen Landes«

Den Osterinselexperten Prof. Dr. Fjodor Petrowitsch (andere Schreibwiese Petrovic) Krendeljow und seinem Kollegen Dr. phil. Aleksandr Michailowitsch Kondratow standen Unterlagen Thor Heyerdahls über die Geschichte der »Osterinsel« zur Verfügung. Heyerdahl lagen demnach Texte vor, die belegen, dass das mysteriöse Eiland tatsächlich der karge Rest eines einst stolzen Kontinents war. Ein göttliches Strafgericht soll dieses Atlantis der Südsee weitestgehend zerstört haben. Ich darf zitieren (4): »Der Jüngling Tea Waka sagte: ›Unsere Erde war früher ein großes Land, ein sehr großes Land.‹ Kuukuu fragte ihn: ›Aber warum wurde das Land klein?’‹ Tea Waka antwortete: ›Uwoke senkte seinen Stab darauf. Er senkte seinen Stab auf die Gegend Ohio.‹«

Am Ende der Welt ...
Foto: W-J.Langbein
In einer weiteren Überlieferung, sie wurde ebenfalls in den Aufzeichnungen Thor Heyerdahls vor dem Vergessen bewahrt, ist zu lesen (5): »Kuukuu sagte zu ihm: ›Früher war diese Erde groß.‹ Der Freund Tea Waka sagte: ›Diese Gegend nennt sich Ko-te-To-monga-o-Tea-Waka.‹ Ariki Hotu Matua fragte: ›Warum versank das Land?‹ ›Uwoke machte das; er versenkte das Land‹ antwortete Tea Waka. ›Von nun an wurde das Land Te-Pito-o-te-Henua genannt.«

Mich überzeugt die mythologische Erklärung für den melodischen Namen: Die »Osterinsulaner« gingen davon aus, dass ihre Heimat einst zu einem riesigen Land im Pazifik gehörte, zum Atlantis der Südsee ... das in den Fluten versank!

»Te Pito O Te Henua« ... das »Ende der Welt« hat für mich eine geradezu prophetische Qualität. Sehen wir die »Osterinsel« als eine mahnende Warnung an uns Menschen des 21. Jahrhunderts! Eingebildet, wie wir sind, sehen wir uns gern als »Nabel der Welt« ... und verdrängen dabei begründete Angst vor einer großen Katastrophe, die alles Leben auf Planet Erde in einer gewaltigen Apokalypse auszulöschen vermag!

Bedenke ich den Umgang mit Nuklearenergie auf Planet Erde, kommen mir Zweifel an der Intelligenz des Menschen der Gegenwart. Manchmal hat es den Anschein, als wollte die Spezies Mensch die finale Apokalypse selbst herbeiführen ... und alles in einem atomaren Inferno versinken lassen!


Lektüre-Empfehlung

In meinem Buch »2012« gehe ich sehr ausführlich auf das ominöse »Atlantis der Südsee« ein. Wer sich gründlicher informieren möchte ... lese dort nach. Die Fülle von Fakten zum Thema würde den Rahmen eines Blogbeitrags sprengen! Buch jetzt bestellen >>

Fußnoten
1 Krendelov, Fedor Petrovic: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2.Auflage, Leipzig 1990, S. 20
2 ebenda
3 Felbermayer, Fritz: »Sagen und Überlieferungen der Osterinsel«, Nürnberg o. J.
4 Krendelov, Fedor Petrovic: »Die Geheimnisse der Osterinsel«, 2.Auflage, Leipzig 1990, Seite 109
5 ebenda

»Von roten Hüten und runden Köpfen«
Teil 106 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 29.01.2012


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Sonntag, 15. Januar 2012

104 »2012 und der Aufbruch ins All - Teil II«

Teil 104 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Abendfrieden auf der Osterinsel
Foto W-J.Langbein
Die sinkende Abendsonne taucht die Osterinsel in ein magisches Licht. Rotbraunes Lavagestein scheint von innen heraus zu leuchten. Eine kleine Herde von freilebenden Pferden trabt in der angenehmen Kühle. Sie genießen sichtlich die milderen Temperaturen ... nach der Gluthitze eines typischen Tages auf dem einsamsten Eiland der Welt.

Rot strahlt – so scheint es – Lavastein, über den die Pferde tänzelnd schreiten. Vor vielen Jahrhunderten haben Insulaner magische Zeichnungen hinein geritzt. »Houngan-Man« erklärt mir: »Die Osterinsel entstand in der dritten Weltperiode! Am Ende jener Epoche wurde das Leben auf der Erde fast vollständig ausgelöscht! Gigantische Supervulkane brachen damals aus, verwandelten unsere Erde in eine apokalyptische Hölle! Es regnete Tod vom Himmel. Wieder ging eine Weltära zu Ende, die nur sehr wenige überlebten ... die Adams und Evas der folgenden Zeit!«

Tatsächlich entstand die Osterinsel durch eine gewaltige Katastrophe: riesige Vulkane brachen auf dem Meeresgrund aus und schossen gewaltige Lavamengen aus der Höllenglut des Erdinneren. Riesige Lavamassen erstarrten ... und bildeten die Osterinsel. Noch heute erinnern drei erloschene Vulkane an den apokalyptischen Ursprung des Eilandes. Es sind die Spitzen von über dreitausend (!) Meter hohen Kegeln! Drei Vulkane sind noch auszumachen. Besonders imposant ist Rano Kau. 1600 Meter misst sein Durchmesser. Sein gewaltiges »Maul« ist etwa 300 Meter tief!

Vulkan Rano Kau - Foto W-J.Langbein
Die uralten Überlieferungen der Azteken nannten diese Ära »Regensonne«. Der »Houngan-Man« interpretierte mit einem Augenzwinkern: »Am Ende dieser Periode regnete es heiße Sonnentropfen. Die dritte Weltepoche ging in einer Apokalypse unter ...«

In Walter Krickebergs Standardwerk »Märchen der Azteken und Inkaperuaner« lesen wir (1): »In diesem Zeitalter geschah es, dass es Feuer regnete, so dass die Menschen dadurch verbrannten, und dass es Sand und Steine hagelte, wie man berichtet. Damals wurden die vulkanischen Aschen und Brocken ausgestreut, die blasige Lava schäumte auf, und die roten Felsen breiteten sich aus.«

Mit ernster Stimme mahnte »Houngan-Man« bei einem unserer Gespräche zu Füßen eines der Osterinselkolosse: »Vier Weltepochen endeten in Apokalypsen. Vier Mal ging die Erde unter. Vier Mal überstand das Leben die schlimmsten Katastrophen. Am Ende unserer Epoche wird es auf der Erde kein Überleben geben!«

Die Götter Tonatiuh (groß)
und Quetzalcoatl (klein)
Foto: Archiv W-J.Langbein
»Houngan-Man« weiter: »Wir leben in der vierten und letzten Ära. Am Ende unserer Ära werden wieder Naturgewalten toben ... und in einer letzten Weltenkatastrophe alles Leben auf der Erde auslöschen!« »Houngan-Man« schüttelte traurig den Kopf: »Götter wie Tonatiuh und Quetzalcoatl dominieren bei den Azteken die Welt. Man lächelt in der modernen, zivilisierten Welt gern über solche Vorstellungen. Das wird sich aber ändern, wenn die letzte Apokalypse über die Erde hereinbricht!«

Vier Weltepochen endeten nach uralten Maya-Überlieferungen bereits im tödlichen Chaos. Die Bewohner der ersten Welt – gewaltige Riesen – wurden von Jaguaren gefressen. Am Ende der zweiten Epoche kam ein fürchterlicher Sturmwind auf. Die meisten Menschen kamen um, einige wenige überlebten als Affen im Urwald. Gott Quetzalcoatl wurde vom Thron gestoßen.

Gott Tlaloc regierte die dritte Welt. »Nach Ablauf dieser Zeit ließ Quetzalcoatl Feuer vom Himmel regnen.« Tlalocs Frau Chalchiuhtlicue wurde zur Sonne (2). Auch die dritte Ära fand ein apokalyptisches Ende (3):

»Und als Chalchiuhtlicue das letzte Jahr Sonne war, regnete es Wasserfluten in solcher Menge, dass der Himmel einstürzte und die Gewässer alle Menschen, die damals auf Erden wandelten, mit sich forttrugen; aus ihnen entstanden alle Arten von Fischen, und auch der Himmel hörte auf zu bestehen, weil er auf der Erde lag.«

Unsere – die fünfte und letzte – Welt wird von Sonnengott Tonatiuh dominiert ... so lange, bis sie durch katastrophale Erdbeben zerstört wird. »Houngan-Man«: »Die Azteken waren davon überzeugt, in der fünften und letzten Ära zu leben. Die drohende Apokalypse konnte nicht verhindert, nur hinausgezögert werden ... durch Blutopfer!«

Götter und Göttinnen haben in unserer wissenschaftlich aufgeklärten Welt keinen Platz mehr. Wir wissen, wie es zum Beispiel zu einem Vulkanausbruch kommt. Uns ist der Kreislauf des Wassers vom Regen bekannt: von Bächen, Flüssen, Seen und Meeren ... zurück in himmlische Höhen ... und Wiederkehr als Regen. Göttinnen wie Chalchiuhtlicue werden nicht mehr als »Erklärung« bemüht.

Göttin Chalchiuhtlicue
Foto W-J.Langbein
In unser »modernes« Weltbild passt nicht die Vorstellung von mehreren Weltzeitaltern, an deren Ende fast alles Leben ausgelöscht wird ... um in der nächsten Epoche neu zu erblühen! Wir haben ein lineares, ein evolutionäres Weltbild: Primitivstes Leben entstand zufällig. Es entwickelte sich langsam immer weiter. Schließlich erreichte das Leben in Gestalt des Homo Sapiens Sapiens sein bislang höchstes Niveau ...

Wir Menschen sehen uns – stolz und eingebildet – als die Krone der Schöpfung. Dass es schon einmal ... ja schon öfter apokalyptische Katastrophen gab, die fast alles Leben vernichteten, will kaum jemand zur Kenntnis nehmen. Weil es unserem gängigen Bild von der Entstehung des Lebens widerspricht. Aber: Es gab immer wieder solche Katastrophen und Beinahe-Weltuntergänge.

Wir belächeln die Vorstellung der Azteken, dass in Teotihuacan, außerhalb von Mexico City, Welt- und Planetenschöpfungen stattgefunden haben sollen. Gern übersehen wir die fundamentale Kernaussage der Azteken-Philosophie von den fünf Weltzeitaltern ...

Die mysteriöse Sonnenpyramide
von Teotihuacan
Foto: W-J.Langbein
Fakt ist: Seit den Anfängen der Erdgeschichte gab es immer wieder gewaltige Naturkatastrophen, die immer wieder beinahe alles Leben auslöschten. Unzählige Beispiele könnte ich anführen, um die schier endlose Litanei der immer wiederkehrenden Apokalypse zu belegen ... Zwei Beispiele sollen genügen.

»Bild der Wissenschaft« vermeldete am 24.1.2011: »Was das Leben beinahe auslöschte«. Ich darf zitieren: »Kohlenasche scheint gewaltigste Katastrophe der Erdgeschichte mitverursacht zu haben. Brennende Kohlevorkommen und die dabei entstehenden riesigen Aschewolken waren vermutlich der Hauptgrund dafür, dass es vor etwa 250 Millionen Jahren zum größten Massensterben der Erdgeschichte kam. Dieses Fazit ziehen kanadische Forscher aus einer Studie, in der sie Gesteinsproben aus dem Erdzeitalter Perm unter dem Mikroskop untersuchten. Was sie dort entdeckten, waren kleinste Partikel Kohlenasche, die wahrscheinlich aus dem heutigen Sibirien stammen: Dort tobten zu dieser Zeit Vulkane und spuckten Milliarden Tonnen glühendes Gestein aus, wodurch sie wahrscheinliche die gigantischen Kohlevorkommen in der Umgebung entzündeten. Die Asche breite sich dann über die gesamte Erde aus und vergiftete nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die Ozeane, vermuten die Geologen.«

Hier sollen Planetenwelten
erschaffen worden sein ...
Foto W-J. Langbein
Vor 75.000 Jahren explodierte auf Sumatra eine gewaltige Magmablase. Toba spie unvorstellbare Massen von Materie in hohe Regionen der Atmosphäre. Nacht setzte ein, Jahrzehnte gab es keinen Sonnenschein mehr. Ein extremer Temperatursturz ließ abrupt einen viele Jahre währenden vulkanischen Winter über den Planeten Erde hereinbrechen. Giftiger Schwefel regnete auf Land und Meer herab. Massensterben waren die Folge. Mensch und Tier wurden an den Rand des Aussterbens gebracht. Wie viele Menschen weltweit die höllische Apokalypse überstanden haben mögen? Darüber streiten sich die Experten. Zahlen zwischen 1.000 und 10.000 Menschen als Gesamtbevölkerung unseres Globus werden genannt! Eine dicke Ascheschicht im Grönlandeis lässt erahnen, wie schlimm die Katastrophe vor 75.000 Jahren gewesen sein muss!

Was sich im Verlauf der Erdgeschichte immer wieder wiederholte ... das wird auch in Zukunft immer wieder geschehen. Unzählige Supervulkane sind längst überfällig, zum Beispiel jener unter dem riesigen Areal des Yellowstone-Parks in den USA. Wird er schon bald die nächste Apokalypse bewirken? Hank Heasler, Park Geologe, lässt keine Zweifel aufkommen: »Die Frage ist nicht, ob er ausbrechen wird, sondern wann.« Vor 2,1 Millionen Jahren spie der Supervulkan – das ist die offizielle wissenschaftliche Bezeichnung für den Monstervulkan – 2450 Kubikkilometer Magma empor. Vor 1,3 Millionen Jahren waren es »nur« 280 Kubikkilometer. Vor 640.000 Jahren kam es zur bislang letzten gewaltigen Entladung: 1.000 Kubikkilometer. Zum Vergleich: Der gewaltigste Vulkanausbruch der jüngsten Vergangenheit war der von 1815 in Indonesien. Der »Tambora« schleuderte 50 Kubikkilometer glühende Magma in die Luft. Bei der Apokalypse im Gebiet des »Yellowstone Nationalparks« vor 2,1 Millionen Jahren war es fast 50 Mal so viel!

Nach dem Weltbild der Azteken leben wir im letzten der fünf Erdzeitalter. Am Ende wird alles Leben auf unserem Planeten ausgelöscht werden. Wiederholt hatte das Leben auf Planet Erde unglaubliches Glück. Wiederholt ereigneten sich globale Katastrophen, so wie sie in der Mythenwelt der Azteken beschrieben werden. Es ist nur eine Frage der Zeit: Irgendwann wird die Erde zur toten Kugel, die als Welt ohne Leben die Erde umkreist.

Zwei Möglichkeiten gibt es: Wir können fatalistisch das Ende alles Lebendigen akzeptieren. Oder wir können versuchen, Raumfahrt zu entwickeln ... und als Menschheit in die Tiefen des Alls auswandern! Das amerikanische Pentagon hat nun ein kühnes Projekt initiiert: Es soll mit der Entwicklung von Raumschiffen begonnen werden, die in einhundert Jahren bereit stehen werden ... um Planet Erde zu verlassen und zu fernen Sternen zu reisen.

Arche Noah
Gemälde von Edward Hicks
Um es biblisch auszudrücken: Noah hat rechtzeitig mit dem Bau der berühmten Arche begonnen. Als die Sintflut ausbrach, stand das Rettungsschiff zur Verfügung. Kosmische Rettungsschiffe für eine Evakuierung ins All können nicht erst gebaut werden, wenn eine finale kosmische Katastrophe ausbricht. Dann ist es zu spät. »Was das alles kostet ...« wenden Kritiker ein. Ich sehe kosmische Rettungsschiffe als die große Chance für die Menschheit an. Wir müssen uns alle – über jede religiöse, geographische oder nationale Grenze hinweg – zusammentun und als Menschheit am kühnsten Projekt der Geschichte des Planeten arbeiten: am Projekt »Aufbruch ins All«. Der ehemalige Astronaut und Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der TU München Ulrich Walter: »Wenn eines Tages ein Asteroid einzuschlagen droht, und die Menschheit ganz plötzlich eine Arche braucht, wird niemand mehr mit … ethischen Bedenken ankommen.«

Wir müssen lieber gestern als morgen mit der Entwicklung von kosmischen Archen beginnen ...

Buch von Walter-Jörg Langbein: 2012 - Endzeit und Neuanfang

Fußnoten
1 Krickeberg, Walter (Hrsg.): Märchen der Azteken und Inkaperuaner, Neuauflage, Düsseldorf 1972, Seite 10
2 ebenda, S. 11
3 ebenda, S. 11 und 12
Hinweis: In meinem Buch »2012« gehe ich sehr viel ausführlicher auf das Thema dieses Blogbeitrags ein. Themen »Beinahe-Apokalypsen« und »Aufbruch ins All« werden fundiert behandelt!

»Am Nabel der Welt«
Teil 105 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 22.01.2012

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