… eine ganze alte Schutzreaktion bei akuter Gefahr oder Bedrohung …
»… Jetzt frage ich mich, ob ich dir genau erklärt habe, warum ich bei meinen beiden Gerichtsterminen nicht anwesend war. Es gab einen Grund, warum ich eigentlich beim Landgericht nicht als Zeugin anwesend sein konnte. Dort lag ja bereits eine schriftliche Aussage, die sollte von mir eben auch persönlich erklärt werden. Was ja nicht ging, denn ich befand mich in irgendeiner Klinik und konnte nicht entscheiden, ob ich überlebe oder eben abkratze. Was sich eben einige wünschten. Dem Richter am Landgericht reichte meine schriftliche Erklärung, eben was ich nicht einfach hin gekritzelt, sondern eine eidesstattliche Versicherung geschrieben und unterschrieben habe. Es war die Tochter des Mörders aus seiner ersten Ehe, die Geld von ihrem Vater forderte. Dank meiner Erklärung durfte die Geliebte des Mörders an die junge Frau zahlen und das nicht wenig. Dass die Zahlungspflichtige stinksauer auf mich war, dürfte doch irgendwie klar sein. Oder etwa nicht?
Komisch war natürlich schon, dass ich überlebte. Dass sich der Kinderschänder und seine Schänderin darüber aufregten. Dass sogar die Frau, die mir vorher das Leben gerettet, die auch bereit war, mir einfach nur zu helfen, um dann dafür von den Beiden tätlich angegriffen wurde. Nur, weil ich überlebte. Was ich wohl vergessen habe war, dass bei der Anzeige mir mitgeteilt wurde, dass der X RING informiert worden sei, eben, dass mir die Organisation helfen würde. Später hat der Beamte auch nicht verstanden, dass sich diese Institution zurückgezogen hat.
Irgendwie habe ich kurz darauf, so erinnere ich mich auch genau, mit der zufriedenen jungen Tochter des Mörders telefoniert. Der habe ich das auch erzählt und die damit richtig zum Lachen gebracht. Sie habe schon einiges »versucht«, um der Geliebten ihres Vaters das Leben schwer zu machen. So hat die scheinbar betroffene Geliebte um Hilfe gebeten, scheinbar mit den sogenannten »guten Beziehungen«. So dürfte die Geliebte des Mörders es auch geschafft haben, dass sich X RING von mir zurückgezogen hat. Und diese Tochter des Mörders fand auch das lustig. Nun, das fand ich nicht zum Lachen. Auf weitere Kontakte mit ihr konnte und wollte ich unbedingt verzichten. In solchen Situationen ist es auch wichtig, einfach los zu lassen.
Dass dieser Anwalt des Kinderschänders ausgerechnet meiner Lebensretterin Hausverbot erteilt hat, also ihr verboten wurde, mich aufzusuchen, mir zu helfen, mich zu schützen. Die ihm übrigens ihre Meinung dazu schriftlich direkt in die Kanzlei brachte und ausgerechnet das Schreiben fügte dieser Anwalt in das Schreiben an das Gericht, das mich Vorbestraft machen sollte und dann auch machte, und hat tatsächlich schriftlich dazu meine Lebensretterin als Zeugin benannt. Meinst du jetzt, vielleicht sogar lachend, dass es eben Anwälte gibt, die sowas für ihre Mandanten versuchen? Lachst Du auch, wenn der Mandant ein Kinderschänder ist?
Vielleicht verstehst du mich nicht, warum ich ständig auch auf meine »Flucht« hinweise. Es bedeutet tatsächlich vor der Gefahr wegzulaufen. Nimm dir einen kleinen Löffel aus Metall und klopfe damit ganz leicht auf einen Heizkörper. Metall auf Metall ergibt Geräusche. Was du jetzt nicht unbedingt selber probieren solltest wäre, mit einer Metallzange den Keller aufzusuchen. In der Regel befindet sich dort jede Menge Rohre. Nicht nur welche aus Plastik, nein, noch entscheidende aus Metall. Da können durchaus metallen Soundeffekt produziert werden. Vermutlich hat der Kinderschänder mit einem Bolzenschneider im Keller die Rohre bearbeitet. Das Haus ist alt, die Wände nicht sehr dick, es schallte durch das Haus. Das machte er gerne dann, wenn die weiteren Mieter im Obergeschoss nicht zuhause waren. Vorher hörte ich ihn durch das Treppenhaus brüllen, dass er mich kriegen wird, verbunden noch mit schlimmen Beleidigungen.
Das ist eine extrem körperliche Stresssituation, das führt zu der Ausschüttung von Adrenalin. Angriff oder Flucht oder Erstarrung. Zwei Angriffe von mir erfreute den Anwalt. Die Erstarrung war mein größter Fehler, das habe ich beinahe mit meinem Leben bezahlt. Die Flucht gab Sinn. Meine Situation war die, dass ich mit der Sprache noch hinterherhinken musste. So habe ich es an einem Tag geschafft, nach den Metallgeräuschen, seinem Geschrei und den Beleidigungen, das Haus zu verlassen und mich schon fast mit meinem Tretroller vom Haus weg zu bewegen. Er hat es auch wieder versucht, mich zwischen Innenhof bis Straße noch zu erwischen. Manchmal war ich richtig stolz auf mich, schneller als er zu sein, ihm wieder entwischt zu sein.
Es ist einfach eine sportliche Bewegung, die ich mit dem Tretroller ausführte. Aber irgendwie komisch fühlte ich mich schon, als ich in der Nachbarstadt ankam und dann in den Park fuhr. Eine Veranstaltung fand dort statt und gleich am Anfang stand ein Krankenwagen. Die Helfer/innen waren einfach nur da, für den Fall, dass jemand sie brauchte. So dachte ich, dass es Sinn geben könnte, das sie sich mal meinen Blutdruck betrachten. Beim ersten Versuch sah das irgendwie nicht gut aus. Also sollte ich mich einfach nur beruhigen. Nach einiger Zeit, ich saß auch sehr entspannt in dem Krankenwagen, fiel das Ergebnis wieder nicht gut aus. Fast direkt neben dem Platz befindet sich das Krankenhaus. So kam umgehend nach dem dritten Versuch tatsächlich von dort ein Rettungswagen. So wurde ich als Notaufnahme gewertet, ein paar Stunden habe ich mich dort aufhalten müssen.
Irgendwann konnte ich gehen. Etwas besser schien es mir zu gehen. Auf dem Zettel, den ich mitbekam, stand und das möchte ich als Zitat schreiben: »… Wenn ZAD = RR gesetzt wird, geht man vereinfacht davon aus, dass der am Arm gemessene Blutdruck exakt dem zentralen Druck am Herzen entspricht …« Daneben standen die Zahlen: 214/106. Eigentlich war ich fit wie ein Turnschuh aber es stand eine medizinische Abkürzung, die einfach bedeutete: »… Arterieller Bluthochdruck, am ehesten (a.E.) verursacht oder verstärkt durch Stress Punkt«
Stell dir vor im Gerichtssaal, mit diesem Anwalt, dem Kinderschänder, seiner Schänderin und dann mit meiner schlechten Sprache, diese ganze Situation, dann wäre ich wohl mit diesen 214 nicht hingekommen. Dabei dachte ich immer, dass schon 180 zu viel sind. Jetzt weißt du auch, warum dieser Gerichtstermin ohne mich stattgefunden hat. Übrigens hat meine Lebensretterin noch einen Zettel zum Gericht gebracht. Mein Hausarzt hat darauf seine Meinung zu der Sache aufgeführt. Was sonst niemanden interessierte. Der Kinderschänder hat sich richtig gefreut und brüllte das auch durch das Treppenhaus, er sei der Gewinner.
Irgendwann danach hat sich wieder etwas ereignet und wirklich gute Bekannten meinten, ich solle das der entsprechend zuständigen Behörde vortragen. Natürlich war ich geschockt, dass eine »Zuständige« mir lachend erklärte, dass sie sich einen solchen Stress mit Nachbarn nicht antun würde, sie hätte schon drei Mal eine neue Wohnung gesucht und auch gefunden. Worauf ich ihr erklärte, dass davon auszugehen ist, dass sich ihre Besoldung weit über die Summe meiner Rente befinden würde. So ist das hier, da gibt es »sone und solche«.
Vorgestern habe ich den
Kinderschänder mit seiner Frau gesehen, vermutlich mit Glück, weil sie mich
scheinbar nicht entdeckt haben. Er saß am Steuer des alten Wohnmobiles und
schaute nach vorne. Er schien sich zu freuen, er wirkte so zufrieden. Neben ihm
auf der Beifahrerseite konnte ich seine Frau, die Schänderin, sehen. Er muss
wieder zugeschlagen haben. Sie wieder auf ihrer Brust getroffen haben, was
seine Art ist, auch dort zu prügeln. Seine Hand hat er dann ganz schnell zu
einer Faust geballt, damit er seine Entschlossenheit und auch seine Kraft
darzustellen meint. Natürlich auch die Wut, die benötigte er schon, um sein
Symbol so klar zu zeigen. Dieser trübe Blick, diese Art, wie ich das Kind
gesehen habe, dieser Junge, der auch genauso neben dem Kinderschänder im Taxi saß, so
einem Symptom einer Depression für mich zeigte. So, wie sie blickt. Vorgestern
neben ihm saß. Mir wurde wieder übel, aber vermutlich war es der Gestank von
dem Diesel. Das ist der Zweitwagen, es gibt noch eine Art kleiner Transporter, den
die Beiden fahren. Das alte Teil brauchte vor Zeiten schon 10 Liter auf 100 km.
Rechne selbst, was die verbrauchen, was die zahlen müssen, für ein verlängertes
Wochenende hin und zurück und dann auch mit beiden Wagen. Übrigens, die Sache
mit dem Bolzenschneider und den Metallrohren im Keller, da hat sich wohl etwas
mit den Gaszählern im Keller ereignet ...«
Der 6. Kriminalroman, der in »Ich-Form« entsteht, der als Münsterland-Kriminalroman auf wahren Begebenheiten basiert.
2. Leseprobe: Das missbrauchte Kind
3. Leseprobe: Der Pädophile, das Elefantengedächtnis und das missbrauchte Kind
4. Leseprobe: Der Kinderschänder, seine Frau und deren Anwalt
5. Leseprobe: Al Capone, der Kinderschänder und deren Anwälte
6. Leseprobe: Die Macht der Kinderschänder
7. Leseprobe: Ein Auto, ein Unfallbetrug, der Kinderschänder und sein Anwalt
8. Leseprobe: Der Anwalt, sein Kinderschänder und die Kirche
9. Leseprobe: Der Anwalt, der Kinderschänder und der Mörder
10. Leseprobe: Die Art der Gewalt des Kinderschänders
12. Leseprobe: Die Anwälte von Mörder und Kinderschänder …
13. Leseprobe: Der Kinderschänder und sein Anwalt …
14. Leseprobe: Die Geliebte des Mörders und der Anwalt
15. Leseprobe: Die Ratten und der Kinderschänder
16. Leseprobe: Der Anwalt und sein Kinderschänder …
17. Leseprobe: Der Anwalt und das missbrauchte Kind
18. Leseprobe: Der Anwalt und der Strafprozess ...
19. Leseprobe: Der Anwalt und das Gericht …
22. Leseprobe: Der Kinderschänder, sein Anwalt und der Strafbefehl …
23.Leseprobe: Der Anwalt, sein Kinderschänder und die Erstarrung …
»Der Mörder und der Kinderschänder«
»Der hässliche Zwilling« 2011
»Mord in Genf« 2012
»Blauregenmord« 2013





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