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Sonntag, 8. September 2019

503. »Erinnerungen an vorzeitliche Besucher aus fremden Welten?«


Teil 503 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: Zwei »Astronautengötter«, Val Camonica.

Stundenlang hatte ich im Val Camonica beim Weiler »Zurla« vergeblich nach einer ganz besonderen Ritzzeichnung im Fels gesucht. Vergeblich. Als es schlagartig zu regnen anfing, gab ich auf. Ich wollte den kürzesten Weg zurück zu meiner Pension im norditalienischen Capo di Ponte gehen. So stolperte ich einen steilen Hang gen Tal, rutschte, fiel hin. Der Regen wurde stärker. Ich war nass bis auf die Haut. Ich hatte Angst vor einem bösen Sturz, dessen Folgen ich mir ausmalen konnte. Mit gebrochenem Bein irgendwo fern der nächsten Straße zu liegen. So beschloss ich, mich auf einen flachen Stein zu setzen und abzuwarten, bis es wieder aufhören würde zu regnen. Da hockte ich also auf dem Boden… Und direkt neben mir war die gesuchte Ritzzeichnung »meiner Astronautengötter«. Sie glänzten geheimnisvoll, regennass und Jahrtausende alt.

Foto 3: Zwei »Götterastronauten«

Künstler der Renaissance wie Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer oder Holbein der Jüngere arbeiteten zwischen 1490 und 1540 mit Anamorphosen (1). Erst anno1657 veröffentlichte Caspar Schott (*1608; †1666) in Würzburg seine Schrift »Magia universalis naturae et artis« auf. Erstmals in Schotts Abhandlung über Magie in Natur und Kunst wird der Begriff Anamorphose erklärt. Freilich war der hochgebildete Jesuit Caspar Schott nicht der Erfinder, der Anamorphose. Schon lange vor ihm versetzte diese komplizierte Malweise Experten wie Laien in Erstaunen. Allerdings nutzte Schott wohl erstmals die Bezeichnung Anamorphose. Der Begriff Anamorphose geht auf das Altgriechische ἀναμόρφωσις (anamorphosis), zu Deutsch Umformung zurück.

Foto 4: Meine »Astronautengötter«

Man unterscheidet drei verschiedene Formen von Anamorphosen:
Dioptrische Anamorphosen müssen durch ein Prismensystem betrachtet werden, um durch Verzerrung unkenntliche Gemachte Darstellungen sichtbar werden zu lassen. Bei katroptischenAnamorphosen erscheint das entzerrte Abbild eines Gemäldes in einem speziellen Spiegel.

Bei Längsanamorphosen benötigt man weder Spiegel noch Prismensysteme. Richtig erkennt man, was Darstellungen auf einem Gemälde nur, wenn man es unter einem speziellen Blickwinkel betrachtet.

Ich verwende den Begriff der Anamorphose(n) im Übertragenen Sinn. Wenn ein schulwissenschaftlich geprägter Archäologe und ein von Dänikens Gedanken inspirierter Mensch ein und dieselbe Statue betrachten, dann werden beide ganz Unterschiedliches zu erkennen meinen, futuristisch Technisches oder folkloristisches »Primitives«. Es kommt eben auf den Standpunkt an, ob man eine Statue als »Astronauten im Raumanzug« oder als »Ballspieler« identifiziert. Weil ein Archäologe vorgeschichtliche Besuche von Außerirdischen auf unserem Planeten kategorisch ablehnt, verschließt er sich jeglicher präastronautischer Interpretation etwa von Höhlenmalereien oder uralten Statuen. Für ihn gilt: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Deshalb sieht er nur, was sein darf. Was nicht sein darf, das hat er an Schule und Universität verinnerlicht.

Foto 5: Kolosimos »Götter«
Eine solche Selbstzensur verhindert aber wirklichen wissenschaftlichen Fortschritt. Es sind häufig Laien, die vollkommen neue Ideen in die Diskussion einbringen. Laien weigern sich das »Es kann nicht sein, was nicht sein darf!« hinzunehmen. Deshalb sind sie dazu in der Lage, wirklich Neues, was bislang altbewährte und nie angezweifelte »Wahrheiten« anzuzweifeln und zu hinterfragen. Bis grundlegend Neues akzeptiert wird, wird in der Regel viel Zeit verstreichen. Und irgendwann wird das Neue akzeptiert. Vehementeste Gegner dieser neuen Ideen behaupten plötzlich, ihnen seien diese neuen Gedanken doch schon immer sehr sympathisch gewesen. Wer früher vehement das Neue abgelehnt hat, der war plötzlich schon immer dafür.

Nass bis auf die Haut saß ich da in strömendem Regen neben »meinen Astronautengöttern«. Bei meinem ersten Besuch im Val Camonica in den frühen 1970ern hatte ich vergeblich nach ihnen gesucht. Mehrfach war ich vor Ort. Ich durfte im riesigen Archiv des örtlichen Studienzentrums stöbern und versank förmlich im Zauber Jahrtausende alter Felszeichnungen. Professor Anati antwortete bereitwillig auf meine Fragen.

Der Archäologe Prof. Anati, Jahrgang 1930, gründete 1964 das »Centro Camuno di Studi Preistorici« in Capo di Ponte. Mit Recht gilt er als der Nestor der Val-Camonica-Forschung. Prof. Anati führte europaweit archäologische Ausgrabungen durch, aber auch in Israel. Aufsehen erregte der sympathische Gelehrte, als er »Mount Har Karkom« in der Negev-Wüste als den biblischen Berg Sinai identifizierte. Inzwischen hat der Vatikan offenbar Professor Anatis Forschungsergebnisse akzeptiert (3). Eine echte Fundgrube für Freunde der uralten Felszeichnungen ist das norditalienische Val Camonica.

Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahrtausenden hinweg wurden hier hunderttausende Felszeichnungen verewigt. Es gibt geheimnisvolle »Symbole«. Oder sind es Zeichen einer unbekannten Bildersprache? Sehr naturgetreue Darstellungen von Tieren, von Männern mit Helmen und Speeren und von Häusern beweisen, dass die Künstler im Val Camonica sehr präzise naturgetreue Bilder anfertigen konnten. Da und dort tauchen riesenhaft wirkende Gestalten auf, daneben Menschen, die im Vergleich wie Zwerge wirken. Sehr groß sind Figuren, die auch von der klassischen Archäologie als Götter interpretiert werden.

Fotos 6 und 7: Gehörnter Gott, kleiner Mensch

Prof. Anati hat einige hochinteressante Werke über die Felsbilder im Val Camonica publiziert (4), aber auch über eine Vielzahl anderer Themen, wie die Ursprünge der Musik, die älteste Religion und Felskunst in aller Welt. Professor Anati musste manchmal ob meiner doch stark von den Gedanken der Präastronautik geprägten Vorstellungen schmunzeln. »Bei diesem riesenhaften Wesen mit Gehörn könnte es sich um den keltischen Gott Cernunnos handeln, der von den Kelten verehrt wurden, die immer wieder durch das Tal zogen und sich im Stein mit Ritzzeichnungen verewigten. Cernunnos war wohl ein Gott der Natur, der wilden Tiere und der Fruchtbarkeit!«

Fotos 8 und 9: Begrüßungsszene auf Stele III

Götter, so Professor Anati, wurden wohl über die Jahrtausende immer wieder in die von Gletschern glattgeschliffenen gigantischen Steinplatten geritzt oder gemeißelt. Bei einem meiner Besuche fertigte Mila de Abreu, eine Archäologiestudentin, präzise, maßstabsgerechte Zeichnungen von den Abbildungen einer steinernen Stele (Stele III) an. Was aber zeigt die Stele? Denken wir an die Kunst der Anamorphosen. Bei Längsanamorphosen kommt es auf den Standpunkt an. Je nachdem wo man steht, sieht man beim Betrachten eines Gemäldes etwas (manchmal) vollkommen anderes.

Foto 10: Rückseite von Stele III

Das gilt auch im übertragenen Sinne. Wer den Besuch von Außerirdischen vor Jahrtausenden auf Planet Erde grundsätzlich ausschließt, der sieht auf Stele III eine Gruppe von Menschen, die offenbar ein Wesen mit Strahlenkranz um den Kopf begrüßen oder bejubeln oder anbeten. Ist das ein Schamane, dessen spirituelle Kraft bildlich dargestellt werden soll? Insgesamt zwölf Menschen stehen da in drei Reihen. Sie fassen sich an den Händen. Wird hier ein uralter, längt vergessener sakraler Ritus zelebriert? Deutlich abgehoben von der Versammlung ist das Wesen mit dem runden »Heiligenschein«, der sein Haupt umschließt.

Foto 11: Regennasser »Astronaut«?
Mila de Abreu vermutete: »Das ist ein Schamane oder ein Priester. Vielleicht werden Naturgewalten angerufen und flehentlich gebeten, die Menschen zu verschonen. Vielleicht wird ein Kollege des Cernunnos angefleht, er möge reiche Jagdbeute gewähren.« Vielleicht wird aber auch uralter Mythos vom Erscheinen eines Gottes nachgestellt, meinte die junge Archäologin weiter. Ihre Interpretationen klingen vernünftig, aber sie sind Spekulationen. Wir wissen natürlich nicht, was der unbekannte Künstler im Sinn hatte. Mila de Abreu freute sich sichtlich über mein Interesse und Trug eifrig eine ganze Reihe von »Erklärungen« vor, die alle der Fantasie entsprungene Spekulationen waren.

Genauso spekulativ, wenngleich fantastischer ist eine ganz andere Erklärung: Ein Astronautengott, der aus dem Kosmos kam, wird ehrerbietig von Menschen begrüßt. Der Vertreter einer fremden Kultur eines fernen Planeten wird von den Erdenmenschen ob seiner »Macht« für einen Gott gehalten. Beide Erklärungen sind nicht beweisbar. Beide Interpretationen sind spekulativ und beide Erklärungen verdienen es, überdacht zu werden. Mein Freund seit Jugendzeiten und Autorenkollege Reinhard Habeck (*1962) hat den »Steinzeit-Astronauten« ein ganzes Buch gewidmet (5).

Foto 12: Tänzer? Jäger? Astronaut?
Der Untertitel grenzt ein: »Felsbildrätsel der Alpenwelt«. Ausführlich geht er auf die Felskunst im Val Camonica ein (6). Wiederholt war der sympathische Österreicher im Val Camonica. Immer wieder begegnete er den »Astronauti«, wie sie von den Einheimischen genannt werden. Immer wieder sah und fotografierte er geheimnisvolle Wesen, die in den Stein gemeißelt worden sind. Sie alle scheinen so etwas wie einen auf den Schultern sitzenden Helm zu tragen. Sie alle scheinen wie schwerelos zu schweben. Reinhard Habeck macht aus seinem Standpunkt keinen Hehl. Er nennt eines dieser seltsamen behelmten Wesen »Val Camonica Astronaut« (7), an anderer Stelle bezeichnet er solche Kreaturen als die »Astronauten von Foppe di Nadro« (7). Habeck lässt aber auch seinen Lesern die Wahl (8): »Traumtänzer oder Erinnerungen an vorzeitliche Besucher aus fremden Welten?«

Dem Vernehmen nach arbeitet Professor Anati, anno 1930 geboren, auch heute noch in seinem Büro seines »Centro Camuno di Studi Preistorici«. Ich erinnere mich an eine launige, bisweilen etwas hitzige Unterhaltung mit dem Vater der Val-Camonica-Forschung. Jahrzehnte sind seither verstrichen. Aber was sind Jahrzehnte im Verhältnis zu den über zehn Jahrtausenden, in denen hunderttausende Steingravuren im Val Camonica entstanden?

Achselzuckend sinnierte der sympathische Gelehrte. Niemand weiß wirklich, wenn oder was die seltsamen Helmwesen, die oftmals paarweise auftreten, darstellen sollen. Sind es Jäger mit Pfeil und Bogen oder Musikanten mit Instrumenten? Sind es Tänzer oder doch Schamanen? Reinhard Habeck (9): »Rund um Capo di Ponte konzentrieren sich figürliche Zeichnungen, die durch ihre verblüffende Ähnlichkeit mit Raumfahrern viel Anlass für hitzige Debatten liefern. Während sich im Nationalpark Naquane Musterbeispiele problemlos aufstöbern lassen, liegen die interessantesten Abbilder außerhalb markierter Wege, an steilen Felshängen, und sind überwuchert von Dornen, Moos und wildem Gestrüpp.«

Foto 13: Eine kleine Auswahl von Prof. Anatis Werken

Fußnoten
(1) Literaturempfehlung. Wirklich gut wird man über das Thema Anamorphosen informiert in Füsslin, Georg und Hentze, Ewald: »Anamorphosen. Geheime Bilderwelten«, Stuttgart 1999
(2) Anati, Prof. Emmanuel: »Mountain of God«, New York 1986
(3) https://mosesegyptianised.wordpress.com/2015/04/14/vatican-interest-in-israels-mount-sinai/ Stand 22.6.2019
(4) Anati, Prof. Emmanuel: »Evolution and Style in Camunian Rock Art: An Inquiry Into the Formation of European Civilization«, Capo di Ponte 1976 (Ausgabe des Studienzentrums)
Anati, Prof. Emmanuel: »Capo di Ponte«, zweite deutsche Ausgabe, Brescia 1981
Anati, Prof. Emmanuel: »Valcamonica Rock Art/ A new History for Europe«, Capo di Ponte 1994
(5) Habeck, Reinhard: »Steinzeit-Astronauten/ Felsbildrätsel der Alpenwelt«, Wien 2014
(6) Zum Beispiel im Kapitel »Wer waren die Cammuni?«, S. 23-S.33
(7) ebenda, S. 67
(8) ebenda, S. 73
(9) ebenda, S. 98 oben

Foto 14: Habecks Opus
Zu den Fotos
Fotos 1 und 2: Zwei »Astronautengötter«, Val Camonica.  Fotos Walter-Jörg Langbein.
Hinweis: Um die Einzelheiten der Ritzzeichnung deutlicher werden zu lassen, habe ich die Fotos farblich verändert.
Foto 3: Zwei »Götterastronauten«. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 4: Meine »Astronautengötter« (1979). Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Kolosimos »Astronautengötter« (1968). Foto Walter-Jörg Langbein
Fotos 6 und 7: Gehörnter Gott, kleiner Mensch. Fotos Walter-Jörg Langbein
Fotos 8 und 9: Begrüßungsszene auf Stele III. Fotos Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Rückseite von Stele III. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 11: Regennasser »Astronaut«? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 12: Tänzer? Jäger? Astronaut? Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 13: Eine kleine Auswahl von Prof. Anatis Werken
Foto 14: Reinhard Habecks Opus »Steinzeit-Astronauten«.

504. »Die Bibel - das Buch der Bücher?«
Teil 504 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 15. September 2019


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Sonntag, 19. August 2018

448 »Voodoo-Magie für den Weltfrieden?«

Teil 448 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein

Foto 1: Direkt am steinigen Ufer...
»Urians Reise um die Welt« heißt ein Gedicht von Matthias Clauidus (*1740;†1815), das kaum noch jemand kennt. Die einleitenden Worte freilich sind immer noch vielen Zeitgenossen recht geläufig:»Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen.« Matthias Claudius lässt seinen Protagonisten Urian eine gemütliche Art des Reisens wählen: »Drum nahm ich meinen Stock und Hut, Und tät das Reisen wählen.« Urian muss sehr gut zu Fuß gewesen sein, erreichte er doch im Gedicht recht schnell nacheinander den Nordpol, Grönland, Nordamerika, Mexiko, Asien und Afrika. Die Osterinsel stand nicht auf Urians Reiseprogramm. Jakob Roggeveen hatte sie Ostern 1722, also schon zu Lebzeiten von Matthias Claudius, entdeckt. Aber selbst Abenteurer machten sich damals kaum auf, um das mysteriöse Eiland im Pazifik zu erkunden. Mich hingegen zog es immer wieder zur Osterinsel. Hannover – Frankfurt – Santiago – Osterinsel war die wohl angenehmste Route, so viel wie möglich mit Lan Chile. Vor Ort lernte ich einige kundige Führerinnen und Führer kennen. Der interessanteste Guide aber war ein gewisser »Houngan-Man«. Der erfreute sich bei den einheimischen Führern offenbar keiner großen Beliebtheit, war er doch kein »Einheimischer«, sondern ein Auswärtiger, ich glaube ein Brasilianer.

»Houngan-Man« führte mich als erstes zum »Nabel der Welt«. »Te Pito o Te Henua« nannten die Osterinsulaner ihre Heimat. Häufig wird dieser wohlklingende Ausdruck mit »Nabel der Welt«, manchmal auch mit »Am Ende der Welt« übersetzt.

Vorbei ging es an einem in Trümmern liegenden Osterinselriesen. »Der Moai heißt ›Poro‹!«, erklärte mir »Houngan-Man«. »Noch 1938 stand er auf seiner Plattform, ragte stattliche 9,80 Meter in den Himmel.« Dann erreichten wir unser Ziel: Zunächst sehe ich, nur wenige Schritte von der Meeresbrandung entfernt, ein Steinmäuerchen, etwa kniehoch. Es besteht aus kleinen, unregelmäßigen Steinbrocken und ist nach einer Seite offen. Durch diesen Eingang betritt man den Steinkreis. In dessen Mitte liegt eine eiförmige Steinkugel mit einem Durchmesser von knapp 80 Zentimeter. Um diesen steinernen, rötlichen »Nabel der Welt« herum liegen vier kleinere, nicht ganz so runde, sondern eher flache Steine.

Foto 2: ... der »Nabel der Welt«.
Die vier Steine, so erfahre ich, stellen die vier Windrichtungen dar. Die schützende, niedrige Steinmauer, so erfahre ich weiter, soll erst nach 1975 erstanden sein. Angeblich ist sie auf Fotos von 1975 und davor noch nicht zu sehen. Wer sie gebaut hat und warum? Eine Antwort konnte mir niemand geben. Seltsamer Weise wird sie offenbar, von wem auch immer, verändert. Mal ist die »Öffnung« sehr schmal, manchmal etwas weiter. Manchmal ist sie zum Meer hin, manchmal landeinwärts geöffnet. Die kleineren Steine werden häufig als »Hocker« benutzt.

Der eiförmige Stein, so hörte ich wiederholt vor Ort, habe ursprünglich im Norden der Osterinsel gelegen und wurde, angeblich »vor sehr langer Zeit«, vom »Ahu A Kapu« im Norden zum »Ahu Te Pito Kura« geschafft worden. So ein »ahu« bestand ursprünglich aus einer steinernen Plattform, auf die eine steinerne Rampe führte. Oben auf der Plattform standen stolze »Moais«, die berühmten Kolosse der Osterinsel. Sie trugen »Hüte«, »Frisuren« oder »Helme« aus rotem Stein. Um die Plattform herum, so erklärte mir nicht nur der »Houngan-Man« liegen die Ahnen begraben. Auf diesen Gräbern liegen viele flache Steine. Zudem gehörte einst zu jedem »ahu« ein »rechteckiger Vorplatz für zeremonielle Feste«.

Ein Geistlicher erklärte mir im Gespräch nach dem sonntäglichen Gottesdienst, dass es bei diesen »Festen« um »nach strengen Vorschriften abgehaltene Riten« gegangen sei. Angeblich sind diese Riten auch heute noch Eingeweihten bekannt, Fremde werden allerdings nicht in das Wissen um die Riten und Rituale eingeweiht. Auch nicht alle Jugendlichen lernen, was die Wissenden nur »Würdigen« anvertrauen. »Das müssen wir verstehen!«, meinte der Geistliche. »Aber wir ›Fremden‹ haben den Menschen der Osterinsel in den  vergangenen 300 Jahren nur Leid, Elend, Tod und Verderben gebracht! Wissende begegnen uns nach wie vor mit Misstrauen!«

Foto 3: Umgeben von einem Steinmäuerchen ...
Wer die Osterinsel besucht, sollte unbedingt an einem österlichen Gottesdienst teilnehmen. Bevor der Geistliche »übernimmt« singen Einheimische mit Begeisterung altes Liedgut. Die Stimmung ist unbeschreiblich: Lebensfreude pur. Gesungen wird voller Inbrunst, laut und mit ansteckender Begeisterung. Wenn ich da an den drögen, sich meist zäh dahinschleppenden Singsang in unseren Kirchen denke!

Offenbar ist es mir gelungen. das Vertrauen des »Houngan-Man« zu gewinnen. Er erzählte mir von einer »Voodoo-Zeremonie« die er abhalten würde. Nachdem »Houngan-Man« mich eingeladen hatte, als stiller Beobachter teilzunehmen, spendierte ich fünf Flaschen Whisky einer bekannten Edelmarke und zwei Stangen Zigaretten. »Houngan-Man« versicherte mir, es werde keine Tieropfer geben.
Wie lange dauerte das Ritual? Was war Ritual, was war Vorbereitung? 

Ich war als stiller Beobachter von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dabei. Aktiv mitgewirkt haben sieben junge Männer, nämlich vier Chilenen, zwei Peruaner und ein »Houngan-Man«, der die »magische Zeremonie« leitete. Zunächst warteten wir am Steinbruch auf ein »himmlisches Zeichen«. Als ein heftiger Schauer über uns prasselte, verkündete »Houngan-Man«, jetzt könne es los gehen. Jetzt musste nur noch der richtige Ort für das Ritual gesucht werden. In zwei Jeeps ging es über »Stock und Stein« zur Küste. Manchmal konnten wir schlechte Feldwege nutzen, mussten allerdings immer wieder Geröll von der Straße räumen. Und endlich schenkte uns der Himmel den schönsten Regenbogen meines Lebens.

Foto 4: »Voodoo-Zauber« für den Weltfrieden?
Wie eine im wahrsten Sinne des Wortes himmlische Erscheinung wuchs er aus dem vom Regen aufgepeitschten Meer und schlug eine Brücke aus traumhaft schönem Licht von schaumgekrönten Meereswogen zum Land. »Erzulie hat uns ein Zeichen gegeben, Erzulie sei Dank!« frohlockte »Houngan-Man«. Wenige Minuten später änderte sich das Wetter im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig. Starke Windböen hatten die dichte Wolkendecke aufgerissen und weit aufs Meer hinaus getrieben. Der Himmel war wieder unschuldig babyblau.

Wir hatten, so kam es uns vor, genau die Stelle erreicht, an der der Regenbogen das Land berührt hatte. Aus Steinbrocken unterschiedlicher Größe errichteten wir nach den Anweisungen des Priesters nur wenige Meter vom Strand entfernt ein etwa fünfzehn Zentimeter hohes Mäuerchen. Das Ergebnis mehrstündiger Schufterei, die mir blutige Hände bescherte: ein steinernes Quadrat, etwa zweimal zwei Meter »groß«.  Es war nur dem »Houngan-Man« erlaubt, das Innere des »Tempels« betreten. Im Zentrum des Quadrats legte er Pappe aus. Darauf zeichnete er mit kalkähnlichen weißlichen kleinen Steinkörnern ein kleines Quadrat. Von Zentrum aus führten vier Linien durch die Ecken des Quadrats zu kleinen Häufchen aus dem gleichen Material. Im geometrischen Zentrum des Quadrats platzierte der »Houngan-Man« einen eiförmiger Stein, den er gefunden hatte. Das war der »Altar«. Erst jetzt begann die eigentliche »Zeremonie«.

»Ich beginne mit dem Opfer!«, verkündete »Houngan-Man«. Die von mir gestifteten Whiskyflaschen standen zur Verfügung. »Houngan-Man« nahm einen kräftigen Schluck und goss den Rest größten Teil des hochprozentigen Getränks ins Meer. Dann kamen die Zigaretten ins magische Spiel. Eine Zigarette steckte sich der »Houngan-Man« an, alle anderen zerfetzte er und streute sie auf die Pappe. Ein batteriebetriebener Kassettenrekorder kam zum Einsatz. Songs von Elvis Presley erklangen. Die sechs Männer aus dem Team des »Houngan-Man« begleiteten die Musik auf drei großen und drei kleinen Trommeln. Mit kleinen eisernen Schlegeln droschen sie auf ihre Instrumente ein. Vier Stunden Sang Elvis, vier Stunden wurde getrommelt, vier Stunden murmelte »Houngan-Man« Gebete. Und vier Stunden benötigten angeblich vier Erdgeister, um aus den vier Himmelsrichtungen zu erscheinen. Der »Houngan-Man« schien sie zu sehen, für mich blieben sie unsichtbar. Der Rekorder wurde abgestellt, Elvis verstummte.

Foto 5: Die schwarze Kugel im Zentrum des »Zaubers«

Der »Houngan-Man« warf weißliche, kalkähnliche Steinchen in die vier Himmelsrichtungen, bekreuzigte sich, drehte sich dabei einmal im Kreis. Ich habe es mir genau eingeprägt: Während er gen Osten blickte, berührte er mit einer Hand seine Stirn. Als er gen Westen schaute, berührte er seine Brust, gen Norden schauend seine linke rechte Schulter, gen Süden blickend seine rechte Schulter. Dabei schrie er etwas wie »Linsahmawu, Vuvulivhawe« und segnete die Erde. Eine lange, für mich unverständlich Litanei schloss sich an. Laut rief der »Houngan-Man« wohlklingende Namen angeblich wichtiger Geister.

Schließlich setzte er sich und ließ einen monotonen Sprechgesang vernehmen. Das zog sich eine gefühlte Ewigkeit hin. Nach etwa drei Stunden entzündete er Priester vier Kerzen, die er um den Altarstein platzierte.

Foto 6: Echter Zauber ...
Ich muss zugeben: Langsam bereute ich, die Einladung zur Zeremonie angenommen zu haben. Ich sehnte mich nach meinem Bett in der kleinen Familienpension. Einfach gehen wollte ich aber auch nicht. Meine Geduld wurde hart auf die Probe gestellt. Es folgte eine lange Litanei von seltsamen Namen. Als der »Houngan-Man« endlich verstummte, wollte ich schon erleichtert aufspringen. Doch die Zeremonie war noch nicht beendet! Eine gute Stunde saßen wir alle schweigend. Endlich setzte wieder Regen ein und löschte nach die Kerzen. Erneut kam der Kassettenrecorder zum Einsatz, erneut schlugen die sechs Männer auf ihre Trommeln ein, erneut wurde etwa vier Stunden lang »musiziert«. Ich musste sitzen, »Houngan-Man«  durfte im steinernen Viereck auf und ab schreiten. Dabei brüllte er seltsame Namen gegen immer heftiger werdenden Wind schrie.

Endlich verstummte die Musik. Der »Houngan-Man« löste nach und nach Steine aus der quadratischen Umrandung und warf sie ins Meer. Er tat das bedächtig, routinemäßig. Er schrie für mich Unverständliches, vielleicht Zaubersprüche oder Namen von Geistern. Schließlich hatte selbst die Sonne genug und versank im Meer. Die kleine Mauer war Stück für Stück im Meer versunken. Das Team hatte dabei den »Houngan-Man« tatkräftig unterstützt. Ich durfte nicht mitmachen. Der »Houngan-Man« beendete endlich die Zeremonie, indem er den letzten Stein und die Pappe ins Meer warf.

Spät am Abend erklärte mir der Priester, er habe einen Voodoo-Ritus zelebriert, vier Erdgeister herbeigerufen. »Sie mussten von weit, weit her kommen, deshalb mussten wir ihnen viel Zeit lassen.« Er habe die Geister beschworen, sie inständig gebeten, von der friedlichen Kraft der Osterinsel gespeist in alle vier Himmelsrichtungen auszuschwärmen und positive Energie über die Erde zu verteilen. Wie er mir weiter versicherte, würde er ähnliche Zeremonien in verschiedenen Staaten Südamerikas, aber auch auf einigen anderen Südseeinseln abhalten. So würde er für den Weltfrieden arbeiten. Leider habe sein Vater mit »bösen Geschäften« in Brasilien viel Unheil angerichtet. Auf dem Totenbett habe er ihn, seinen Sohn gebeten, durch Voodoo-Magie sein Unrecht so weit wie möglich wieder ungeschehen zu machen. »Ich erbte ein nicht unerhebliches Vermögen, ließ mich auf Haiti zum Voodoo-Priester ausbilden und erfülle nun schon seit Jahren den letzten Willen meines Vaters.«

Foto 7: ... oder doch nur ...
Als ich spät abends wieder in meinem Hotelzimmer müde von einem langen Tag das Licht löschte, konnte ich dennoch lange nicht einschlafen. Was hatte ich erlebt? Ein wirkliches magisches Voodoo-Ritual, einen Beitrag zum Weltfrieden? Oder war ich Betrügern aufgesessen? Insgesamt hatte ich fast drei Tage ich mit den geheimnisvollen sieben Männern verbracht. Sie haben kein Geld gefordert, ich habe nichts bezahlt, ein »Trinkgeld« lehnten sie entrüstet ab. Verdient haben sie mit der mysteriösen Prozedur also nichts.

Fotografieren durfte ich nicht. Der Voodoo-Priester selbst hat in einer kurzen »Verschnaufpause« am Nachmittag mit meinem Fotoapparat einige Aufnahmen vom »Altarstein« mit der seltsamen Symbolzeichnung gemacht.

Bevor wir uns verabschiedeten, fragte ich »Houngan-Man« nach den Zombies von Haiti. »Stecken die Voodoo-Priester dahinter?« Mein Gesprächspartner wurde sehr ernst. »Es gibt weiße und schwarze Magie. Ehrbare Voodoo-Priester tun nichts Böses. Sie helfen den Menschen. Sie setzen sich nicht über Leben und Tod hinweg. Manche Voodoo-Zauberer aber überschreiten Grenzen, die kein Mensch auch nur antasten dürfte. Sie kennen das Geheimnis der Zombies. Rechtschaffene Voodoopriester wenden es aber nicht an, schwarzmagier hingegen schon.« Ich fragte nach: »Worin besteht das Geheimnis?« Eisiges Schweigen war die Antwort.

Jahrzehnte sind seit jenem merkwürdigen Ritual auf der Osterinsel verstrichen. Bis zum heutigen Tage weiß ich nicht wirklich, wie ich es bewerten soll.

Foto 8: ... Hokuspokus?
Vielleicht war alles »fauler Zauber«. Möglich ist das natürlich. Vielleicht machten sich die sieben Männer lustig über mich, den dummen Touristen aus Deutschland. Vielleicht war die angeblich magische Zeremonie für den Weltfrieden Schmierentheater vom Feinsten. Vielleicht wurde ich einfach nur hinters sprichwörtliche Licht geführt. Aber warum? Gauner wollen in der Regel ihre Opfer abkassieren. Ich habe keinen Cent bezahlt. Zigaretten und Whisky wurden »geopfert«, nicht von dem »Voodoo-Priester« und seinem Team konsumiert. Und wenn die »Zeremonie« doch nur Larifari war? Dann hat der »Houngan-Man« nichts für den Weltfrieden getan. Das hat er aber, so traurig das ist, zwar nichts erreicht, er hat aber auch den Frieden nicht gefährdet. Leider kann man das von so manchem Politiker nicht sagen. So mancher Politiker schadet leider dem Weltfrieden massiv. So mancher Politiker scheint aktiv für den Krieg zu arbeiten.

Zu den Fotos
Foto 9: Kugel, Pulver, Zigaretten ...

Foto 1: Direkt am steinigen Ufer... Foto: Walter-Jörg Langbein
Foto 2: ... der »Nabel der Welt«. Foto: Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Umgeben von einem Steinmäuerchen ... Foto: Walter-Jörg Langbein
Foto 4: »Voodoo-Zauber« für den Weltfrieden? Foto: Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Die schwarze Kugel im Zentrum des »Zaubers«. Foto: Walter-Jörg Langbein
Foto 6-8: Echter Zauber oder doch nur Hokuspokus? Foto(s): Walter-Jörg Langbein
Foto 9: Kugel, Pulver, Zigaretten ... Foto Walter-Jörg Langbein



449 »Putsch auf der Osterinsel?«,
Teil 449 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 26.08.2018





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Sonntag, 12. August 2018

447 »Wo liegt der Nabel der Welt?«

Teil 447 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein


Ich stimme mit Ephraim George Squier überein: Auch meiner Meinung nach war Pachacamac das »Mekka Südamerikas«. Aber warum? Die Menschen kamen als Pilger zu den heiligen Tempeln, offenbar aus dem gesamten Reich der Inkas. Warum? Was machte den Ort in der Wüste so anziehend? Was zeichnete ihn aus?

Foto 1: Die  Kathedrale von Guadalupe

Am Rande von Mexico City kommen Jahr für Jahr 20 Millionen von katholischen Pilgern in der riesigen Kathedrale zusammen, weil dort alter Überlieferung nach Juan Diego auf dem Tepeyac-Hügel am 9. Dezember Maria erschienen sein soll (1). Damals kam es zum berühmten Wunder: Auf dem schlichten Umhang des Heiligen Diego erschien wie von Zauberhand ein mysteriöses Bildnis der »Jungfrau Maria«, das eigentlich gar nicht hätte entstehen können, das gar nicht existieren dürfte und das längst wieder hätte zerfallen müssen. Selbst kritische Zeitgenossen sprechen von einem Wunder. Papst Johannes Paul II. sprach 1990 Juan Diego selig, 2002 schließlich heilig. Gab es in der Wüste bei Lima an der Küste auch ein so ungewöhnliches Ereignis, das Pachacamac zu so einem bedeutenden Pilgerort des Inkareiches machte?

Foto 2: Eine Statue von Johannes Paul II.

Vermutlich galt der Mensch als besonders vom Glück begünstigt, dessen sterbliche Überreste möglichst nah bei den heiligen Stätten beigesetzt wurden. Ephraim George Squier schreibt (2): »Abermals tiefer begegnet man wohl noch einer dritten solcher Lagen, woraus hervorgeht, wie stark einst der Zusammenfluss von Leuten an dieser Stelle war, und wie begierig das Verlangen, einen Ruheplatz in geheiligter Erde zu finden.«

Foto 3: Palmyra-Übersicht

Eine Anmerkung sei mir gestattet: Ephraim George Squier vergleicht Pachacamac mit den »Ruinen von Palmyra«. Das legendäre Palmyra liegt 215 Kilometer nordöstlich von der syrischen Hauptstadt Damaskus. Schon im 7. Jahrtausend vor Christus siedelten hier Menschen. Weltberühmt war zum Beispiel der Baaltempel, der laut einer Inschrift am 6. April 32 v. Chr. Eingeweiht wurde. Am 30. August 2015 setzte die Islamistenmiliz dem uralten Heiligtum mit gezielten Sprengungen zu, verursache kaum zu behebende Schäden. Weltberühmt war auch der »Tempel des Baalschamin« in der Oase von Palmyra. Baalschamin gehörte zu einer Göttertriade, zusammen mit dem Mondgott Aglibol und dem Sonnengott Jarchibol. Im 4. Jahrhundert wurde der Tempel zur Kirche umgestaltet. Und am 22. August 2015 sprengte die Terrororganisation» Islamischer Staat« das Heiligtum.

Foto 4: Baaltempel von Palmyra.

Die Römer hatten an der Kreuzung der beiden wichtigsten Straßen Palmyras ein Tetrapylon (vierseitiges Tor-Monument) errichtet. Sie hatten unter großen Mühen sechzehn Säulen aus rosafarbenem Granit von Assuan herbeigeschafft. Der Zahn der Zeit hatte schon arg an dem herrlichen Bauwerk genagt. Nur noch eine der Säulen war ein Original, die übrigen waren durch Kopien ersetzt worden. Zwischen dem 26. Dezember 2016 und dem 10. Januar 2017 wurde das Tetrapylon fast vollkommen zerstört. Nach dem »Palmyra Monitor« (3) hat vermutlich der »Islamische Staat« das Tetrapylon, angeblich einst das schönste seiner Art, gesprengt.

Über Pachacamac liegt bedrückend bleierne Zeit, die scheinbar nur quälend langsam voranschreitet. Die Mari haben hier Tempel gebaut. Die Inkas kamen und zelebrierten ihren eigenen Kult mit dem Sonnengott im Zentrum. Die Inkas, die wir heute noch gern als blutrünstige Barbaren sehen, verhielten sich dem älteren Kult gegenüber sehr viel toleranter als die spanischen Eroberer den Menschen und der Kultur des Inkareiches gegenüber.

Es gab einen fundamentalen Unterschied zwischen dem Glauben der Ureinwohner und dem Glauben der Inkas (4). Die Ureinwohner verehrten eher das Weibliche. Erde, Mond und Nacht waren bei ihnen weiblich. Die Inkas waren eher religiös-patriarchalisch orientiert. Feuer, Sonne und Tag waren bei ihnen männlich. Mit den Spaniern kamen Vertreter des männlichen Elements in seiner schlimmsten Ausprägung nach Südamerika.

Foto 5: Inka-Schlächter Pizarro
Am 16. November 1532 lockte Francisco Pizarro den Inka-Herrscher Atahualpa in eine Falle. Wie verabredet erschien Atahualpa mit mehreren tausend Ratgebern, Offizieren und Bediensteten im Zentrum von Cajamarca. Atahualpa wurde in einer Sänfte getragen. Alle waren wie besprochen unbewaffnet. Dominikaner Bruder Vincente de Valverde trat mit einem Dolmetscher auf Atahualpa zu, erklärte sich zum Gesandten Gottes und des spanischen Throns und forderte Atahualpa ebergisch auf, den katholischen Glauben anzunehmen und sich Karl V. zu unterwerfen. Atahualpa empfand das Ansinnen des »Gottesmannes« als beleidigend.

Er soll sich nach dem fremden Glauben erkundigt haben. Nicht zuletzt dank des mäßig talentierten Übersetzers kam das Gespräch ins Stocken. Ich vermute, dass der Geistliche Atahualpa bewusst provozieren sollte, um die unbewaffneten Inkas angreifen zu können. Warum sonst hatten sich Pizarros Gefolgsleute in den Gebäuden um die Plaza versteckt? Zahlenmäßig weit unterlegen, aber mit effektiven Waffen ausgerüstet, richteten die Spanier ein grausames Blutbad an. Tausende Gefolgsleute Atahualpas wurden niedergemetzelt, Atahualpa selbst wurde gefangen genommen. Gegen ein gigantisches Lösegeld, so versprachen die Spanier, würde der Inka freikommen. Sie hatten wohl nie ernsthaft in Erwägung gezogen, Atahualpa tatsächlich freizulassen. Zu groß war ihre Angst, Atahualpa würde sich rächen.

Atahualpa war schon ermordet, da waren immer noch unvorstellbare Schätze aus dem Inkareich unterwegs. Es soll den Inkas aber gelungen sein, die Kostbarkeiten vor den Spaniern zu verstecken. Bis heute sind riesige Mengen sakraler Kunstwerke der Inkas (vorwiegend aus Gold und Silber), die eigentlich als Lösegeld für Atahualpa gedacht waren, nicht gefunden worden. Sie werden in unterirdischen bei Cuzco und in unterirdischen Kammern im Umfeld von Pachacamac vermutet.Bekannt ist: Am 15. Januar 1533 machte sich Hernando mit vierzehn Reitern auf den Weg nach Pachacamac. Man kann davon ausgehen, dass Inka-Läufer lange vor den Spaniern in Pachacamac ankamen und die Tempelpriester warnten. So wurde wahrscheinlich der größte Teil des Tempelschatzes gerettet, sprich irgendwo in der Wüste vergraben.

Foto 6: Riesenwand des Riesentempels von Malta.

Ich stimme, wie gesagt, mit Ephraim George Squier überein: Auch meiner Meinung nach war Pachacamac das »Mekka Südamerikas«. Aber warum? Warum wurde Pachacamac zum Kultort? Warum wurde Pachacamac zum Sitz eines großen Orakels, schon bevor die Inkas dort ihren Sonnentempel errichteten? Warum wurden vor 6.000 bis 8.000 Jahren auf den kleinen Inseln Malta und Gozo 28 Tempel errichtet? Warum wurden mit immensem Arbeitsaufwand gigantische Steinkolosse verbaut?

Foto 7: Gott oder Astronaut?(Val Camonica)
Warum wurden im doch sehr begrenzten Val Camonica in Norditalien über einen Zeitraum von vermutlich rund 10.000 Jahren hunderttausende Gravuren in den Stein geritzt?

Warum gab es bereits lange vor der Islamisierung in Mekka ein Heiligtum (Kaaba in Mekka), das lange vor Mohammed Ziel von Wallfahrten war? Hubal (5) war ein Mondgott. Sein Bildnis, vermutlich eine Statue aus rotem Karneol, stand einst in der Kaaba. ʿAmr ibn Luhaiy soll das Abbild der alten Gottheit von einer seiner Reisen nach Mekka gebracht haben. Woher das verehrte Kunstwerk stammt, wir wissen es nicht. Angeblich stand es einst an einer Quelle. Hubal war berühmt für seine Orakel. Er würde gut zum Orakel von Pachacamac passen. Wie erfolgreich die Hubal-Orakel waren, das sei dahingestellt. Sehr hilfreich war das Orakel von Pachacamac für die Inkas offensichtlich nicht. Die Inkas sollen es häufig konsultiert haben. Wichtige Entscheidungen wurden stets erst nach Befragung des Orakels getroffen. Offensichtlich hat das Orakel die Inkas nicht vor den Spaniern gewarnt. Oder schlugen die Inkas die Prophezeiungen des Orakels in den Wind? Ja womöglich deuteten sie nebulöse Vorhersagen falsch und schätzten die Spanier vollkommen falsch ein.

Foto 8: Der Omphalos-Stein
In Griechenland markierte der Omphalos-Stein im Apollon-Tempel zu Delphi den »Nabel der Welt«. Das altehrwürdige Kultobjekt war ursprünglich ein Opferstein der Göttin Gaia. »Omphalos« hieß auch der kleine Tempel, der im »Forum Romanum« stand, nach dem Glauben der Römer genau am »Nabel der Welt«.

So gut wie alle Statuen waren umgestürzt, als der holländischen Admiral Jakob Roggeveen das merkwürdige Eiland am Ostermontag den 6. April 1722 »entdeckte«. So kam die Insel zu ihrem Namen. Die Eingeborenen aber nannten ihre kleine Heimat (163 Quadratkilometer) »Te Pito o Te Henua« (Nabel der Welt).  Roggeveen hatte Kap Horn umrundet und war quer durch den riesigen Pazifik gesegelt, in der Hoffnung, einen bis dato unbekannten Kontinent zu entdecken. Roggeveens Vater war mit dem Projekt gescheitert: an der damals schon übermächtigen Bürokratie. Als Vater Roggeveen endlich alle Genehmigungen beisammen hatte, konnte er nicht mehr in See stechen.

Foto 9:  Nan Madol.
Warum wurden vor »Temwen Island« (Pohnpei, Archipel der Karolinen, »Föderierte Staaten von Mikronesien«) mit gewaltigem Aufwand 92 künstliche Inseln geschaffen, um darauf teils gigantische Tempel aus Basaltsäulen zu errichten? Viel einfacher wäre es gewesen, die Tempel auf dem Festland zu bauen, aber es musste offenbar genau dort im Meer geschehen. Warum?

Offensichtlich gibt es auf unserem Globus Orte, die die Menschen  seit Jahrtausenden wie magisch anziehen. Gläubige sehen es als ihre religiöse Pflicht an, diese Orte aufzusuchen. Sie nehmen große Strapazen auf sich, um ans Ziel zu kommen, allen Gefahren zum Trotz.

Warum sind manche Orte so besonders für religiöse Zentren geeignet? Was unterscheidet diese Orte von anderen? Was zeichnet diese besonderen Stätten aus? Was zeichnet Orte aus, die als »Nabel der Welt« bezeichnet wurden?

Hat sich an diesen Orten einstmals Wundersames ereignet? Der Sage nach wurde der erste König von Nan Madol von »Himmlischen« bestimmt, die in fliegenden Schiffen unterwegs waren. Sollte es vor Jahrtausenden wirklich Kontakte mit »Himmelsschiffen« gegeben haben? Wurden die Plätze, an denen sie landeten, für heilig gehalten? Glaubte man, sie besonders verehren zu müssen, weil sie von den »Himmlischen« auserwählt und begünstigt worden sind?

Fußnoten
(1.1) Badde, Paul: »Maria von Guadalupe. Wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte schrieb«, Berlin 2004
(1.2)Fischinger, Lars: »Das Wunder von Guadalupe/ Nicht von Menschenhand«, Güllesheim 2007
(1.3) Hesemann, Michael: »Nicht von Menschenhand – Marienerscheinungen und heilige Bilder: Mysterium – Ungelöste Rätsel der Christenheit, Band 1«, Paderborn 17. September 2015
(2) Squier, Ephraim George: »Peru - Reise- und Forschungs-Erlebnisse in dem Lande der Incas«, Leipzig 1883, S. 85 unten
(3) http://www.palmyra-monitor.net/isis-destroyed-the-tetrapylon-and-part-of-the-roman-theater-in-palmyra/ (Stand 20.06.2018)
(4) Mailahn, Klaus: »Der Fuchs als Tier der Gottheiten Altperus«, eBook, GRIN Verlag, 1. Auflage 8. September 2009, Pos. 40
(5) Nagel, Tilman: »Mohammed/ Leben und Legende«, München 2008

Foto 10: E. George Squier

Zu den Fotos
Foto 1: Die  Kathedrale von Guadalupe, Mexico City. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 2: Eine Statue von Johannes Paul II. steht nahe der Kathedrale von Guadalupe. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 3: Palmyra-Übersicht. Foto wikimedia commons/ James Gordon Stobkcuf
Foto 4: Baaltempel von Palmyra. Foto wikimedia commons/ Zeledi Longbow4u Foto 6: Riesenwand des Riesentempels von Malta. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 5: Denkmal für den Inka-Schlächter Pizarro, Lima, Peru. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 6 Riesenwand des Riesentempels von Malta. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 7: Gott oder Astronaut, Val Camonica. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 8: Der Omphalos-Stein, Nabel der Welt in Griechenland. Foto Ingeborg Diekmann
Foto 9: Eine Monstermauer von Nan Madol. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Ephraim George Squier um 1870. Wikimedia commons public domain


448 »Voodoo-Magie für den Weltfrieden?«,
Teil 448 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«
von Walter-Jörg Langbein,
erscheint am 19.08.2018

Sonntag, 5. November 2017

407 »Astronautengötter und ›Der Heitere Fridolin‹«

Teil  407 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Fotos 1 und 2: »Astronautengötter« aus dem Val Camonica

In grauer Vorzeit waren, so lehrt es uns die Wissenschaft, den »primitiven« Menschen Naturphänomene unbegreifliche Mysterien. Wenn es im Himmel blitzte und donnerte, dann glaubte man an das Wirken mächtiger Götter. Da polterten also die Himmlischen lautstark und schleuderten Feuerspeere. Wenn nun Besucher aus dem All mit Feuer und lautem Gebraus zur Erde kamen, dann konnten das in den Augen der vermeintlich »Primitiven« nur mächtige Götter sein. Skeptiker schlussfolgern jetzt falsch: Wenn vom Himmel hernieder fahrende Flugvehikel Feuer spien, die Erde erzittern ließen und einen infernalischen Lärm verursachten, dann waren das in Wirklichkeit Naturphänomene wie Gewitter, Erdbeben und Stürme. Und schon hat man alte Überlieferungen von kosmischen Besuchern wegerklärt.


Und wenn vor Jahrtausenden an Höhlenwänden merkwürdige Gestalten in plumpen Anzügen verewigt wurden oder als Statuen verewigt wurden, wenn tatsächlich astronautenähnliche Gestalten in harten Stein geritzt wurden, dann haben Skeptiker wieder ein erstaunliches »Gegenargument« parat. Pointiert formuliert: Weil eine steinzeitliche Gravur so aussieht wie ein Astronaut war es keiner. Die Wesen, die wie schwerelos zu schweben scheinen, die vor Jahrtausenden im norditalienischen Val Camonica immer wieder in den Stein gemeißelt wurden, die sehen eben nur so aus wie Astronauten im Raumanzug, waren aber keine.

Natürlich ist nicht alles das, wonach es auf den ersten Blick aussieht. Man darf aber keineswegs schlussfolgern, dass nichts das es, wonach es aussieht. Oder anders ausgedrückt: Eine Malerei, das ein Wesen zeigt, das einen Raumanzug zu tragen scheint – wie etwa die berühmten Ritzzeichnungen im norditalienischen Val Camonica – müssen nicht, aber können sehr wohl tatsächlich Wesen im Raumanzug zeigen. Wie schon Freud sagte: »Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre.« Oder anders formuliert: Manchmal ist etwas genau das, wonach es aussieht. Etwas, was wie eine Zigarre aussieht, kann sehr wohl eine Zigarre sein. Oder etwas, was wie ein Wesen im Raumanzug aussieht, ist womöglich auch tatsächlich ein Wesen im Raumanzug und nichts anderes.

Fotos 3 und 4: »Astronauten«, scheinbar schwerelos

Ein hoher Kirchturm ist keine stilisierte Rakete, auch wenn die Ähnlichkeit unbestreitbar ist. Ein indischer Tempel freilich kann sehr wohl, das ist uralte Tradition, mit Raumfahrt in Verbindung gebracht werden. Als »vimanas« werden in Jahrtausende alten Epen die Flugvehikel der Götter bezeichnet, »vimanas« waren aber auch Tempel, als Abbildungen der Flugapparate der Götter. Wenn uralte indische Tempel Nachbildungen von Vehikeln der Astronautengötter sind, dann ist es meiner Meinung nach nur plausibel, dass es auch uralte Nachbildungen von außerirdischen Wesen in Raumanzügen gibt.

Eine Frage, die mich seit Jahrzehnten beschäftigt: Wie würden wohl »primitive« Völker vor Jahrtausenden Außerirdische in Raumanzügen beschreiben und vor allem darstellen, denen Raumfahrttechnologie wie Magie erschienen sein muss. Oder wie etwas Überirdisches, ja Göttliches. Mir kommt die apokryphe »Abrahamapokalypse« in den Sinn. Sie berichtet – wie ich meine – über Abrahams Kontakte mit »Astronautengöttern«. Zwei Fremde besuchen Jung-Abraham. Einer spricht ihn an. Abraham erschrickt (1):

»Als ich die Stimme hörte, die solche Worte sprach, da sah ich bald hierhin und bald dorthin. Nicht eines Menschen Atem war’s.« Angesichts der Fremdartigkeit seiner Besucher wird Abraham ohnmächtig: »Und so erschrak mein Geist, und meine Seele floh aus mir. Ich wurde wie ein Stein und fiel zu Boden, weil ich nicht mehr zum Stehen Kraft besaß.«

Fotos 5 und 6: In Stein gravierte »Astronautengötter«?

Schließlich erlebt Abraham auch eine Himmelsreise, die in Kapitel 5 der »Abrahamapokalypse« beschrieben wird (2): »Und es geschah bei Sonnenuntergang, da gab es Rauch wie Rauch aus einem Ofen. ... So trug er mich bis an der Feuerflammen Grenzen. Dann stiegen wir hinauf, so wie mit vielen Winden, zum Himmel, der da ob dem Firmament war.« Abraham erspäht ein Raumschiff, eine Raumstation (3): »Ich sehe in jener Höhe, die wir bestiegen, ein mächtig Licht, nicht zu beschreiben, und in dem Licht ein Feuer, darinnen eine Schar, ja eine große Schar von mächtigen Gestalten,...die Worte rufen, wie ich sie nicht kannte.«

Ist es zu spekulativ davon auszugehen, dass Abraham in jungen Jahren Astronauten von einem fremden Planeten begegnete? Offensichtlich waren die beiden Wesen, die ihn aufsuchten, menschenähnlich, aber doch keine Menschen: »Nicht eines Menschen Atem war’s.« Sie atmeten wie Menschen, waren aber keine Menschen. Es ist kein Wunder, dass Abraham ohnmächtig niedersank. Was dann folgt klingt in meinen Ohren sehr nach einer realen Begebenheit. Abraham wird zum Zubringerschiff der Fremden gebracht. Im All erspäht er eine riesige Raumstation, die sich – wie er weiter beschreibt – um die eigene Achse drehte, so an Bord künstliche Schwerkraft erzeugend.

Bei Abraham liest sich das so (4): »Der hohe Ort, worauf wir standen, bald stand er aufrecht da, bald drehte er sich abwärts.« So etwas wie eine Luke wird geöffnet (5). Abraham beobachtet, dass mal die Sterne oben, mal unten zu sehen sind (6). Genau so sieht es aus, wenn man sich in Erdnähe in einem radförmigen Riesenraumschiff befindet, das sich um die eigene Achse dreht: Mal ist die Erde unten und die Sterne befinden sich oben, mal ist es umgekehrt. Wie war es dem jungen Abraham möglich, ein Szenario zu beschreiben, das wir nur aus Science-Fiction-Filmen wie »2001 –  Odyssee im Weltraum« kennen?  Unvergesslich ist die Szene aus diesem Film-Klassiker: ein radförmiges Raumschiff dreht sich um die eigene Achse, mal sind die Sterne oben, mal unten, mal ist die Erde oben, mal unten.

Fotos 7-9: Kirchtürme, keine Raketen

 Leben überschreitet immer Grenzen: Aus dem Meer an Land, aus der Höhle in den Wald, aus dem Wald übers Gebirge, vom Strand übers Meer. Eines Tages wird der Mensch, so er sich nicht vorher selbst ausgelöscht hat, die Grenze zum All überwinden und eine kosmische Reise antreten. Kann es sein, dass Wesen auf fernen Planeten längst die Reise ins All angetreten sind? Gelangten einige von ihnen zur Erde?

Wir Bewohner von Planet Erde haben seit es Leben in primitivster Firm gibt immer wieder Grenzen überschritten. Wie reagieren wir, wenn andere so eine Grenze überwinden, die wir für unüberschreitbar hielten? Was geschieht, wenn Besucher aus dem Kosmos zur Erde kommen, wo wir doch solche Besuche für unmöglich halten? Was geschieht, wenn Küstenbewohner, die den Ozean für unüberwindbar halten, erleben, dass Schiffe von jenseits des riesigen Meeres ihr Ufer erreichen?

Was geschieht, wenn »primitive« Küstenbewohner erleben, wie ein Taucher aus den Fluten steigt und umhüllt von einem Anzug an Land kommt?

Von 1921 bis 1928 erschien im Berliner Ullstein Verlag die in jener Zeit bekannteste  aller verkauften  Kinder- und Jugendzeitungen »Der heitere Fridolin«. Ende der 50er Jahre bis 1961 erschien in Westdeutschland unter gleichem Namen wieder eine Kinderzeitschrift, die freilich mit dem Original nichts zu tun hatte. »Der heitere Fridolin« hatte einen Umfang von 16 Seiten und erschien halbmonatlich. Geboten wurden Berichte über Wissenswertes aus aller Welt, aber auch Kurzgeschichten, Rätsel, Witze, Comics  sowie Bastelanleitungen.

Foto 10: Cover 2. Februarheft 1928
Die »Nummer 1« eines Jahrgangs kam im Oktober heraus, »Nummer 26« im September des folgenden Jahres. Der 7. Und letzte Jahrgang erschien 1927/28. Im 2. Februarheft des Jahres 1928 gab es einen verblüffenden Bericht zu lesen. Geschildert wird, wie »primitive« Eingeborene reagieren, als ein mysteriöses Wesen den Fluten des Meeres entsteigt!

Fußnoten
1) Abrahamapokalypse Kapitel 10, Verse 1 und 2
2) Abrahamapokalypse Kapitel 15, Verse 1, 4 und 5
3) Abrahamapokalypse Kapitel 15, Vers 6
4) Abrahamapokalypse Kapitel 17, Vers 3
5) Abrahamapokalypse Kapitel 19, Vers 4
6) Abrahamapokalypse Kapitel 20, Vers 3


Zu den Fotos
Fotos 1 und 2: »Astronautengötter« aus dem Val Camonica. Fotos Walter-Jörg Langbein
Fotos 3 und 4: »Astronauten«, scheinbar schwerelos. Fotos Walter-Jörg Langbein
Fotos 5 und 6: In Stein gravierte »Astronautengötter«? Fotos Walter-Jörg Langbein
Fotos 7-9: Kirchtürme, keine Raketen. Fotos Walter-Jörg Langbein
     Foto 7: Kirchturm Marienkirche, Lügde. Foto Walter-Jörg Langbein
     Foto 8: Kirchturm St. Marien, Bad Segeberg. Foto Walter-Jörg Langbein
     Foto 9: Kilians-Kirche, Lügde. Foto Walter-Jörg Langbein
Foto 10: Cover 2. Februarheft 1928. Foto Archiv Walter-Jörg Langbein

408 »Götter aus dem All?«,
Teil  408 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 12.11.2017



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Sonntag, 4. Oktober 2015

298 »Wie aus einem Riesen-Krieger eine Riesen-Göttin wude!«

298 »Wie aus einem Riesen-Krieger eine Riesen-Göttin wude!«
Teil 298 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         
von Walter-Jörg Langbein


Das seltsame Gesicht...
Angefangen hat es am 27. Juli 1978 in Chicago. Damals hielt ich  im Rahmen der 5. Weltkonferenz der A.A.S. (»Ancient Astronaut Society«) einen Vortrag mit dem Titel »Rock drawings of Val Camonica« (»Felszeichnungen von Val Camonica«).  Ich zeigte Dutzende von Felszeichnungen, die meiner Meinung nach fremdartige Wesen in Raumanzügen darstellen.

Ein Teilnehmer drückte mir ein abgegriffenes Foto in die Hand. Es zeigte ein seltsames Gesicht (Foto links!), oval mit Augenbrauen, Augen, Nase und einem angedeuteten Mund. »Das ist ein riesenhafter Astronaut, vielleicht über einhundert Meter hoch… irgendwo in England! Man hat vor Jahrtausenden diese Riesenzeichnung geschaffen, zur Erinnerung an außerirdische Besucher!«

Vergleichbar sei das gigantische Kunstwerk mit dem »Weißen Pferd« von Uffington. Es ist eine uralte, in England weit verbreitete Technik. Man trägt gezielt Gras und Erdreich bis auf den darunter liegenden Kalkstein ab, so dass ein Bild entstand, so als habe man es mit weißer Farbe aufgetragen. »Weiße Pferde« gab es vermutlich zu Hunderten in England. Über die Bedeutung dieser weißen Pferde wird seit Jahrhunderten diskutiert. Im Volksglauben Englands gilt das weiße Pferd, das auftaucht und wieder verschwindet als »Manifestation der Anderswelt«, des Jenseits.

Seit 1978 habe ich immer wieder nach dieser seltsamen Darstellung eines riesenhaften Astronauten in England geforscht, leider ohne Ergebnis. Dann erfuhr ich von Mythen, die von Kriegern berichteten, die den Himmel erobern wollten. Bei meiner intensiven Recherche in Sachen »Astronautengötter« kam mir eine weitere lokale Überlieferung zu Ohren. Man habe vor langer, langer Zeit bei »Fleam Dyke« alias »Mutlow Hill« bei Fulbourn, Cambridgeshire, England, ein »goldenes Fahrzeug«, vielleicht eine Art Streitwagen vergraben.  Beim Studium von Kartenmaterial entdeckte ganz in der Nähe des mysteriösen »Mutlow Hill« eine kleine Hügelgruppe mit dem seltsamen Namen »Gogmagog«.

Der Riese von Cerne Abbas aus der Nähe...

Gog, so schreibt der Prophet Hesekiel im »Alten Testament« (1), war ein Stammesfürst im Lande Magog. Gog soll sich mit den Mächten der Finsternis gut ausgekannt haben, war vielleicht so etwas wie ein Schwarzmagier. In der nach Johannes benannten »Apokalypse« (2) heißt es, dass der Satan selbst am Ende der Zeit die Völker Gog und Magog verführen und  zum Kampf gegen seine Feinde versammeln wird.

Warum wurden Hügel in England »Gogmagog« genannt? Sollte es in jenen Gefilden so etwas wie einen heidnischen Kult gegeben haben? Vergeblich habe ich bei »Fleam Dyke« –  alias »Mutlow Hill« – nach Hinweisen auf Gog und Magog gesucht. Erst im Raum Plymouth wurde ich fündig. Dort gab es einst Riesenbilder, vergleichbar mit dem Giganten von Cerne Abbas, die diese Bezeichnung verdient haben. Sie stellten Gog und Magog als Riesen dar!

Die Zitadelle von Plymouth

Noch im 17. Jahrhundert sollen sie zu sehen gewesen sein. Sie wurde lange Zeit – so berichtet C.W. Bracken (3) in seinem Standardwerk über die Geschichte von Plymouth – in regelmäßigen Abständen gereinigt und so erhalten.  King Charles II (1630-1685) ließ eine gewaltige Zitadelle als Verteidigungsanlage zur See hin bauen. Dem massiven Bollwerk fielen die beiden Riesen Gog und Magog zum Opfer. Sie wurden zerstört.

Wann und warum die beiden Riesen an der Küste von Plymouth geschaffen worden sind? Wir wissen es nicht. Angeblich hielten beide in ihren hoch gestreckten Armen Keulen wie ihr – zum Glück noch erhaltener – Kollege Riese von Cerne Abbas. Sollten sie schon frühe Seefahrer abschrecken? Waren es gigantische Symbole, vielleicht eines Fruchtbarkeitskults?

Der Riese von Cerne Abbas aus der Ferne.

Bei »Fleam Dyke« alias »Mutlow Hill« (Fulbourn, Cambridgeshire, England) gab es meinen Recherchen nach ebenfalls einen Kalkriesen. Heute lockt ein nobler Golfkurs Sportbegeisterte an, früher war es ein magisch-mystischer Riese.

Der Name »Gogmagog«-Hügel taucht erstmals anno 1574 in einer schriftlichen Urkunde auf. Den »Gogmagog« Riesen mag es schon früher gegeben haben. William Cole, angesehener Antiquar in der Universitätsstadt Cambridge, berichtet, man habe ihm in Kindertagen um 1724 immer wieder den Riesen von Gogmagog gezeigt. Damals muss das überdimensionale Scharrbild eine Art örtliche Touristenattraktion gewesen sein.

Im Jahr 1605 erschien in Frankfurt ein bemerkenswertes Buch aus der Feder von Bischof  Joseph Hall, gefolgt von einer Ausgabe in englischer Sprache… über den »Gogmagog«-Riesen. Der sei von »unglaublicher Größe« gewesen. Anno 1640 ging der Historiker John Layer, Cambridge, auf den Riesen ein. Seiner Überzeugung nach verdanken die »Gogmagog«-Hügel dem Kreise-Giganten ihren Namen.

Bis heute ist unklar, wer wann und warum das Riesenbildnis erschaffen hat und wann es wieder unter Erdreich und Gras verschwand. 1954 nahm sich eine schillernde Persönlichkeit des Rätsels von »Gogmagog« an: Thomas Charles Lethbridge (1901-1971), der auch Archäologe war. Nachdem Lethbridge unterschiedliche Beschreibungen aus unterschiedlichen Zeiten sorgsam studiert hatte, begann er mit Engelsgeduld zu »sondieren«. Mit metallenen Stangen wurde im Erdreich herumgestochert, wurde lockereres Auffüllmaterial entdeckt.

Der Riese ist eine Göttin mit Busen
Zur Erinnerung: Auch der »Gogmagog«-Riese entstand dadurch, dass seine Konturen von Gras und Erdreich befreit wurden, bis der weiße Kalkstein durchkam. Die Linien, mit denen das große Bild »gezeichnet« worden waren, bestanden aus Gräben bis zum hellen Kalkstein. Irgendwann wurden diese Gräben vielleicht bewusst wieder aufgefüllt.

Vielleicht haben auch Wind und Wetter die Gräben zum Verschwinden gebracht. Das Material in den Gräben ist weicher als das umgebende Erdreich. Wenn man nun mit viel Geduld möglichst viele Löcher ins Erdreich piekt, kann man erkennen, wo einst die Gräben verliefen… die Linien der Riesenzeichnung vom Riesen!

Thomas Charles Lethbridge staunte nicht schlecht, als er zunächst auf das ovale Gesicht seines Riesen stieß Foto links!). Mund und Augenbrauen waren klar auszumachen, die Augen wirkten starr, verliehen dem Gesicht etwas Maskenhaftes. Verblüfft war Lethbridge, als bei seinen Metallsondierungen etwas ganz anderes herauskam als er erwartet hatte, nämlich kein männlicher Riese wie der von Cerne Abbas. Sondern offensichtlich ein weibliches Wessen mit klar erkennbarem Busen. Lethbridge stocherte und suchte weiter, das rekonstruierte Bild wurde immer größer.

Lethbridge fertigte eine maßstabsgetreue Zeichnung seines Fundes an und konsultierte Sir Thomas Kendrick vom »British Museum«, London. Kendrick gratulierte zur Entdeckung, meinte Teile der Darstellungen eines Pferdes ausmachen zu können. Cyril Fox, angesehener Kenner keltischer Kunst, studierte die zeichnerische Rekonstruktion und telegrafierte seine Interpretation. Demnach  ist die keltische Gogmagog-Pferde-Göttin Epona mit zwei Pferden dargestellt, ähnlich wie die Epona von Kapersburg (Foto ganz unten!).

Und ich staunte nicht schlecht, als ich das ovale Gesicht in einer zeichnerischen Rekonstruktion sah… Die Göttin mit dem ovalen Gesicht kannte ich doch. Jahrzehnte zuvor, am 27. Juli 1978, hatte man mir in Chicago ein Foto gezeigt…

Nur war der vermeintliche »Außerirdische« eine Göttin, vermutlich Epona. Sie hieß Diana bei Römern, Epona bei den Kelten und war für Pferde und den Mond zuständig, als »Erd-Mutter« und »Mondgöttin«.

Ein Epona-Relief wurde bei Ausgrabungen im Limeskastell Kapersburg gefunden. Es befindet sich im Wetterau-Museum in Friedberg… Da kann durchaus die gleiche Göttin dargestellt worden sein  wie in den Gefilden von »Gogmagog«.

Streitwagen und Krieger...
Lethbridge sondierte und sondierte. Schließlich glaubte er drei Darstellungen unterschiedlicher Art ausfindig gemacht zu haben, auf einer Fläche von etwa einhundert Metern Länge und dreißig Metern Höhe: In der Mitte Erdmutter Epona, rechts daneben eine Art Streitwagen mit einem martialischen Krieger, der ein mächtiges Schwert schwingt.

Links neben Epona wurde ein Wesen von bizarren Formen verewigt. Seine geschwungenen Linien könnten weite Kleidung, einen wehenden Umhang darstellen. Bei diesem Wesen handelt es sich angeblich um einen Sonnengott, um den Partner der Mond- und Muttergöttin. Lethbridge, dessen Entdeckung bis heute von der Wissenschaft nicht anerkannt wird, hält es für möglich, dass die drei Elemente des riesigen Bildes zu unterschiedlichen Epochen entstanden.

Ich frage mich: Wurde der emsige Forscher Lethbridge Opfer seiner eigenen Fantasie?  »Entdeckte« er nur, was er finden wollte? Rekonstruierte er lediglich seine eigenen Vorstellungen? Das trifft nicht zu. Hat er doch einen kriegerischen Riesen, vermutlich mit Keule und großem Penis erwartet… und eine Göttin mit üppigen Brüsten gefunden.


Epona von Kapersburg
Fußnoten

1) Hesekiel Kapitel 38 und 39
2) Kapitel 20, Vers 8
3) C.W. Bracken: »A History of Plymouth and her Neighbours« Plymouth 1931, S. 4

Zu den Fotos

Das seltsame Gesicht.. Göttin, kein Astronaut!: Archiv   
Walter-Jörg Langbein

Der Riese von Cerne Abbas aus der Nähe: wiki commons/  
Pete Harlow 

Die Zitadelle von Plymouth: wiki commons/ GeographBotDerek Harper


Der Riese von Cerne Abbas aus der Ferne: wiki commons/ 
Pete Harlow

Der Riese ist eine Göttin mit Busen: Archiv Walter-Jörg Langbein

Streitwagen und Krieger...: Archiv Walter-Jörg Langbein

Epona von Kapersburg: wiki commons/ Lumpeseggl




299 »Peitschenmann, Gans und Monster«,
Teil 299 der Serie
»Monstermauern, Mumien und Mysterien«                         


von Walter-Jörg Langbein,                       
erscheint am 11.10.2015


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